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Neue jüdische Presse · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Frankfurter Israel ltiWes Familienblatt. Seite 3. tirfung der- Religionsunterrichts auf dem Lande hingewirkt werden; auch fei -die Errichtung von Lehrlirigsheimen und Vereinshäusern zu empfehlen. Eine jüdische Tageszeitung könnte auch manches leisten, doch dürste eine solche nicht zu ermöglichen sein; dagegen ließe sich-dem Mangel an Büchern, die das jüdische Interesse günstig beeinflussen, bei bei gutem Willen abhelfen. Redner schlägt vor, eine Geschichte des neologen Judentums zu schreiben. AlS Palästinaaufgabe sieht er die Mlösung der veralteten Chaluka an, da den anderen Organisationen, die die Aufgaben der Chaluka übernommen haben, von den gesetzestreucn Juden in Palästina nicht das nötige Vertrauen cntgegeugebracht werde. Redner schließt init der Aufforderung, alle trennenden Punkte zu vergesse», damit die der Orthodoxie wartenden großen Aufgaben erfüllt werden. Der Sitzung schloß sich ein Festessen a», das durch anregende Toaste gewürzt wurde; den Kaisertoast brachte Herr Kommerzienrat B. Hirsch, Halberstadt, aus. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M., 30. Dez. Keinen würdigeren Ausdruck des Dankes hätten die Mitglieder der S y n a g o g e n g e m e i n d e „I sraelitische Nötig io n s g ese lls chaft" ihren Vertretern für die Mühe, Tatkraft und Einsicht, mit der diese das glänzende Werk der neuen Synagoge vollbracht haben, gewähren können, als sie es damit getan haben, daß sie in der gestrigen G e n e r a l v e r s a m m l u n g den Bericht ohne jede Diskussion zur Kenntnis nahinen. Selbstredend war auch der neuen Synagoge in dem Berichte, den Herr Dr. med. E. R o s e n b a u m, der Vorsitzende des nunmehr abgelaufenen Jahres, erstattete, der hervorragendste Platz und der weiteste Raum eingeräumt. „Einen Merkstein in der Entwicklungsgeschichte der Gemeinde" nennt der Bericht die neue Lynagoge, die „den ungeteilten Beifall aller Sachverständigen gefunden" hat und zählt dann all' die Geber auf, die dieses Meisterwerk der Baukunst aufs kostbarste mit ihren Gaben ausstatteten. 380 000 Jk hat der Grund und Boden und 780 000 ./(. der Wau gekostet, 280000 Jk davon wurden durch Geldspenden der Mitglieder aufgebracht und 110000 Jk als Auschaffungskosten für die Geschenke (Türen, Fenster, Gestühl iisw. usiv.j gegeben. Von den bis jetzt aufgestellten 877 Mäuuersitzen sind bereits 825 vermietet. Dem weiteren Berichte entnehmen wir, daß die Gemeinde um 51 Mitglieder Angenommen hat. Herr Louis Feist (in Sa. 3000 Jk) und die Familie Goldscymidi' (in Sa. 10 000 Jk) spendeten für die Institutionen der Gemeinde verschiedentlich große Beträge; ebenso fielen her Gemeinde, bczw. deren Institutionen aus Nachlässen größere Beträge zu, und zwar 13 000 'Jk von Herrn Jakob S. Heß s. A., 5000 Jk von Herrn Simon Wallerstein s. A., 2000 Jk von Herrn Nathan Goldschmidt s. A. und 1060 Jk zum Andenken an Frau Marius Bender von deren Gatten. Der Etat schließt mit einem Defizit von ca. 3000 Jk Ueberschüsse lieferten die Synagogenkasse 16 535 Jk (in, Vorjahre 14 214 Jk), die Fleischkasse 4267 Jk (2018 Jk), die Badekasse 316 Jk und die Friedhofskasse 3309 Jk, die Schulkasse dagegen erforderte einen Zuschuß von 19 750 Jk und die Mazzenmehl- Anschasfungskasse tvegeu Reparaturen einen Zuschuß von 1500 Jk lieber die Verwendung bezw. Verwertung der alten Synagoge ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Die in der vorjährigen Generalversammlung eingesetzte Statutenrevisionskommission gelangt erst in einigen Monaten mit ihrer Arbeit zum Abschluß. Nach Verlesung des Berichtes