Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 48 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BeÜage zu Nr. 48 des Franksmter ZsmelWeu Famüiellblaües. In der heutigen Nummer beginnt die historische Erzählung: Der Urior von Friedrich R o t t. Die Handlung dieser Erzählung spielt zur Zeit der spanischen Inquisition. Scheiterhaufen rauchen und werden zur furchtbaren Anklage gegen den grauenhaften Irrwahn ihrer Anzünder, werden aber auch zunr ewigen Ruhniesblatt unvergleichliche» Heldentums und unübertroffener Treue ihrer Opfer. Mit feinem Takt weiß der Autor über die fürchterlichen Szenen des Autodafe hinwegzugehen; er streift sie nur, so weit es dringend notwendig und nur am Anfang der Erzählung. Die Erzählung selbst, die mit steigender Spannung gelesen werden wird, entspringt nicht der freien Phantasie, sondern lehnt sich historischen Tatsache» an. Mögen ihre Lehren von offenen Ohren und empfindenden Herzen ausgenommen werden! Inhalt der Beilage: Artikel: Plan für die Gewinnung einer allgemeinen gesicherten Fürsorge für jüdische Gemeindebeamte nach staatlichen Grundsätzen. — Aus aller Welt. — Personalien. — Aus den Vereinen. — Aus der Lehrerwelt. — Aus der zionistischen Bewegung. — Sprechfaul. — Kunst und Literatur. — Vereins- Kalender. Plan für die Gewinnung einer allgemeinen gesicherten Fürsorge für jüdische Gemeindebeamte nach staatlichen Grundsätzen. Von Ad. P e r i tz - Königsberg i. Pr. (Fortsetzung.) Die Kasse muß ebenso notwendig auf fester, versichern ngstechnisch erGrundlage errichtet sein, weil sie nur dann den Bedingungen einer gesicherten Fürsorge zn entsprechen vermag. Sie muß ferner die Versicherungaller Art jüdischer G e m e i n d e b e a m t e n bei sich zulassen, um für die Gemeinden nicht noch andere Versorgungseinrichtungen notwendig zu machen; dann aber auch, um eine möglichst große Zahl von versicherten Personen bei sich zn vereinen, wodurch erst die Vorteile des Versicherungs-Großbetriebes gewonnen werden. — Aus demselben Grunde und um die Freizügigkeit der Beamten nicht zu behindern, muß die Kasse auch ihr Geltungsgebiet auf das ganze Deutsche Reich ausdehnen. Die Kasse muß endlich n n r für denBeitritt von Gemeinden, nicht von Beamten eingerichtet sein, weil sie sich nur dadurch auch bei dem häufigen Stellenwechsel der Beamten, mit dem vorläufig immer noch gerechnet werden muß, in ihrem Mitgliederstande konstant und gleichmäßig leistungsfähig erhalten kann; auch bieten ihr natürlich auch die Gemeinden eine viel größere Sicherheit für den regelmäßigen Eingang der Beiträge, wie die Beamten, die unter den Zufälligkeiten des Lebens leichter leiden. — Für die Beamten, die zeitweise außer Stellung geraten oder beim Stellenwechsel nicht gleich eine neue Amtsgemeinde finden können, die Mitglied der allgemeinen Pensionskasse ist, sind geeignete Vorkehrungen zn treffen, daß ihnen ihre bei der Kasse bereits erworbenen Ansprüche nach den: Maße der für sie gemachten Einzahlungen erhalten bleiben und ihnen jederzeit eine Fortsetzung der Versicherung durch eine neue Gemeinde möglich ist. Bei einiger Einführung der Kasse unter den Gemeinden wird sowohl die Konkurrenz derselben bezüglich der Gewinnung der besseren Beamten, wie auch das von diesen dafür betätigte Interesse dafür sorgen, daß es bald nur noch wenig Gemeinden geben wird, die der Kasse nicht angehören. Die Mitgliedsbeiträge für die Kasse sind nur nach den Gehältern der Beamten zn bemessen, um auch in dieser Hinsicht aus dem Wechsel der Beamten keine Schwierigkeit für die Versicherung entstehen zu lassen. — Die Kasse hat auch j e d e n B c a m t e n zur Versorgung aufzunehmen, der die zur Versehung seiner Stelle erforderliche Gesundheit besitzt. Eine jede solcher Kassen gewinnt ihren vollen sozialen Wert für die Beamtenschaft, für die sie bestimmt ist, erst