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Neue jüdische Presse · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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I: Kr r - M' £ r [5 ■ kr I t- SjU V;’ i; f r.-ii' Seite 10. Frankfurter JfrselitischeS Famtlienblarr. Nr. 1 Inhalt gleich vollendeten Rede unsere alte jüdische Erziehung im Gegensatz zur modernen Erziehungsmethode. Rur die religiöse Erziehung wirke individuell und bilde das Gemüt und den Charakter. Für den Jüngling komme cs vor ollem darauf an, in welchen Kreisen er seinen Verkehr sucht. Der Redner wies besonders auf den Montcfiorc-Vrrein hin, wo der jüdische junge Mann im Kreise von Gleichgesinnten Vorbilder und Beispiele cch jüdischen Lebens finden und eine Weiterbildung im jüdischen Wissen erhalten könne. Den interessanten und lehrreichen Ausführungen folgte minutenlanger Beifall. 25 neue Mitglieder traten dem Vereine bei. Zu Ehren des Gastes blieb man dann noch lange gemütlich beisammen. Wiesbaden. Gründung einer Toynbee- Halle. Vom Verein für jüdische Geschichte und Literatur hier, an dessen Spitze Herr Assessor Dr. Friedemann steht, wurde eine Toynbeehalle ins Leben gerufen, die unter sehr günstigen Auspizien ins Leben tritt. Es ist bemerkenswert, daß die Chefs ihre kaufmännischen Angestellten auf die Vorteile aufmerksam gemacht haben, die ihnen durch die Toynbechalle geboten werden. Köln a. Rh. Der konservativ-jüdische Verein, der „Förderung des jüdisch-sozialen Lebens, Pflege populär-jüdischer Wissenschaft und Wahrung der jüdischen Gcmeindeintercssen im konservativen Sinne" auf seine Fahne geschrieben hat, hat ein Rundschreiben an die Gemcindcmitglieder versandt, in dem er aus die Bedeutung seiner Aufgabe hinweist. (k) Posen, 29. Dez. Der Verein .Frauenhilfe", den Frau Rabbiner Dr. Feilchenfelb vor 17 Jahren mit einigen Damen gegründet und dem sie trotz ihrer 72 Jahre mit ■ hingehender Liebe und jugendlicher Frische vorsteht, veranstaltete Mittwoch die alle 2 Jahre wiederkehrcnde Fcstvorstellung. Unter der unermüdlichen Umsicht und Fürsorge der Frau Lea Calvary konnte ein Fest vor sich gehen, wie man es in solcher Reich- Halligkeit der Darbietungen wohl selten wiederfinden dürfte. Dem Prolog, von Frau Dr. Calvary vorgetragen, folgte die Mondscheinsonate von Beethoven. Hieran schlossen sich verschiedene Nalionaltänze, Gesangs- und Musikvorträge. Während der Pause wurde durch junge Damen in verschiedenster Tracht Erfrischungen herum gereicht; Blumensträuße, Kindcrspielzeug, sowie Ansichtskarten mit den Darstellern veräußert. Daneben machten eine im Saale etablierte Bude mit einer allerliebsten Puppe, ein Brötchenstand, in dem man von zartester Hand bedient wurde, sowie einige Büffets mit verschiedenen trinkbaren Stoffen fabelhafte Geschäfte. Alles wurde hier geopfert im humanitären Interesse. — Der zweite . Teil des Programms begann mit der große» Oper in 2 Akten: „Don Juan von rückwärts" oder „Der vergnügte steinerne Gast" mit den neuesten Schlagern versehen. Erst gegen Millernacht erreichte die Aufführung ihr Ende. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M., 26. Drz. Den letzten Abschnitt der Geschichte des jüdischen Staates hatte sich Herr Kantor Blitz aus Dessau als Thema für fein Referat in der hiesigen Ortsgruppe des Misrachi gewählt.. Er zeigte, wie römische Diplomatie und die immer wiederkehrcnde Uneinigkeit im jüdischen Lager den Siegeszug der röniischeu Adler vorberetteten, bis die crbllterten Legionen Jerusalem und den -Tempel erobert und verwüstet hatten, die letzte Hoffnung der Inden durch den traurigen, bluttgrn Ausgang