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Neue jüdische Presse · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 9. Frankfurter FsraeliüskffeK FarnilienLlaR. treten M.'s für die bedrängte Lage einzelner jüd. Gemeinden bestand, 2) in apologetischen Schriften, in denen er die Vorurteile, die selbst gebildete Christen gegen die Juden hatten, zu widerlegen wußte, 3) in der Bibelübersetzung, durch welche ek die deutschen Juden der deutschen Kultur nähern wollte und so eine Art geistiger Emanzipation der Juden bezweckte. Am Schlüsse seines Vortrages feierte der Redner M. als Mensch unter Menschen und zeigte an Hand der Urteile von Zeitgenossen, wie überaus beliebt M. gewesen war. An den einstündigen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion, an der sich die Herren Lehrer Schwarz, Loewcnb e r g u. a. beteiligten. Ein gemütliches Beisammensein beschloß den genußreichen Abend. Posen. Jsiail Armen-Hilfsverein. Ter Verein vereinnahmte im abgelausenen Jahre 16177 Jk und verausgabte 19 392 Jk Ter Reservefonds, dem weitere 2500 Jk entnommen werden mußten, wäre schon geschwunden, wenn die Gemeinde keinen Zuschuß von 4000 Jk gewährt hätte. Lemberg (Galizien). Der jüdische Turnverein, der anfangs mit der Jnteresscnlosigkcit des Publikums zu kämpfen hatte, besitzt jetzt einen gut ausgerüsteten eigenen Turnsaal und zählt gegenwärtig 123 aktivturnende Mitglieder, darunter 30 tüchtige Turner, die Chassidim sind, eine sehr interessante Tatsache, wenn man bedenkt, wie sehr sich die Chassidim bisher gegen derartige Dinge gesträubt haben. Aus der zionistischen Bewegung. Budapest. Die „Allg. Jüd. Rundschau" schreibt in einem Artikel über den M i s r a ch i: „Wer nicht total durch Borniertheit verblendet ist und sich nur ein wenig Unbefangenheit bewahrt hat, wird wohl einsehen und erkennen, daß sich durch die geänderten Verhältnisse und insbesondere durch die weitgehende Selbständigkeit, die den Misrachistcn geboten ist, den gcsetzestreuen Juden, die überhaupt den heimatlosen Glaubens- und Volksgenossen bcistehen wollen, ein unbegrenztes Gebiet für eine segensreiche Tätigkeit und ersprießliche Arbeits-Möglichkei: auf dem Gebiete der Lösung der Judenfrage und der Milderung der Judeunot erschließt. . . . In je größerer Zahl wir uns dem „Misrachi" anschließen, desto größer wird unser Einfluß auf dem Kongreß, desto maßgebender und wirksamer unsere Arbeit in Palästina sein." Ans -er Lehrerwelt. Frankfurt a. M, 27. Februar. Heute vormittag von 8—12 Uhr wohnte der Generaldirektor der „Jka", Sonnen seid, den Unterrichtsstunden iin I s r a e l. Lehrerseminar bei und sprach sich überaus befriedigt über die Leistungen aus. Hannover. (Verspaiet). Am 1. ds. Mts. wurde in der hiesigen Gemeinde ein seltenes Fest begangen. Der Gemeinde-Sekretär Jakob Hoffmann feierte — oder, besser gesagt, die Gemeinde feierte die Wiederkehr des Tages, an dem dieser in jedweder Beziehung hervorragende Beamte, der seit jener Zeit gleichzeitig als zweiter Vorbeter und Baal Kore fungiert, vor genau 40 Jahren in den Dienst der Gemeinde trat. Hoffmann, vor fast 70 Jahren in Aurich geboren, absolvierte daselbst das Gymnasium und bestand vor genau 50 Jahren sein Lehrer-Examen in der hier unter dem Königl. Provinzial-Schnlkollegium seit 60 Jahren bestehenden Bildungsanstalt für