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Neue jüdische Presse · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Aeite 1Ö. Kommandant von Syrien, war derjenige, der Darms Codomannus auf den Thron gesetzt hat und Zeitgenosse des Sanballat, den Josephns ganz richtig noch als Zeitgenossen Alexanders des Großen nennt. Clamont-Ganneau hat die Sache jedenfalls wissenschaftlicher angefaßt als Nödekc.*) A h r o n Maren s. *) Ausführliche Behandlung der ganzen Angelegenheit behalte ich mir vor. Die Stellung der badischen Zionisten zur Gebetbuchreform des Grotzh. Oberrats *) Wir badischen Zionisten stehen der Institution einer, die badische Judenhcit einheitlich zusammenfassenden Repräsentanz, wie sie Oberrat und Snnode darstellen, mit voller Sympathie gegenüber. Wies wir die älteste und natürlichste Organisation der Juden in der Diaspora, die Gemeinde, als ein Mittel zur Erhaltung und Förderung jüdischen Gemeinschaftssinnes betrachten, so erblicken wir auch in der zentralen Organisation der badischen Juden eine Einrichtung, die geeignet ist, dem jüdischen Leben in Baden Kraft und Impulse zu verlechen. Mir erkennen gerne an, daß von Oberrat und Synode seit dem Beginne ihres Wirkens manches Ersprießliche nach dieser Richtung geleistet wurde; besonders begrüßen wir von unserem zionistischen Standpunkt aus die Fürsorge, welche man der Hebung des Schul- und Erziehungswcscns zugewendet hat. Die vor einigen Jahren eingcleiteten Bestrebmrgen unserer jüdischen Behörde auf sozialem Gebiete haben sogar auf der Tribüne des fünften Zionistenkongresjes laute Anerkennung gefunden. Um so peinlicher berührt uns die seit einiger Zeit unverkennbar hervortretende Erscheinung, daß die Tatkraft des Oberrats sich immer mehr einengt auf einen Gegenstand: die Gebetbuchreform, und daß die Bemühungen des Oberrats sichtlich dahin zielen, auch das Interesse der Mitglieder der Landessynagoge auf diesen einen Punkt festzulcgen. Wir beklagen cs von unserem zionistischen Standpunkt aus lebhaft, daß urit dem keineswegs aus einem starken Verlangen der jüdischen Bevölkerung, sondern lediglich aus der subjektiven Reformsucht Einzelner hcrvorgegangcncn Plane einer Gebetbuchänderung ein Zankapfel hineingeworfcn wurde in die badische Judenheit, und Zwietracht gesät wird, deren Folgen noch gar nicht zu übersehen sind, die aber jedenfalls die Arbeit an den gemeinsamen Aufgaben der badischen Judenheit aufs schwerste gefährden muß. Wir bedauern, daß Mitglieder des Oberrats für die Gewissensnot gerade der treuesten Anhänger der jüdischen Religion so wenig Verständnis zeigen, daß sie die Beschwerden und die Verteidigungsmaßnahmen der sich bedroht sühlenden konservativen Minderheit mit scharjen Angriffen beantwortet haben. Wir wünschen sehnlichst, daß der Oberrat durch Zurückziehung seines Gebetbuchreformprojektes den Ruf seiner Unparteilichkeit und Gerechtigkeit wieder Herstellen, daß er durch das Beispiel einer solchen Entsagung das Vertrauen in seine Friedensliebe festigen und dadurch die Bereitwilligkeit der Juden Badens, mir ihrer Behörde gemeinsam zum Wähle des Judentums zu wirken, neu beleben möge. Sollte indes der Oberrat in Nichtachtung der Gefahren, welche er für die Einheit und den Bestand der badischen Judenheit mit seinem Rcformprojekte heraufbeschwört, den G.ebetbuchsplan der Synode vorlegen, so werden wir — unbeschadet der Freiheit, die wir unseren Anhängern in religiösen Fragen zubilligen — sie darauf Hinweisen müssen, wie sehr auch zionistische Interessen durch das Reformgebetbuch betroffen werden. Das bisher gebräuchliche Gebetbuch atmet noch die ganze ursprüngliche Kraft echter Empfindung, die unserem Volke eigen war. Ein gewaltiges *} Gekürzt. , _ Krarckftrrter JsrSelirisHeS KamilienAatt. Pathos durchglühte die alte» Zeiten, in denen noch der Stolz und die Würde ungebrochener Persönlichkeiten in unseren: Volke lebten. Zwischen jener Zeit, in der das Gebetbuch entstand, und der unsrigen liegt unser Eintritt in die europäische Kulturwelt, den uns die Emanzipation