dann, wenn sie sich jederzeit genau nach den besonderen Verhältnissen und den speziellen Wünschen derselben gestalten läßt. Das ist nur möglich bei einer eigens für die betr. Beamtenschaft eingerichteten, unter ihrer Mitverwaltung stehenden Pensionskasse. Darum bedeutet es für unsere Bestrebungen nicht dasselbe, wenn wir uns die Fürsorge für unsere jüdischen Gemeindebeamten durch Anschluß an eine sonst gleichartige, aber ihrer Bestimmung nach ganz allgemeine oder für Beamtenkreise mit wesentlich andern Lebens- und dtmtsbedingungen eingerichtete, ihrer Einflußnahme auf die Verwaltung ganz entrückte Pcnsionskasse denken sollen. Die Verhältnisse der Kasse werden da nie genau zu den Verhältnissen unserer jüdischen Gemeindebeamten passen und oft wird der erstrebte Zweck dabei gar nicht herauskonimen. — Das gilt im Besonderen hier gegenüber den neuerdings viel beliebten und von einigen Seiten niit Emphase empfohlenen Ruhegehalts- und Witwen-und Waisen-Kassen der öffentlichen Provinzialverbäude. Wer die Einrichtung dieser Kassen genauer kennt, die im übrigen sehr verschieden sind, >vird uns zustimmen müssen, daß dieselben weder in allen Fällen die Aufnahme unserer jüdischen Gemeindebeamten möglich machen (in manchen Bezirken gibt cs noch gar keine solche Kassen), noch uns immer, unter den bei uns eigentümlichen Anstellungsverhältnissen, eine ausreichende Versorgung für unsere Beamten erwarten lassen können, noch inmier für die von ihnen beanspruchten hohen Beiträge entsprechende Leistungen gewähren,*) noch überhaupt in jedem Falle den Versicherungszweck an unfern jüdischen Beamten zur Erfüllung kommen lassen. Wenn nämlich der Beamte aus dem Bezirk der Kasse (der Provinz oder dem betr. Regierungsbezirk) verzieht, scheidet er meist ohne einen Anspruch auf Versorgung oder auch nur auf Vergütung eines Teiles der für ihn geleisteten Beiträge aus der Kasse aus.**) Das sind gewiß nicht die Einrichtungen, mit denen man die Versorgung unserer jüdischen Gemeindebeamten in befriedigender Weise generell zu regeln vernrag. (Schluß folgt). Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurta.M. Ein ungewöhnlich reges Leben hat diesmal die Wahlkampagne in der jüdischen Gemeinde entfacht. Geschlossene und öffentliche Versammlungen der beiden Wahlvereine, denen sich diesmal zum ersten Mal die Zion. Vereinigung mit einer öffentlichen Versammlung anschloß, wechselten mit einander ab, und jede Post brachte in den letzten Tagen Flugblätter in die Hauser der Gemeindemitglieder. Die Beteiligung an der heute stattfindenden Wahl ist somit auch eine äußer st lebhafte und das Resultat zur Stunde noch nicht abzusehen. Hamburg. Gerichtsentscheidung. Die Zivilkammer des Landgerichts entschied gegenüber der Weigerung des Oberrabbinats, die durch Feuer bestattete Leiche einer jüdischen Witwe sei in ihrem Erbbegräbnis beizusetzen. Lauterbach. Neue Synagoge. Ein stattliches Gebäude, zur Zierde unseres Städtchens, ist in dem Neubau der Synagoge entstanden. Sie wird voraussichtlich im Mai kommenden Jahres ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Kosten werden sich auf nahezu 60000 JL belaufen, die teils aus dem Erlös der alten Synagoge, teils durch Kapitalrenaufnahme und freiwillige Gaben gedeckt werden. *) Manche derzeitigen Beiträge täuschen darin, weil sie nur Anfangsprämien bedeuten, die hier mit den Jahren wachsen. **) Weiteres darüber in einem folgenden Artikel. Berlin. Der Delegiertentag des Verbandes derSabbatfreundeist auf Mittwoch, den 25. Dezember, nachmittags 3 Uhr, nach Berlin, Rosenstr. 2, einberufen worden. Die Tagesordnung lautet wie folgt: 1. Rechenschaftsbericht des geschästssührenden Ausschusses. 2. Berichte der Kommissionen. 3. Referat über „Errichtung des Kreditinstitutes". 4. Referat über jüdische Brockensammlungen und ihre Verwertung für die Interessen der Sabbatheiligung. 