jüdische Lehrer und fungierte dann noch 10 Jahre lang als Hauslehrer und Kultusbeamter bei dem königl. hannov. Ober-Kammerrat Simon, der eine Privat-Synagoge unterhielt, bevor er in den Dienst der Gemeinde trat. Der Jubilar hat es zu allen Zeiten verstanden, sich nicht nur bei seinen Vorgesetzten, sondern bei sämtlichen Mitgliedern der Gemeinde — ohne Unterschied des Standes und der religiösen Richtung — vermöge seines ganz hervorragenden, geradezu vorbildlich gewordenen Pflichteifers, sowie seiner besonderen Befähigung als Dorbeter der alten Schule sich einer außerordentlichen Beliebtheit zu erfreuen. Wohl kaum je zuvor ist denn auch ein Beamter hier so gefeiert worden wie dieser Mann, der ein ebenso tüchtiger Kultuswie Verwaltungsbeamter ist. Sowohl am Vorabend des Jubiläumstages, am Freitag Abend, als am Sonnabend Vormittag fand in der Synagoge ein 'besonders festlicher Gottesdienst statt, bei dem der rühmlichst bekannte Synagogen- Chor und Oberkantor LinHardt ihr Bestes znm Vortrag brachten. Die Synagoge war festlich erleuchtet, die amtlichen Plätze des Jubilars — Almcmor und Vorbeterpult — prangten im Blumenflor. 'Der Jubilar wurde als Schelischi (dritter) — was hier als besondere Auszeichnung gilt — vom Oberkantor mit Chorbegleitung in feierlichster Weise zur Thora aufgerufen, während sich die Gemeinde von den Plätzen erhob: ferner spracht der Oberkantor einen zu diesem Zweck' vom Landrabbiner verfaßten Mischeberach, in welchem zu Ehren des Jubilars vom Repräsentanten- Kollegium eine größere Spende für die „Unterstützungskasse für jüd. Lehrer, deren.Witwen und Waisen in der Provinz Hannover" gelobt wurde — eine Kasse, welche der Jubilar, vor fast 40 Jahren mit begründet hat und die ihm die wesentliche Förderung verdankt. Ein erhebender Moment war cs, als am Schlüsse seiner Nenmondspredigt Herr Landrabbiner Tr. G r o n c m a » n von der Kanzel .herab der hervorragenden vielseitigen Eigenschaften des Jubilars gedachte und die ganze Gemeinde stehend den warmherzigen 'scgcnswortcn lauschte. Nach Schluß des Gottesdienstes versammelten sich Vorstand und Repräsentanten im Sitzungszimmer des Geinciildc-Lekrctariats, um unter Führung des Vorsitzenden der Gemeinde, des Herrn Senator Fischer, dem Jubilar in seiner im gleichen Hanse belegcnen Wohnung die Glückwnnschc der Gemeinde, sowie der Gemeinde-Vertretung und -Verwaltung darznbringcn. Der Vorsitzende gedachte in einer längeren Ansprache des verdienstvollen, segensreichen Wirkens des treue»: Beamten, der unter 23 Vorstandsmitgliedern (einschließlich 5 erster und 6 zweiter Vorsteher) und unter zirka 60 Mitgliedern des Repräscntanteii-Kvllegs gearbeitet habe, die, wenn sie heute noch vereint wären, dem Jubilar einmütig das Zeugnis ausstcllcu würden, daß er zn allen Zeiten sich als idealer Beamter erwiesen, der allen anderen Beamten als Vorbild dienen könne und der die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt seien, nicht nur voll und ganz erfüllt, sondern übertroffen habe. Der Vorsitzende überreichte am «Schlüsse seiner Ansprache dem Jubilar namens der Gemeinde eine Ehren-Dotation, sowie namens der Mitglieder des.Kollegs ein kostbares Geschenk. Nachdem der Jubilar — von der Gattin, seinen Kindern und Enkeln umgeben — in cbriiso herzlichen, als treffenden und vortrefflichen Worten dem Kollegium