vermittelte. Mit der Ausnahme der mooerne» Kultur in uns vollzog sich leider eine zunehmende Mißachtung jüdischer Werte in unseren Reihen. Die schivindende Wertschätzung des alten Gebetbuches ist nicht, wie der Oberrat meint, auf das Vorhandensein ungeeigneter Gebete zurückzuführcn, sondern sie ist nur eine Ausdrucksforni jener betrübenden Erscheinung, daß das stolze jüdische Empfinden im Schwinden begriffen ist. Um das jüdische Bewußtsein neu zustärken, täte eine Rcforni not, die dahin zielt, den Stolz auf unsere Geschichte zu wecken, das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Juden aller anderen Länder zu beleben, das Verständnis und damit die Liebe zu erschließen für die leidende und doch so reiche, für die niedcrgctretene und dennoch starke Seele der jüdischen Masse. Statt dessen charakterisiert sich die geplante Gebetbuchrefornr als eine weitgehende Rücksichtnahme auf das krasse Assimilantentum. In dem neuen Gebetbuche sollen die Erinnerungen ausgemerzt werden an unsere einstige Größe, an Zion und Jerusch alajim, die Hoffnungen auf unsere nationale Wiedergeburt, die Acnßernngen des Stolzes auf uns als Volk und der Zusammengehörigkeit aller seiner Teile! Das ist um so bedenklicher, als der Entwurf auch zur Einführung in den Unterricht bestimmt ist. Die Heranwachsende jüdische Generation soll ihre jüdische Erziehung an der Hand eines Buches erhalten, in dem ihr Steine statt Brot, dürrer Rationalisnius statt warmen Lebens dargeboten wird. Somit erwächst für uns die gebieterische Pflicht, dafür zu wirken, daß der Entwurf des Oberrats nicht Gesetz wird. Aber nochmals sei betont: >vir wissen uns frei von jeder Art von Feindseligkeit gegen die jüdische Behörde Badens. Wir wollen nur dem Frieden dienen und mithclsen, die Bahn frei zu machen zu neuer ersprießlicher Re - formarbcit: zu wirklich gedeihlichem, friedvollem Wirken aus dem Gebiete der Förderung jüdischen Bewußtseins, jüdischen Wissens und sozialer Arbeit. Z i o n i st i s ch c r Gruppen verband Nord-Baden: Dr. mcd. Julius Moses, Mannheim. Julius Simon, Mannheim. Dr. mcd. Simon Felscnthal, Mannheim. Dr. mcd. Fritz Fulda, Mannheim. Ludwig Götzl, Mannheim. Dr. med. Ludwig Mann, Mannheim. Alexander Hirsch, Rechtsanwalt, Heidelberg. Wilhelm Bahr, Karlsruhe. Dr. M o r i tz Pfälzer, Rechtsanwalt, Weinhcim. Zionistischer Gruppenvcrband Süd-Baden: M. Kaufmann, prakt. Arzt, Freiburg. M o r i tz Weil, Frciburg. Berthold Ep st ein, Eichstettcn. Dr. med. D. Rucck, Eichstetten. Adolf Heymann, Müllheim. Josef Neuburger, Fabrikant, Gailingen. Josef Bernheimer, Fabrikant, Gailingen. M. Bloch, Rechtsanwalt, Konstanz. Erklärung des Präsidenten Wolffsohu. Auf unseren Protest in Sachen der Sabbatentweihnng (siehe: Artikel „Zionismus '— eine Rückkehr zum Judentum" in heutiger Nummer) schreibt unS Herr David Wolffsohu, der Präsident der zionistischen Organisation: „Die Sabbatangelegenheit ist.in jeder Hinsicht übertrieben worden. Die Bureaus waren -immer offiziell geschlossen. Ms ich darauf aufmerksam gemocht wurde, daß in einigen Abteilungen diese Vorschrift nicht ganz streng innegehalten wurde, habe ich bestimmt, daß von jetzt ab sämtliche Bureaus von Freitag-Abend ab so streng geschlossen sein sollen, daß auch 'nichtjüdisches Personal am 'Sabbat die Bureaus nicht betreten kann. Sämtliche Abteilungen der Kölner Bureaus find also an Sabbat und Feiertagen strengstens geschlossen." Nr. 11 Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jud Nationalfonds gingen ein, aus Büchsen von: Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Schwarzschild, Fichtestr. 12 3.45 J{, Dav. Baracker u. H. Katz, Musikantenweg 66, 4.— „ Nesianrant salomo», Gr. Eschenheimerg. 1.05 „ Zusammen 8.50 M. Bei der Expedition des „Frkf. Jsr. Familienbl." gingen für den Nationalsonds ein: Saly Geis auf den Name» seines lieben Vetters Fritz Weinberg anläßlich dessen Genesung von schwerer Krankheit einen Oclbaum 6.— „ Materialien von Frau Blum Wwc., Fräulein Hirsch und Schwester Dorothea. Für die Misrachi-Mittelschule, gesammelt durch I. F. 13.