des Bar Kochba-Aufstandes mit dem Falle Bethar's (9. Aw des Jahres 135) geschwunden war. In fesselnder Weise schilderte der Redner den Mut und die Ausdauer Der jüdischen Helden, welche den römischen Feldherren länger und hartnäckiger widerstanden hatten, a(s alle anderen eroberten Länder. Gall es doch für die Juden sich mit ihrer nationalen Selbständigkeit die hohen geistigen Werte zu erhalten, jene Güter, in welchen die Juden auch heute ihre Lebensbedingungen 'sehen sollen. Redner schloß mit dem Hinweis, daß jetzt, da nach 2000jährigem -schlafe das jüdische Volk sich zu rüsten beginnt, seine alte Freiheit und Selbständigkeit zu erlangen, cs geeint dastehcn möge, denn nur durch Einigkeit seiner großen Gesamtheit sind diese Ziele erreichbar. Lebhafter Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer lohnte den Redner für seinen fesselnden Vortrag, nach welchem sich auch mehrere derselben als neue Mitglieder des Msrachi Meldeten. Dem Vortrage schloß sich eine interessante Tisfuffion an, in bei außer dem Referenten und dem Vorsitzenden Herrn Ar. JacobFeuchtw,inger die Herren I. S. &oitcin, Siabinowify, Levigard und Rabbinotsassessor Lipinsky sprachen. Auf eine Anfrage, wie sich der Misrachi zum Gesamtzionismns verhalle und ob der Zusammenschluß gesetzestrener Zionisten nicht andere Gruppen zu gleichen Vorgehen veranlassen könnte, erwiderte Herr Hackenbroch, daß er unseren Präsidenten, Herrn Wolffsohn, anläßlich seiner Durchreise in Frankfurt über dieses Thema befragt habe. Herr Wolffsnhn äußerte sich, daß ein Zusammenschluß gleichgesinnter Zionisten zu einer Föderation, wie sie der Misrachi beabsichtigt, der allgemeinen zionistischen Bewegung nicht nur keinen Abbruch tut, sondern sogar erwünscht sei. Herr Kantor Blitz erklärte, da das gesetzestreue Judentum die höchste Blüte alles Kulturstrebens borst elle, so sei er überzeugt, daß zwischen den Misrachiste», den Vertretern der jüdischen Tradition, und ihren nichtjüdisch-religiös erzogenen zionistischen Gesinnungsgenossen eine allmähliche - Annäherung stattsinden wird. Frankfurt a. M. Bei der Erwdition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Zur Erinnerung an die Berliner Hauptversammlung der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen 'Judentums am 26. Dezember 1907 auf Veranlassung von Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild- Frankfurt a. M. beim Festessen gesammelt bei den Herren: Dr. Ascher-Neuchütel, Louis Kahn jr.-Frankfurt a. M., Emanuel Kanffmann-Stuttgart, Joseph Königshöfer-Breslau, Großherzogl. Landrabbiner Dr. Mannheimer-Oldenburg, N. N., Dr. Leopold Nvthschild-Ha berstadt, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild-Franksurt 'a. M. zwei Oelböume 12 J6. Als Ablösung für Telegramme anläßlich des 16jährigen Hochzeitstages von Herrn ynd Frau Max Wolpe geb. Gordon (z. Zt. in Rußland) für den Nationalfonds: Frau Amalie Wolpe und Frl. Tochter Lotte —,50 M Herr und Frau Brodheim (geb. Wolpe), Anders —,50 Herr und Frau Wolffsohn (geb. Wolpe), Memel . —,50 „ Herr und Frau S. Kristjanpoller (geh. Wolpe), Memel —,50 ,, Hochzeit Freudeiistein-Hichenberg, Teil der Sammlung 25,— „ Paul Landauer * 5,— „ Frau Dr. Leszynsky, Berlin auf den Name» von Herrn und Frau Joseph Wohlfarth einen Oelbaum 6,— „ Frl. Hedwig Wohlfarth, Grete Hermann, Anna Simon 1,50 „ Kantor P. Teitelmann, Oberramstadt, gratuliert Familie «silberstein, Roßieni in Rußland, zur Vermählung ihrer Tochter Raliel Ablösung anstatt Telegramm: Frau Lina Cohn, Uhlandstr. 