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Neue jüdische Presse · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. ' Fvimkftutter FsnriKtWeS Familievbkchkt. " Nr^ 9. 100 zu Reserveleutnants Beförderten 26 Inden. Cassel Bankier Moritz Wertheim wurde als Stadtverordneter wiedergewählt. Berlin. Geb. Medizinalrat Dr. Abraham Baer, Kreisphhsikus und Gefängnisarzt in Plötzenfee, ist nach längerer Krankheit verschieden. Baer war bedeutend in der Sozialmedizi»; gradezu klassisch ist sein Werk „Der Alkohvlismus" geworden. Von seinen Werken sind ferner hervorzuheben: „Die Zerbrechen in anthropologischer Beziehung" und „Ueber das Vorkommen der Lungenschwindsucht in den Gefängnissen". Baer gehörte zu jenen seltenen glücklichen Menschen, denen es beschieden ist, ohne Feind durch's Lebe» zu gehen. j Berlin. Adolf Loewenstein und Frau Florentine geb. Jacobson begingen das Fest der Goldenen Hochzeit. — - Stad trat Geh. Rat Dc. S t r a ß m a n n, der sich um die öffentliche Gesundheitspflege und Krankenfürsorge Berlins verdient gemacht hat, feierte seinen 70. Geburtstag. — Kommerzienrat Dr. Eduard >simon von der Firma Gebrüder Simon erhielt den Charakter eines Geheimen Kommerzienrates. Breslau. Der Seniorchef der Düngerhandlung, S. Sternberg, Herr Adolf Sternberg, erhielt de» Charakter eines Kommerzienrates. Schrimm. Im Alter von 57 Jahren verschied der Stadtverordnete Sigmund U » g e r. Saltowitz. Als Vorsteher der jüdischen Gemeinde wurden Stadtrat Salomon Wiener, Justizrat Badrian und Baumeister Max Schalicha, als Vorsteher-Stellvertreter die Kaufleut- Max S ch a l s ch a und Adolf Engel und als Vorsteher-Ersatzmann der Kaufmann Altmann gewählt. Prag. Zu fachmännischen Laienrichtern aus dem Handelsstande wurden wiedercrnannt: Adolf Bloch, Robert Fuchs, Siegmund Haurowitz, Emanuel Kattberg, Siegmund Kann, Jakob Lederer, Friedrich Sobotka und Philipp Falkowicz. — ©einen 70. Geburtstag feierte der geistvolle Schriftsteller Josef Popper (Pseudonym: Lynkeus). Sein Hauptwerk lautet: Phantasten eines Realisten. Auch technisch-physikalische Schristen von Bedeutung hat er veröffentlicht. Loudou. Nach langer Krankheit verschied Herr Morris van Thal — geboren 1839 in Rotterdam —, eilte Persönlichkeit, die mehrere Ehrcnstellcn im jüdischen Gemeindeleben inne hatte. Amsterdam. Im Alter von 69 Jahren v erverschied Dr. Leendert Baruch Perel, der Haüptredakteur des „Onashankelijk Israelitisch Orgaan voor Nederland". — Zum Oberkantor der neuen Synagoge wurde Herr W. Reis.el aus Schaky gewählt. Rew-Nork. Hier weilt gegenwärtig Dr. Jakob Klatzkin, ständiger Mitarbeiter des Frankfurter Israel. Familienblattes, im Aufträge des Hikfsvcreins der deutschen Juden, um die Einwanderung an Ort und Stelle zu studieren. Die jüdischen und allgemeinen Zeitungen Amerika's begrüßen die Mission Dr. Klatzkin's aufs sympathischste. Philadelphia. Ein tragisches Geschick hat die sehr angesehene Familie Samuel Ellermann ereilt. Frau Ellermann — eine Dame von 71 Jahren, die im April mit ihrem Gatten die Goldene Hochzeit gefeiert hätte — ging mit ihrer Tochter aus, um ihren Sohn Louis zu besuchen. Bei ihrem Sohn augekommen, fühlte sie plötzlich einen heftigen Schmerz in der Gegend des Herzens und sank gleich darauf vom >L>iuhl hinab. Ihr Sohn lies schnell zum Arzt, und Äs er, angestrengt von dem schnellen 'Laufen, mit dem Arzt wieder im Zimmer der Mutter erschien, — da fiel er plötzlich tot hin, — und wenige Minuten später gab seine Mutter ihren Geist auf., Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Das Aktionskomitee hat folgenden Aufruf erlassen: „Der 8. Zionistenkongreh im Haag hat die Schaffung eines Parteifonds beschlossen. Die Sammlungen haben begonnen und die ersten Ausweise dem Großen Aktionskomitee in der Tagung vom 6. und 7. Januar ~b. F. Vorgelegen. Wiewohl ersichtlich war, daß viele unserer Fremide sich bereits opfermütig an der Sammlung beteiligt haben, hat das Aktionskomitee doch beschlossen, sich mit einem erneuten Ausruf an die Zionisten aller Länder zu wenden. Zionisten!' Wir wenden uns heute an Euch in einem bedeutungsvollen Moment. Nachdem uns der Präsident des Engeren Aktionskomitees über seine Tätigkeit in den letzten Monaten Bericht erstattet hat, ist Vas große Aktionskomitee zu der zwingenden Urbrrzeugung gelangt, daß die sofortige Beschaffung großer Geldmittel zur erfolgreichen Fortführung der Unterhandlungen gerade in diesem Zeitpunkte unsere dringendste Pflicht ist. Und noch eine zweite große Aufgabe tritt, gerade jetzt-an uns heran. Unsere Palästinaarbeit muß auf sichere Grilndlage gestellt, ein Arbeitsamt in Palästina geschaffen werden,, von dem aus die aufblühenden Unternehmungen unserer Bewegung geleitet und mit Anregungen versehen werden sollen. Von der Errichtung dieses Palästinaamtes erwarten wir eine neue Epoche im wirtschaftlichen Leben unserer alten Volksheimat. So habe» denn die Mitglieder des Großen Aktionskomitees einmütig beschlossen: Nachdem das Aktionskomitee den Bericht des Engeren Aktionskomitees über die politische Lage und die Erfordernisse der praktischen Arbeit in Palästina entgegengenommcn hat, beschließt es eilt» stimmig, die Landsmannschaften und einzelnen Mitglieder des Aktionskomitees zu verpflichten, ihre Arbeit in erster Linie der Sammlung für den Parteifonds zu widmen. Gesinnungsgenossen und Freunde! Wir rechnen fest darauf, daß Ihr die Bedeutung des Augenblicks erfassen und dem Aktionskomitee die nötigen Mittel zur Verfügung stellen werdet. Auch viele, die unserer Bewegung noch nicht angehören, werden sich der Einsicht nicht verschließen, daß die wertvollsten Interessen der jüdischen Gesamtheit eine sofortige tatkräftige Förderung der zionistischen Bemühungen erheischen. Es gibt jetzt keine wichtigere Aufgabcfürnns,alsnnvcrzüglichdieregste Agitation für den Parteifonds zu entsalten. Werbet und sammelt, wo immer Juden weilen/ deren Heizen für unser heiß geliebtes Land und unser schwer bedrängtes Volk von Treue und Pflichtbeirußtsein durchdrungen sind." Die Geschäftsstelle des Franks. Ist. Familienblattes ist bereit, Beiträge in Empfang zu nehmen. Köln a. Rh. Mitteilungen des Hauptbüros d e s I ü d. N a t i o ii a l f o n d s. In Nr. 6 der „Welt" wurden für den Verkauf von Postwertzeichen Mk. '101,15 ausgcwiesen. Inzwischen ist schon wieder ein Ertrag von. Mk. 15,25 erzielt worden und zwar aus mehreren Kilogramm gewöhnlichen und mehreren besseren Marken. Diese Erstlge beweisen deutlich, daß es möglich ist, aus dem Sammeln von Briefmarken