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Neue jüdische Presse · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Speisesaal, Musikzimmer, Lesesaal und die Schlafräume — alles zeugt von einer liebevollen behaglichen Ausstattung, die Anerkennung für das aufopferungsvolle Wirke» der Schwestern atmet. Die Einweihung des 170 Betten fassenden Asyls für Kr an ke und Altersschwache fand heute statt. Dessau, 18. Februar. Heute Mittag fand im Berseindes Herzogspaares die.E i u w e i h« ung der neuen Synagoge statt. Das prächtige romanische Bauwerk ist errichtet aus der Baronin v. Cohn-Oppenheim-Stiftung. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Leitung der jüdisch-nationalen Parte i für Galizien hat den Beschluß gefaßt, bei den bevorstehenden Landtagswahle» aL» tiv einzu greifen. Die „Neue National-Ztg." hält diesen Beschluß für verfehlt, weil bei seiner Ausführung der -schaden größer wie der Nutzen sei. Der Wähler muß nämlich der Wahlkommission, in der Bezirkshauptmann, Bürgermeister und Steuerinspektor die Hauptrolle spielen. Len Namen seines Kandidaten mündlich angeben, und die Nennung eines uichtoffiziellen Kandidaten ist unter diesen Umständen ein großes persönliches Risiko. Die „Neue National-Ztg." empfiehlt aus diesem Grunde und tveil der Mittelpunkt der jüdischen Politik doch lediglich im Reichsparlament liegt, den Jüdischnationale», mit ihrem Eingreifen in die Landtagswahl zu Marten, bis das allgemeine Landtagswahlrecht in einigen' Jahren eingeführt ist. Wien. Die Erklärung des österreich. Ministers des Aeußere» von Aehrenthal in der österr. Delegation: „Was die Frage der Behandlung österreichischer oder ungarischer Staatsangehöriger israelitischer Konfession in Preußen anlangt, so hat die kaiserlich deutsche Regierung anläßlich einer speziellen Anfrage erklärt, es beruhe auf einer irrigen Voraussetzung, wenn angenommen tverdc, daß Ausländern mosaischen Glaubens der Aufenthalt in Preußen überhaupt nicht gestattet werde. Es bedürfe vielmehr für diese nur bestimmungsgemäß in der preußischen Monarchie im einzelnen Falle einer Genehmigung zum Aufenthalte. Aus dieser Erklärung der kaiserlich deutschen Regierung geht hervor, daß es sich hier nicht um eine speziell gegen unsere israelitischen Staatsangehörigen gerichtete Maßregel, sondern um eine generelle Verfügung handelt, die in gleicher Weise alle ausländischen Israeliten trifft". — diese Erklärung zeigt wieder einmal, daß der Jude in Preußen trotz gegenteiliger Behauptung der Regierung, die auf die gesetzlich verbürgte Gleichberechtigung hinweist, als Bürger zweiter Klasse behandelt wird. Denn wie anders wäre es möglich, daß man bei Ausländern einen Unter-- schied 'macht zwischen Ausländern christlicher und jüdischer Konfession? Doch was Hilsts! — wohl sitzen sieben jüdische Abgeordnete im Preußischen Landtage; aber leider werden diese Armen sofort taub und stumm, wenn es sich um die Vertretung von Angelegenheiten der Juden handelt. Wir hoffen aber, daß der Verband der Deutschen Inden zeigt, daß er auf dem Posten , steht. Budapest. Eine Deputation der neologen israelit. Gemeindedistrikte sprach beim Unterrichtsminister Graf A p P o n Y i vor, um diesem für die Einberufung des israelit. Lande s k o n g r e s s e s ju danken. Dr. MorizMezei, der Präsident der Landeskanzlei, war der Führer