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Neue jüdische Presse · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Stt. 15. J-rantsutter jZsraetMjcheS KaimUenvlmr. Seile ll Man muß'auch im heißen Gefechte Maß zu halten wissen und nicht blindlings um sich losschlagen, um alles nicderzureißen. Ueberlasseu Sie doch diesen Groll und dieses vorurteilsvolle Mißtrauen unseren schadenfrohen Feinden, die das Kind mit dem Bade gern ansschiitten möchte». Die Aufgabe der Zionisten ist es, zu bauen — und nicht, zu zerstören. L. S. * » * Herr Redakteur! Gestatten Sie mir im Anschluß an meine vorwöchentliche Zuschrift zu Ihrem Sprechsaalartikel „Misrachi zur Klärung", der nicht widerspruchlos chingenonnne» werden darf, einige Bemerkungen. Die unverantwortliche Verletzung des Sabbatgesetzes in Köln läßt, wie man sieht, neuerdings s e p nratistische Bestrebungen in die Erscheinung treten, die jeder gute Zionist in innerster Seele beklagen muß. Mau ist »och nicht soweit, die Notwendigkeit zu begreifen, das; auch innerhalb der jüdisch-zionistischen Gesamtheit es soviel Anschauungen als Köpfe geben mag, soviel Fraktionen sich bilden werden, als immer bei bcn anderen Völkern zu finden sind. Eine Partei neben anderen Parteien sind auch 'wir Misrachisten. Darüber sich nicht klar zu sein, wäre Torheit. Nur das Bewußtsein von der Herrlichkeit und lluiibertrefflichkeit unserer Lehre» und Grundsätze als göttlicher Herkunft, die Zuversicht, daß die Thora als aller Weisheit letzter Schluß am Ende der Tage das Erkcnutnisziel aller sein wird, dieser Glaube, nein, dies Wissen muß uns Misrachisten die überragende Bedeutung vor den anderen jüdischen Parteien sichern. Weil der Misrachi das Ende alter „Kultur" schon heute in sich birgt, können wir alle Art „Knlturbestrebungen" ruhig gewähren lassen. Propagieren wir icur unsere Unschauungen. Die badischen Wahlen und mannigfache Symptome sonst weisen darauf hin, daß auch'sogenannte Kulturkreise uns de facto n äher st ehe», als m an ge m ein» hin a nn i m m t. Zerreißen loir nicht das Tnch zwischen uns und den Brüdern. Eine Brücke zu ihren Herzen soll uns der Zionismus sein, in ihnen neu zu entfachen, was Erziehungssünden in ihnen erlöschen ließ. Erwecken wir das jüdische Wissen, die Beschäftigung mit dein Judentum aufs Neue, und wenn unsere Kinder es verstehen lernen, dann, nur dann wird die Zukunft des Zionismus dein Misrachi gehören. Mögen unsere Kulturkämpfer das für Utopie halten. Wir echt Misrachisten denken des Prophetenwortes, — daß die ganze Welt voll Gotteserkeuiitnis sein wird. So ist in der Tat der Zionismus eine Weltanschauung — für uns Misrachisten. Wir haben freilich eine „fertige" Weltanschauung mit in die Wiege bekommen. Und wenn NationalitätSsrage auch nicht das Mindeste zu tun hat mit gefesteter oder gar einheitlicher Religionsauffassung, das ist unsere misrachistische Ucberzeugung: Selbst wo der Zionismus heute noch eine rein nationale Bewegung ist, der Weg zu seiner Weltanschauung ist ihm vorgezeichnet, und aller Kulturzionismus wird bei ihr enden. Daran werden auch knlturzionistische Verbände nichts zu ändern vermögen. Wie s ch w a ch muß aber diese Ueberzeugilng bei manchen Misrachisten sein, wenn etwa Vorträge über den derzeitigen Stand der Bibelkritik innerhalb dieser Verbände