Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 50 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. Nr. 50 Frankfurter FsraÄkKWÄ MMiliettolM. Er verbreitete sich über die Notwendigkeit, die jüdische Auswanderung, die jedes Jahr etwa 20 Millionen Mark verschlingen dürfte, in Bahnen zu leiten, mit denen das jüdische Volk wirklich eine zunehmende Erleichterung seiner verzweifelten Lage erzielt. Hierzu bedürfe es der Ansiedlung in einem dünn bevölkerten Lande und zwar unter Selbstverivaltung. Zangwill schlägt Marokko vor „Jenes große, hatbbekannte, halbbcvölkerte Gebiet, welches zumeist mäßiges Klima, nirgends große Hitze aufzuweisen hat,' Ivo die Erde fruchtbar und das Meer mit Hafenstädte:! in der Nähe liegt, mit seiner leichten Berbindnng nach Rußland und Rumänien, den Zentren der Jndciivrrsolgung. Da wäre der Zufluchtsort gesunden. .'Aber es ist sogar Südwcst-Marokko, ein Land so groß Ivie England, vorhanden, welches niemandem gehört und nur von einigen Nomadcnstämmcn bewohnt ist." Zangwill teilt mit, daß die „Jto" eine Expedition nach Marokko schicken und dann niit der diplomatischen und finanziellen Aktion beginnen werde. In seiner weiteren Rede r ü g t er anss schärfste die Juden Englands, .die für alles Interesse haben, nurfürjüdischeAngelrge uh e i t e n nicht. Rußland. Wladiwostok. Sämtliche hier wohnenden Inden sind aus gewiesen worden: den jüdischen Hausbesitzern ist eine Frist von 18 Tagen, allen anderen Juden nur eine solche von 1 Tagen gewährt worden. Jekaterinoslow. Wie man in Rußland Karriere in a ch t! Der Staatsanwalt D s ch i - nura, der jüngst in dem Pogromprozeß die Unverschämtheit hatte, die Juden zu beschuldigen, daß sie den Pogrom, durch den viele von ihnen um ttzre Gesundheit und uni ihr Hab und Gut gebrächt worden sind, selbst organisiert hätten, wurde zum Oberstaatsanwalt befördert. Frankreich. Paris. Vermächtsnis. Der am 2. Sept. im 82. Lebensjahre verschiedene Herr Eduard Lcvi Montefiore, gewesener Teilhaber der Bankfirma Cahen d'Anvcrs et Cie. und Ritter der Ehrenlegion, ein Vetter Sir Moses Montefiore's, hat 20,001 Francs zur Verteilung än Wohltätigkeit s - I n st i t n t i o n e n hinterlassen. Personalien. Frankfurt a. M. Anläßlich des Ablebens des kürzlich, verstorbenen Herrn Anton L. A. Hahn gelangen an die Angestellten der Deutschen Effekten- und Wechselbank, an Wohltätigkcitsanstalten und für gemeinnützige Zwecke zusammen 200,000 Mark zur Verteilung, wobei der Armcnvercin mit 30,000 Mk., die Stiftung der L. A. Hahnschen Familie mit 25,000 Mk., die Israelitische Waisenanstalt und die Stiftung für gebrechliche, verwahrloste und bedürftige israelitische Kinder je 15,000'Mk. erhalten. Berlin. An die Luisenstädtischc Oberrealschule ist Professor Dr. Aron st ein, bisher Oberlehrer ain Gtimiiasium zu Myslowitz, verseht worden. — Geh. Medizinalrat Professor Dr. Max Wolfs, Direktor der kgl. Univcrsitätspoliklinik für Lnngenkrankheiten, wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Berlin. Geh. Kommerzienrat Ludwig Goldberger wurde der Rote Udlerorden 2. Klasse, Professor Dr. Marburg, Präsident der Physikalisch-Technischen Rcichsaustalt, der Kroneno r d e n 3. Klasse und Kommerzienrat Hermann Frenkel der Ro.tL Adlerorden 4. Klasse verliehen. — Dem Sanitätsrat Dr. Moritz Ja st rowitz wurde der Charakter eines'G e h e i m