der Deputation. Er sagte in seiner Ansprache: „Wir werden mit unseren Anträgen bestrebt sein, im Schoße unserer Konfession die friedliche Einmütigkeit wiederherzu stellen und alles zu vermeiden, was die leider vorhandenen Gegensätze verschärfen könnte. Wir übernehmen ferner gern die Verantwortung dafür, daß die Versammlung nicht verhindert wird, eine solche Organisation festzustellen, bezw. unsere bestehende Organisation mit Berücksichtigung der geänderten Verhältnisse auf solche Weise auszugestalten, daß darin jede in der Zwischenzeit in unserer Konfession aufgetauchte Richtung und Partei schattier ung einen Platz und Gelegenheit dazu finde, daß sie unabhängig ihre'eigenen Angelegenheiten führen könne und die Einheit der Konfession nur dort in die Erscheinung trete, wo der Rechts st andpun kt der ganzen Konfession zum Staate'und ihr Rechtsverhältnis zu den anderen Konfessionen in Rede steht." Graf Apponh i erwiderte, daß es sein warmer Wunsch sei, die Angelegenheiten der vaterländischen Judenschaft, die seinen Vorgängern in 40Jahren zu regeln nicht gelungen ist, zu regeln, indeni! auch die Judenschaft ihre autonome Organisation erlange und ihr Verhältnis zum Staate auf solche Grundlagen gestellt werde, die der wahren Rechtsgleichheit und Gewissensfreiheit entsprechen. — Die orthod. Landeskanzlei beschloß, gegen ein Zusammengehen mit den Neologen entschieden Verwahrung einzulegen. Rußland. Petersburg. Ein Verein zur Regelung der jüdischen Auswanderung hat sich hier gebildet. Der Verein wird seine erste allgemeine -Versammlung im März ubhalten. Petersburg. 204 Theaterstücke im Jargon sind in den letzten 4—5 Monaten bei der dramatischen Zensur in Petersburg eingereicht worden. Odessa. Anläßlich seiner goldenen Hochzeit spendete der Bankier H. B r o d s k i 19 000 Rubel für verschiedene Zwecke, darunter 5000 Rubel zu Gunsten der christlichen Volksschulen, die bekanntlich keine jüdischen Schüler a n n e h m e n. Als Gegenstück zu diesem Akte einer Selbstvcrleugmmg, tvic sie nur bei reichen Assimilationsjuden denkbar ist, paßt die entrüstete Zurückweisung der Stadt, der in großer Not Hinterbliebenen Familie eines — jüdischen Ärztcs des der Stadt unterstellten jüdischen Spitals eine Pension zu gewähren. Wer die Entrüstung bei den Odessaer Stadträten über die Zumutung, Juden eine Pension zu gewähren, mit* angesehen hat, der findet wahrlich für die Handlungsweise des Bankier Brodski keine Worte. Großbritannien. London. 802 Einwanderer sind 1907 auf Grund der Aliens Act, die mindestens 5 Pfund Vermögen verlangt, z u r ü ck g c w i e s c n worden, 313 mehr als 1906: — und das unter der „humanen" Verwaltung der „liberalen" Regierung! Bnlgarien. Philippopel (Bulgarien). Gleichsam als ein Friedenssest der hiesigen jüd. Gemeinde erschien uns die Samstag, den 8. Februar, im Metropoltheater, dem größten Philippopels, von dem Turnverein „M a k a b i" veranstaltete g y m n a st i f cf) c Aben dniite r halt u n g. Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt, unter de» Anwesenden befanden sich auch viele Nichtjuden, besonders Türken. Es wurden von den turnenden jungen Damen und Herren Freiübungen ansgeführt und Turnfiguren dargcstcllt, die den größten Beifall des Publikums ernteten. Ein Ballett der Turner, die in bulgarischer Banerntracht und mit verschiedenen Ackerbaugerätcn ausgerüstet auf der Bühne erschienen waren, ergötzte am meisten die Zuschauer. In allen Vorführungen war ein national-jüdisches Motiv zu erkennen, so zeigte uns das lebende Bild die jüdischen Kolonisten in Palästina bei ihrer Feldarbeit. Ben-Hoamitti. Amerika. New-Pork. Bilder aus der jüdischen Gesellschaft. — Der Millionär Louis-Stern, der jüngst seine Tochter mit einem katholischen Baron aus der Schweiz verheiratete, hat sein Amt als Vorstandsmitglied der Millionärs-Synagoge Emann-El »iedcrgclcgt, weil Dr. M a g n e s, der Rabbiner dieser Synagoge, sich erlaubte, gegen die Mischehen zu predigen. Albert Germanus in Ncwyork ist zum Jubeiilum übergctreten, um Fräulein Annie Wolf, eine Jüdin, heiraten zu können; sein Vater, der Richter Emil Germaniis, war s. Zt. vom Judentum zum Christentum übergetrcten, um Albert's Mutter, eine Christin, heiraten zu können. Rew-Aork. Die Vereinigten Jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften haben ihre Büros dauernd wicdereröffnet, nachdem die Sammlung des zu diesem Zwecke gebildeten 259 er Komitees bereits 29 000 Dollars in Jahresbeiträgen nnd Spenden gebracht hat und die bis zum Ende des am 30. September schließenden Rechnungsjahres noch fehlenden 40000 Dollars zweifellos von dem Komitee auch noch gesammelt werden dürften. Personalien. Berlin. Auf eine 50jährige literarische Berufstätigkeit blickt der Schriftsteller Nathan I a c o b (N. I. Anders) zurück. Jacob war ursprünglich Buchbinder. Anläßlich des Einzuges der Prinzessin Viktoria am 8. Februar 1858 hatte er ein Begrüßungsgedicht gemacht, für das er von dem damaligen Oberbürgermeister Krausnick ein Anerkennungsschreiben erhielt, seitdem widmete er sich der Schriftstellern. Potsdam. Moritz Wolfs, Stadtrat, Stadtältester und Mitglied der Handelskammer, ist ge - st o r b e n. Köln a. Rh. Bankdirektor Albert Heimann erhielt den Charakter als Kommerzienrat. Köln a. Rh. Dr. med. Benjamin Auerbach erhielt den Charakter als S a n i t ä t s r a t. Bonn. Die im Januar verstorbene Frau Moritz Eltzbacher Witwe vermachte den Armen der Stadt 2000 Mk. Altona. Ihren 80. Geburtstag feierte die durch ihre unermüdliche Tätigkeit im Dienste der Wohltätigkeit bekannte Frau Rabbinatsassessor Munk Witwe. Janowitz in Posen. Frau Fanny Schmul geb. Pincus, die Vorsitzende des Israelit. Frauenvereins, ist im Alter von 62 Jahren verschieden. (L.) Posen. Für den jüngst verstorbenen Rendanten nnd Sekretär der israel. Gemeinde, Herrn M. Selka, wurde Herr I a k o b s o h n yon hier gewählt. Königsberg. Seinen 90. Geburtstag feierte der Rentier 'Alexander K a d i s ch, während vieler Jahre Vorstandsmitglied der israel. Gemeinde. (L.) Kostschin in Posen Der jüdische Kaufmann Michaelis Braun hat drei Schnlknaben, die auf dem Eis eingcbrocheu waren, vor d e ui Tode de S Ertrinkens gerettet. (b) Wreschen. Herr Michaelis Gans. Vater des Herrn Rabbiner Tr. Gans in Preuß. Stargard^ ist infolge eines Herzschlages am Ansgang des Sabbats plötzlich verschieden. Ter Verstorbene, der nur ein Alter von 58 Jahren erreichte, zeichnete sich durch wahrhafte Frömmigkeit aus und genoß allgemein hohe Achtung. Wien. Die Entlassung der Hofoperns ä n g e r i n B l a n d seitens des neuen Direktors der Hofoper, W e i n g a r t n e r, wird allgemein besprochen, weil die „jüdische" Konfession der