und seinem Vorsitzenden gedankt und nachdem Herr Landrabbiner Tr. Gronentaiin in seinem Namen und demjenigen der obenerwähnten Lehrer-Untcrstütznngskasse die Glückwünsche dargebracht hatte, gab noch Herr Rabbiner Tr. Freund namens der Gemeindebeamten in einer Ansprache den Glückwünschen der Beamten Ansdrnck. Mit einem «Schlußgesang des Synagogen-Chorcs schloß die für alle erhebende Feier, an der sich die Mitglieder der Gemeinde außergewöhnlich zahlreich beteiligten. Lbcraula. Anläßlich seines 50 jährigen Amtsjubiläums erhielt Herr Lehrer Moses Brandes den Adler der Inhaber des Kgl. Hanso r d e n s von H o h e n z o l l e r n. Steele i. Rheinland. Lehrer und Prediger Max Lilienfeld, der erst in Siegen und seit 11 Jahren hier amtierte, ist im Alter von kaum 42 Jahren verschieden. Rasch tritt der Tod den Menschen an. Von E. M e y e r h o f. Es war im Herbst. — Zu einem schönen Feste Vereinten heute sich viel liebe Gäste, Und froh, daß auf des Sommers Ungemach Auch wieder einmal folgt ein guter Tag. — Die Kerzen schimmern Im festlichen Saal Und glänzen wider im Silberpokal. Und Blumen blühen und düsten dazwischen. Schneeweißes Linnen auf allen Tischen, — Als wenn ans dem Zauberreich die Feen Mit eigenen Händen sie schmückten so schön. — — Der Hausherr bittet herzlich und frisch Dann seine lieben Gäste zu Tisch, Und heißt sic willkommen in seinem Haus. Ein Vivatrufen und Stimmengebrans, Bis mit hellcin Ton klingt'» wiederum An ein Glas. Nun alle silentinm! „Da unten, Kinderchen, seid doch still! Euer Lehrer jetzt zu Euch sprechen will!" Alle schweigen rings im Kreise; Und mit schwacher Stimme, leise Hälr er den Trinkspruch ans den Barnnzwoh-Jnngcn. Wie cs durch Gottes Fügung gelungen. Daß er könnt' diesen Tag erleben, Ermahnt ihn zu fernerem ernsten Streben. Und spricht zn ihm: „Von heute an Da bist Du, mein Junge, ein ganzer Mann, Wirst würdig Dich zeigen Deinem Geschlecht, Aus dem Du entstammst, werde fromm und gerecht Wie Dein Ahnherr; in Dankbarkeit Gedenken wir seiner für alle Zeit, Aus seinen Namen paßt das Wort: „Nur der Gerechte lebt eckig fort." Ist solch ein Name, hochgeehrt. Nicht mehr als irdische Schätze wert?" So sprach er mit echtem Herzensllang, Und jedes Wort bis zur «Seele drang. Dann weiht er dem Helden des Tages sein Glas — „O, sprich, warum wirst Du plötzlich so blaß. Warum stehst Du auf, da nieinand Dich rief Und blickst so bang' und atmest so tief?" Nun geht er hinaus, nimmt keinen mit, Ein Anderer ihm zur Seite schritt Und reichte ihm die dürre Hand:' „Ich führ' Dich hinauf in Gottes Land. Des Menschen Wille ist mir kein Gebot, Dcim ich bin stärker, ich bin der Tod! Derselbe, der oft schon nnt drehender Hand An Deinem Krankenlager Mnd,^''^> Bis von der Deinen Liebe bezwungen Das Leben aufs Neue den Sieg errungen, Uno ärztliche Kunst, Dein häusliches Glück Dich wieder schenkten der Erde zurück. Doch heute ist menschliche Macht vergebens. Sich, hier, das Stundenglas Deines Lebens Zn Ende ist's, weil Gott cs will!" -Da stand das edle Herz ganz still. Ein Lächeln umspielte den Mund so bleich. Und er war oben in Gottes Reich. * Die Gäste kommen, was ist geschchn? Wer rief ihn nur, wer hat ihn gesehn? Und keiner glaubt's, er ging nicht fort Ganz ohne Gruß, ohn' Abschicdswort. Sic flüstern bang, sie atmen kanni Und betreten mit