Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter JsraEtWe* FaMÜieMaL. $tt. IC. Witwen mtb -Waisen in Deutschland (Vorsitzender: Konsul Adolf Baer-Golbschmidt), zahlte im ab gelaufenen Jahre 138% Jahresunterstützungen ü 180 JL t Sa. 24930 JL und außergewöhnliche Unterstützungen 1880 M. Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. Fortsetzung.) „Eure Majestät sollten sich bestreben, die Schrecknisse des gestrigen Tages zu vergessen." ,Jch kann nicht!" flüsterte sie bebend. „Ich möchte dennoch bitten, Majestät, sich bezwingen zu wollen." ' Ein heftiges Zittern hatte sie befallen, ihre Zähne schlugen wie im Ficberfrost aufeinander, mit sichtlicher Anstrengung brachte sie die Worte hervor: „Ihr habt's vermutlich nicht gesehen — nicht gehört, wollte ich sagen — jene Helle zarte Stimme — die sich Erbarmen erflehend an mich gewandt — und ich! — ich! —" „Doch, Majestät, doch, das habe ich gehört — und ich habe auch gesehen, wie Eure Majestät flehend die Hände emporgehoben zu Eurem königlichen Gemahl —" „Das habet Ihr gesehen?" flüsterte sie, sich hastig aufrichtend und ängstlich forschend ihm ins Angesicht schauend. „Das habe ich gesehen," wiederholte er mit Bestimmtheit, „darauf gebe ich mein Priesterwort." „Gott sei Dank! Gott sei Dank! — Ihr nehmt eine schwere Last mir von der Brust — hochwürdiger Bater — Ich kann mich nämlich nicht erinnern, auch nur den Versuch gemacht zu haben, mich für die Unglückliche zu verwenden." „Doch, doch, das kann ich bezeugen, Majestät haben getan, was Menschen möglich ist — doch gegen den obersten Glaubensrichter versagt jede Menschenmacht." «Ja, Ihr habt recht, der Großinquisitor ist dazwischen gefahren, sonst hätte sich mein Gemahl vielleicht doch noch erbitten lassen. — O, der schreckliche Mensch! — wie ich ihn hasse! — wie ich ihn hasse! —" ,Mir dürfen keinen Menschen hassen, Majestät, nicht einmal den Sünder — nur die Sünde dürfen und sollen wir hassen. — Doch wenn ich es wagen dürste, rückhaltlos zu Euere Majestät zu reden —" „Redet, hochwürdiger Vater, redet rückhaltlos. Mein königlicher Gemahl hat Euch zu . meinem Beichtvater ernannt, zu meinem Seelsorger, und ich habe inniges Vertrauen zu Euch." Der Prior verneigte sich bankend und sagte dann: ^Eurer Majestät ist der Satz „Seid llug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben" sicherlich bekannt, und ich möchte, daran anknüpfend, vor allem bemerken, daß es nicht geraten ist, unsere Gedanken und Gefühle — und wären sie die reinsten — jederzeit und jedem gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Eure Majestät haben mich z. B. gefragt, ob Mitleid mit Ketzern eine Todsünde ist. Ich habe diese Frage entschieden verneint. Trotzdem muß ich darauf aufmerksam machen, daß cs entschieden gefehlt wäre, dieses reine Gefühl des edelsten Herzens andern gegenüber zu äußern. Außerdem haben Eure Majestät in verzeihlicher Erregung erklärt, den obersten Glaubensrichter zu hassen. — Ich muß darauf aufmerksam machen, daß auch eine derartige Aeußerung in Gegenwart anderer die größte Gefahr in sich bergen könnte. Ebenso gefährlich wäre es, den Wunsch zu äußern, einen andern als Großinquisitor zu sehen." Die junge Fürstin hatte ihm aufmerksam zngebört, dann nickte sie zustimmend mit dem Kopfe. ^Jch verstehe Euch, hochwürdiger Vater! Seid ohne Sorgen! Der Ausspruch „Seid