nennenswerte Beträge für den Nationalfonds aufzubringen. Der Aufforderung, viele österreichische Jnbiläumsmarkcn und zwar die seltenen und höheren Werte zu übermitteln, ist leider nur in so geringem Maße entsprochen worden, daß wir nicht imstande waren, mehrere an uns gerichtete Aufträge anszuführen. Daher bitten wir nochmals dringend um Einsendung dieser Marken. — Beim Ausweis der nenenNationalfondsb H ch sc n ist stets darauf zu achten, dag bei diesen Büchsen mit der Nummer auch der Kennbuchstabe K., welcher die neuen Büchsen von den alten unterscheidet, mitgedruckt wird, da sonst eine Verwirrung in unseren Aufzeichnungen unausbleiblich ist. Auch brauchen wir eine genaue Liste der Inhaber von alten Büchsen, welche noch weiterhin in Gebrauch bleiben, da wir hier jede einzelne Büchse mit Hülse einer Kartothek in genauer Evidenz zu halten beabsichtigen. Der erst kürzlich ins Leben getretene Herzl-Klub, Köln hat eine praktische Einrichtung getroffen. Zur Bescheinigung der entrichteten Monatsbeträge benützt der Verein nicht die üblicheiiQuittnngsscheine, sondern er bedient sich ähnlicher Karten, wie sie z. B. als Straßenbahnabonnements Verwendung finden. Die Karten sind in 12 Felder eingeteilt, von denen jedes den Namen eines Monats umschließt. Ist nun der Klubbeitrag für einen bestimmten Monat erlegt, so wird als Bescheinigung eine Nationalfendsinarke ans das betreffende Monatsseld geklebt und durch den Vereinsstempel entwertet. Aus diese Weise erspart inan viel Schreiberei, die sonst durch Ausfüllung unzähliger -Quittungskarten notwendig wäre, die Kontrolle ist ebenso sicher wie einfach, und last not least dem Jüdischen -Nationalfonds eröffnen sich neue Einnahmequellen. London. Der bekannte Zionist Israel Belkind. der in Palästina eine Ackerbau sch ule errichte» will, weilte hier und in anderen Städten des Königsreiches im Interesse der Verwirklichung seines Vorhabens. Bei der Erziehung und Erhaltung von 60 Schülern schätzt er die jährlichen Ausgaben einer dei artigen Schule auf etwa 20 000 Mark, außerdem wären etwa 40 000 Mk. für die Errichtung notwendig. Die Schulzeit soll 7 Jahre dauern. Belkind ist bereits auf der Rückreise nach Palästina begriffen. Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Ich blickte staunend zu ihm empor; der Ausdruck inniger Resignation lag in 'feinen Zügen. „Du begreifst das alles nicht," sagte er lächelnd, „zuweilen kann ich selbst es kaum begreifen — und doch war es sehr einfach, so natürlich. —- Ich war noch nicht Prior, war nur einfacher Ordenspriester, als ich eines Tages' in ein Dorf gerufen wurde zu einem Sterbenden, dem ich die letzte Oelung reichen sollte. Es war ein schwüler Dag, auf dem Rückweg brach ein Gewitter aus. Der Bauer, der das Pferd lenkte, bekreuzigte sich unablässig, und auch ich betete, denn es war überaus unheimlich; unablässig fuhren h'etlleuchtende Blitze aus dem dunkeln Gewölk im Zickzack hernieder, und der Donner folgte fast im Moment darauf und schien nicht aufhören zu wollen. Es war, als ob die Erde in ihren Grundfesten erbebte. Plötzlich fuhr ein Blitz hernieder, wie ich solchen nie ini Leben gesehen und gleichzeitig der Donner, ein furchtbares lang anhaltendes Krachen. Der Blitz hatte unmittelbar vor uns in Linen