e nS a n i t ä t sr a t s und den Aerzten Dr. Richard Cohn, Dr. Simon Flatau, Dr. Felix Frankel und Dr. Hermann Jacobi der Charakter eines Sanitätsrats verliehen. — Im Alter von 50 Jahren verschied der berühmte Dermatologe Professor Dr. Oskar L as s a r. Lassar führte eine praktisch durchgearbeitete Behandlungsart der Hautkrankheiten ein, die von den meisten Aerzten Deutschlands ausgenommen worden ist. Er zählte zu den Vorkämpfern für Röntgen- und Radiumtherapie Und erwarb sich große Verdienste uni die Hebung des Volksbadewesens. Seit 1893 gab er die „Dermatologische Zeitschrift" heraus. Reben einer Anzahl medizinischer Schriften schrieb er: „Geschichten und Gedichte für kleine Kinder" und unter dcni Pseudonym Edm. Olaß: „Novellen". Berlin. Kommerzienrat Gottschalk, Ehrenbürger der Stadt Bischofsbnrg, der er ein Sicchenhans bauen ließ, st a r b hier. Hamburg. Isidor Heß lein, der seit 1880 ununterbrochen der Bürgerschaft angehörte und Mitglied der Militär-Ersatzkommission und Verkehrskoni- .Mission war, verschied im Alter von 67 Jahren. Breslau. Nach langer Krankheit verschied die verdiente Vorsteherin der Israel. Kranken- und Beerdigungs-Anstalt ' A ni a l i e Sachs. München. Zu Stabsärzten der Reserve wurden befördert die Oberärzte: Dr. Levinger- Landau, Dr. Teilheim er - Augsburg und Dr. Blum-Ludwigshäfen. Mülhausen i. Elf. Oberlehrer Isidor Dreyfus erhielt den Titel Professor. Kattowitz. Zu Repräsentanten der jüd. Gemeinde wurden solgende Herren gewählt: Dr. meb. Preiß, Bernhard Guttmann, Julius R o t h m a n n. He r m a u n D o m b r o w s k i, E l k a n D z i a l o s c z y n s k i, Spediteur Kal-! ck i n s k y , Justizrat Badrian,Jose fBraucr und Isaak Markus. Budapest. Die Vorstands Wahl der hiesigen neologen Gemeinde ergab: Dr. Philipp Weinm a u n (Vorsitzender), Ludwig 'Adler, «s i g - m n n d L. B r e i t n e r, Dr. Wilhelm Grauer, M a x G r ü n b a u m, S i g m u n d Kornfeld und M o r. S't i l l e r. Budapest. Den großen Preis der Franz Josephs Iub il äumssti ftung für Wissenschaft'Und Literatur erhielten zwei jüdische Journalisten: Dr. Hugo Csergö'nnd Michael PLsztor. — Hofra."' A u g u st K o h n e r , Direktor der Rimamnrsnyer Eisengnßwcrke, Präsident der Tchlil'scheu Waggonfabrik und Eisengießerei und mehrerer anderer hervorragender Institute, ist im Alter von 61 Jahren g e st o r b e n. Der Verblichene war eine hervorragende Gestalt des Handels- und Wirtschaftslebens und ein maßgebender Faktor in kommerziellen Kreisen. Czernowitz. Dem Sanitätskonlulenten - Stellvertreter bei der Staatsbah» Dr. Otto B l u ni, früher in Kimpolung, wurde der Titel Kaiserlicher Rat verliehen. London. Im Alter von 76 Jahren verschied Herr Samuel W e i n g o t t, der seit Jahrzehnten in allen össeiitlichcn Angelegenheiten des Stadtviertels „Farringdon Without" mit Unermüdlichkeit tätig war und die höchsten Ehrenstcllen dieses Stadtviertels eiuiiahm. _ Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Geschäftsstelle des Franks. Israel. Familienblattes gingen für ■ öic Misrachi -Mittelschule in Palästina ein: Teilbetrag der beim Festessen des Klaus- Chors in Mannheim gesammelten Gelder 8,— JL Brisiniloh-Lammlniig 15,— „ Köln a. Rh. Mitteilungen des Hauptbur e a n s des I ü d i s ch e n N a t i o n a l f o n d s. Noch immer werden die T e l c g r amm b l a n k e tte viel