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Neue jüdische Presse · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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zu Nr. 1 des Frankfurter Ifmetififdien lamitienfiktfes. Inhalt der Beilage: Artikel: Zweiter Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfteunde. — Aus den Vereinen. — Aus der zionistischen Bewegung. — Aus der Lehrerwelt. — Kunst und Literatur. — Vereins-Kalender. — „Jüdische Jugend." Zweiter Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfrennde. Am Mittwoch, den 25. d. Mts. fand in Berlin der II. Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfreunde unter sehr zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Bieberfeld, begrüßte die Erschienenen, indem er ausführte: „Nicht um sentimentalen Regungen nachzuhängen, sondern zur ernsten Arbeit haben >vir uns hier versammelt. Es ist ein erhebender Anblick, zu sehen, wie Männer und Jünglinge aus allen Gauen unseres Vaterlandes zusammengekommen sind, um zu wirken für das Wichtigste unserer Emunoh, für den Schabbos Kaudesch". Redner schloß seine Begrüßungsansprache mit. dem Hinweis auf „Haboim Mizt a j m o'>‘ö)(98orte aus dem Anfang der dieswöchentlichen Sidra Schemas) und auf die Anfangsworte der Haftora „Haboim jaschresch Jakauw". Die auswärtigen Delegierten seien nach Berlin gekommen, wie einst die Bene Israel zu ernster Arbeit; nröge aus dieser inhaltsreichen Tätigkeit für die Zukunft reicher Segen fließen, daß sich erfülle: Haboim jaschresch Jakauw, aus der Arbeit erblühe ein „Schauresch Jakauw". Anhaltender Beifall lohnte den Redner für seine herrlichen Ausführungen. Nachdeni eine Kommission zur Prüfung der Legitimationen der erschienenen Delegierten ernannt, sowie die Herren Kober, Breslau und Wormser, Karlsruhe zu Kassen-Revisoren ernannt waren, wurde der Jahres- und Kasjen-Bericht erstattet. Der sehr gründliche und von einer vielseitigen Tätigkeit Zeugnis ablcgcnde Bericht sagt folgendes: Als Haupterfolg der Tätigkeit des abgelaufenen Jahres ist der hinsichtlich der Sonntagsgesetzgebung erzielte Erfolg in einzelnen Gemeinden zu verzeichnen. Wie aber auch immer bei den einzelnen Bemühungen das positive Ergebnis,, gewesen sein mag, erfreulich ist unter allen Ümständen, daß die "staatlichen Behörden und Körperschaften die Berechtigung unserer Bestrebungen anerkannten. Diese moralische Stärkung unseres Verbandes sagt uns aufs neue, daß man sich nicht lächerlich macht, selbst wenn man vor die höchsten Behörden hintritt und betreffs des Schabbos Erfolge zu erzielen sich bestrebt. — Durch die regelmäßige Herausgabe und Gratisverteilung des Verbandsorganes „Der Sabbat" hat der Verband viele Anregungen gegeben. Inwieweit dieselben auf fruchtbaren Boden gefallen sind, entzieht sich natürlich der Beurteilung. — Viele neue Ortsgruppen wurden im Laufe des vergangenen Vcreinsjahres gegründet, nnd namentlich waren es, wie der Berichterstatter hervorhob, die Herren Rosenheim und Moritz A. Löb, Frankfurt a. M., die auf dem Gebiete der Neuschaffung von Ortsgruppen sich emsig betätigten. Mit Recht wurde diesen Herren der Dank abgestattet. (Leider hatte der Herr Vorsitzende es übersehen, auch Herrn Louis Kahn, Frankfurt, zu erwähnen, dem der Verband die Neugründung vieler Ortsgruppen zu verdanken hat.) Der geschäftsführende Ausschuß hat seine Tätigkeit im verflossenen Jahre dadurch erweitert, daß Jugend vereinen Unterstützungen bewilligt wurden: auch hat der Verband vielfach dafür Sorge getragen, daß den in der Fremde weilenden Schabbos haltenden jungen Leuten ein Lokal zur Verfügung gestellt wurde, in welchem sie in Gesellschaft guter Menschen und guter Lektüre vor verderblicher Gesellschaft geschützt waren. Obwohl nicht direkt Aufgabe des Verbandes, hat der geschästsführende Ausschuß, eingedenk der Mahnung der Tauroh: „Ki jomuch ochicho, wechosakto bau" in geeigneten dringenden Fällen Unterstützungen an Gescha ftsleute gewährt, die, als Darlehen betrachtet, zurückbezahlt wurden. Der geschäftsführende