klugwie die Schlangen und sanft wie die Tauben" war mir bisher zwar nicht bekannt, aber ich werde ihn nie vergessen. — Wenn ich nur das andere vergessen könnte!" — fügte sie, auf's neue in sich erschauernd, hinzu, indem sie beide Hände gegen die Stirn drückte. „Ich möchte doch inständigst bitten, Majestät wollten mit aller Macht danach streben, sich zu bezwingen. Augenblicklich ist man allerdings noch geneigt, die Erregung Eurer Majestät als krankhaft zu betrachten und hat den Scelenarzt nur als Stütze des Leibarztes gerufen — doch wenn die Erregung noch länger anhalten würde — ich fühle mich verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen — cs wäre Gefahr vorhanden." Die Königin fuhr zusammen und blickte ängstlich hinüber zu dem Geistlichen. „Ich werde Eure Worte beherzigen, hochwürdiger Vater — ich werde mich bezwingen — ich bin doch auch schon ruhiger, seitdem ich weiß, daß ich in Euch eine Stütze habe. Ich werde meinem Gemahl danken' für Eure Ernennung zu meinem Beichtvater —" „Ich werde Eures Rufes jederzeit gewärtig sein, Majestät!" ,Lch banke Euch, hochwürdiger Vater, aus vollem Hetzen, denn ich fühle, sch werde Eure» Rategar »st bedürfen. Jetzt aber — wenn eS Euch recht ist, wollet mit mir beten." Im Bencdiktinerkloster herrschte inzwischen be. greifliche Spannung. Wohin hatte der vornehme Herr den Prior in der Hofkalesche geführt? und zu welchem Zwecke? — Keiner vermochte es zu sagen, denn die beiden Lauscher, die hätten Auskunft geben können, waren iibcreingekommmen, von dem Erhorchten keine Silbe verlautbaren zu lassen. Fühlten sic sich doch beschämt bis in's Innerste ihres Herzens, von ihrem allverehrten Obern beim Horchen ertappt worden zn sein, und wenn sie auch nicht fürchten zu müssen glaubten, daß der leutselige Geistliche sie beschämen und in Gegenwart anderer zur Rede stellen werde, so waren sie doch sicher, daß er beim ersten Alleinsein mit ihnen sie auf bas Unziemliche ihres Tuns aufmerksam machen werde. Darum wollten sie ihm wenigstens zeigen, daß sie trotz ihrer übergroßen Neugierde doch auch verschwiegen sein konnten. . Die jungem Mönche hatten sich um den Gast ihres Vorgesetzten, den jungen Dominikaner, versammelt, der sie gestern und auch heute beim Mittagsmahl so trefflich unterhalten hatte. Auch jetzt wußte er angenehm zu plaudern, aber er verstand auch, die Andern zum Plaudern zu bringen, namentlich über das, was ihn am meisten am Herzen lag, das Tun und Lassen seines Bruders. „Wo nur der hochwürdige Herr Prior so lange weilen mag? kommt das öfters vor, daß er in einer Hosequipage abgeholt wird?" „Nein," erwiderte der Mönch, an den er diese Frage gerichtet hatte, „bas ist bisher noch niemals vorgekommen." „Wer unser Herr Prior ist dennoch auch in den höchsten Kreisen hochangesehen," siel ein anderer ein, „ich habe mir sagen lassen, daß er demnächst sogar vor dem König und der Königin und vor dem ganzen Hof predigen wird." ' „Jst's möglich! — Wann wird denn das sein? am nächsten Sonntag?" „Das glaube ich nicht, denn am nächsten Sonntag wird er hier in unserer Kirche predigen. — Ihr sollet über den- Sonntag hier bleiben, Bruder, denn so etwas habt Ihr sicherlich noch nicht gehört. Da ist die Kirche auch immer übervoll, wenn man weiß, daß unser Prior predigen wird." „Wirklich? das hätte ich nicht geglaubt, denn er sieht gar nicht danach