zu wenig benutzt. Wir machen daher sämtliche Gesinnungsgenossen und zionistische Vereine darauf aufmerksam, daß solche Telegrammblankctte in den Sprachen und Währungen von Deutschland, Oesterreich, Rußland, England, Frankreich und den vereinigten «taaten von Amerika vorhanden und bei den Sammelstellen der betreffenden Länder erhältlich sind. Bestellungen auf'mehr als 100 Blankette erledigt auch die Jüdische Kolonialbank. (Brook Hause, Walbrook, London E. C.) Im Laufe des nächsten Monats werden neue N a li o n a l f v n d s in a r k e n herausgegeben werden. Wir bitten unsere Gesinnniigsgcnossen die alten Marken möglichst ausznbrauchen. Die neuen Sa m m e l b ü ch s e n werden voraussichtlich im Januar zur Versendung gelangen. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, welche Büchsen in ihren Wohnungen anznbringen wünschen, sich rechtzeitig an die Sammelstcllen ihres Landes zu wenden, damit wir in der Lage sind, diese Sammcl- -stellen mit dem erforderlichen Quantum zu versorgen. Die neuen Büchsen werden mit deutscher, englischer, französischer, hebräischer und magmirischer Aufschrift hergestcllt. Ferner sind auch neue Sammelbogcii in Vorbereitung. Dieselben sollen ebenfalls in den wichtigsten Sprächen gedruckt werden. Die Broschüre „W a s i st u n d w i l l d e r Jüdische N a t i o n a l f o n d s", ist' durch das Kölner Hauptbnrcau oder die Landessammelstellen des Jüdischen Nationalsonds zum Preise von 20 Pfg. pro Stück zu beziehen. Zionistische Vereine erhalten bei 'Abnahme einer größeren Anzahl angemessenen Rabatt. Von dem in der „Welt" (Nr. 31 ff.) erschienenen Auszug des Memorandums' und der •& 1 £i t it t e ii des I ndische n Nationalfonds ist nunmehr int Verlage des Kölner Hanptbureaus ein Sonderaböruck erschienen. Der Auszug enthält sämtliche Bestimmungen des Originalstatnls und bringt 'die Hauptpunkte in wörtlicher Uebersetzung. Der Preis der sehr gefällig ansgestatlcten Heftchen beträgt 20 Pfg. Gegen Voreinsendung des Betrages zu beziehen durch das Hauptbnrcau des Jüdischen Nationalsonds (z. H. des Herrn Rechtsanwalt Dr. M. 2. Bodenheimer-Köln, Karolingerring 6). Das Originalstatut in deutscher und englischer Sprache ist 'gleichfalls gegen Voreinsendung des Betrages von Mk. 1 bezw. 1 Shilling beim Hauptbureau erhältlich. Vom nächsten Jahre ab werden in der „Welt" regelmäßig vergleichende statistrscheDaten über die Eingänge des 'Jüdischen Nationalsonds aus den verschiedenen Ländern veröffentlicht werden. Einige Bemerkungen über das Sammeln von Briefmarken für den Jüdischen Nationalfonds von Dr. nied. Julius Locwenheim, dem Leiter der Briefmarkenverkaufsstelle des I. N.-F., Berlin 81V., Benthstr. 1. Von 'vielen Freunden unserer Sache sind uns auf Grund unserer Verösscntlichungen schon in reichlicherem Maße Briefmarken und Ganzsachen (Kouverts, Postkarten usw. mit eingedruckten Marken im ganzen Zustande) zugeschickt worden. Biele haben sich dabei offensichtlich bemüht, uns gutes und auserlesenes Material zu senden, aus deni 'ich ein beträchtlicher Gewinn für den Jüdischen Nationalsonds erzielen läßt. 