Ausschuß hat es nicht unterlassen, an die Herren Rabbiner das Ersuchen zu richten, dafür zu sorgen, daß Schulkinder am Sch abbos vom Schreiben dispensiert werden; auch die Eltern wurden an ihre Rechte nach dieser Richtung hin erinnert und ihnen zur Durchführung derselben die Unterstützung des Verbandes angeboten. — In Rabbinerkrcisen hatte der Verband leider nicht die Anerkennung gefunden, wie es im Interesse der hehren Sache wünschenswert gewesen wäre. Der geschäftssührende Ausschuß hat die Säumigen an ihre Pflicht erinnert, welche Erimrernng mit Entrüstung zurückgewiesen wurde. Die Tätigkeit, die die Herren aber alsdann für den Sabbatverband entfalteten, hat dem« doch gezeigt, daß die Erinnerung nicht ganz unnötig war. — Aus dem' erstatteten Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Finanzlage keine besonders glänzende ist. . Nach Zahlung noch vorhandener Schulden wird ein Bestand von ca. 200 Mark verbleiben. Der Kassierer schloß seinen Bericht mit der Aufforderung, mehr Mitglieder anzuwerben, damit die Verbandskasse über größere Mittel verfügen könne. Herr JacobRosenheim,Frankfurt a.M., überbringt Grüße der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums". Er müsse' es als eine glückliche Konstellation bezeichnen, daß beide Verbände Hand in Hand arbeiten, das sei bei Verbänden nicht immer der Fall. Unter dem Bilde eines Ehebündnisscs behandelte der Redner die beiden Verbände und gab zum Schluß dem Wunsche Ausdruck, daß sie eine gute Ehe führen möchten. — Die einzelnen Ko mmissionen berichten über ihre seitherige Tätigkeit, die besonderer Umstände halber nicht aus dem ersten Stadium der Vorberatungen herausgekommen ist, und dann schreitet mau zu Punkt III. der Tagesordnung: Die Errichtung eines Kreditinstituts. Die im vergangenen Jahre für Prüfung dieses Antrages eingesetzte Kommission scheint im Gegensatz zu den anderen Kommissionen sehr fleißig gearbeitet' zu haben, denn es wurde bereits der gedruckte Vertrags-Entwurf für die zu errichtende Genossenschaft den Delegierten vorgelegt. In eine gründliche Beratung desselben einzutreten, würde abgelehnt, ebenso fand eine Generaldebatte über die Zweckmäßigkeit des zu errichtenden Kredit- Institutes nicht statt. Ein Delegierter, ein Gegner des geplanten Unternehmens, konstatierte daher, daß im vergangenen Jahre der Antrag auf Errichtung des Kreditinstituts nicht angenommen worden ist; die damals gegründete Kommission habe nur die Aufgabe gehabt, pro und kontra zu prüfen und Bericht zu erstatten. Dich heutige Vorlage; eines Vertrags-Entwurfes müsse er daher als eine Vergewaltigung bezeichnen. Der Antrag wurde mit großer Majorität angenommen. Dagegen stimmte nur ein Delegierter. Ueber jüdische Brockensammlung und ihre Verwertung für die Interessen der Sabbatheiligung erstattet Herr Dr. Arthur Kahn einen sehr interessanten Bericht. Bekanntlich ist die „Pea" eine Schöpfung der Berliner Ortsgruppe der Sabbatfreunde. Es wäre wünschenswert, wenn in allen größeren jüdischen Gemeinden eine solche Brockensammlung unter dem Namen Pea nach den: Berliner Muster gegründet würde. In Sachen der bevorstehenden Novelle zur Gewerbeordnung, in welcher eine vollständige Sonntagsruhe vorgesehen sein soll, hat der Verband mit dem Verbände der deutschen Juden Hand in Hand gearbeitet. Die von beiden Verbänden versandten Fragebogen wurden wechselseitig zur Verfügung gestellt. Die Herren Provinzialrabbiner Dr. Cahn, Fulda, und Dr. Bieberfeld, Berlin, haben in dieser Angelegenheit die maßgebenden Persönlichkeiten der Reichsbchörden besucht und auch wohlwollende Berücksichtigung ihrer Wünsche zugesagt bekommen. In letzter Zeit ist jedoch eine Wendung eingetreten. Der Reichskanzler hat versprochen, für die vollständige Sonntagsruhe einzutreten. Ueber die zu ergreifenden Maßnahmen entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Schließlich wurde bestimmt, daß alle beteiligten Korporationen unter Führung des Verbandes der Sabbatfrennde gemeinschaftlich vorgehen sollen. Das Weitere