Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 17 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11 Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Der .Verband der deutschen Juden" und der „Deutsch-Israelit. Gemeindebund" haben gemeinsam ein Zirkular hcransgcgeben, das den jüdischen Gemeinden Preußens für die Wahrung ihrer Interessen bei der Ueberleitung des Schulwesens in die vom Gesetz vom 28. Juli 1906 geordneten neuen Verhältnisse Fingerzeige gibt. Personalien. Frankfurt a. M. Am 4. Pesachtag starb unerwartet infolge eines Gehirnschlagcs Herr Charles L. H a l l g a r t e ». Wir haben inunserer heutigen Nummer die Bedeutung dieses Mannes gewürdigt; deshalb seien an dieser Stelle nur persönliche Daten gegeben. Charles .8. Hällgarten war am 18. November 1838 in Mainz geboren. Sein Vater wanderte nach Amerika aus und gründete vor fast 60 Jahren das Bankhaus Hallgnrten u. Co., das nbch heute besteht und in dem er bis zum Jahre 1875 wirkte. Zwei Jahre später zog er sich vom Geschäft zurück und siedelte 'cufö Gesundheitsrücksichten nach Deutschland über, loo er seine» Wohnsitz in Frankfurt nahm. Er wandte sich wohltätigen Bestrebungen zu, denen er bald seine ganze Arbeitskrast widmete. Ueberall sah er n'buc Wege für die öffentliche und private Wohltätigkeit und wurde zum Begründer vieler wohltätiger Institutionen, wie sie bisher und'in solcher Ausgestaltung kauin bestanden. Er war Begründer oder Mitbegründer des Vereins für die Jdiotenanstalt zu Idstein, der Aktienbangesellschast für kleine Wohnungen, des Vereins für Kinderhorte, des Asyls für Obdachlose, der Zentrale für private Fürsorge, des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. In fast allen Stiftungen und Vereinen stand er an erster Stelle, so im Ausschuß für Volksvorlesungen, im Rhcin-Mainvcrband für Volksbildung, im Verein Reichswohnungsgesetz, im israelitischen Hilfsvcrein, im Gumpertzschen Sicchenhaus nsw. Er nahm sich als Mitglied des Präsidiums der „Alliance Universelle Jsraelitc" und der „Jea" mit besonderer Fürsorge seiner unterdrückten Brüder in Rußland an, für deren Ilntcrstühung er unendlich viel getan hat. Es jst unmöglich, sich von dem gewaltigen Umfang der gemeinnützigen Tätigkeit Hallgartens auch nur ein -annäherndes Bild zu machen. Neben der öffentlichen Armenpflege hat er Unzählige noch privat unterstützt, wofür er ein besonderes Bureau unterhielt. Die Beerdigung Charles Hallgartens war ein wahrer „Kiddusch Haschem". Die angesehensten christlichen Persönlichkeiten Frankfurts folgten seiner Bahre; der Oberbürgermeister, Oberkonsistorialrat Ehlers, Pfarrer Battenberg, Abgeordneter Dr. Theodor Barth und zahlreiche andere gaben an seinem Grabe des großen Verlustes Ausdruck. Ein Hcsped durfte ihm wegen der Fesieszeit nicht gehalten werden; die Ziabbiner der Jsr. Gemeinde werden aber nach Ablauf des Monats Nissan den großen Toten in Hespedim würdigen. Berlin. Geh. Sanitätsrat Dc Louis Hofsin an n ist im Alter von 65 Jahren und der bekannte Notar und Rechtsanlvalt beinl Kamniergericht Justizrat S i g ni u n d Fr i c d l ä n d e r im Alter von 58 Jahren verschieden. Berlin. Die Sanitätsräte Dr. Jakob Ewer und Dr. Ep h rat Stern erhielten den Titel Geheimer S a n i t ü t s r a t. Den Aerzten Dr. T h e o d o r A P o l a n t, Dr. Alfred Friedländer, Dr. Paul Friedlände r, Dr. Josef Großer, Dr. H e r m a n n Jakob, Dr. Emil L ö v ins o n, Dr. R- R Lima n n, Dr. Paul Rosenberg, Dr. Arnold S tra ßm ann, Dr. Alfred Wolfs -Berlin, Dr. W. E l i a s s o w-Königsberg, Dr. Siegs. Lichtenst