Baum eingeschlagen, der sofort in Flammen stand. Das Pferd .scheute, bäumte sich zuerst hoch auf und rannte dann in rasendem Galopp davon, wobei es dem Bauer den Zügel entriß — c§r rannte gegen eine« Steinhaufen, an dem der leichte Wagen zerschellte, seine Insassen wurden hinausgeschleudert. Der Rosselenker war mit dem -Schrecken und leichten Hautabschürfungen davon gekommenich, aber hatte das rechte Bein gebrochen und war außerstande, mich anfznrichten, selbst nicht mit Hilfe des lamentierenden Bauern. Er beschwor mich, mich ruhig zu verhalten und guten Mutes zu sein, wir befänden uns unmittelbar vor einem Städtchen, in dessen erstem Hause ein geschickter Arzt wohne, den er herbei rufen welle. Er eilte davon und war in Wirklichkeit in kaum einer Viertelstunde wieder bei mir, begleitet von zwei Männern mit einer Tragbahre. Der eine der Männer war der Arzt —" „Das war gewiß mein Großvater," siel ich hastig ein, „der war ein berühmter Arzt. Clkanan Rose war sein Name." „Ganz richtig," sagte der Prior, mir freundlich zunickcnd, „Elkanan Rose war sein Name. Mit seiner Hilfe wurde ich vorsichtig auf die Bahre gelegt, die die beiden andern trugen, der Arzt ging neben her und sprach unablässig, freundlich tröstende Worte zu mir, so daß ich mich schon durch seine Gegenwart geborgen suhlte. Als wir seine Wohnung erreicht hatten, ward ich auf ein Ruhebett gelegt; der Arzt überzeugte sich sehr bald, daß cs sich um eineu doppelte» Bruch handelte, des Schienbeins und des Knöchels. Einen Moment sah ich ihn die Stirn in Falten ziehen, gleich daraus aber suchte er mich wieder ausziimuiitern. Dann ging er zur Tür und rief: „Dina". „Ich komme schon, Vater," antwortete eine silberhelle Stimme, — und gleich darauf kam sie in der Tat, ein blühend schönes Mädchen, wie ich so lieblich keines je gesehen. Doch ich brauche sie Dir nicht zu beschreibe». Du kennst sie, es war Deine Mutter. „Ich habe schon alles mitgebracht, was Tn brauchst, Vater," sprach sie mit ihrer wunderbaren Stimme, die mir wie Musik nicht nur in's Ohrsondern bis tief hineiu in's Herz drang, „Diego hat mir schon gesagt, daß es sich um' einen Beinbruch handelt." „Warum kommt er denn nicht, um mir zu helfen?" fragte der Vater. „Weil ich ihm gesagt habe, daß ich Dir helfen werde. Du weißt doch, daß er oft zittert, und da müssen die armen Patienten noch mehr leiden." „Nun, mir kann's recht sein," erwiderte er, ihr liebevoll zunickend, '„Du machst es freilich besser als er. Also frisch an's Werk! — Ihr braucht euch nicht zu fürchten, hvchwürdiger Herr," wandte er sich, dann zu mir, „meine Tochter hat mir schon einige Male geholfen, ich glaube, sie versteht es besser als mein Gehilfe, wenigstens scheinen die Kranken bei ihrer Hilfe weniger zu leiden." Ich erwiderte nichts, mein Auge hing an dem lieblichen Kinde, das sich eben beide Aermel hinauf schob, |o daß ihre ballen runden Arme sichtbar wurden. — Mein Herz begann zu pochen, lauter und immer lauter. — Doch was soll ich Dir erzählen? — Du keimst die grauenvollen Schmerzen beim Einrichten eines Bruches — und ich schwöre Dir bei allem, was heilig ist, daß ich'auch nicht de» geringsten Schmerz empfunden habe. - Ich. sah nur.die kleinen

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