wird zu den Wahlen geschritten. Es sind 263 Mitglieder anwesend. Ans dem Vorstande scheidet Herr Dr. Rosenbaum und ausdem Ausschuß die Herren Moritz Bas, und Maier Mosbacher aus. Die Neuwahl ergab folgendes Resultat: Herr Moritz Baß wird mit 238 Stimmen in den Vorstand und die Herren Dr. E. R o s e n b a u m und Jacob Rosen heim mit 230 Stimmen in den Ausschuß gewählt. Frankfurt a. M. Eine Mehlsendung im Werte von 4000 Mk. hat der Verein „L e m a an Zion" nach Palästina zur Linderung der durch die Teuerung hervorgeruscnen Not abgehen lassen. Berlin. Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung derWissenschaft des Judentums. Der Vorsitzende Prof. Dr. Philippson konstatierte bei Beginn der Versammlung an der Hand des Jahresberichtes da? äußere und innere Erstarken der Asellschaft, wie es in der stets wachsenden Zahl der Mitglieder, sowie in den Publikationen der Gesellschaft zum Ausdruck kommt, betonte aber auch die Notwendigkeit der Beschaffung weiterer Hilfsmittel,- wenn die Gesellschaft ihren eigentlichen Aufgaben, der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten auf Dem Gebiete jüdischer Mischung, gerecht werden solle. Die Versammlung erteilte sodann dem aus seinem Amte scheidenden Schatzmeister Stadträt I. Landsberger -Glogau Decharge, wühlte den bisherigen Ausschuß wieder und die Herren Dr. Max Ginsberg und Max Beer zu Revisoren. In dem nun folgenden Vortrag entwickelte Rabb. Dr. P o r g e s ein äußerst interessantes Bild deS nordfrauzösischeu Bibelexegeten Joseph B e ch o r Schar, den er einen der selbstständigsten und schaifsinn'gstcn Bib lerk ärer nannte. Er war grundsätzlicher Vertreter des Pcschat und verfolgte mit seinem Kommentar vorwiegend praktische Zwecke. Wie Schor eine Auseinandersetzung mit der christlichen Bibelanslegung nicht gescheut,'vielmehr für seine Pflicht gehalten habe, so möge auch, schloß Redner, die Gesellschaft.zur Förderung der Wissenschaft des Judentums darum besorgt sein, daß aus wissenschaftlicher Grundlage eine wirlsame, zeitgemäße Apologetik geschaffen und zu den Resultaten der modernen Bibclforschnug Stellung genommen werde. Den nächsten Vortrag hielt Dr. Jul. Guttm a u n -Breslau. Er ging aus von einer Schilderung der persönlichen Beziehungen Kants zu jüdischen Kreis e.n und des starken Einflusses, den seine Philosophie ans das gebildete Judentum seiner Zcit ausübte. Dieser Einfluß sei darum von geschichtlicher Bedeutung, weil er in die Zeit fällt, in der sich das moderne Judentum bildete. Wenn Kant selbst den: Judentum in religiöser Beziehung ohne innere Teilnahme ja selbst scharf ablehnend gegenübcrstand, so gebe sein Urteil über das Judentum im wesentlichen die in letzter Linie auf Spinoza zurnckgehendc Anschauung der damaligen Zcitlitcratur wieder, der er sich allerdings um so bereitwilliger angeschlossen habe, weil sie es ihm ermöglichte, alles, waS der von ihm angestrebtcn idealisierenden limdeutung des Christentums widerstrebte, als Beisatz jüdischer Geister zu beseitigen. Nur so erkläre es sich,-daß ihm selbst, seine tiefe innere Gemeinschaft mit den Grundideen des Judentums habe entgehen können. Diese Gemeinschaft wurzle in der gleichen Grundauffassung von dem Verhältnis des Menschen zum Sittcngesetz und gehe durch die gesamte Auffassung der sittlichen Persönlichkeit und ihrer Beziehung zur sittlichen Gemeinschaft, wie sie sich in dem llniversalisinus des Judentums und dem sozialen Geist seiner Sittlichkeit bekundet, hindurch. Die Gleichheit der sittlichen Denkweise setze sich auch in die eigentlich religiöse Ideenwelt hinein fort, die bei Kant wie im Judentum eben entscheidend von dem Problem der Sittlichkeit her bestimmt werde. Inder religiösen Wertung des Individuums und der religiösen Betrachtungsweise der Geschichte träfen beide in dem Typus der Religiosität zusammen, dem die religiöse Entwickelung des modernen Geistes mehr und mehr znstrebe. Der Generalversammlung war vormittags eine A u s s ch u ß s i tz u n g imrausgegangen, in der haup!.