5. Neuwahlen. Den Schluß der Veranstaltungen bildet ein Festessen am Donnerstag, den 26. Dezember, nachmittags 4 Uhr. Wie wir hören, ist eine starke Beteiligung von Gesinnungsgenossen aus allen Teilen des Reiches zu erwarten. Die Beteiligung von Damen an sämtlichen Veranstaltungen ist willkommen. Stratzbnrg, 10. Dezember. Das'Jsraelit. Konsistorium des Bezirkes Unterelsqtz wurde heute von dem kaiserl. Statthalter Graf Wedel zur Vorstellung empfangen. Auf die Einsprache des Präsidenten heS Konsistoriums erwiderte der Statthalter: - „Ich versichere sie, daß ich stets unparteiisch ohne Unterschied der Konfession meines Amtes walten werde. Jeder brave Bürger — ob Jude oder Christ — wird, wenn er sich put einer gerechten Bitte an mich wendet, in mir einen wohlwollenden Beschützer finden. Ich -habe 4 Feldzüge mitgemacht, habe viele jüdische Soldaten befehligt und habe stets gesehen, daß die jüdischen Soldaten freudig ihr Blut für Kaiser und Vaterland hergeben; und deshalb dürfen Sie versichert sein, daß ich der jüdischen Bevölkerung dasselbe Wohlwollen wie der christlichen zeigen werde." Sanitätsrat Dr. GnstavLevy, .dem Präsidenten des Konsistoriums, gratulierte der Statthalter zu seinem 50jährigen Doktorjubiläum und teilte ihm mit, daß ihm der Kaiser den Krone norden 3. Klasse verliehen habe. — Stiftung. Die Erben des verstorbenen Kommerzienrats Jacobi beschlossen, gemäß einer von dem Verstorbenen in seiner letztwilligen Verfügung ausgesprochenen 'Absicht, eine Stiftung im Betrage von 80,000 Mark .ins Leben zu rufen, die den Namen Salomon Jacobi-Stiftung führen soll und deren Zinsen zu drei Viertel zur Gewährung von Stipendien an junge Kaufleute und Techniker zu ihrer weiteren Ausbildung und zn einem Viertel den Zwecken des VoMbibliotheksVereins dienen sollen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. Dez. Die Interpellation de- Jlüd. Klubs betreffs mutwilliger Tötung eines jüdischen Soldaten durch seinen Unteroffizier wird in der heutigen Sitzung von Landesverteidigungsminister G e o r g y beantwortet. Der Minister erllärte unter.stürmischem Beifalle, er gebe dem Gefühle der Entrüstimg über den Vorfall Ansdruck und versichere, daß er und die ganze Armee die Entrüstung der Bevölkerung teile. Er betrachte es als die wichtigste Obliegenheit, den Geist der Rohheit in der Armee bei jeder Gelegenheit zu verbannen. ' Personalien. Frankfurt a. M. Die Herren S i e g m u n d Morgenstern, Chef der Firma S. Morgenstern, Zachary Hochschild, Direktor der Metallgefellschafi, Bankier Emil Wetzlar und Otto Höchberg wurden in die Handelskammer gewählt. Berlin. Im Alter von 74 Jahren verschied der Geheime Rechnungsrat Nathan Cohn. Berlin. Der im Alter von 83 Jahren verstorbene Maler Nathaniel Sichel, ein geborener Mainzer, hatte viele Jahre in der Berliner Gesellschaft eine Rolle gespielt. Halb Berlin W. ließ sich einst von dem Maler des „Mädchens aus der Fremde" porträtieren, und sogar Max Liebermann „saß" seinem Antipoden. Sichel ist viel angefeindet worden. Dennoch haben seine indealisierten orientalischen Mädchen und Frauen, hier und dort, in Berlin und Paris, wo er längere Zeit gelebt hat, viel Anllang gefunden. Oft sind auch sehr hohe Preise für Sichel-Originale gezahlt worden. In den letzten Jahren frellich hatte das Interesse, das einst die farbenbunten glatten Frauenbilder Sichels erweckten, stark abgenommen. — Anläßlich der Grundsteinlegung für das Kaiserin Auguste Viktoria-Hans zur Bekämpfung der Säuglings-Sterblichkeit im Deutschen Reiche" sind Privatdozent Dr. Bernhard 'Bendix, Privatdozent Dr. Hugo Neumann und Sanitätsrat Dr. Jak. Cassel in Anerkennung ihrer Verdienste um die Säuglingspflege zu Professoren ernannt. Geh. Kommerzienrat L. M. Goldberger mit dem Roten Adleror den zweiter Klasse u. Kammer-