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Neue jüdische Presse · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Sette lü. Krmrffmcler JstaEWeS KaMieMatt. llir. 15 ordentlich zahlreich besucht war. Herr Victor referierte über Jüd. Gcmeindefragen, Herr Dr. Köllen sch er über den Etat.der füd. Gemein d e. Ans der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Die Realschule der Israelit. Religionsgesellsch aft wurde am 1. Februar in der Realschule von 260 Schülern (darunter 25 Ausländer), jn der Vorschule von 97 Schülern (darunter 1 Ausländer) Und in der höheren Mädchenschule von 255 Schülerinnen (darunter 2 Ausländerinnen) besucht; die Gesamtfrequenz betrug also 612 Schüler und Schülerinnen. Die Realschu le der Israelitischen Gemeinde „Philanthrop;h" wurde am L Februar in der Realschule von 229 und in der Vorschule von 121 Schülern und in der höheren Mädchenschule von 185 Schülerinnen — Gesamtfrequenz : 535 — besucht. Mit dem scheidenden Schuljahr scheidet Herr Professor Dr. Epstein aus dem Lehrerkollegium aus und geht in den Ruhestand über. Frankfnrt a. M. Ihr 50 jährig es Amtsjubiläum feierten Lehrer Block in Melsungen und Lehrer JosesWertheim in Volkmarsen. Schwavach. Talmud - T Hora-Institut. Der soeben erschienene 16. Jahresbericht verzeichnet 29 Zöglinge, von denen 10 das Progymnasium, 1 die Präparandenschule und 18 die Schule des Instituts besuchten. Die Einnahmen der 2jährigen Äerichtsperiode sind um 5000 Jk gegen die der vorigen Berichtsperiodc zurückgeblieben. Das Institut steht unter der bewährten Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Mannes. Alsäkubi» (Ungarn). Obeirabbiner Jenö HöroWitz hat nach '13jähriger Wirksamkeit die hiesige Stadt verlassen, um in Palästina das neugegründete Büro des holländisch-deutschen Chaluka-Zentralkomitccs zu übernehmen.' Die Abschiedsfeier, an der auch die Behörden teilnahmen, war ein Zeichen der großen Wertschätzung, 'deren sich Oberrabbiner Horowitz bei Christen und Juden erfreut. Er versicherte in seiner Abschiedsrede, daß er auch aus dem geheiligten Boden Palästinas in politisch-nationaler Beziehung ein treuer Sohn Ungarns bleiben werdet seine Stellung werde ihm Gelegenheit geben, dem hehren Ansehen des einheitlichen ungarischen Staates die gebührende Anerkennung zu zollen. Alts -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau des Jüdischen Nationalfonds, Grünstr. 29, Part., gingen ein ans Büchsen: Lipinsky 3,90 Jk Geis 4,50 „ Bamberger 5 30 ., M. Wolf 1.35 „ N. N. 11,73 „ 26,78 Jk Ferner Materialien von Frl. Toni u. Martha Goldschmidt und Stella Klebe, ein großer Posten Marke» und Staniol von Frl. Lotte Wolpe. Frankfurt a. M., 8. April. Ortsgruppe Misrachi. — In der gestrigen gut besuchten Generalversammlung erstattete der Vorsitzende, Herr Dr. med. I. Feuchtwanger, den Bericht, demzufolge 7' Vortragsabende veranstaltet worden sind und die Mitgliederzahl sich um 10 vermehrt hat. Der Kassenbericht, erstattet von Herrn Benzion Bamberger, verzeichnet 238 Jk Einnahme und 223 Jk Ausgaben. Beide Berichte wurden ohne Debatte entgegen genommen. Eine lebhafte Debatte entspann sich dagegen bei dem Punkt „Allgemeines". In der Versammlung am 4. März war der Beschluß, die gefaßte Protestresolution in der bekannten Angelegenheit des „Chillul Schabbos" und des „Haolam" in den zion. Blättern zu veröffentlichen, nur mit 2 Stimmen Majorität angenommen worden, und diese 2 Stimmen rührten, wie mehrere Tage nachher eruiert wurde, von Nichtmitgliedern her. Infolgedessen wurde gegen den Beschluß der Veröffentlichung der Protestresolution von einer Anzahl Mitglieder Protest eingelegt. Herr Dr. Feuchtwanger verlangte nun, daß er im vorliegenden Falle als