e i n - Posen, Dr. A l p h o n s H i r s ch b e r g - Deutsch-Lissa, Dr. H. S e l i g m a n n und Dr. E. R o sen b a um - Frankfurt a. M. wurde der Titel Sanitätsrat verliehen. Berliit. Der Präsident der Berliner Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat Wilhelm Herz, feierte heute seinen 85. Geburtstag. Dem Präsidenten hat die Last der Jahre noch nicht das geringste von jugendlicher Frische und Regsamkcit und von wärmendem Humor genommen.' Um die Entwickelung des Berliner Handels und um die Förderung der Organisation der Berliner Kaufmannschaft hat sich Geheimrat Herz große Verdienste erworben. Sein Palais hinter dem Kastanienwälachen ist eine der anziehendsten gesellschaftlichen Stätten Berlins. München. Professor Dr. Leo Graeiz ein Sohn des jüd. Geschichtsforschers Prof. Dr. H. Grätz, wurde zum Ordin a'rins für Physik und'Elektrizität an der hiesigen Universität befördert. Hugo von Hirsch auf Gereuth wurde der Orden vom heiligen Michael verliehen. Köln a. Rh. Landgerichtsrat Alfred Salom o n wurde zum Oberlandesgerichts rat bei dem hiesigen Oberlandesgericht befördert. kl Gmesen. Der seit 34 Jahren der Stadtverordnetenversammlung und verschiedenen städtischen Bcrwaltungsdeputationen angehörende Rentier Joseph Kozhwynez ist im Alter von 85 Jahren verschieden. London. Premierminister A s q u i t h hat das jüdische Parlamentsmitglied E. S. M o n t a g n zu feinem Privatsekretär gemacht. New-Nork. General Adolf Meyer ist im Alter von 66 Jahren g e st o r b e n. M. wurde 1842 in Natchez (Mississippi) geboren, absolvierte die Universität und trat 1862 in die kouföderierte Armee ein, ivo er es durch seine Tüchtigkeit allmählich zum Range eines Gencraladjutantcu brachte. Nach Beendigung des Krieges wurde er das Oberhaupt einer großen Baumwolle- und Zuckerplantagengesellschaft in New Orleans. Seit 1890 war er Mitglied des Kongresses. — RosaOIitzka, die bekannte Prima-Donna an der Dom Carlos-Oper, Tochter eines Oberkantors in Berlin, hat sich mit Boris Sinai in Chicago v e rheiratet. Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Franks. Jsr. Fbltt. gingen für den Nationalfonds ein: Die Zionistische Ortsgruppe Frankfurt a. M. spendet auf den Namen ihres Verdienstvollen Nationalfondskommissars, Herrn David Hamburger, einen Baum im Herzlwald 6,— JL Die Zionistische Ortsgruppe Frankfurt a. M. spendet ihren ausscheidendcn Borstandsiuitgliedern, den Herren Dr. med. Jakob Feuchtwanger, Josef Hackcnbroch und Lehrer Baruch Stern in Anerkennung ihrer langjährigen eifrigen Tätigkeit im Vorstande bcr Ortsgruppe je einen Baum auf deren Namen — 3 Bäume im Herzlwald 18,— „ Saly Geis statt Depesche zur Hochzeit Jda Emden — Max Rehbock 0,50 „ Frankfurt a. M. Bet der Kommission für den jüd. Nationalfonds zu Händen des Herrn Dav. Hamburger, Grünestr. 29 ging ein: Beruh. Jsaalsohn, Elkenbachstr. 4 Dr. Weinbcrg's' Kinder Sani. Rosenthal, Neue Zeit Frau Dr. Fiebermanu, Ob. Mainanl. l Josef Japhet, Nhlandstr. 23 Osteuropäisches Lehrerseminar Benno P. N. N. Abba Ettlingcr, Ilhlandstr. 00 I. Steigcrwald, Uhlandstr. 42 7,10 AL 1,50 , 3,o0 , 4,60 2,02 1,65; 1,39 , 0,32 . 12,15 , 3,~ 37,23 AL Berlin. Das Zionistische A.-B.-C-Buch (Preis broschiert 2,75 AL, gebunden 3,50 JL) wolle man bei dem „Ccntralbureau der Zion. Vereinigung für Deutschland", Chartottenburg, Bleibtreustr. 49, sofort bestellen, da die Auflage nur eine sehr kleine ist. Der Versand erfolgt nur gegen Voreinsendung des Betrages, und sind 60 Pfg. für Porto beizufügen. Berlin. Deutscher Delegiertentag 1908. Der 11. Dclegiertentag findet am Montag, 8. und Dienstag, den 9. Juni (Pfingsten) in Breslau, Hotel „Vier Jahreszeiten". Gartenstr. 