manchem in llnsercn Reihen schon jetzt alle Zukunstsfreudigkeit raubt! Die Anschauung ist grundfalsch, daß, weil eine Sprache kein loirres Konglomerat von Worten ist, mit der Sprache nun doch ein bestinimter Ideengehalt festgclegt sei. Die Sprache ist ilur Ausdrucksmittel der 'Gedanken, wobei es den Menscheil trotz einheitlicher Sprache doch unbenommen bleibt, ihre Gedanken in 'verschiedenster Richtung zu bewegen. Daß die zionistische Bewegung dem Volke die heilige Sprache lviedergibt, ist trotz allem unsagbarer Ge w i n n. Weil damit'unsere ganze Kultur von der Bibel zu den Propheten i— die 6c ft e » Propaganda mittel desMis rachi — wieder wahrhaft Eigentum des jüdischen Volkes wird. Ganz wie der „Israelit", verlangt auch Ihr Antor, daß Sokolow und überhaupt alle Zionisten sich in ihre» Aeußerungen und Täten ans den Boden des positive» Judentums 'stellen müssen, andernfalls die bekannten Austrittsmelodien auch im Zionismus ertönen sollen. Wir zweifeln nicht, daß solche 'Forderungen, die doch jeder Einsichtige heute als unrealisierbar erkennen mutz, nicht zufällig, vielmehr durch bestimmende Beeinflussung und aus ehemals gut misrachistischen Herzen entgcgengeschleudert werden. Mer ist sich der Herr denn gar nicht darüber klar, welche Forderungen ein Misrachist, der von der demokratischen Institution jüdischen Rechtes durchdrungen sein sollte, da anfstellt, das; er als erste Tat die Preßfreiheit unterdrücken, die Freiheit der Wissenschaft vergewaltige n will? M i s r a ch i. Briefkasten. F. Der Satz „Man protestiert nicht aus Vergangenes", beruht auf den im Munde des Volkes geläufigen Aussprüchen unserer Weisen: „En zanakim al scheowar", „ma dehawc hawe": außerdem sagten unsere Weisen in Traktat „Rosch-Haschonv" „En meschiwini al hanaase". Gymnasiasten in Stcrozynetz. Besten Dank, aber leider noch nicht druckreif. I. Hackenbroch, M. Müller. Ihre Eingesandts erscheinen infolge Raummangels erst in der nächstwöchentlichen Mittwoch - Nummer. Barmizwohs. <Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). Albert, Sohn des Herrn Salti Goldschmidt, Ostendstr. 17, in der Synagoge Börneplatz. Theo, Sohn des Herrn I. Sulzbacher, Petersthor Nr. 1, in der Synagoge Friedberger Anlage. Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, U. April, nachmittags Nr Uhr (Schützenstraße 2): Mikro-Vortrag des Herrn Rektor B. Falk. Berguüguugs-Club junger Leute. (Gegründet 1807). Samstag, 11. April, abends 91/-' Uhr: Vereins- Versammlung, Hotel König von England, Battonstraße 70 I. Frankfurter Zionistische Bereinigung. Sonntag, 12. April, abends SV» Uhr präzise, im oberen Saale des Cafe-Restaurant Börse, Schillerstraße : ordentliche Generalversammlung. Eine furchtbare Katastrophe ist über unsere Gemeinde hereiugebrochcn. Am Freitag, den 13. d. Mts., brach in dem Vorort Haszeny, der fast ausschließlich von der ärmsten Klasse unserer Gemeinde belvohut ivird, eine Feuersbrunst aus, die in Ivenigen Stunden über 400 Wohnhäuser, eine Synagoge und mehrere Schulen vollständig in Asche legte. Mehr denn 5000 Menschen sind hierdurch obdachlos geivorden. und infolge der außerordentlich raschen Ausbreitung des Feuers konnte auch fast nichts von den Mobilien gerettet werden. Ein nur ganz geringer Teil des verursachten Brandschadens ist durch Versicherung