— „ Köln a. Rh. Für den Parteifonds gingen bis Ende Februar 39 500 JL ein, davon allein 20200 J(-, aus Deutschland. — Die Ab st i m m n n g wegen Abänderung der Banksta tu teil ergab: für die Abänderung 12 000 Aktionäre mit 40 000 Aktien, gegen die Abändernng 2000 Aktionäre mit 6000 Aktien. Die am 28. Februar hier abgehaltene Sitzung des engeren Aktionskomitees nahm von diesem Resultate mit Befriedigung Kenntnis. Philadelphia (Amerika). Dr. Nathan Birnb a u m (Mathias Acher) sprach hier auf einem von den Zionisten arrangierten Vortragsabend. Ans de« Vereinen. Frankfurt a. M., 11. Mä'z. In der Frankfurt-Loge sprach gestern abend Herr Dr. Paul Nathan, der bekannte Leiter des Hilfsvcreins der deutschen Juden, über „Die Renaissance der Juden im Orient". Er begann mit einem geographischen und geschichtlichen Ueberblick und erklärte dann, daß Palästina, trotzdem es heute noch auf einein Tiefstand der Kultm stehe, zahlreiche Anfänge einer Renaissance zeige. Als Ludwig August Frankl im Austrage Simon Edlen von Lämel's 1856 Palästina besuchte, um in Jerusalem die Lämelschule zu begründen, zählten Jerusalem 5700 Juden (heute 45000), Saffed 2106 Inden (heute 10000), Liberias 1540 Inden (heute 7000), Beirut 180 Juden (heute 3500). Palästina hat heute eine Gesamtbevölkcruug von 700000 Seelen und darunter 85 000 Juden, die zum größten Teil erst in den letzten 30 Jahren cingewandert sind. Das gesamte türkische Reich hat in den letzten Jahrzehnten Umwandlungen im wirtschaftlich-fortschrittlichem Sinne durchgemacht: aber während z. B. Kleinasien infolge seines Bodenreichtums an Kohlen usw. sich wirtschaftlich schnell entwickelt, kann die Entwicklung in Palästina nicht wie in Kleinasien eine industrielle sein und kann deshalb nur all- . mählich vor sich gehen. Die Entwicklung wird hier hauptsächlich durch die Mittel der modernen Technik und besonders der Ackerbautechnik, da der Boden bei richtiger Bearbeitung ungewöhnlich fruchtbar ist, bewirkt. Die Anfänge der jüdischen Kolonisation in Palästina hatten mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es ist das an und für sich belanglos, da schon die mächtigsten Staaten mit den größten Mitteln vergebliche Kolonisationsversuche in fremden Ländern gemacht haben und diese Länder sich häufig nachher doch entwickelt haben. Die .jüdische Kolonisation Palästinas ist der Großherzigkeit Baron Edmund von Rothschild's zu verdanke», aber erst als dieser die Verwaltung seiner Kolonien der Jcwish Kolonisation Association („Jca") übergab und diese die Kolonisten auf ihre eigene Tatkraft verwies, gelangte das jüd. Kolonisatiouswerk in Palästina in gesunde Bahnen. Heute sind 25 000 Hektar Land im jüdischen Besitz und die jüd. ackerbautreibende Bevölkerung zählt bereits 7000 lIcelen, während es nur 1600 deutsche Kolonisten — und die deutsche Kolonisation hat bedeutend früher angefangen — giebt Dabei haben jüdische Kolonisten mit finanziellen Belastungen zu rechnen, die andere Kolonisationen nicht kennen: der Jude verlangt nämlich sofort alle religiösen und kulturrellen Einrichtungen wie Synagoge, Schule, Bad, Apotheke usw. Die jüdischen Bauern Palästina's sind aus schwachen Gestalten zu krasttrotzenden, starken Männern geworden. Professor Eberhard, der als Sachverständiger für das Auswärtige Amt des deutschen Reiches in Palästina weilte, schreibt, daß der jüdische Bauer keinem anderen Bauer an Leistungsfähigkeit nachstche und er sieht die Zukunft Palästina's in einer zahlreichen, wohlhabenden kleinbürgerlichen Bevölkerung. An eine Kolonisation großen Styls, an ein Hinlenken des Auswanderstroms nach Palästina ist nach Dr. Nathan's Ansicht vorläufig nicht zu denken. Vorerst hat man sich um die Hebung der in Palästina wohnenden jüdischen Bevölkerung zu kümmern. ,Es sind bereits heute neben der Landwirtschaft hübsch- Anfänge eines Handels- und eines Handwerkerstandes vorhanden. ' Bei Jaffa gibt es Juden, die an ihren Orangegärten Vermögen bis 100000 Frcs. verdient.

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