Sängerin als Grund angenommen wird. Weingartner — selber ein Jndenstämmliiig gleich seinem Vorgänger Gustav Mahler — soll nach der „Sonn- und Montags-Ztg." gesagt haben: „Ich kann eine von der jüdischen (gemeint ist damit die freisinnige Tagespresse!) Presse hinaufgelobte Sängerin an der Oper nicht brauchen." Dwinsk (Rußland). Hier starb dieser Tage Moses Hölzer, ein Alaun, der in mittleren Bermögensverhältnissen lebte und bescheiden seines Weges ging. Sehr groß war daher das Erstaunen, als man jetzt vom Rabbiner erfuhr, daß die 1000 Rubel, die die er seit 8 Jahren jährlich dem „Verein Bikkur- Chaulim" von einem Unbekannten übergab, von Hölzer herrührten. Houston <Texas). Dr. med. David Rauh, einer der angesehendsten Bürger der Stadt, ist plötzlich verschiede n. Rauh war bayerischer Reserveleutnant nnd Besitzer der Rettungsmedaille. Er war wegen eines Duells mit einem Adligen, der ihn als Juden beleidigt hatte, nach 'Amerika ansgewandert. Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „So lange Du im Kloster sein wirst," wiederholte er seufzend, indem er meine Hand drückte. „Da habe ich mir nun nahezu eine Stunde lang vielleicht die Schwindsucht an den Hals geredet, ohne daß es mir gelungen wäre. Dich zu überzeugen. Du scheinst Tlinen Plan, uns zu entrinnen, keineswegs aufgegeben zu haben, scheinst nur Deine Genesung und einen passenden Moment abmarteu zu wollen. Jst'S nicht so?" Ich war nicht imstande, den Blick zu ihm zu heben. Leugnen konnte ich's nicht, und es zugeben, — wäre mir wie eine Frechheit vorgekommen, dem Manne gegenüber, von dessen Wohlwollen ich mich überzeugt hielt. Doch er wußte mein Schweigen zu deuten. „Du antwortest nicht, aber der jähe Farbenwechsel in Deinen ausdrucksvollen Zügen hat Dich verraten; darum halte ich inich verpflichtet. Dir klaren Wein einznschenken nach jeder Richtung hin. Die Männer, die Dich mir übergeben haben, kenne ich nicht. Du vermutlich auch nicht, aber sie haben niir ein Schreiben einer hochgestellten Persönlichkeit übergeben, in dem ich verpflichtet werde, für Deine Verpflegung und 2 ein.' Erziehung zu sorgen und dafür verantwortlich gemacht werde, daß Du das Kloster ohne Zustimmung der erwähnten Persönlichkeit nicht verlassest. Nun setzen wir den Fall, daß ein abermaliger Fluchtversuch Dir in sofern gelingen würde, daß wir nicht, wie die beiden vorigen Male, Deiner sofort wieder habhaft würden. In diesem Falle wäre ich gezwungen, die betreffende Persönlichkeit sofort von Deiner Flucht zu verständigen. Man würde daraufhin vor allem das Haus Deiner Eltern bewachen, weil man vermuten würde, daß Du zunächst dorthin zu entkommen suchest; außerdem würde man aber die Häscher des ganzen Landes auf Deine Persönlichkeit aufmerksam machen. Und es dürste vermutlich nicht sehr lange dauern, bis mau Deiner habhaft würde, man würde Dich in den Kerker werfen, und du würdest das Tageslicht schwerlich je wieder sehen, wenn man es nicht gar vorziehen sollte, beim nächsten Autodafe — Du weiß, was das heißt — Das wäre grauenvoll — und trotzdem noch das Geringere — denn wenn Deine Flucht vollständig gelingen und Du das Haus Deiner Eltern erreichen würdest — dann würde man Dich dort finden und — Dich und Deine Eltern in den Kerker werfen. — Unrettbar wäret Ihr alle verloren." —

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