aus, als ob er — was doch beim Predigen die Hauptsache ist — auf der Kanzel donnern könnte, daß einem Hören und Sehe» vergeht und daß er die Schrecknisse der Hölle schildern könnte, daß einem bas Gruseln überkommt." „Nein, Ihr habt recht, so habe ich unfern hochwürdigen Herrn noch niemals predigen hören — das wird er auch nicht können." „Nicht? das nimmt mich Wunder, Ihr sagtet doch, daß die Kirche immer überfüllt ist, wenn bekannt ist, daß er predigt —" „Das ist sie auch, aber —" „Aber von was predigt er denn? — immer nur von Ketzern und vom Teufel, und —" „Ach nein, Ihr kennt unfern hochwürdigen Herrn nicht — bei seinen Predigten gruselts einem nicht. Er predigt immer nur, wie man sein muß, daß man die Menschen lieben muß und keinen kränken oder verletzen oder irgend wie schädigen darf — und daß man verzeihen muß, wenn einer einem etwas böses getan hat, und daß man nicht zornig sein darf usw. Wißt Ihr, mir kommt es immer vor, als wenn er sagen wollte, alle Menschen müßten so sein, wie er ist —" „Aber ist Euer Herr Prior denn in Wirklichkeit ein so ausgezeichneter Mensch?" „Ihr seid ein schlechter Menschenkenner, daß Ihr so fragen könnt," entgegncte ein älterer Mönch, „denn unserin Hochwürdigen steht's auf der Stirn geschrieben, was er ist." „Na, na, na," der junge Dominikaner wiegte den Kopf zweifelnd hin und her, „gar so dumm bin ich nicht, daß ich das nicht lesen könnte. Demnach möchte ich glauben, daß Euer Hochwürdiger gar wohl zürnen könnte." „Zürnen? — es kommt daraus an, was man so nennt. Hat einer von Euch unfern Prior schon einmal zornig gesehen?" „Nein," versetzten die Umstehenden, wie aus einem Munde. „Das heißt," fiel ein älterer Mönch ein, „einmal haben wir ihn allerdings zornig gesehen, als ein Bauer, der Holz gefahren hat, sein Vieh mißhandelte." „Nun, ja freilich," sagte ein anderer alter Mönch, wie hätte er da nicht zornig werden sollen. lleberhanpt, junger Bruder, Ihr dürft nicht glauben, daß unser Prior, weil wir alle ihn rühmen und weil er weder von der Hölle noch vom Teufel noch von Ketzern predigt, daß er deshalb ein Weichling, oder, wie man's nennt, ein Waschlappen wäre — im Gegenteil, er ist ein Mann nach jeder Richtung hin, und zwar ein hochgelehrter Mann, wie es in der ganzen katholischen Welt heutzutage keinen zweiten gibt, der trotz seiner großen Friedensliebe keiner theologischen Streitigkeit aus dein Wege geht. Er sucht sie zwar nicht auf, das tut er nicht, aber wenn sie ihn aufsucht, dann steht er seinen Mann, oder vielmehr er steht für drei, denn er hat ein immenses Wissen. — Aber mich deucht, da hält ein Wagen vor dem Kloster, das wird er sein, lasset e» ihn mir nicht merken, baß wir Euch von ihm erzählt haben, daS könnte ihm nicht recht sein." Es war in der Tat die Equipage, die den Prior heim brachte, die vor dem Kloster hielt — und da kam er auch schon in den Garten, in dem er seinen Bruder erblickt hatte. Freundlich grüßend, nickte er allen Anwesenden zu, während er dem jungen Dominikaner als seinem Gast die Hand reichte. „Es war mir recht leid, daß ich Euch verlassen mußte, aber ich sehe, Ihr wäret in bester Gesellschaft, da habt Ihr Euch sicherlich nicht gelangweilt." „Nein, gewiß nicht, obgleich ich Eure Heimkunft, hochwürdiger Herr, mit Sehnsucht erwartet habe, denn ich konnte doch nicht wissen, ob Ihr in ebenso guter Gesellschaft gewesen seid wie ich." (Fortsetzung so gt.) fiaiser f'rieciricn Quelle - Offenbach a. M. ■ — Gegen Gicht nnd Kbenmatismng bewährt. 