Vorsitzender das Recht der Entscheidung habe und er deshalb die Protestresolution veröffentlichen dürfe. Das Recht der Entscheidung wurde ihm, da es sich um Stimmengleichheit bei einer Resolution gehandelt hat, nicht gewährt, dagegen wurde ein Antrag des Herrn Prof. Dr. A. Sulzbach, die Protestresolution in den zionistischen Blättern zu veröffentlichen, nunmehr mit Stimmen-Mehrheit angenommen, nachdem Herr Professor A. Wehl sich in längeren Ausführungen für diesen Antrag ausgesprochen hatte. Als letzter Punkt stand die Vorstandswahl auf der Tagesordnung. Herr Professor A. Wehl wird einstimmig zum Vorsitzenden und die Herren Rabbinatsassessoren Lipinsky, L>. Geis, I. H a ck e nbroch u. L. Oppenheim erin den Vorstand gewählt. Berlin. Die hier domizilierende Deutsche Palästina-Bank beabsichtigt, ihr Kapital von 1 auf 2 Millionen Mark zu erhöhen, ein Zeichen der fortgesetzten wirtschaftlichen Hebung Palästinas und eine Mahnung an die Judcnhcit, auf die Wahrung der jüdischen Interessensphäre in Palästina bedacht zu sein. Berlin. Zionistisches A-B-C-Buch. Mitte April erscheint im Verlage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ein „Zionistisches ABC-Bnch", das die beste Informationsquelle über den Zionismus und alle mit ihm zusammenhängende Fragen darstellen wird. Der Preis dieses etwa 300 Seiten umfassenden ABC-Buches ist auf 2,75 Jk festgesetzt; gebundene Exemplare kosten 3,50 Jk; zionistische Vereine erhalten bei Bestellungen von 10 Exemplaren a>r entsprechenden Rabatt. Vorbestellungen sind so bald als möglich an das Zionistische Zentralburcau, Berliii-Charlottenburg, Blcibtrcustr. 49 zu richten Sprechsaal. . (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie lnir, zu dem in Nr. 13 Ihres geschätzten Blattes abgedrnckten Artikel „Zur Klärung" einiges zu bemerken. Es liegt mir fern, in die Polemik gegen die zionistische Zentralleitung mitcinzugreifen, und ich will daher die Ausführungen des Herrn Dr. F e u ch tw a n g e r nicht näher untersuchen und seine Behauptungen widerlegen: ich überlasse es Herrn Dr. F., sich darüber Rechenschaft abzulegcn, ob der Weg, auf dem er seine religiösen Gefühle äußern will, und die Mittel, deren er sich' in seinem Feldzug gegen S o k o l o w und „H a o l a m" bedient, die richtigen sind. Was mich im besagten Artikel am meisten frappiert hat, ist sein Ausfall gegen die Sprachorganisation „I w r i a h". Im Eifer des Gefechtes muß alles niedcrgcritten und niedergetretcn werden; Sokolow nimmt in seinem „Haolam"- Artikel über Chassidismus und gegen die misrachistischc Mittelschule auf, — folglich: Nieder mit dem „Sinai", mit der „Jlvriah" nslv.! Nun soll die Heranziehung von „Sinai" und „Jlvriah" nur als Kampfesmittcl gegen Sokolow, „Haolam" und die zionistische Zentralleitung dieneir. Was haben aber „Sinai" und „Jwriah" mit dem „Haolam" zu tun? Was für eine logische Verbindung ist zwischen diesen drei von einander vollständig getrennten Institutionen? Herr Dr. F. glaubt, den Zusanimenhang belveisen zu können. Was den „Sinai" anbctrifst, so kann ich der Meinung des Herrn Dr. F. nicht lviederstreitcn, da es sich um Vermutungen und Zukunstsahnungcn handelt: „Sinai" cxistiertnoch nicht, und seine Tätigkeit entzieht sich demnach der Beurteilung. Was aber die „Jwriah" anbctrifst, so wage ich, da ich das Programm derselben genau kenne und ihre Tätigkeit während der kurzen Zeit ihrer Existenz verfolgt habe, den Ausfall gegen sie zurückzuiveisen. Was b e z w e ck t d i e „Jwriah"? Der Zweck der „Jwriah" ist: Die Neubclebung und Ausbreitung der hebräischen Sprache. Aus dem Eiuigkcitsgedanken, der dem Zionismus zugrunde liegt, geht auch die Einigkeit der Sprache mit aller Konsequenz hervor; wir