Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-12-13 · Heft 48 (13.12.1907) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 48 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692559--03650-2698360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 11. Nr. 48. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Aus -er Lehrerwett. Hamburg. Der Bor st and desVerbandes der f ft b. Lehrer vereine im Deutschen Reiche hat an etwa 20 der im Vordergründe der deutschen Judenheit stehenden Verbände und Vereine folgendes Schreiben gerichtet: „Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, zu dessen Aufgaben auch die Sorge für die materielle Wohlfahrt der jüdischen Lehrerschaft gehört, ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die materielle Lage sehr vieler jüdischer Lehrer zur Zeit eine solche ist, daß sie weder der Würde des Lehrerstandes, noch der Ehre der deutschen Judenheit entspricht. Der Verband kann sich auch der Befürchtung nicht verschließen, daß diese völlig unbefriedigenden Zustände auf das jüdische Schulwesen, insbesondere ans den jüdischen Religionsunterricht nachteilig wirken müssen. An der Erhaltung und dem Blühen unseres Schulwesens aber hat die gesamte deutsche Judenheit ein Interesse; nur Erziehung und Unterricht verbürgen uns die Erhaltung der deutschen Judenheit überhaupt. Von solchen Erwägungen geleitet, hat der Vorstand beschlossen, auf die Tagesordnung des 4. Lehrerverbandstagcs das Thema: „Die materielle Lage der jüdischen Lehrerschaft im Reiche" za sehen. Die Verhandlungen hierüber finden Mittwoch, den 25. Dezember pünktlich 11 Uhr in Hannover im Saale der Börse, -Osterstraße 16 8, statt. — Der Vorstand des Lehrcrverbandcs hat ferner beschlossen, alle hierfür in Betracht kommenden jüdischen Körperschaften im Reiche einzuladen, um gemeinsam mit ihnen die Schritte zu beraten, welche zur Hebung der materiellen Lage der jüd. Lehrer im Reiche erforderlich sind. Infolgedessen gestatten toir uns, Sie zu der Beratung des obigen Themas einzuladen und rechnen sicher darauf, Ihre gesch. Körperschaft durch ein oder mehrere Mitglieder vertreten zu sehen." Danzig. Radbiner Dr. Robert Kaelter- Potsdam ist einstimmig zun, Rabbiner der hiesigen jüdischen 'Gemeinde gewählt worden. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Für die Misrachi-Mittelschule in Palästina nehmen Beiträge in Empfang: The Jewish Colonial Trust Ld„ London. frankfurter Israelitisches Familienblatt, Frankfurt a. M. Die Welt, Köln. Jüdische Rundschau, Berlin. Herr H. Farbstein, Warschau, Krvlewska 51. Herr Joseph Hackenbroch (als Kassier), Frankfurt a. M., Rödcrbergloeg 30. Es sind sowohl einmalige, >vic Jahres-Bciträge ertvünscht. Die Spender von Jahres-Beiträgcu werden besonders gebeten, wohin sie auch immer das Geld abführen, ihren Namen nebst Wohnort sowie die Höhe des Beitrags an den gen. Kassier Herrn Hackenbroch zu melden. Bureau des M i s r a ch i für Westeurop a. Frankfurt a. M. Be: der Expedition r»s Israel. Familieublattes gingen für den Nationalfonds ein: Frl. Rahel Mainz 2,— JL N. O. —,50 „ Dr. David anstatt Telegramm zur Hochzeit Gidela Wolpe — S. Kristianpoller — ,50 „ Herr und Frau Brodhcim, Antwerpen zur Vermählung von Frl. Gidela Wolpe, Frankfurt a. M. mit Herrn S. Kristianpoller, Memel, einen Oelbauin 6,— „ Dr. S. Berlin für genossene Gastsreundschasi im Hanse Wolpe 1,50 „ Dr. L. Nebenzahl und-Frau statt Telegramm zur Hochzeit Gidela Wolpe — S. Kristianpoller —,50 „ Dr. L. Nebenzahlsundf-vau statt Telegramm zur Hochzeit Hanni Erlanger — Leopold Schwab " 1,— „ Zusammen 12.