Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 48 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite lö. zienrat H. Frenkcl mit deni Roten Adlerorden vierter Klasse ausgezeichnet worden. München. Die Assistenzärzte der Reserve Dr. Ernst Arnsdörff er, Dr. Robert Goldschmidt und Dr. Paul Wolfs in Hof, Dr. Selmar Blaß in Bamberg, Dr. Theodor H e y n e m a u n, in Aschaffenburg, Dr. E r n st Rosenberg und Dr. Hermann Cohen in Kaiserslautern sind zu Oberärzten der Reserve befördert worden. — Aspirant Kohn in Ingolstadt wurde zum kgl. Musikmeister und RechtspraktikantO. Fränkel zum Amts g er ich ts s ekr et ä r ernannt. — In der letzten Nummer mußte cs statt Handelsrichter Hönigsberger — Königsblrger heißen. Hamburg. Delegiertenwahl des Shnanagoge »Verbandes. Nach einem heftigen Kampfe sind folgende Herren gewählt worden: D r. Gotthold, Dr. Fink, Wilh. Elkeles, Philipp Peine und Moritz S. Wolf. Stratzburg. Der älteste Mann unserer Stadt, Herr Karl Elkan, ist im Alter von 100 Jahren und 7 Monaten im israel. Krankenhause gestorben. Elkan war aus Suwalli in Rußland gebürtig. London. Im Alter von 78 Jahren verschied Frau Henry Salomon Witwe, die Schwester des Chief-Rabbi Dr. Adler. Die Verstorbene genoß allgenreines Ansehen durch ihre Wohltätigkeit; sie hinterläßt einen Sohn und drei Töchter, von denen eine mit Herrn Berthold Israel in Berlin verheiratet ist. — ■ Zwei der reichsten jüdischen Familien Englands haben sich vereinigt: G e o f f - rey Duveen, Sohn des Chefs der Kunsthandlung Dnveen Brothers, verehelichte sich nämlich mit E t h c l Lewis, Tochter Isaak Lewis' von Lewis und Marks, den südafrikanischen Minen-Magnaten. Rew-Nork. Ein das Höchste versprechenderjungerBildhauerNathanielAvram hat sich in einem Anfall von Schwermut vergiftet. Der junge Mann kam vfor 5 Jahre» von Rumänien nach hier, der rumänische Bildhauer Julian Zolnay entdeckte sein Talent und veranlafite seine Ausbildung zum Bildhauer. Bald erhielt Avram den St. Gauden's- und kurz darauf den Ferguson-Preis. Er ging dann nach Paris, arbeitete aber, hier in einem solchen Uebermah, daß er.nervenkrank wurde und nach Amerika znrückkehren mußte, um Heilung zu suchen. Airs den Vereinen. Frankfurt a. M. Letzten Samstag veronstalteic der Verein „Montefiore" in der Frankfurt- Loge seine Chanuka-Feicr. Die Veranstaltungen des Vereins, der der größte wissenschaftliche und gesellige Verein innerhalb der Frankfurter Jndenheit ist, erfreuen sich schon seit Liner Reihe von Jahren allgemeiner Beliebtheit, sodaß auch diesmal lange vorher keine Karten mehr zu haben waren. Der Abend wurde durch eine Ansprache des Herrn Dr. Löffler eingcleitet, dann folgte ein dramatisches Gedicht „Die Tochter Jcphtas" von Dr. Huldschiner, zu dem Herr Dr. Hülsen die Dekoraüon entworfen hätte. Obgleich dieses Bild aus jüdischer Vergangenheit reich ist an Ideen, die dem Judentum fremd sind, so fand doch die Aufführung, dank der sorgfältigen Einstudierung des Herrn AlfredAnerbach und der ganz vorzüglichen Darstellung der Jobeka durch Frl. L e w i s o h n ungeteilten Beifall. Auch die anderen Darsteller, die Herren Dolck, Janssen und Epstein und Frl. C a r s ch verdienen lobenswerte Erwähnung. Der zweite Teil des Abends brachte 'Rezitationen des Fräulein Poldi Sangora vom hiesigen Schauspielhaus und Gesangs- und Musik-Vorträge der Damen Lilly Mayer Hofer uno Geiger und'der Herren Erik Wirl von der hiesigen Oper, D a.F a n o und W e i l l in bunter Reihenfolge. Besonders fesselte hier Herr E r i k W i r l durch seine Gesangsvorträge, während "Frl. Poldi Sangora durch Rezitationen heiteren