Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11. Frankfurter Israelitisches Familienblrck. Seite 11 haben. Der Hilfsverein hat besonder» der Schulwerk im. Auge. Die Schule muß daS. religiöse Empfinden der palästinensischen Juden achten und sich auf der hebräischen Sprache, die in Palästina wieder zu einer lebendigen geworden ist, aufbauen. ''Außer der hebräischen ist die Landessprache zu lehren, westeuropäische Sprachen aber nur in Handelsplätzen, wo eine dringende Notwendigkeit dafür vorliegt, denn die Jugend soll nicht zur Auswanderung, sondern zur Bodenständigkeit erzogen werden. Ans dem Gebiete des Unterrichtswesens müsse» wir Inden uns eilen, denn in Beirut sind. 1 amerikanische Und 1 französische Hochschule und in Konstantinvpel 1 amerikanische Hochschule — alle drei mit großen Mitteln aufs glänzendste ausgestattct und in christlichem Geiste' geleitet —, und wer das Wissen hat, der hat die Zukunft des Landes in seiner Hand. Die türkische Regierung selbst fördert gern die jüdischen Bestrebungen, da ihr aus den christlichen Bestrebungen stets Schwierigkeiten mit den christlichen Mächten entstehen können. Die IVifHtitbige Rede machte auf die mehr wie 590 Zuhörer eine» mächtigen Eindruck. Das, was Redner in rhetorisch und inhaltlich erstklassiger Form gab, bedeutet für die deutschen Inden — mit Ausnahme der Zionisten, denen das Angeführte nicht neu ist — eine Umwandlung aller Werte, gibt ihnen Gedanken, die ihnen bisher fremd waren. Bor Beginn der Rede hatte Herr Realschuldirektor Dr. Adler als Präsident der Frankfurt-Loge, die Herrn Dr. Nathan nach hier berufen hatte, in seiner Begrüßungsansprache den außergewöhnlichen Idealismus Dr Nathan's, der sein ganzes Leben in den Dienst seiner Brüder gestellt hat, gerühmt, und am Schlüsse richtete Herr Direktor Dr. Adler einen warmen Appell an die Versammlung, sich dem Hilfs- Verein anzuschließen, damit Tr. Nathan seine großen Pläne aussühren könne. Frankfurt a. M. Verein .Nachlaß Zwt". Die Purimfeier, zu der 'die Eintrittskarten bereits ausverkauft sind, beginnt um 8Ve Uhr (und nicht, loie auf den Karten angegeben, um 9 Uhr). Frankfurt a, M. Jüd Frauen-Verein. In höchst anziehender Weise sprach am vergangenen Mittwoch Herr Rechtsanwalt Dr. S ch w a r z s ch i l d über seine Reisc-Erlebnisse in Palästina. Bon Jaffa ausgehend, ließ 'er seine Zuhörerinnen über die Saronsebene zu den verschiedenen Kolonien wandern, die Beschäftigung und das jüdische Leben ihrer Bewohner schildernd. Sehr fesselnd war die Beschreibung von Jerusalem, seine Synagogen- und Wohlsahrtsbauten, für deren Förderung Herr Dr. Schwarzschild die jüdischen Frauen aufrief. 'Ausgezeichnete Lichtbilder trugen zur Beranschanlichnng des Vortrages bei. Frankfurt a. M. Verein „Montefiore". Für die Purim-Feier am Mittwoch, den 18. er., hat die Bcreinsleitung ein ausgezeichnetes Programm (siehe Inserat) vorbereitet, so daß den Besuchern des Festes ein genußreicher Abend in Aussicht 'gestellt werden kann. Mit Rücksicht auf den heiteren Charakter des Purim-Festes werden fast ausschließlich humoristische Vorträge geboten werden. Im zweiten Teile des Programmes gelangt Lcssing'S Lustspiel „Die Juden" zur Darstellung. Die Feier findet im großen Saale des Kaufmännischen Vereines, Langcstraße, statt; Mitglieder haben für ihre Person freien Zutritt, während Damenkarten zum Preise von 50 Pfennig pro «tück am Saaleingang erhältlich sind. Am Montag-Abend, 9 Uhr, findet wie alljährlich im Vercinslokal das Vorlesen der Megillah statt. Frankfurt a. M. Centralverein Israelit. Gemeinde Mitglieder. — Ter neugcwählte Vorstand hat sich, wie folgt konstituiert: Eli Michael (1. Vorsitzender), Rechtsanwalt Dr. Katz enstein (stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer), Heinrich Rothschild (Kassierer). Berlin. Letzten Mittwoch fand unter reger Beteiligung die ordentliche General-Versammlung des Israelitischen Fortbildungsvereins „Montefiore" statt. Nach Eröffnung der Versammlung gab der Vorsitzende an der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichtes einen Ueberblick über das abgelaufene Bereinsjahr. Als besonders bemerkenswert fei nochmals.' die bedeutende Vergrößerung der Vereinsräume und die Einrichtung neuer Schiurim erwähnt. An den Bericht des Vorstandes schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die dem neuen Vorstande eine Fülle von Wünschen und 'Anregungen brachte. Den Schluß d;r Versammlung bildeten die Neuwahlen des Vorstandes. Es wurde» gewählt: Herr Edmund Levy (1. Vorsitzender), James Halberstadt (2. Vorsitzender), Jacob Kempc. David G l ü ck st a d t, Dr. James Ellenbogen, Adolf Renz er, Heinrich F r e i r i ch s. Bern (Schweiz). Verein Talmud-Tora. In der Generalversammlung erstattete der Vereins- Präsident, Herr Herr mann Hauser, den Bericht, dem zufolge sich die Einnahmen vom 10. März 1907 bis zum 31. Januar 1908 auf insgesamt 2415 Francs und die Ausgaben auf 2412 Fr. beliefen. Das Total des Vercinsvcrmögens beträgt 486.42 Fr. Der Finanzbericht wurde mit Genugtuung ausgenommen und dem Vorstande, der ans den Herren H. Hauser, N. Kämpf I. M. M c l a m e d und Scher mann besteht, der Dank des Vereins ausgesprochen. lieber die innere Lage des Vereins referierte Herr I. M. M e l a m e d. Der Verein wird von 50 Kindern beiderlei Geschlechts besucht. Die Gegenstände des Unterrichts, der in hebräischer Sprache erteilt wird, sind: Hebräische Sprache, Gesctzeslehre, jüd. Literatur und jüd. Geschichte. Das Lchr-Programm wird von der Schulkommission, die aus den Herren Dr. I. Rablein, Hurwitz, Melnmed, Waldhorn und Rosenfeld besteht, ausgcarbeitet. Die Kommission wacht über den Unterricht und die Einhaltung deS Programms. Die letzthin abgehaltenen Prüfungen haben ein gnics Resultat ergeben. Ein großer Teil der Schulkinder spricht geläufig hebräisch, und mit den anderen Kindern kann inan sich ebenfalls hebräisch verständigen. Der Religions-Unterricht ist erweitert worden. Zum Vorstand für das nächste Jahr werden bestellt die Herren H. Hauser, S ch e i n m a n n , Kämpf und I. M. Mela m e d. Aus der Lehrerwelt. Berlin. Der Zentralausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland hielt am 24. Febr. hier eine Sitzung ab. In der Besprechung des von einer aus Mitgliedern des Deutsch-Israelit. Gcmcindebundes und des Verbandes der deutschen Juden bestehenden Kommission ansgearbeiteten Entwurfes eines Organ i s a t i o n s g c s e tz e s für die p r e u ß. Jude n war die Versanrmlung der Meinung, daß derselbe sowohl hinsichtlich seiner Bestimmungen über die Rabbiner, wie über die bezügl. des Religionsunterrichts den berechtigten Erwartungen nicht entspreche, und sie setzte wegen der weiteren Bearbeitung der Angelegenheit und Verständigung mit dem Verband der deutschen Juden 'eine Kommission ein. In der Diskussion über die vom geschäftssülirciidcn Vorstand zum Schutz der s e m i n a r i st i s ch nicht^vorgebildeten Kuktusbeamten.getanen schritte — eine dicsbezügl. Enquete des Knltüsmiiiisters hatte den geschäftsführeriden Vorstand zu einer Denkschrift an diesen veranlaßt — wird die Ablegung einer Religionslehrervrüfiing seitens dieser Beamten verlangt und das Verhalten des geschäftsführenden Vorstandes in seinen Verhandlungen mit dem Verband der deutschen Juden gebilligt. Zum Schluß wird über die angebahirte Verständigung zwischen dem Verbände der jüd. Lehrerverei»c und dem Rabbinerverband zum Zwecke gemeinsamer Besprechung von Gegenständen, die das Interesse der beiden ' Verbände berühren, und zur Ausgleichung der etwa zwischen einzelnen ihrer Mitglieder entstehenden Differenzen berichtet. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Rückgrat muß man haben, Rückgrat! Männer» stolz vor Königsthronen muß man habe», Männerstolz! Ein Rückgrat, das sich unter keinen Umständen biegen oder gar brechen läßt, einen Männerstolz, der, seines Wertes bewußt, aus eigener Kraft sein Recht verlangt und sich selbst Hilst. Das waren von jeher leitende Maximen der „Frankfurter Z e i - tun g". Nun hat sie in einem Falle plötzlich mit ihrer glorreichen, stets ruhmvoll bewahrten Vergangenheit gebrochen, indem sie die stolze Vertreterin des selbständigen Volkswillens, nach dem Büttel, will sagen nach der Regierung schreit. Und zwar gelegentlich der für Baden geplanten Einführung eines N e f o r m g e b e t b u ch s. Eine stattliche Reihe wackerer Kämpfer hat sich dagegen erhoben, hat laut und mächtig die ihr zum Lebensinhalt gewordene Ueberzeugnng vertreten. Daß die „Franks. Zeitung" mit der ihr eigenen, nach seder Richtung hin schroff antireligiösen Haltung nicht in diesem Lager zu finden ist, daß sie vielmehr den .Hcerrufcr unter den politischen Zeitungen für den badischen Oüerr a t macht, ist begreiflich. Unverständlich und n n - würdig erscheint es, wenn sie für den FalloerAblehnung dieses söge nannten Gebetbuches die badische Regierung zur Ausübung eines Druckes von oben anspornt, die Regierung „scharf macht". Sie schreibt wörtlich: „Jedenfalls wäre es ein großer Irrtum der Orthodoxie, zu glauben, daß iait der ersehnten Eroberung der Majorität in der Synode die Gebetbuchfrage in ihrem Sinne erledigt sein würde. Der Ansturm auf das alte Gebetbuch dürste dann erst recht beginnen, denn nie mehr werden die Liberalen sich den Gewissenszwang gefallen lassen wollen, daß ihre Kinder zur Benützung eines in seiner bisherigen Verfassung zweckwidrigen, ja schädlichen Unterrichtsmittels angehalten werden. Dazu dürften auch die staatlichen Instanzen im Großh c r z o g t n m B a d e n k a u m l ä n g e r d i e H a n d biete n." Prise gefällig, Herr Minister? . . . Der Chef des badische» Obere, ts, der Herr Regierungsrat und Miiiisterialbeamtr Dr. M., wird nicht versäumen, diese unzweideutige Bemerkung des Demokratenblattes devotest und siibmissest höheren Ortes zur gefälligen Beachtung zu unterbreiten, und die „Frankfurter Zeitung" wird dann das Recht verloren haben, Parteien anzugreifen, die die Hülfe der Regierung in religiosen A n g e l e g e n h e i t e n a n r u f e n. Ein treuer Leser der „Franks. Zeitung". Kunst und Literatur. „M ärz", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma, Her man »'Hesse, Albert Langen, Kurt Ä r a m. Erstes Märzheft 1908. Preis Jk 1.20, im Abonnement: das Quartal (6 Hefte) Jk 6.—. Verlag von Albert Langen in München. Aus dem Inhalt: Jean Jaurtzs, Frankreich, und der Friede — Ludwig Thoma, Der bayerische Kirchensiaat — Anatole France, Die achtzigtausend Heubündel — Ehr. Storz, Die Eisenbahnpolitik Oesterreich-Ungarns am Balkan. Das preußische Ge Werbesteuer zersetz. 'Amtliche, jetzt giltige Fassung. 46 Seiten (60 Pfg.). Verlag: L. Schwarz & Comp., Berlin S. 14, Dresdenerstr. 80. Katalog XII von M. 23. Kaufmann, Leipzig. Inhalt: Synagogenmusik für den Gottesdienst: Musik für das Haus; Schulkinder, Motellen, Psalmen uiw.: Musikwissenschaftliche Literatur. Te hi laus Jisroel. 6 Morceaux religieux par M. Cohen-Linaru (J£ 5.—). Paris, Librairie Durlacher 83 bis rue Lafayette. Leipzig, M. W. Kaufmann, Brühl 65. Carl Grebenau, Te?®ä ä lutve.en. Uhren. Soldu. Silbernsten. Telephon 6069. 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