heiliger Scheu den Raum, Jn^ dem des Todes Majestät Mit eisigem Hauch sic alle umweht. Ans dein Lager lächelt ein Mann so still, Als ob er noch einmal sprechen will: Bin wirklich ich von Euch geschieden. Ganz ohne jedes Abschiedswort Und ließe ich kein Werk hinicdcn Das Euch verbleibt als ew'ger Hort? Und Hab' ich nicht seit langen Jahren Die Kinder Gottes Wort gelehrt. Und selbst als Mann in grauen Haaren Mit Lehren noch nicht aufgehört? So gern Hab ich mein Amt geübet, Das reich an Ehren, arm an Gold, Daß meine Schüler mich geliebet War stets für mich der beste Sold. Mein Leben brachte Freud' und «Schmerzen, Führt mich durch Rosen und 'durch Dorn Dein «Sämann gleich, in Kinderherzen Pflanzt ich das zarte Samenkorn. Mit Dankbarkeit Hab' ich empfangen Noch Früchte aus dem eig'nen Haus, Bin von der Arbeit, heimgegangen Und ruhe nun dort oben aus. Bevor ich rüstete zur Reise, Von der cs keine Heimkehr gibt. Saß ich im trauten Freundeskreise Und neben der, die ich geliebt. Dann sandt' ich znm Höchsten ein Gebet, An das ich glaube treu und fest. In heil'gcr Schrift geschrieben steht: „Daß Gott die «Seinen nicht verläßt." Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Vergangenen Sonntag hielt vor einem zahlreich erschienenen Publikum Herr Dr. Raph. Breuer einen Vortrag über das Thema: „Sind Träume Schäume?" Ausgehend von der Bedeutung des Traumes in der Bibek, iin Talmud und im Gebete, ging Redner zur Erklärung des Traumes vom Standpunkte der Wissenschaft ans über und gelangte im Verlaufe seiner'Ausführungen zu dem Resultate, daß cs ein aussichtsloses Bemühen der Wissenschaft sei, nach welcher Richtung hin sie sich auch wenden mag, das Traumleben als einen rein physischen Vorgang' erklären zn wollen, da sie ja Beweismittel hierfür zn erbringen, niemals im Stande sein werde; es sei vielmehr anzunehmen, daß dem Traume eine metaphysische Bedeutung beizumessen sei. Redner schien sich indessen über den Charakter des Traumes selbst 'nicht ganz klar zn sein, denn man konnte am Ende seinen Ausführungen eine bestimmte Antwort nicht Entnehmen. Jedoch gelang es ihm, dank seiner glänzenden Rhetorik, das Gros ■ feiner Zuhörer in nahezu faszieniercnder Weise mit sich jortzureißen und so über seine eigene Unsicherheit hinwegzntäuschen. — Eines aber ist erstaunlich: mit 'welch maßloser Ucberhebnng die moderne Wissenschaft hier — nicht beurteilt, sondern — verurteilt wurde. Wir versagen es uns, auf Einzelheiten einzugehen. Ist es doch eine nicht zu leugnende Tatsache, daß gerade die neuere Forschung, die auf so zahlreichen Gebieten Fortschritte aufzuweisen hat, die von niemanden, selbst auch nicht von Herrn Dr. B. abgeleugnet, oder gar aus der Welt geschafft werden können, uns auch auf 'dem Gebiete der Erforschung des Traumlebens schon einige Klarheit gebracht hat, obgleich, das geben wir gerne zn, sie zu einem abschließenden Resultate hierin noch nicht gelangt ist. Doch wer hätte vor 100 Jahren schon an Bakteriologie, X-Strahlen oder gar an ein lenkbares Luftschiff gedacht! Das Ringen der Menschheit, ihr rastloses, ehrliches Suchen nach dem Funken — der für uns göttlichen — Wahrheit, ist ab er d och wahrlich zu tiefernst, als daß mit ein em solch g er in gsch ätzig eu Lach eln darüber hinweggegangen werden

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