— JL Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Israel. Familienblattes ginge» für die Misrachischule ein von Frl. Gertrud« Kaufmann 4.— JL Saly Geis statt Telegramm zur Hochzeit Hanni Erlanger—Leopold Schwab 1.— „ Familie S. H. Goldmann gratuliert Herrn Joseph Hackenbroch und Mau zur Geburt des 2. Sohnes —.50 „ Saly Geis, do. —.50 „ Frankfurt a. M. Mit einem künstlerischen Programm hatte die Z i o n. Vereinigung dieses Mal die Besucher ihres Chan uka-Festes bedacht. Die Darbietungen der „Bereinigung für populäre Kammermusik" boten einen auserlesenen musikalischen Kunstgenuß. Herrn G u st a v Schwarz' Liedervortrag und die humoristischen Kouplets des Opcrnhausmitgliedes Alfred Hauck brachten eine angenehme Ergänzung des Programmes. Die Klavierbegleitung hatte Frl. E in m a R o s e n h e i m e r übernommen. Auf die Bedeutung des Festes selbst wiesen der von Herrn Sally Rosenheimer wirkungsvoll gesprochene Prolog und die Festrede des Herrn D r. Julius Moses aus Mannheim hin. Der Redner begann Inda Maceabi, den „Hämmerer", den Helden unseres Festes mit Karl Martell vergleichend, der auch eine Kultur, diejenige der christlich-germanischen Welt vor dem Untergänge bewahrte und die deutsche Nationalität schuf. Doch dieses Sieges wird heute nicht mehr feiernd gedacht, neue Siegestaten und erhebende Eriimcruiigen bieten dem Deutschen Gelegenheit zu tolzen Gedächtnisfeiern. Unser letzter nationaler Tieg, der zur Freiheit führte, >var der Makkabäerieg. Das Mittelalter mit dem heldenvollen Martyrium der vielen einzelnen Inden, die für ihre heilige Ueberzengung zu sterben wußten, bietet uns nur Bilder der Trauer. Redner wies ferner darauf hin, wie der Zionismus wieder ein Licht nach dem anderen im jüdischen Volke entzündet und wie Herzl, beglückt, Diener des Lichtes sein zu dürfe», sich frühzeitig selbst auszehrte. Storozynetz (Bukowina). Samstag, den 7. d. M veranstalteten die hiesigen zionistischen Vereine „Poale Zion", „Ruth", „Zion-Verein" ein gemeinsamcsM a kk a b ä e r f e st. Als erster Redner sprach Dr. Jakob Engel, der in einer schwungvollen, durchdachten Rede der Makkabäer Heldentaten schilderte und das Assimilationsjudentnm und dir Entstehung der Nalionalbcwegung behandelte. Jubelnden Beifall erntete auch der zweite Redner, Dr. Diamand aus Czernowitz. Herr A. M. S i l b e r m a n n schloß mit einer ausgezeichneten hebräischen Rede den Reigen. H. Fleischer. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) D r. RaphaelBreuer: Aus dem Tagebuch einer jüdischen Studentin. Weit» schon der Verfasser diesen modern klingenden Titel gewählt hat, it»i seiner Broschüre größeres Interesse und den entsprechenden Absatz zu sichern, so hätte er auch die Konsequenzen ziehen und irgendwie den Eindruck eines Tagebuches erwecken müssen. Die 16 Seiten der Broschüre haben aber gär nichts Tagebnchartiges an sich, da sie durchaus nicht Stimmungen und Eindrücke eines oder mehrerer Tage geben, sondern in einem Zuge eine abgeschlossene Ansicht über eine prinzipielle Frage' zum Ausdruck bringen. Die jüdische Studentin, in deren Empfindungsnnd