21, zur Vermählung Gisela Wolpe mit Kristianpoler —,50 „ Frankfurt a. M. Be: der Kommikston für den jüd. Nationalfonds gingen ein aus Büchsen: Buchhandlung Sänger L Friedbcrg —,26 JL P., Ostendstraße 1,25 „ Pension >sanderncll, Börneftr. 50 1,60 „ Frl. Lotte Wolpe, Bergerstt. 2,— „ L. Janzon, Kaiserstr. 2,05 „ Isaak Blumenthal, Mainstr. 3,10 „ Baruch Stern, Waldschmidtstr. 3,35 „ Leop. Dessau, Fichtestr. 5,55 „ Frau Caroline Hamburger, Grünestr. 29 7,50 „ Josef Oppenheimer, Seilerstr. 10,65 „ überdies der Fähigkell, im Interesse des Menschheitganzen nach dem Höchsten zu streben, was die Kultur zu erreichen verinag." Wie». Bm leeren Mittwoch wurden mehrere Indenten der technischen Hochschule, welche die Rubrik „Muttersprache" ihres Nationales mit „jüdisch" ausgefüllt hatte», deswegen in die Rcktoratskanzlei berufen. Der Sekretär verlangte von ihnen dir Ersetzung des Wortes „jüdisch" durch die Bezeichnung einer übliche» Landessprache, sonst würden sie relegiert werden. Einige Studenten iveigerteil sich entschieden, diesem Ansinnen zu entsprechen, da sie sich zu keinem falschen Bekenntnis zwinge» lassen wollen. Die NrichsratSabgeordneten Dr. Mahler und Staub, denen über diesen Vorgang sofort berichtet wurde, versprachen, alle Schritte zu unternehmen, um Abhilfe zu schaffen. Sterochnetz (nfottimai. Montag, den 25 Dez. fand eine vom VereinePoaleiZion einberufene Volksversammlung statt, in der Eg. Salm a n Herz aus Lemberg referierte. Redner skizzierte in vortrefflicher Weise Hie Haltung der jüdischen Arbeitermasse der jüdischen Nation gegenüber, führte den Beweis, daß es eine Notwendigkeit ist, daß das jüdische Proletariat sich zu seiner Nation bekenne, verurteilte in rücksichtsloser Weise die Assimilationsllique und schloß mit' einem Appell an alle Partek» schattierungen innerhalb des jüdischen Lagers, sich nicht von Vorurteilen irre leiten zu lassen und gemeinsam den Kamps gegen die Feinde außerhalb des Judentums zu führen. H. Fleischer. Haag. Herr A. A. de Pinto, B'ze-P> äsident des Appellationsgerichtshofes (des höchsten holländischen Gerichtshofes), der den letzten Zionistenkongreß im Namen der Stadt Haag in einer sehr sympathischen Rede begrüßte, ist iin Alter von 79 Jahren verschieden. .Herr M. Pinto gehörte dem Vorstände zahlreicher jüdischer Vereine an und hatte ein sehr lebhaftes jüdisches Interesse. Trok (Gouv Wünai. Ribviner Grünhaus, das bekannte Mitglied des Misrachi, ist'zum Krour a b b i n e r gewählt worden. Zusammen 37,31 Jf. An Materialien: Frl. Lotte Wolpe, Herr L. Janzon. Frankfurt a. M. Bei der Exvedition des Fkft. Israel. Faniilienblattes gingen für die Mis rachischule ein Vs Jahresbeitrag von Herrn Louis Kahn 10,— ,1f. Teilbetrag der Sammlung bei der Hochzeit Frendenstein-Hichenberg 10,— „ Breslau. Es hat sich hier eine Misrachigruppe gebildet, der sich eine Anzahl bisher dem Zionismus Fernstehender angefchlöffen hat, die dungsanftalten wachsen; ein Zcichcnsaal, eine Bib so der zionistischen Bewegung gewonnen wurden. — liotbck. Uuterricktskäle kür Vlwiik und Cliemie iin! Wien. Ueber Rajsenpolitik äußert sich Geh. Mediziiralrat Professor Dr. E. S ch w e n i n g e r in der „N. Fr. Presse". Er ist der Ansicht, daß eine Nassenpolitik auf den politischen Gesamtorganismns heilsam einwirkt, „wenn sie im Sinne einer kräftigen Entwicklung zu den höchsten Zielen des Lebens-, einer reichen und rertiesten Kultur getrieben wird. Nur müssen wir dann auch billig denkend genug sein, .um das Recht zu .solcher Polittk jeder Rasse zuzugestehen — und dann haben wir den Rassenkampf, der in freiestem Wettbewerb um die Güter des Lebens naturnotwendig zum Siege des Starken über den Schwachen führen muß, auf dem Gebiete geistigen wie