'Aus mehreren Zuschriften aber haben wir die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere Aufforderung, möglichst gute Marken zu schicken, fälschlich dahin anfgefaßt worden ist, daß die gewöhnlichen, überall kursierenden Marken überhaupt nicht mehr geschickt werden 'ollen. So war es nicht gemeint; selbstverständlich sind wir für fede auch die kleinste Zusendung der gewöhnlichen Marken dankbar, cs -sollte aber unfern Freunden nahe gelegt werden, uns nicht nur die einfachen Marken znsendcn, sondern sich ein bischen Mühe zu geben, insbesondere aus den Korrespondenzen ihrer Freunde und Bekannten und aus den Doublcttcn der Markensammler möglichst bessere und" seltenere Sachen nnS zuzuschicken. Ans der Lehrerwett. ' Berlin. Die hiesige jüdische Gemeinde will noch 2 Rabbinen anstelle n, sodaß sie dann 8 Rabbinen außer den Predigern hat. Budapest. Der Verband derorthod. i s r a e l. Gemeindebeamten hat trotz der Gegenarbrit der Nevlogie die ministerielle Bestätigung erhalten. — Gleichzeitig erhielt die orthod. Zentralkanzlei die Erlaubnis, für den Pensionsfonds 'des neuen Verbandes eine Landes-Kronen-Sammlnng vorzunehmen. Marmoros - Sziget (Ungarn). Im Alter von 78 Jahren verschied Rabbiner Salomo Lob Tabak, seit '52 Jahren der Rosch-Bes-Tin unserer Gemeinde. Der Verstorbene verfaßte zahlreiche hebräische Werke. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der .Jüdische Frauenverein" E. V., der es in den wenigen Wochen 'eines Bestehens schon zu der statlichen Zahl von 400 Mitgliedern gebracht hat, eröffnete dieser Tage seine Abkeil nngfür 'S tellenoermittln ng. Die Vermittlung erfolgt für beide Teile völlig unentgeltlich. In Betracht kommen alle für Frauen geeignete Stellen, wie: Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Hausgehilfinnen, gewerbliche Arbeiterinnen nsw. Gemäß seinem prinzipiellen Standpunkt vermittelt der Jüdische Frauenvcreiir Frankfurt a. M. nur solche Stellen, die bezüglich des 2 a b b a ts, und wo Pension gewährt (wird, bezüglich des H ans- Haltes allen Anforderungen des jüdischen Gesetzes entsprechen. Doch ist es hinsichtlich des letzteren Punktes Sache der Bewerberinnen, sich über die Verhältnisse in jedem einzelnen Falel genau zu vergewissern. Köln a. Rh. Das Darniederliegen der T ä t i g k c i t d e s V e r e i n s f ür j ü d. G e s ch i ch t e und Literatur gab in dessen Generalversammlung Anlaß zu einer lebhaften Debatte. Rabbiner Tr. Frank, der Vorsitzende, und Rechtsanwalt Dr. B o d e n h e i m e r lehnten eine Wiederwahl ab. Der neue Vorstand besteht aus folgenden Herren: David Cohen, N o a h K a u f m a n n, M o r i tz L e v y j r., Max G v ld r eich, Rabbiner Dr. Rosenthal, Rektor C o b l c n z und Dr. A r o n. — Der Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 1906/07 des Vereins zur Unterhaltung einer i s r a e l. K i n d e r b c w a h r a n st a l t und de r da mitverb nnde ne ir Wählt ätigkeitsanftaltcn schließt in Einnahme und Ausgabe mit 32,136 ./5'ab und bleibp hinter dem Vorjahr um etwa 4000 Jt. zurück. Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Der Großinquisitor schlug sich mit der Hand auf die Stirn. „Ihr habt recht, Herr Prior, das hatte ich übersehen, das ändert die Sachlage — obgleich, die Frechheit ist nicht geringer, und das Urteil der Welt — „Was kümmert Ew. Eminenz die Frechheit des Augustiners und das Urteil der Welt-? Ew. Enn'nenz tragen den Richter in der eigenen Brust." „Wahr, mein lieber Herr Prior, Ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen, ich trage meinen Richter in meiner eigenen Brust, die Frechheiten