- sächlich über das C o r v n s T a n n a i t i k h m und die Germania Jndnika beraten wurde. Beide wissenschaftlichen lintcrnehmungeu nehmen erfreulichen Fortgang. Mit großem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß der erste Band des Maimoidcswerkes vorliegt und in wenigen Tagen auf dem Büchermarkt erscheinen wird. Aus deni Jahresbericht ist noch hervorzuhebcn, daß der erste Band der gesammelten Schriften David Kauf in an ns fertig gestellt ist und den Mitgliedern der Gesellschaft kostenlos zugesandt wird. Berlin, lieber den Verba ndstngder „F r e i e n V e r e i u i g u n g f ü r d i e I u t e r e f f e n des orthod. Judentum s" schreibt die „Germania": „Die Vereinigung hat eine ähnliche Aufgabe, wie der Bonifaziusvecciu auf katholischer, und der Gustav Adolf-Verein auf evangelischer -Leite, nur daß dte Mittel für die kleine Gemeinde reichlicher fließe». Der Tätigkeitsbericht verzeichnet als Erfolge der Freien Vereinigung, daß das preußische Abgeordnetent.aus einen Fonds zur ausreichenden Besoldung jüdischer Rcligionslchrer in den Etat eingestellt habe; aus Anlaß von Verordnungen lokaler Behörden betreffend die Sonntagsruhe im Handel und Gewerbe sei mit.Erfolg petitioniert worden, daß den Juden di« nackiweislich am Sabbats ihre Läden geschlossen halten, gestattet werde, am Lvnntag einige Stunden, ohne Störung der Sonntagsruhe, zu arbeiten. Die Freie Bereinigung sei im weiteren tätig gewesen für rituelle Beköstigung jüdischer Loldaten und Gefangener. Endlich habe sie mit Erfolg gewirkt für Abwendung der Schäden, die durch die politischen Wirrnisse in Rußland die religiöse Betätigung der russischen Juden erfahren haben." Berlin. Bon deniiberalenBertretern der jüdischen Gemeinde ist der Repräsentanz ein Antrag zugegangen, die.THoravorlesung fortan nur in deutscher Lprache vornehmen z u l a s s e n. Schönlanke. Seit Amil ist die Umwandlung der bisher städtischen Realschule in eine staatliche Anstalt erfolgt. Der neue Leiter der Schule wußte nicht, ob Kopfbedeckung beim jüdischen Religionsunterrichte gesetzlich zulässig sei und erkundigte sich deshalb beim Referenten am Provinzialschulkollegium, welches der Ansicht war, daß dies unzulässig sei. Der Leiter der. Anstalt teilte dies dem Religionslehrer der Anstalt, Herrn Rabbiner Tr. Bamberger, mit, stellte es aber ihm frei, sich an das Provinzialschulkolleginm mit einer Eingabe zu wenden; bis zu dessen Entscheidung genehniigte er die Kopfbedeckung beim jüdischen Religionsunterrichte. Herr Tr. Bamberger wurde hierauf mündlich und schriftlich im Juni d. Jahres beim Pro- Vinzialschnlkvlleginm zu Posen dieserhalb vorstellig. Tiefer Tage ist nun von genminter Behörde der Bescheid erfolgt, daß es sowohl Lehrer als auch Schüler gestattet sei, beim Religionsunterrichte das Haupt zu bedecken. Stratzburg Die israelitische Konsistorialw a h l vom 9 November, welche zugunsten der Herren Aron Dnrlach und C. Kanffmann in Ltraßburg, sowie des Herrn Meyer-Scheyen in Oberehnheim ausfiel, aber von der Gegenpartei angefochten wurde, ist vom K o n s i st o r i n m, welches in erster Instanz als Wahlausschuß zu fungieren hat, .in seiner Sitzung vom 22. Dezember einstimmig annulliert w o r d e ii. