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Neue jüdische Presse · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. W. Iß ' . Versammlung hat die» 1880 zum zweiten Male wieder- Holt, und 1889 haben 840 ungarische Rabbiner erllärt, daß sich die.Orthodoxen von Len Neologen in religiöser Beziehung vollständig unterscheiden und daß beide zwei separate Konfessionen bilden, baß es im Sinne unserer Religion verboten sei, ihre Rabbiner, Schächter, Lehrer oder andere rituellen Institutionen in Anspruch zu nehmen oder zur Aufrechthaltung derselben beizutragen und sich mit ihnen in einer 'Gemeinschaft zu vereinigen. Auf die wiederholten Vereinigungsversuche der Neologen erfolgte stets eine gleichmäßige, einstimmige Abweisung. Dies hat auch einhellig die am 11. und 12. Februar dieses Jahres abgehaltcne Generalversammlung der Landes-Repräsentanz beschlußweise ausgesprochen und sie hat uns beauftragt, uns ein für allemal von.allem auf eine Bereinigung bezüglichen Friedensverhandlungen fernzuhalten, mögen diese in welcher Form und von welcher Seite immer versucht werden. Sie, oder die eventuell mit ihnen verwandt empfindenden Gemeinden können sich wohl zu einer anderen Ansicht bekennen, und wir achten ihre diesbezügliche Ueberzeubung. Gestatten sie uns jedoch, die entschiedene Erklärung abzngeben, daß ihre Tätigkeit unter orthodoxem Rainen bei diesem ihren Glaubensbekenntnisse keine Existenzberechtigung mehr hat, weil sie hiermit aufgehört haben, orthodox zu sein, denn der orthodoxe Charakter und die orthodoxe Benennung involvieren schon allein in sich, daß wir von den Ncologen separiert und geschieden sind." Czernowitz. Eine halbe Million für einKinderspital. — Der GroßgrundbesitzerDr. Hermann Fischer hat ans Anlaß des '60jährigen Rcgierungsjubiläums des Kaisers den Betrag von 500000 Kronen für die Errichtung eines „interkonfessionellen" (d. h. unter Ausschluß aller rituell lebenden Juden!) Kinderspitals gespendet. Dr. Fischer entstammt der rumänischen Millionärsfamilie Fischer, deren Mitglieder seit Jahren zum größten Teile in Czernowitz ansässig sind, obzwar rumänische Minister sich wiederholt darum bemühten, sie zur Rückkehr nach Rumänien zu bewegen. Ein Mitglied der Familie Fischer, die man die Getreibekönige von Rumänien nennt, Herr Jancu Fischer, hat vor zwei Jahren eine große Geldsumme für einen Zubau zum Franz Joseph-Universitäts-Studentenheim und zur Errichtung einer Mensa academica in Czernowitz gespendet. Nagymihäly (Ungarn). Ein enttäuschter Täufling. — Der Sekundärarzt des hiesigen Spitals Dr. Miklos (vorm. Richtzeitj reflektierte auf die Bezirksarztstelle in Mezölaborcz und ließ sich zu diesem Zwecke taufen, indem er den Verleiher der Stelle, den hiesigen Obergespan mit der Pathenstelle betraute. Der Bewerber erhielt nun von seinem Taufpathen eine schöne silberne Zigarettendose — während zum Bezirksarzt der Jude Dr. Sigm. Klein ernannt wurde. Rußland. Berditfchew. Ein verhängnisvolles Zusammentreffen. — Das verhängnisvolle Zusammentreffen zweier von einander unabhängiger Ereignisse haben den 50jährigen Kronrabbiner H. Hellmann ins Gefängnis gebracht. Er hatte kurz vor Schluß der Amtsstunde bei dem Polizeikommissar Kartamjischew eine Angelegenheit zu erledigen und verließ dann zur gleichen Zeit mit K. das Gebäude, der gleich darauf von einer Kugel getroffen niedersank. Einige Tage später ist nun Hellmann unter der widersinnigen Beschuldigung, er' habe K. herausgeführt, damit er seinem Mörder überliefert werde, verhaftet worden. Radomisel. Die jetzige Ausweisung von mehr als hundert jüdischen Familien aus Kieff soll auf Denunziation von