Inhaltes stürmische Lachersorge erzielte. Der sich anschließende Tanz vereinigte die Jugend bis zum frühen Morgen. Schlüchtern. Die zu Ebren der heldenmütigen Makkabäer im Saale der Turnhalle veranstaltete Chanukafeier nahm einen glänzenden Verlauf. Mit Feuereifer, wie es der Jugend geziemt, nahm sich die hermiwachsende Generation der israelitischen Gemeinde der Sache an, um sich ihr voll und ganz zu widmen. Die Leitung lag in den bewährten Händen des Hrn. und der Frau Lehrer Schwarzschild, kräftig unterstützt von Herrn Jsack Rothschild, der uns von früher her als Diletantengröße. wohl bekannt ist. - Nur jemand, der tagtäglich die Heranwachsende Jugend beobachtet, weiß ein derartig vortreffliches Arrangement zu treffen, um die schlummernden Talente zu wecken. Daß solche noch schliefen und des Weckrufs bedurften, zeigten nns die Leistungen. Eingeleitet wurde die Feier durch einen tief empfundenen Prolog, von Fräulein Berthe Sch Warzschild gesprochen. Frankfurter JsraelitiDeS ffanttienStaft. Ein lebendes Bild „die Traum leiten Jakobs" zeigte uns die lieblichen Kleinen wirklich einmal als Engel, und sie fanden sich meisterhaft in ihre Rollen. Der darunter schlummernde Jakob ließ sich durch cj» Engclstimnichen noch tiefer im Schlafe wiegen. Die dellamatorischeii Leistungen „Vor der Menora" waren als verteilte Rollen in den Händen der Schuljugend, die uns die Bedeutung des Festes in fließendem Reim erläuterten und jeder von ihnen gab sein Bestes. Auch gesanglich wurde manches Talent an das Bühnenlicht gezogen, das sich nach dem Gehörten der OesfentlichMt nicht zu schäme» braucht. Zwei Schwesternpaare — Nußbau in — Stern — haben allen Grund, auch fernerhin das Bühncnlicht nicht zu scheuen, denn es beleuchtete die „Unschuld vom Lande" und die rührende, kindliche Unschuld. Man gewann den Eindruck, daß beide aus Liebe zur Kunst sich, darin wohl fühlten, um den echten, warmen Herzenston zu treffen. Das rastlose Treibe» der letzten 14 Tage erreichte seinen Höhepunkt in der tadellosen Wiedergabe der Einakter, und das Znsammenspiel bewies, wie gerne sich eine jede der guten Sache annahm. Wo so viel Ueberschuß an Jugend, dürfen sich auch einmal die Jungen, „ohne Einbuße ihrer Reize", „alt" machen. Tie Lachmuskel des Publikums kamen auf ihre Rechnung, die Frauensrage wurde glänzend gelöst, denn es zeigte sich, daß auch, „ohne Herren der -Schöpfung" manches Gute erreicht wird. Freilich, als die ersten, lustigen Tanzweisen erklangen, dann — ja dann wurde erst der schmachtenden Adamssöhne gedacht. Bremen. Eine Chanukafeier bereitete das hiesige „Komitee des Hilfsvereins der Deutschen Juden" den Auswanderern. Etwa 500 Passagiere saßen an den weißgedeckten Tischen. Rabbiner Dr. R o s c - nack hielt die Festrede, und Dr. Jakob Klatzkin (Jacob b. Elijah), der Geschäftsführer des Komitees, hielt eine fließende hebräische Rede, in der er darauf hinwies, daß der jüdische Auswanderer als Opfer des Golus den Sinn dieses Freiheitsfestes tiefer erfassen müßte. Hamburg. Hebräischer Klub. Auf Veranlassung Fräulein Serafine Goldschmidt's ist hier ein Klub ins Leben getreten, der es sich zur Aufgabe macht, die hebräische Sprache zu pflege». Jeden Dienstag abend versammeln sich die jungen Damen, um sich unter -Leitung eines blinden Lehrers, des Herrn Salzberg, im mündlichen und schriftlichen Gebrauch des Hebräischen zu üben. Es ist ein Bergnügen, zu beobachten, wie die jungen Damen sich schon jetzt hebräisch unterhalten. S. M. Neuenahr. Am 17. November tagte in der Rheinlandloge in Köln a. Rhein eine Versamnilung, die sich mit den Bestrebungen des Vereins „Jsr ae lit. Kran ken h e im"inl„Ba d N eueiia h r" beschäftigte. Der Verein besteht seit 0 Jahren und hat sich die Aufgabe gestellt, unbemittelten, bedürftigen Israeliten eine Kur in Neuenahr kostenlos zu gewähren. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Raphael Ettlinger -Frankfurt a. Main, leitete die Verhandlungen, und wurden die Herren Rabb. Tr. Frank-Köln, Hermann Wahl-Barmen als Beisitzer, Daniel Wallach-Linz a. Rhein als Schriftführer ernannt. — Herr Rechtsanwalt Ludwig C a h c it I-Köln erklärte, der heutigen Versammlung nur zur Berichterstattung an die Großloge d. U. O. B. B., in Berlin, 'ohne Stimmabgabe beiznwohnen. Zunächst berichtete Herr Ettlinger über die bisherige Tätigkeit des Vereins. Tanir wies Dr. med. Weiden bau m- Neuenahr vom ärztlichen Standpunkte die Notwendigkeit einer Kur- A n st a l t für unbemittelte Israeliten in Neuenahr nach. Diese Darlegungen wurden bestätigt und ergänzt von Herrn Dr. med. Lichten st ein -Neuwied. Nach Beantwortung einiger zur Orientierung von dem Vertreter der Großlogc gestellten Fragen durch die Vorredner, beteiligten sich an der recht anregend verlaufenen Diskussion noch die Herren Geh. Kommerzienrat C o p p e l - Solingen, Rabb. Tr. Frank- Köln, HerzH irschland - Münster i. W-, Jonas- M.-Gladbach, Rabb. Dr. Kali sch er-Bonn, Oberrabbiner Tr. Lev h-Krefeld, M. Stern-Rheydt, Hermann Wahl-Barmen. Einmütig stimmten alle Redner darin-überein, daß die Bestrebungen des Vereins Israel. Krankenheim in Bad Neuenahr talkräftigst gefördert werden müßten. Dem entsprechend faßte die Versammlung einstimmig folgende Resolution: „Jü der Ueberzeugung, daß für unbemittelte Israeliten in Bad Neuenahr ein eigenes Heim notwendig ist, muß auch fernerhin mit allen Kräften an der Beschaffung weiterer Mittel für den bereits bestehenden Bansonds des Krankenheims gearbeitet werden. Durch die Entfaltung einer energischen Propaganda zu diesem Zwecke ist eine rege Werbung neuer Mitglieder daniit zu verbinden, und soll zunächst zur Unterbringung der durch den Verein aufgenommenen Kranken statt der bisherigen Privatpftege ein Haus als Heim gemietet werden." Es wurde hierauf ein Agitations-Komitee gebildet und erklärten sich sämtliche Herren bereft, ihre Dienste dem Verein zu widmen. Vorerst sind Mitglieder-Anmeldnnge.n, Beiträge oder Geschenke an die Herren Ra- Nr. 4s. phael Ettlinger in Franlsnrt a. Main, Rabbiner Dr. Frank-Köln a. Rhein, Hermann Wahl in Barmen, zu richten. Memel. TätigkeitsberichtdesBereins „Ttfireth Bachurim". Der Verein wurde 1904 gegründet. Sein Gründer war der damalige Rabbiner Dr. Carleboch, jetzt Direktor des jüd. Lehrerseminars zu Köln und Rabbiner daselbst. — Der Zweck des Vereins T. B. ist die Pflege und Förderung jüdischen Geistes und Wissens, der Kenntnis der jüdischen Geschichte, sowie der Geselligkeit unter den jüdischen Mitgliedern. — Jeden Mittwoch findet ein geschichtlicher Vortrag statt, jetzt gehalten von Herrn Rabbiner Dr. Stein, woran sich dann ein gemütliches Beisammensein der Mitglieder anschließt. Jur Sommer findet der Vortrag auch Sabbat Nachmittag statt, worauf dann mit Minjan „Minchoh", gebetet wird. — An jedem Purim, Chanuka und Simchas Tauroh findet lt. Statnten eine Festlichkeit statt. Auch diesen Chanuka hatte der Verein seine Mitglieder und Freunde zu einer größeren Festlichkeit vereinigt. Dieselbe wurde cingeleiiet, indem ein Mitglied die Chanukalichter anzündete, woraus dann der Vorsitzende, Herr Berthold I a s f e, die Versammelten inr Namen des Vorstandes begrüßte. Jü seiner weiteren Rede griff er zurück auf die Zeit der