'immiL'iuzü Wocherr-ttalesver. (Zeitangaben nach dem tauch.) Samstag, den 28. März (— 25. Adar scheni): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min., in Berlin 7 Uhr 12 Min. Wochenabschnitt: Schemini. Einleitend von dem Wciheopfer, das Ahron am achten Tage der Einweihungsfeierlichkeit darzubringen hatte. Wron sollte sich dadurch — gleichsam offiziell — als von Gott eingesetzter Hoherpriester einführen. Am Ende der Opferhandlungcn hebt Ahron die Hände gegen das Volk hin und segnet es. Auch Moses tut dies. Als Zeichen göttlichen Wohlgefallens verzehrt Feuer das Opfer auf dem Altäre. — Die Freude des Tages wird getrübt durch den plötzlichen Tod der zwei Söhne Ahrons, Nadab und Abihu. Es war die Strafe dafür, daß sie „gemeines Feuer" in's Heiligtum gebracht. Ahron zeigt bewundernswerte Standhaftigkeit, er schweigt beim Heimgang seiner Söhne. — Wein nnd berauschendes Getränk wird opfernden Priestern zum Genuß verboten. Verschiedene Opferteile werden fixiert, zum Genüsse für die Priester bestimmt. — Es folgen nun die sogenannten Speisegesetze. Von den Säugetieren sind diejenigen mit Wiederkäunng nnd gespaltenen Klauen zum Essen gestattet. (Ein Merkmal allein genügt nicht.) Fische mit Schuppen und Flossen dürfen wir ebenfalls genießen. Von den Vögeln sind — ohne Angabe von Merkmalen — nur 24 verbotene Arten genannt, deren Namen wir indes nicht mit Bestimmtheit angeben können, weshalb wir nur die. wenigen uns aus der Ueberlieferung als erlaubt bekannten Arten genießen 8 Kriechtiere werden aufgezählt» deren Berührung unrein („tome") macht. Auch irdene und hölzerne Geräte, Gewänder aus Stoff oder Leder, Ofen und Herd können „tome" werden. Es gelten für all dies ganz genau spezifizierte Vorschriften. — Bemerkung: Die „Speisegesetze" gehören zu den sogenannten „Chukkim", Satzungen, von denen wir keinen Grund wissen, ihn nur vermuten können. Bei den Speisegesetzen ist Nur angedeutet, daß ihre Beachtung von Einfluß auf die „Heiligung unserer Seele" ist. Zugleich ist an diesem Sabbat „Parschas-Hachaudesch", der 4. und letzte der „ausgezeichneten" Sabbate. 2 Thorarollen ausheben. In der 2. wird Kap. 12, 2. Bch. M. verlesen, Vers 1—20. Inhalt- Bereitung des Pesachlammes. Jeder Hausvater für sich und seine Familie; gebraten am Feuer, mit bitteren Kräutern und ungesäuerten Broten soll es genossen werden. Genuß- und Besitzverbot von Gesäuertem auf die Dauer des ganzen Pesachfestes. — Janzer-Einschaltung, auch bei Mussaf. Einsegnung desNeumondes Nissan. (Donnerstag, 2. April.) Stets nur 1 Tag. Mit Nissan Beginn des Festjahres. (Also Pesach als erstes Fest.) Nissan — 1. Monat. Das eigentliche, d. h. bürgerliche Jahr im 7. Monat (Tischri). Der Nissan der Freude gewidmet. (Vom 1.—12. Nissan war die Einweihung der Stiftshütte, und dann folgt das Pcsachsest.) Kein Tachannn, kein Jehi-rozaun vor Thora-Einheben am Werktag, kein Zidkoscho Zedek Samstag Nachmittag, kein Fasten bei Jahrzeiten, kein Zidnk-Hadin bei Beerdigungen. VNendscver Druckluft »Anlage Telefon 123. Ottenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Te P PIC fl F 81PI OP P Q. Tapezier u. Dekorateur Telephon 1866. Hardenbergstrasse 9. Dampf-tManstalt ‘franontnh1 Paul&Co,,G.m.ti.H. HjldUeiUUU