Gedankenwelt der Verfasser sich für unsere Begriffe recht vergebens zu versetzen sucht, äußert ihre Verzweiflung darüber, daß sie sich der Gelehrsamkeit ergeben und durch das liniversitätsstudinm das innerste 'Gefühls- und Empfindiingsleben des Weibes vernichtet und sich für 'den einzigen, einer jüdischen Frau zukommende» Beruf — den Mutterbcrns — untauglich gemacht habe. Erstcres ist lächerlich und das zweite entbehrt jeder Begründung. Die Wissenschaft gleicht heute mehr denn je einem Blüten, und Früchte bietenden Garten, und auch das trockenste Fachstudium braucht einem jungen Menschen — gleichviel welchen Geschlechts — nicht die natürlichen, rein menschlichen Empfindungen, geschweige denn gar dein Weibe die innere Befähigung und Berechtigung zur Mutterschaft zu rauben. Gewiß kann man eine sehr gute Mutter sein, ohne je studiert oder auch nur eine höhere Töchterschule besucht zu haben, aber sicherlich braucht man keine schlechtere Mutter zu sein, wenn man sich durch irgend ein Studium größeres Wissen, größere Erfahrungen über Welt'und Menschen erworben hat. Ist die Studentin des Herrn Dr. Breuer ihrer Ansicht nach' untauglich für den Mntterberuf, so hat daran weder ihr durch das Studium keineswegs begründeter Abfall vom Judentum — (siehe Dr. R. Breuer) noch das Studium überhaupt schuld, sondern vielmehr ihre schon in frühem Alter zutage tretende Sucht, allein zu gehen, ihr egoistisches Begehren, sich auszuleben, eine Veranlagung, die man haben kann, auch wenn man nicht studiert hat. Denen, die „durch beengte Lebenslage gezwungen sind" einen Beruf zu suchen, will die Studentin großmütig verzeihen, wenn sie „sich ins geschäftliche Leben stürzen", sie brauchen ja "dabei ihr Weibempfinden nicht so bedingungslos zu verlieren, als sie es tun mußte, lins ist es 'aber unersichtlich, warum man gerade im Hörsaal bei Kommilitionen und nicht gerade ebensogut in einem großen Geschäftsbetrieb zwischen mitunter recht ungebildetem Personal, oder gar ' als Verkäuferin seine Weiblichkeit auf's Spiel setzen müßte. Wahre Weiblichkeit wirb sich überall behaupten, und kein Berus wird seine Trägerin unbedingt ilntanglich machen zur inneren, seelischen Befähigung der Mutter, vielmehr wird das in: Beruf erworbene Pflicht- und Verantwortlichkeitsgefühl gewissenhafte, selbstlose Mütter heranbilden. Zum Schluß noch eins, sehr geehrter Herr Dr. Breuer! Die Lehrerinnen können auch gute Mütter werden, selbst wenn sie vorher jahrelang höheren Töchtern, englische Vokabeln gelehrt haben. Mer Schulen, an denen die Lehrerinnen so schlechten und nur schlechten Einfluß üben, wie an den Schulen, die unsre arme Studentin besucht hat, sind uns, trotzdem wir viel älter sind und viel mehr Gelegenheit hatten, Erfahrungen aus diesem Gebiete zu sammeln, nicht begegnet. Sehr gerne möchten wir trotzdem bald Einblick in den Lehrplan der zukünftigen Mütterschule erhalten, denn wir sind uns nicht recht klar über das» was dort'gelehrt werden soll; ob dort Wickel» und Still-Unterricht erteilt werden, oder die Zeit ausschließlich der Ausbildung des mütterlichen Einpfindens gewidmet sein soll. In letzterem Falle warnen wir schon heute vor „verschrobenen Phantastereien". Eine Mutter, die studiert hat. Kunst und Literatur. Breitkopf & Härtels Kunstverlagskatalog ist soeben erschienen. Das 64 Seiten starke Verzeichnis enthält 