jüdischer Seite erfolgt sein. Die Leute, die aus den benachbarten kleinen Städten stammen, fielen den Kiewer reichen Juden zur Last, — aber das berechtigte keineswegs zu einer so empörenden Handlungsweise, die nicht scharf genug gerügt werden kann. Nur in de» trübsten Zeiten unserer Geschichte hat das Denunziantenwcsen aufkommen können. Es ist bekannt, in welcher Weise sich unsere mittelalterlichen Gesetzlehrer darüber ausgesprochen haben. Nun ist es schon einige Male auch in meinem Wohnorte Radomisel vorgekommen, daß Juden ihre Glaubensgenossen den Behörden denunziert haben. Ein jeder wird es bekennen, daß diese Erscheinung eine der traurigsten Folgen der antisemitischen Verhetzungsperiode ist. Es ist die Saison der Tage der Freude. Leider sprechen aber die Tage nur selten und nur wenig darüber, was unsere Lage verbessern könnte. Im Gegenteil, es wird immer schlechter und unerträglicher. Wir alle sind brotlos. Man liquidiert die Geschäfte und geht nach Amerika trotz der amerikanischen Krisis. Die Kiewer sogenannten „Kontrakte" fielen Neujahr sehr schlecht aus, viele Kaufleute, die alljährlich in dieser Zeit Kieff aufsuchen, blieben in ihrer Heimat zurück, die Börse aus dem „Kreschczatik" war menschenleer, auch die Hotels/ die immer vollgepfropft sind und für ihre Räume daS Zehnfache nehmen, waren leer. Eine schrecklicheGeschSftSstille. Frankfurter FsraelittM» FamMenSKL. Der Inspektor des Kiewer Lehrbezirkes macht jetzt bekannnt, daß Juden, welche in den Lehranstalten der Stadt Kieff ausgenommen zu werden wünschen, eine Erlaubnis, in Kieff wohnen zu dürfen, rorzuzeigen haben; nur die Söhne der im fernen Osten gekämpft habenden jüdischen Soldaten machen eine Ausnahme. Auch können Schüler und Schülerinnkn, die in Kieff das Gymnasium besuchen wollen, nur dann Aufnahme finden, wenn sie aus dem Kiefser Gouvernement gebürtig sind und ihre Familie im Kiefser Gouvernement wohnt. I. I. Braun. Türkei. Konstantinvpel. Am 7. März fand eine Sitzung von Vertretern des Großrabbinats, des Konsistoriums, des Hilfsrereins der Deutschen Juden und der Alliance Jsraölite Universelle statt, in der über die Beschaffung von Mitteln zur Linderung des durch die verheerende Feuersbrunst hervorgerufenen N o t st a n d e s beraten wurde. Es wurde ein Komitee von 30 Personen gebildet, dessen Präsidium auch Se. Eminenz Molse Halevy, der Chacham Baschi, angehört und es wurden ferner spezielle Kommissionen gewählt. Man hofft, daß es gelingen wird, binnen kurzem 50000 Mark in Konstantinopcl selbst zusaiiimen zu bringen. Bereits in der Sitzung wurden — einschließlich des vom Hilfsverein zur ersten Hilfeleistung übergebenen Beitrages von 1000 Francs — 600 Ltq. gesammelt. Der griechische Patriarch übersandte dem Großrabbiner 100 Ltq., die Banque ottomane steuerte die gleiche Summe bei. Nach den bisherigen — noch unvollständigen Feststellungen sind 412 Häuser und Läden eingcäschert — darunter 3 israelitische Schulen und eine Synagoge — und es wurden 5028 Personen, von denen verhältnismäßig nur wenige gegen Feuer versichert waren, ihrer Heimstätte beraubt. 1500 jüdische Familien sind brotlos geworden. ' Di etürkischenBe Hörden nehmen sich der Betroffenen in anerkennenswerter Weise an, indem sie für ihre Unterbringung sorgen urid ihnen Lebensmittel, Heizmaterial, Decken usw. zur Verfügung stellen, wie auch sanitäre Vorkehrungen treffen. Der Sultan hat den Befehl erteilt, afle notwendigen Maßregeln zu ergreifen, um die Notlage der heimgesuchten Bevölkerung von Haskieu zu lindern. Personalien. Berlin. Dec vorige Woche verstorbene Professor Gustav O p P e r t war der jüngste von drei Brüdern, die alle 3 orientalischen Fächern ihre Lebensarbeit widmeten. Gustav wurde 1836 in Haneburg geboren und machte die indischen Sprachen zu seinem speziellen Studium. 