werden so lange nicht geistig und national geeinigt sein könne», bis lvir eine einzige und einigende Sprache für das gesamte jüdische Volk besitzen. Das Tragikomische unseres Sprachgewirrs zeigt sich ja besonders drastisch in unserem diasporäischen Parlament, auf den zionistischen Kongressen. Es entsprach daher dem sehnlichsten Wunsche eines jeden wahren Nationaljudcn, als vor anderthalb Jahren, aus einem kleinen Häuflein nationalkräftiger junger Leute der mahnende Ruf erscholl: „Soso achaß l'chulonu" — eine Sprache wollen wir haben! Mit Freuden wurde dieser Ruf aufflc* nommcn, ein jeder fühlte ihn, als ob er aus seinem eigenen Innern hervorginge. Man schritt überall an die Arbeit. Die alten Vereine und Gruppen der hebräischsprechendcn, „Soso Bruroh", „Dowre Jwriß" usw., die in vielen Städten Rußlands existiert haben und während der Schrcckenszeit sich auflösten, entstanden von neuem, neue Vereine wurden ins' Leben gerufen, in allen Ländern fand die Stimme unserer alten Nationalsprache einen freudigen Widerhall. Und so wurde die Organisäkion der „Jwriah" geschaffen, die sich zur Aufgabe gemacht hat, das Hebräische im Munde und Herzen unseres Volkes zu beleben, es zu kräftigen und zu bereichern und zur vollen Ehre zu bringen. Auf der „Jwriah"-Konfcrenz, die während der Tagung des *8. Kongresses stattfand, wurde die>er Gedanke klargelegt, und dem Einfluß der „Jwriah" ist ohne Zweifel die Annahme des Beschlusses in Bezug auf die hebräische Sprache als offizielle Sprache des Zionismus zu verdanken. Demnach ist die „Jwriah" aus den Bedürfnissen des Zionismus entsprungen und wurzelt tief im Zionismus. Es ist aber absolut nicht richtig, wenn man glaubt, die Jwriah stehe in irgend welchem direkten Zusaimnenhange mit der zionistischen Zentralleitung und übe auf dieselbe einen Meinungsdruck aus oder werde von ihr geistig beeinflußt und geleitet, so baß eine Institution zur Rechenschaft für die Werke und Vergehen der anderen herangezogen werden kann, wie es im obengenannten Artikel dargetan wird. Noch wahrheitswidriger ist die Behauptung, die „Jwriah" habe andere Tendenzen als in der Belebung und Verbreitung des Hebräischsprechens. Wenn es nicht als absichtliche Verdrehung der Tatsache anfgcfaßt werden soll, so muß'cs wenigstensals beschämende Unkenntnis des Zieles und Schaffens der „Jwriah" bezeichnet werden. Mau lese die Zirkulare, Broschüren und Berichte des Zentralburcaus der „Jwriah" und der verschiedenen Vereine, und man wird sich überzeugen, Ivic rein und erhaben die Tendenz der „Jwriah" ist, und wie freivon allen anderen Tendenzen als die der Belebung der hebräische» Sprache. Um das' einzusehen, braucht man nicht nur kein Misrachi-Zionist, sondern überhaupt kein Zionist zu sein; es genügt, ein warmes jüdisches Herz zu besitzen und etwas 'Begeisterung für unsere nationalen Eigentümer — wie denn auch der' „Jwrinh"-Aufruf'i» der Wirklichkeit nicht speziell an die Zionisten gerichtet wurde, sondern auch diejenigen nationalfühlenden Juden, die das Baseler Programm noch" nicht anerkennen, unter die allgemeine nationaljüdische Fahne rief. Herr Dr. F. stützt sich aber in seiner Anklage aiö eine Korrespondenz in der „Welt" Nr. 5, wo eS heißt, der Sekretär des Zentralburcaus der „Jwriah" habe Vorträge über jüdische Geschichte nach den Ergebnissen der Bibelkritik gehalten. . Es mag die Frage dahingestellt bleiben, ob man ans Grund einer flüchtigen, unklaren Zeitungskorrespondenz berechtigt ist, über eine Institution, die zu einem so edlen Zwecke geschaffen ist, das Vernichtungsurteil zu fällen; angenommen aber der Fall wäre auch so, wie ihn der Ankläger sich denkt, — ist denn die Gesanrtorganisation „Jwriah", deren Mitglieder sich aus