66/70 statt. Dem Delegiertentage wird eine Sitzung des Zentralkomitees am Sonntag, den 7. Juni vorausgehen. Zn dein Dclegiertentag Ivählt jede Ortsgruppe einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 50 Schekelzahlern 2 Delegierte und Ortsgruppen von über 100 je einen Delegierten für jedes weitere angefangcire Hundert. Die Mitglieder des Zentralkomitees haben «sitz und Stimme auf dem Delegiertentag. Herren und Dame», welche bereit sind, ein Mandat außerhalb ihrer Ortsgruppe anzunchmcn, wollen dem Zentralbüro der Zion. Bereiiiigung für Deutschland (Berlin-Charlottenburg 2, Bleibtreustr. 49) dies baldigst Mitteilen. Berlin. Deutscher Delegicrtentag 1903 Teilnehmer an dem Delegiertentag wollen sich baldigst niit dein Zionistischen Bureau, Breslau VI, Königsplatz 3 b, wegen Logis, Reservierung von Zuhörerkartcn nsw., in Verbindung setzen. Es wird um Angabe gebeten, ob Privat- oder Hotelzimmer gewünscht wird und ungefähr in welcher Preislage. Sehr erwünscht ist auch jetzt bereits die Angabe, ob an dem gemeinsamen Mittagessen am Montag Mittag im Saale der Lessingloge (Kouvert exkl. Wein 3 JL) teilgenommen wird. Hamburg - Altona. In der ztont st. Ortsgruppe hielt D r. Willy Unna- Kiel einen Vortrag über das Thema: „Volk u n d B o d e n". Der Redner legte in seinen wissenschaftlich durchdachten Ausführungen den Zusammenhang zwischen Boden und Gestaltung der Kultur und des Charakters eines Volkes dar und beleuchtete von diesem Standpunkte aus auch die Judenfrage. Hierauf ergriff D r. Israel A n e r b a ch das Wort) um sich über das Verhältnis der Zionisten zur deutschen G e s a m t p o l i t i k zu äußern. Wie bei der Sozialdemokratie die Verelendungstheorie gefallen ist, sei mau auch in der zion Bewegung zu der Einsicht gelangt, baß die jüdischen Massen am Kampfe für den Zionismus mehr Schwungkraft und Energie mitbringen, wenn ihre gegenwärtige Lage menschenwürdiger wird. Der bloße Anschluß an die freisinnigen Parteien genüge nicht zur Wahrung unserer jüdischen Interessen; wenn aber diese Parteien im Parlamente ihre Stimme für die Juden erhebe», so müsse diese Leistung als eine politische empfangen und bewertet werden. Die Beteiligung am öffentlichen Leben erfordere nicht den Anschluß der Zionisten an eine bestimmte Partei, nötige aber, alle Mittel zu benutzen, die geeignet sind, die rechtliche und soziale Lage der Juden zu rcrbesscrn. In diesem Kampfe müssen die Zionisten trotz prinzipieller Gegensätze mit den anderen Juden und ihren Organisationen Hand in Hand gehen. Eine angeregte Debatte beschloß die Versammlung. Wien. Die Saminelstclle des jüd. R a t i o n a l f o n d s für O e st e r r e i ch versandte au die KuItnSgemeindcu nachstehendes Zirkular: „Löblicher Vorstand! Sehr geehrte Herren! Die Sammelstelle des jüdischen Natioualfoudes für Oesterreich erachtet eS für ihre Pflicht, die Vorstände der israelitischen Kultusgemeinden immer von neuem auf die große Bedeutung üeS jüdischen Rationalsondes aufmerksam zu machen. Diese Institution, die dazu dienen soll, den jüdischen Flüchtlingen, die im nnverjieglichen Strom die Welt durchziehen, anstatt einer augenblicklichen eine dauernde Hilfe zu verschaffen, verdient aus mannigfachen Gründen die Förderung seitens der verehrlichen Kultusgemeinden. Sobald nämlich der Fond über genügend große Mittel verfügen wird, um das Zgnd für die jüdischen Flüchtlinge anzukaufen, wird der Anfang gemacht, die