160 Abbildungen aller in dem Verlage erschienenen „Zeitgenössischen Kunstblätter", „Wandfriese", einiger „Renen Flugblätter", ferner eine genaue Zusammenstellung der daselbst verlegten Porträts, der illustrierten und kunstgeschichtlichen Werke und der erhältlichen Mnsikerbüsten. Der hübsche Katalog ist von der Verlagsbuchhandlung Breitkops & Härtel in Leipzig und auch von jeder anderen Buchhandlung kostenfrei zu beziehen; wir empfehlen allen Kunstfreunden, sich ihn schicken zu lassen. Westermanns Monatshefte, Illustrierte deutsche Zeitschrift für das geistige Leben der Gegenwart. 52. Jahrgang, November-Heft, George Westermann, Brauuschweig. Die künstlerische und literarische Ausstattung dieser Zeitschrift ist zu bekannt, als daß es noch empfehlender Worte bedürfe. Das vorliegende Heft enthält u. a. 3 Bildnisse des berühmten Juden Barnch Spinoza und die Abbildungen der Spinozahäuser in Rijneburg, Amsterdam und Haag, sowie des Spiaozadenkmals im Haag. Der Text zu den Bildern „Im Lande Spinozas von Ernst Altkirch" beschäftigt sich hauptsächlich mit den Stätten in Holland, die noch an Spinoza erinnern. Aus dem Tagebuch einer jüdischen Studentin von Dr. Raphael Dr euer. 16 Seiten. Frankfurt, Gebrüder Knauer. Die Bestimmung der Frau.-Jahrtausende lang war die Frau die Mutter. Nicht immer, wie das Buch der Bücher verlangt, die dem Manne ebenbürtige Gefährtin, aber doch — die Mutter, die das zukünftige Geschlecht erzog. Und „eine große Mutter ist immer noch größer, als ein großer Mann, der ein kleiner Vater ist!" Man erzog sie freilich schlecht zur Mutter. Auch in jüdischen Kreisen, in denen eine Sara, Riwka, Nahet und Lea, eine Mirjam, Debora, Channa, Michal und Jael der Erziehung Vorbild hätten geben sollen. Auch hier ließ man die Töchter tändeln und spielen, bis sie vor dein Mutterberuse standen. Und so ist es denn gekommen, daß in unserer Zeit des erwachten Bewußtseins auch in den jüdischen Kreisen das nach ernster Lebensbetätigung ringende Mädchen ihren Beruf verkennt und nicht nur mit dem Manne in Wettbewerb treten, sondern selbst Mann sein will. Hier mit' der Fackel der jüdischen Wahrheit in die Bresche zu treten, wäre eine Tat zur rechten Zeit. Und diese Tat will das soeben erschienene Heftchen „Aus dem Tagebuch einer jüdischen Studentin von Dr. Raphael Breuer" vollbringen. Doch die Vollbringung dieser Tat verlangt eine tiefere Behandlung des Stoffes. So sind es» nur Anregungen zum Nachdenken, die der Verfasser gibt. flftr. percy GiU’s Jnstitnt Kaisers trasse 31. —— Nationale Lehrkräfte. -- JEngl., Franz., JCtal., SjaanKuss. Vereins-Kalender. „Moutefiore"-Berei». Freitag, den 13. Dez., abends 8*/-* Uhr: Gemütliches Beisammensein. Montag, den 16. Dez., abends 9 Uhr: „Leseabend". Mittwoch, den 18. Dez., abends 9 Uhr: Herr I. B. Levy „Synagogen-Melodien". Verein Mekor-Chajim. Sainstag, den '14. Dez., nachmittags 3Vr Uhr: Mikwo-Bortrag des Herrn Jacob Emanuel. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, Yen 45. Dez., abends 9 Uhr, Referent Herr Dr. Heinemann: „Die neuesten Ausgrabungen des Orients". Verein „Rachlatz Zwi". Mittivoch, den 18. Dez., abends 8Uhr: Diskus s i o n s a b e n d IV. „Die Pflicht des Thorastudiums". a. Referat: Herr Julius Lewin, d. Besprechung. Leitung des Abends: Herr Jacob Rosen» heim.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.