Makkabäer und sprach dann seine Freude darüber aus, daß wir heut in einem Lande leben, in dem wir unsere Sitten und Gebräuche ohne Zwang ausüben können. Er bat die Mitglieder, den Verein zu unterstützen und schloß dann mit einem „Hoch" auf den Verein. — Dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Stein, der ständige Vortragende des Vereins, das Wort zu längerer Rede. Er wünschte dein Verein, daß er blühe, wachse und gedeihe, daß die Mitglieder die Vorträge gut besuchen mögen, damit die Jugend fest und treu an dem alten Glauben halten möge. — Darauf wurden jüdische Lieder vorgelragen, wobei sich ganz besonders Herr M. SroloWitz hervortrat, verschiedene Vorträge gehalten und Gesänge - ausgeführt. Die Stimmung war allgemein animiert, und als in bereits vorgerückter Stunde der Vorsitzende mit einem Dank an den Festausschuß, der alles so schön eingeleitet, den offiziellen Teil des Festes schloß, blieb der größte Teil der Mitglieder und Gäste noch bis zum frühen Morgen beisammen. Bielitz(Oeslerr-Schlesien). JüdischerTurnverein. 'Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung das Gesuch des Jüd. Turnvereins um Ueberlassung der städtischen Mittelschule bewilligt. Kolomea iGalizien). Ein Hilfsverein für galt zische Juden, der erreichen will, daß die galizischcn Juden selber die Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage in die Hand nehmen, ist hier gegründet worden und hat seine Tätigkeit bereits mit einer „Arbeitsvermittlungsstelle" begonnen. Bern, 10. Dez. Am 1. Dezember veranstaltete der Talmud-Tora Verein seine diesjährige Makkabäerfeier, die im großen Saal des Hotel Eiger stattsand und einen glänzenden Verlauf nahm. Zu der Feier hatten sich auch eingefunden Herr Prof Dr. May, Herr Priv.-Doz. Doktor Lifschitz, die jüdisch-nationale Studentenverbindung Kadimah, der Präsident der Berner jüd. Gemeinde Herr Bonef und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde mit ihren Familien, zahlreiche Vertreter anderer jüd. Korporationen in Bern und die jüdische Studentenschaft. Ter Chor der T. T.-Schule eröffncte die Feier mit dem hübsch gesungene» Nationallied „Hatikwah" und „Al tal w'al motor". Hierauf begrüßte Herr I. Ai. M e l a in e d nanrcns des Vorstandes der Talmud-Tora die Erschienenen. Herr Gemcindekantor Bloch zündete die Chaukahlichter an und die ganze vielhundertköpfige Versamnilung stimmte bedeckten Hauptes „Moaus Zur" an. Jetzt ging eine gewaltige Stimmung durch die Reihen. Als der Gesang verkluiigen war, ergrisf Herr S. M. M e l a m e d das Wort zu seiner nach Inhalt und Form vollendeten Festrede „lieber das moderne jüdische Erzieh ungsproblcm" das Wort, in der er die Haupttypen des gegenwärtigen jüd. Erziehungssystems beleuchtete und an ihnen scharfe, aber gerechte Kritik übte. Die Rede wird in Bälde einem weiteren jüdischen Publikum zugänglich gemacht werden. Ten mit begeistertem Beifall aufgenomnienen Ausführungen des Herrn S. M. Melamed folgte» Violin- und Mandolinvorträge von den Herren Gebr. Poliack, die Frl. Hannerl am Klavier begleitete. Herr Rosenfeld, ein Mitglied des Ballkomitee's, sprach noch über „Die Makkabäer einst und jetzt" und setzte in klarer Weise die historische Bedeutung des Tages auseinander. Seiner lichtvollen Rede zollte die Versammlung reichen Beifall. Herr CarlRittmann, Mitglied unseres Stadttheaters, sang in altbewährter Meisterschaft Lieder und Arie», die Herr Prof. Dr. May begleitete. Mit -einigen hebräischen Liedern, vom Schulchor gesungen, fand die wohlgeiungene Feier ihren Abschluß. Um Mitternacht begann der Tanz, der bist 4 Uhr morgens andauerte.