fortwährenden Wanderer bodenständig zu mache». Dadurch ivird das große Werk zentralisiert und auch ein Teil der Lasten von den Schultern der Kultnsgemeinden genommen. Der Fond hat bis jetzt die Höhe von 1,650,000 Kronen erreicht und nur durch großzügige Spenden kann er auf eine solche Höhe gebracht werden, daß man endlich mit seinen Mitteln arbeiten kann. Es naht die Stunde, wo wir wieder an festlichen Wenden zurückdenken an .die Zeit der Gefangenschaft und Befreiung Israels. Wenn der Familienälteste die Schilderung der Leiden unseres Volkes aus der Chronik vorlicst, wenn unser Gefühl mächtig bewegt wird, sollen wir da nicht der Leiden unserer jetzt lebendeir Brüder gedenken und zur Abhilfe beisteuern? Werte Herren! Das jüdische Volk verlangt eine dauernde Hilfe: das Instrument dazu ist der jüdische Nationalfond. Es ist die Pflicht eines jede» bewußten Juden, die Institution des Nationalfonds zu unterftiitjc ir. Wir stellen daher an den verehrlichen Vorstand das (höfliche Ersuchen, er möge in der nächsten Sitzung beschließen, dem jüdischen Ratio n a l f o n d s eine Spende z u z u w e i s e n." Karlsbad. Der Verein Zion har beschlossen, ein aus Kur g ästen b e ft e h e n d e s Komitee zu gründen, das während der Saison die Agitation für den Zionismus besorgt und sich fortgesetzt aus neiinnkommeiiden .Kurgästen ergänzt. Das Komitee arrangiert mit Hilfe des Vereins Ausflüge, Vorträge und Vorlesungen. Ein Mitglied des Komitees hält im Restaurant „Lincoln", Egerstraße, täglich von 12—2 Uhr Amtsstunden, und jeden Mittwoch, abends 8 Uhr, wird in dem gleichen Restaurant eine größere Versammlung mit Vortrag veranstaltet. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Die unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Jakob Horovitz stehende Israel. R e k k g i o n s s ch u l e unterrichtete im abgelaufenen Schuljahre 488 Schüler und Schülerinnen, und zwar in der Schule am Hermesweg 321, in der Schule an der Unterlindan 58, in dem Kursus für galizische und russische Knaben 23 und in einigen städtischen höheren Schulen, in denen die Zahl der Schüler für eine Uebernahme des Religionsunterrichts seitens der Stadt nicht groß genug ist, 86. Mit dem abgelaufenen Schuljahre legten Fräulein 'Adele Strauß und Herr Heinrich Stamm ihr Lehramt nieder, dagegen ist mit dem beginnenden Schuljahre Herr Heinrich E i n st ä d t e r in das Lehrerkollegium eingetreten. Berlin. Dr. Max Schlössinger. bisher Professor an dem „Hebrew Union College" in Cincinnati, ist in das Dozentenkollegium der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" eingetreten. Höchberg bei Winzburq. Am letzten Tag Pesach v e r st a r b dahier der verdienstvolle Hauptlehrer und Leiter der israel. Präparandenschule Herr Nathan E s ch w ege. E. hatte 33 Jahre an der schule gewirkt und seine Schüler, nun selbst im Lehrberufe stehend, zählen nach Hunderten. Eiserne Pflichttreue und peinliche Gewissenhaftigkeit, strengjüdische Frömmigkeit und hohes Wissen zeichneten den Heimgegangenen ans. Arbeit war seine Lebensfreude, sein Lebensgenuß. Seinen Zöglingen war er nicht nur ein tüchtiger Lehrer, er sorgte auch für deren materielles Fortkommen wie ein treuliebender Vater. Die Anstalt, eine Schöpfung des uuvergeßlichen Rabbi Elosor Ottensoser s. A., fand unter seiner Leitung gar manche Förderung inbetreffS der inneren Ausgestaltung und materiellen Fondicrung. Unermüdlich arbeitete er für das Wohl und Gedeihen der Schule, deren Vertretung der Regierung gegenüber in seinen Händen lag. Neben der anstrengenden Berufsarbeit