den verschiedensten Länder» und entgegengesetzten Gesiunungsrichtunge» rekrutieren,' für die jeweilige Aeußerung eines einzelnen Mitglieds — mag er auch zufällig der Sekretär des Zentralburcaus sein — verantwortlich'? Liegt cs denn im Programni der „Jwriah", Vorträge über Bibelkritik zu halten? Macht das Zentralburcau überhaupt den verschiedenen Vereine» und Gruppen Vorschriften darüber, was und worüber sie sprechen sollen? Herr Dr. F. ist der Meinung, „daß eine Sprache nicht ein wirres Konglomerat von Worten, sondern das Ausdrucksmittel von Gedanken ist." Stimmt! Weiter: „Eine Sprache muß auch einen Inhalt haben und deshalb ist wichtig, daraus zu achten, nicht bloß, daß die Jwriah hebräisch spricht, sondern was sie spricht." Das ist eben grundfalsch. Was Jfycijjt das: „Die Jwriah soll das oder jenes sprechen?" Wer ist „die Jwriah"? Ist es etwa eine Person? Kann denn Madame Jwriah sprechen, gerade wie cs dem Herrn Dr. F. gefällt? Die Ausgabe der Organisation „Jlvriah" ist eben, dem jüdischen Volke beizubringen, nicht was, sondern w i e es sprechen soll. Die hebräische Sprache muß vom ganzen Volke verstanden und gesprochen werden, das Was bleibt Privatsache eines jeden Einzelnen. Es steht den: jüdischen Bauer in Pethach Tikwah, Gederah oder Elron dasselbe Recht zu, hebräisch von seinen Ochsen, Eseln und Reben zu sprechen, lvie dem Bohovoduzaner Juden über seine Lebensfragen, oder dem Frankfurter Juden über die Börse oder Gemeinde- Politik, und selbstverständlich hat ein Dr. Mossensohn oder Thcrachson das volle Recht, über Geschichte und Bibelkritik in der hebräischen Sprache vorzutragen, wenn er Geschichte studiert hat' und sein Fach gut beherrscht. Oder sind Sie, Herr Doktor, vielleicht der Ansicht, die heilige Sprache werde durch 'ein freies Wort, durch Sich aß Chulin entweiht- und man müsse sie daher in die Synagoge (nicht in Kr sogen, neue, selbstverständlich) und heiligen Bücher verbannen? Darf die hebräische Sprache nicht als lebendige Sprache vom ganzen Volke für alle seine Interessen und Bedürfnisse angewandt werden? lleber eine solche primitive Anschauung von der hebräischen Sprache und ihrer Zukunft sind schon sogar die naiven Juden in Schnippischock, Wcndsigole und sonstigen dunklen Nestern Rußlands weit hinaus, — und sollte nun ein westeuropäischer Doktor, mag er auch Misrachist sein, sich nicht über sie erheben können? Kann denn eine Sprache durch die in ihr gesprochene» oder niedcrgeschricbencn Ideen entweiht oder verunreinigt werden? Ist Ihnen die deutsche Sprache — die doch Ihnen sehr teuer ist und der Sie in einer Woche mehr opfern als Tier heiligen hebräischen Sprache in zehn Jahren — darum minder teuer geworben, weil Welkhausen, Delitsch u. a. m. ihre freien Forschungen in ihr niedergelegt haben? Warum diese Engherzigkeit, wenn es sich -‘um die hebräische Sprache und Literatur handelt? Ihre Mahnung, Herr Doktor, hie Sie an die gesetzestreuen Juden richten, daß 'sie sich'von der „Jwriah" und ihren Tendenzen fern halte«, ist daher ebenso ungerecht wie unlogisch. Es gibt hier keine Tendenzen, sondern eine einzige: Die hebräische Sprachczu fördern und auszubreiten und sie zum Gemeingut des jüdi schen Volkes zu machen, nicht aber als Mittel zur Verbreitung irgend welcher Ideen, die irgend welcher Richtung im Zionismus oder im Judentum überhaupt zuwider wären. Die Organisation „Jwriah" hat bisher keinerlei Grund gegeben, gegen sie. eine Kampagne zu unternehme«. Wenn es Ihnen an Beloeismitteln in ihrem Kampfe gegen das A.-K., Sokolow und „Haolam" fehlt, so suchen Sie sie dort, wo sie wirklich zu finden sind; ein ehrlicher Kampf braucht der ehrlichen Mittel.

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