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Voranschlag des Budget der 170 000 Lcelen zählenden jüdischen Gemeinde weist 2 912 000 Kr. in den Einnahmen und 3110000 Kronen in den Ausgaben auf. Der Finanz-Reserent Max Frank verlangte in seinem Berichte, den er über das Budget in der letzten öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes gab, daß die jüdische Gemeinde eine Sparkasse für ihre Mitglieder errichte. Re-, serent begründete seinen Vorschlag damit, daß die sozialen Ausgaben einer jüdischen Großgemeinde fortgesetzt steigen und eine Sparkasse ihr eine neue und sehr bedcutendc Einnahmequelle - schaffe. Referent wünscht, daß die Hälfte des Reingewinnes aus dieser Lparkasse für die Wohltätigkeitsinstitutionen der Gemeinde und die andere Hälfte zur Gründung eines Fonds verwendet werde, der dazu bestimmt ist, jüdischen Gewerbetreibenden mit billigem Kredit den Kampf ums Dasein zu erleichtern. Wien. Judenrein! Auf eine Anftage an den Wintersportverein in Kitzbühel, welches der dortigen Hotels nicht judenrein zu bleiben wünscht, erhielt ein Herr Dr. K. P. unter dem 12. Dezember folgende Antwort: „Euer Hochwohlgeboren diene ans geehrte Anfrage, daß die Tendenz, den Ort „judenrein" zu halten, allgemein ist; wie es die einzelnen Gaststätten halten, entzieht sich unserer Kenntnis- und Einsichtnahme." Prag. Kommentar überflüssig! Im „Prager Tagblatt" fand sich folgende Notiz: „Israelitisches Waisenhaus. Das Christbaumfcst findet ani Sonntag, den 22. ds., um 5 Uhr nachmittags statt." Rußland. Petersburg. Die Regierung ruiniert d i e j ü d i s ch e n K o l o n i st e n! — Die verfassungswidrige,; Agrarreformen Stvlypins haben auch die jüdischen Kolonisten des Gouvernements Ekaterinos» iaw empfindlich berührt. Die jüdischen Kolonisten treiben dort 'Ackerbau unter ungünstigen Verhältnissen und führen ein kümmerliches, sorgenvolles Bäuernleben. Nun hat die Landeinrichtungskommission des Bezirks beschlossen, 3700 Desjatinen Kronländereieu, die Jahrzehnte lang von den jüdischen Kolonisten gepachtet waren, zu verkaufen. Schon sind die diesbezüglichen Bekanntmachungen gedruckt und in den Dorfämtern ausgehängt. Tie betresfenden Landstncke waren, wie gesagt, Jahrzehnte lang von den jüdischen Ackerbauern gepachtet. Der Verlust dieses einzigen, den jüdischen Kolonisten zugänglichen Bodenfonds ist ihr vollständiger wirtschaftlicher Ruin, denn die Hälfte der Kolonisten besitzt zu wenig Land, um eine selbständige Wirtschaft ohne Pachtland führen zu können. Die angrenzenden Krongüter waren die einzigen, die sie pachten und bearbeiten konnten. Da die dortigen jüdischen Kolonien nur Ackerbau treiben und andere Erwerbsquellen ihnen fehlen, so wird ein bedeutender Teil der Kolonisten gezwungen sein, die bisherige Scholle zu verlassen. Damit entstehen aber mich für die Bleibenden große Schwierigkeiten in ihrer Bewirtschaftung. > (Rufs. Korresp.) Wilna. Der Redakteur der inhibierten jüdischen Zeitschrift „Die Hoffnung" Lewin so hn wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, weil er die Resolution des Anarchistenkongresscs zum Abdruck brachte. Radomisel. Die amerikanische Krisis hat hier eine schreckliche Panik hervorgerufcn. Einige sind schon aus Amerika wieder znrückgekommcn und sterben nun mit den andern zusammen Hungers. Auch die sonst ans Amerika fortwährend zuströmenden Geldsendungen haben aufgehört, umgekehrt: alle aus 'Amerika eintrefsenden Briefe bitten um Geld. I. I. Braun. Großbritannien. London. Legate. .J?wish Chronicle" teilt mit, daß die jüngst in Genf verstorbene Baronin Rothschild jüdischen Wohlfahrtsinstituten in Parts folgende Stiftungen hinterlassen hast: Zwei Millionen Frank für das Jüdische Unkerstützungs» komitee, eine Million Frank für das Heim und

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