1870—72 war er Bibliothekar in England, 1872—94 Professor für Sanskrit an der Universität in Madras, und daun ließ er sich als Privatdozent in Berlin nieder. Er war Kurator der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Berlin. Ihren 70. Geburtstag feierten: Kommerzienrat K a r l K o h n, Seniorchef des gleichnamigen Hauses, und Julius Lewin, Seniorchef der Lederfirma Lewin & Glück. — Die Südwestafrika - Medaille erhielten : Frau EmilieMosse, Frau Kommerzienrat Steinthal und Handelsrichter Wilhelm Freystadt. Aschaffenburg. Zollamtsasflistent Leopold H a m b n r g e r wurde unter Beförderung zum Z o l lob'erkontrolleur nach Kaiserslautern versetzt. München. Justizrat Abraham Ofner, Präsidenr der israel. Gemeinde, erhielt den Verdienstorden vom heiligen Michael 4. Klasse und Kommerzienrat Lehmann Bernheim er, gleichfalls dem Vorstand der israel. Gemeinde angehörend, den Titel Geheimer Kommerzienrat. Czarnikau (Posen). Im Alter von 78 Jahren verschied Herr G u m p e r t Cohn, der während langer Jahre der Leitung der israel. Gemeinde — mehrere Jahre als erster Vorsteher — angehörte. Paris. Baron Edmund Rothschild weilt gegenwärtig in E g y p t e n, um die auf seine Kosten vorgenoinmenen Ausgrabungen selbst zu überwachen. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Bor 14 Tagen sprach im Jüdischen Frauen-BereinFrau Dr. Marx über „ModerneErzichungsgedankenund jüdische Lehre". Die Referentin legte dar, daß sich die vielen Bestrebungen, das Geschick des Kindes zu verbessern, die so oft übertrieben werden, daß sie lächerlich wirken, noch abklären werden, und daß das 20. Jahrhundert, wie es Ellen Key ausspricht, das Jahrhundert des Kindes werden wird. An der Hand eines Kapitels aus dem Buche Ellen Keh's „Das Jahrhundert des Kindes", „Erziehung" betitelt, führte die Referentin jüdische Erzichungsgedanken vor, wie sie in der Tanroh niedergelegt sind und wie ihnen Rabbiner Hirsch Worte geliehen. Sie kam zu dem Resultate, daß die jüdischen Eltern mit den erzieherischen Ansichten Ellen Key's einverstanden sein könnten. Nur e i n gewaltiger Unterschied bestehe zwischen den beiden Gedankengängen, nämlich da«, daß die Ziel» de» GotteSgesetzes, das über aller Zeit steht, ewige seien, während die Ziele, die Ellen Key setzt, deren Gedanken aus der Zeit geboren, mit der Zeit sich verändernde, endliche seien. — Sie rief die jüdischen Frauen an, die Gedanken des Judentums zu verbreiten und echt-jüdische — so auch moderne Mütter zu sein. Berlin. Zu einem äußerst stimmungsvollen, echt jüdischem Feste gestaltete sich das diesjährige Purimfest des Jsr. Fortbildungsververeins Montefiore. Die Festlichkeit leitete ein humorvoller Prolog ein, auf den ein von 8 Damen reizvoll ausgeführter Schleiertanz, sowie verschiedene musikalisch-dramatische Ausführungen folgten. Hieran schloß sich eine Kaffeetafel an mit einer Reihe „purimistischer und humoristischer Vorträge". Bezügliche Kouplets, launige Chorlieder und einige schöne Jargonlieder wechselten in bunter Reihe ab und lösten eine selten gemütliche Purimstimmung aus. Erst spät nach Mitternacht erreichte das schöne Fest mit seinen durchweg vorzüglichen Darbietungen sein Ende. Homburg v. J>. H. Der Israelit. Holzverein und Verein zur Ausstattung israel i t. M ä d ch e n" besteht jetzt 90 Jahre. Während dieses Zeitraumes hat der Verein durch Versorgung bedürftiger Juden mit Heizmaterial sowie armer Bräute mit Beiträgen für eine Mitgift eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Sein Hauptförderer und Organisator war Herr Louis Lehmann. Cassel. Das israelitische Waisenhaus (Philipp Feidel und Emilie Goldschmidt'sche Stiftung) veröffentlicht einen Bericht, der die letzten 9 Jahre umfaßt. Seit Begründung im Jahre 1856 fanden 207 Kinder Ausnahme in der Anstalt, die dem Handwerker-, Lehrer-, Kaufmanns- oder Dienstbernf zugeführt wurden. Gegenwärtig ist mit einem Bestände von 19 Knaben und 14 Mädchen die Höchstzisfer seit der Eröffnung erreicht. Im Jahre 1906 beliefen sich hie Betriebskosten auf 20105.22 .Ifc; es waren durchschnittlich 28 Kinder im Hause; es wurden also für ein Kind ca. 720 JL jährlich ausgegeben. Aus der Lehrerwett. Berlin. Aus der Sitzung des Abgeordnetenhauses v. 20. März. — Mg. Ro senow: Ich habe gestern erwähnt, daß das einzige staatliche Lehrerinnen-Seminar, welches wir in Berlin haben, neuerdings die Annahme von katholischen und jüdischen Schülerinnen verweigert hat und daß das Provinzialschnlkollegium eine Verfügung erlassen hat, wonach dieses bisher unbestritten paritätische Seminar evangelisch-konfessionell sein soll. Nach den mir von einem jüdischen Mitgliede dieses Hauses gewordenen Mitteilungen ist dieses Seminar seit Mitte der 70er Jahre unbestritten paritätisch gewest». Aus seiner Familie haben verschiedene Frauen und Töchter dieses Seminar besucht. Ich habe mir erlaubt, an den Herrn Minister die Frage;u richten, wie von der ihm Nachgeordneten Behörde eine solche Verfügung hat ergehen können. Die betreffende jüdische Schülerin ist auf Veranlassung des Herrn Minister nachträglich geprüft worden; sie ist bei dieser Gelegenheit dnrchgefallen, hat aber dann an dem städtischen Lehrerinnen-Seminar in Boxhagen-Rummelsburg das Examen bestanden und zwar, wie ich heute ergänzend Mitteilen kann, mit acht anderen «Killerinnen unter Dispensation von der mündlichen Prüfung, während bei derselben Prüfung 12 andere Schülerinnen das Examen nach mündlicher und schriftlicher Prüfung bestanden und zwei zurückgewiesen worden sind. Daraus folgt jedenfalls, daß die jüdische Schülerin bei der nachträglichen Prüfung an dem Berliner Lehrerinnen-Seminar sehr hart behandelt worden sein muß. Ich möchte den Herrn Minister ersuchen, zu sagen, ob seine Verfügung, daß das Mädchen nachträglich geprüft werde, sich nur auf den einzelnen Fall bezog, oder ob sie eine generelle sein sollte. In den katholischen und jüdischen Kreisen hat das Vorgehen des Lehrerinnen-Seminars große Beunruhigung erregt, weil, wenn dieses einzige staatliche Lehrerinnen-Seminar für evangelischkonfessionell erklärt werden sollte, katholische und jüdische Schülerinnen in Berlin gar nicht mehr die Möglichkeit hätten, an einer staatlichen Anstalt ihr Lehrerinnenexamen zu machen. Kultusminister Dr. Holle: Die Augusta-Schule in Berlin behauptet, stistungsmäßig eine evangelische Anstalt zu sein. Das Provinzialschnlkollegium hat sich auf diesen Standpunkt gestellt und darum die Zulassung des jüdischen Mädchens zum Examen abgelehnt. Ich habe daraufhin die Zulassung zum Examen angeordnet, bis die Frage, ob es sich um eine stistungsmäßig evangelische Anstalt handele, völlig geklärt ist. - Hamburg. Dr. D. Leimdörfer. Prediger des Israelit. Tempel-Verbandes, begeht am 1. Avril sein 25jähriges Amtsjnbiläum. Geboren 1851 zu Hlinik in Ungarn, besuchte er u. a. die Preßburger Jeschiwoh und war zuerst in Nordhansen Rabbiner. MiSkolez (Ungarn). Oberrabbiner Mayer Rosenfelb ist, 78 Jahre alt, verschieden. Frauksurt a. M. Die Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israel. Letzter, Lehrer-

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