materiellen Lebens. Den Schwachen schützen, heißt sehr oft, nur ihn noch schwächen, das heißt noch ungeeigneter für den Kampf im Leben machen. Ihn aber dadurch schützen und konkurrenzfähig machen, daß man dem Starken die Waffen entzieht, wäre antikulturelle Politik mit dem Endziel, die Selektion zu verhindern. Die natürlichen Anlagen und Fähigkeiten der Nassen sind?u verschieden, .gls daß an .einen Ausgleich auch nur gedacht werden könnte. Aber jede Rasse kann von der andern lernen, der eigenen neu .Fähigkeiten hinzuzufügen und dadurch ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Eine Rassenpolitik, welche diesen Standpunkt verkennt, den freien Wettbewerb der Rassen unterbindet, schädigt sich mir selbst und beraubt sich Ans -er Lehrerwett. Köln a. Rh. Jüdisches Lehrerseminar. Auf Einladung des Kuratoriuins fand anläßlich des Vereinstages der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentunis" am Mittwoch, den 25. Dezember im Burghotel in Berlin eine Zusammenkunft angesehener Männer ans allen Gauen Deutschlands statt. — Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Isidor Dülken, begrüßte die zahlreich erschienenen Herren und führte als Zweck der Einberufuilg der Versammlung etwa Folgendes aus: Das Kuratorium glaubte gerade den jetzigen Vereinstag zum Anlässe einer Besprechung über das Seminar wählen zu sollen, da doch' die Heranbildung von Lehrern zu den vornehmsten Aufgaben des gesetzestrcuen Judentums gehört. Die während des 40 jährigen Bestehens des Seminars ausgebildeten Lehrer, deren Zahl 300 übersteigt, üben heute mehr oder weniger eine segensreiche Tätigkeit über ganz Deutschland aus. Dieses gemeinnützige Wirken für die Fortpflanzung unserer heiligsten Güter in die Herzen der Jugend hat auch bislang in allen Teilen unseres Vaterlandes Förderung ge,unden, was bei dieser Gelegeilheit mit Dank und Anerkennung hervorgehobcn werden soll. — Die Verhältnisse und der Zeitgeist bringen es aber mit sich, daß das Kuratorium nunmehr wegen Beschaffung größerer Geldzuwendungen sich an die Oesfeiitlichkeit wenden muß. Die Anforderungen der Schulbehörden an die Lehrerbilliothck, Untcrrichtssäle für Physik und Chemie sind cingerichlet worden; airßerdem wurde in diesem Jahre auf Anordnung der König!. Regierung eine UebungSschulc eingerichtet usw. — Der innere Ausbau des Seminars ist heutederart, daß dassetbe binnen Kurzem als vosigiltig vom Staate anerkannt wird und die Genehmigung zur Ablegung der staatlichen Abschlußprüfung zu erhoffcn i st. Gerade dieser letztere Punkt ist von größter Bedeutung jür das Seminar, denn es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß dadurch größeres und gutes Schulmaterial der Anstalt zugeführt wird. — Durch diese Erweiterungen der Anstalt, sowie durch die ckrlgemeine Teuerung der Lebensmittel sind die Ausgaben naturgemäß bedeutend gestiegen. Das Kuratorium hat sich schweren Herzens dazu verstanden,' alle diese großen Ausgaben zu bestteiten, obwohl keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstandcn, da die Ausgaben unbedingt erforderlich waren und da es annehmen durfte, daß die Sympathien und der Opfersinn der vollständig ausgebantcn Anstalt in erhöhtem Maße zu Teil werdeir. Die Ausführungen des Vorsitzenden machten auf alle Anwesenden sichtlich tiefen Eindruck. An der lebhaft geführten Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbiner .Dr. Auerbach -.Halberstadt, Provinzialrabbiner Dr. Bamberger-Hanau, Rab-- biner Dr. Bondi-Mainz, H. väu Cleef-Köllz<. Siegmund F r ä u k e l.-Mnnchen, Mr. Grnnba n/iq ■

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