wird dem geschästsführenden Ausschuß überlassen. Ueber die beantragte Erhöhung desMitgliedsbcitrages von I Mark auf 2 Mark entspinnt sich ebenfalls eine längere Debatte. Es wurde eilt Bcrmittelungsantrag angenommen, dahin gehend, daß die bestehenden Ortsgruppen weiter 1 Mark und die neu zu gründenden 2 Mark zahlen sollen. Die weiteren Anträge der einzelnen Ortsgruppen konnten vorgerückter Zeitt wegen nicht mehr beraten werden. Nachdem die Neuwahl des geschäftsführenden erfolgt war — es wurden die Herren Dr. Biebcrseld, Plachta. Lazarus, Gradenwitz und Neuberger, die bisherigen Ausschußmitglieder, wiedergewählt — wurde der II. Delegiertentag vom Vorsitzenden geschlossen. Der dritte Delegiartentag wird in Frankfurt stattfinden. A«8 den Vereinen. Frankfurt a. M. Montan, den 30. Dez. er» öffnete der neu gegründete „Jüdische Franenverein" seine Tätigkeit auf geistigem (Gebiet mit einem Bortrag des Herrn Oberlehrer Dr. I. B o n d k über „D ieBernfung Mansch eh' s". Einleitend beleuchtete der Vortragende in großzügiger Ausführung die Aufgaben und Ziele der geistigen Arbeit des neuen Vereins, die sich für uns aas der Notwendigkeit ergeben, vom Standpunkt der Emunoh aus zu den Strömungen des modernen Geisteslebens Stellung zu nehmen. Diese Aufgabe suche der Verein zu lösen, einerseits durch Einrichtung von fort-' laufenden Lchrkursen über Tauroh und Tesilloh. die das positive jüdische M»en mehren und vertiefen sollen, andererseits durch freie Aussprache über allgemeine Fragen der Welt- und Lebensanschaunng im Anschluß an Referate, von Frauen oder Mädchen des Vereins an besonderen Menden gehalten. Der Vortragende ging hierauf auf das eig:n liche Thema seines Lehrgangs ein, das jedoch, noch nicht zu Ende geführt, kommenden Montag seine Fortsetzung findet. Frankfurt a. M. .Monteiiore-Berern." Die Borträge des Montefiore-Vcreins werden am Mittwoch, den 8. d. Mts., wieder ausgenommen Es spricht Herr Heinrich Einstädter über "heilige Herr von Offenbach". Alsdann folgt L .15,, 22. und 20. Januar ein dreiteiliger Vortrags EyklnS des Herrn Rabbiner Dr. Lazarus üker das Tlfma: „Geschichte der Inden zur Zeit der Entstehung des Christentums". Das Bureau des Vereins bittet uns, darauf aufmerksam zu mache», daß Angehörige der Mitglieder nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarten Zutritt zu den Vorlesungen haben. Frankfurt a. M. Jüdische Haushalt u n g s sch u l e (Vorsitzender: I. C. Weilll. Der Geschäftsbericht für den Zeitraum vom 1. Oktober 1,905 bis 30. «September 1907 gedenkt vor allein des verschiedenen Mitbegründers des Vereins, Alfred Geiger s. A., der seit der Gründung im Jahre 1897 als Vorsitzender, Schriftführer und teilweise auch als Kassier alle Geschäfte des Vereins erledigte.' In beiden Berichtsjahren wurden je 24 Schülerinnen ausgcbildet. Der Pensionspreis wurde von 51 Mk auf 55 Mk. und der Preis für Mittagstisch von 21 Mk. auf 24 Mk. erhöht, dagegen das Honorar der Schülerinnen in seiner bisherigen Höhe belassen. Bauliche Veränderungen verlangten einen Kostenaufwand von 3500 Mk. Von den Einnahmen im 1. Berichtsjahre seien hier angeführt: Geschenke 5320 Mk., Jahresbeiträge 2770 Mk., Schülerinnen 3140 Mk., Kochschüleri» 60 Mk., Pensionärinnen 11935 Mk. und Mittags¬ und Abendtisch 1449 Mk.; von den Einnahmen des 2. Berichtsjahres: Geschenke 4053 Mk., Jahresbeiträge 2787 Mk., Schülerinnen 3000 Mk., Kvchschülcrinnen 180 Mk., Pensionärinnen 13855 Mk. nnd Mittags¬ und Abendtisch 1455 Mk. Für Lebensmittel wurde:! im 1. Berichtsjahre 16069 Mk. und km '2. Berichts- Mhre 16873 Mk. verausgabt. Berlin, 29^ Dez. Der gestrige Vortragsabend des Israel- Fortbildungsvereins Monte f i o r e, zu dem sich fast 400 Personen eingesicnden, hatten, war ein voller Erfolg. Das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Landrabbiner Dr. MannHeini e r-Oldenburg hielt ein musterhaftes Referat über „Charakter, Bildung u. Erziehung einst und jetzt." Er schilderte in seiner in Form und 1985

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