gedeckt, da die Erschwingung der Kosten für eine Feuerversicherung für die Abgebrannten in der Tat unmöglich war. Das Elend ist deshalb unbeschreiblich und unsere Kräfte reichen leider nicht aus, um dem hereingebrochenen Notstand auch nur einigermaßen zu begegnen. Nur schweren Herzens können wir uns entschließen, einen Hilseruf an unsere Glaubensgenossen im Ausland zu richten, denn wir lvissen, daß unsere Glaubensbrüder in Westeurova mit sonstigen Werken der Nächstenliebe mehr als zur Genüge in Anspruch genommen sind. Aber die beispiellose "Notlage der Obdachlosen macht uns jegliches Bedenken schwinden, und indent wir uns hilfesuchend an die deutsche Judenheit wenden. geben wir uns der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß der so oft >rnd so reichlich bewährte Wohltätigkcitssinn derselben auch in diesenr Falle nicht versagen wird. Konstantinopel, 20. März 1908. -Mol'se L e v y, Grand rabbin de la Turquie. I. Fernandez, President du Comite regional de l’Aliianee Israelite Universelle. ftbsr gestern war der ^Direktor in ftngst! Die neue Oper sollte sein, das Haus war am Morgen schon ausverkauft und am Mittag sagt ♦ Plötzlich der Heldentenor ab! Heiser — kein Ton in der Kehle! Der Thraierarzt schreibt ein Attest: 8 Tage Schonung. Ta stürzt der Direktor in das erste beste einschlägige Geschäft und kauft eine Schachtel Fays Sodener Mineral- ♦ Pastillen, eilt damit zum Brüllinski und bittet und bettelt, bis der ein paar Pastillen in heißer Milch nimmt und nachher noch ein paar im Mund zergehen läßt. Na — und wie har er dann am Abend gesungen? Glänzend. Und ♦ das haben nur Fays ächte Sodener getan —! Man kaust sie sür 85 Psg. die Schachtel in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwasser- Handlungen. Carl Grebenau, Juwelen. Uhren. Soldu. Silberwaren. Aus wähl Sendungen gerne zu Diensten. Ach« Ächcim-MiW. (Stiftung zur Uuterstützuug hilfsbedürftigrr jüdischer junger Leute beiderlei Geschlechter nach ihrer Schulzeit, behufs ihrer weiteren Ausbildung). Das Kuratorium wird erstmalig am 1. Juni Stipendien vergeben. Gesuchen von Eltern bezw. Vormündern sind beizusügen und zwar im Original oder in beglaubigter Abschrift: 1) Geburtsschein. 2) Leumundszeugnis, 3) Gesundheitsattest, 4) Abgangszeugnis der Schule, sowie 5) Nähere Angaben über den Berus. Gesuche sind bis zum 1. Mai an das Kuratorium zu Händen des Schriftführers Herrn Fritz Sondheimer, Frankfurt a. M. Neue Zeit 63, zu richten. Frankfurt a. M-, 6. April 1908. vss Kuratorium der JIrtbur Sondbeimer=Stiftung. Nathan Sondheimer, Vorsitzender. Ambulatorium fiir Beinkranke (.Kramp fad erleiden, BeingeschwQre, Flechten, Plattfnss- Bethmannstrasse 54, feÄS'tS Sprechstunden 9-12, 3-6 Uhr. Leitender Arzt: Dr. med. Kabisch. _Privatsprech8tnnden ebendaselbst 8 — 10 nnd'2—5 Uhr. Telephon 611. Alte Rothofstrasse 6. MAX HAASEN (Inh. Victor Marx) <K» <5^ Georg J. Schenok Gr. Bockenheimerstr. 23. Telephon 243. in hochfeiner Ware. Konkurrenzlos preiswert. Neuheit! Osterglocken. SchSnsta Blumenzierde für das Osterfest. Neuheit! Dekorationen nnd Blumen-Arrangements aller Art ÜPemtn PIihIiW Vn/ief im Neubau des Kaufin. Vereins nGung OQcQäVu- YO£ßl Ecke Eschenheimer Anlage n. Oederweg. Telephon 747. Telephon 747.

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