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Neue jüdische Presse · 1907-12-06 · Heft 47 (6.12.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 47 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Serie 10. Frankfurter Jsra elitiDeK FamilienLlatt. stützung, sondern cs werden ihr noch Hemmnisse in den Weg gelegt. . . Es erwidert zuerst Dr. B r a u b e. In Anbetracht der riesigen Anstrengungen, welche die verflossene denkwürdige Zeit verlangt habe, müsse die Einseitigkeit verziehen werden, es sei iin Gegenteil dem D. - K. die wohlverdiente Anerkennung zu zollen für die gewaltige Arbeit, die cs geleistet hat. Gegen die Angriffe der „Konservativen" ergreift Gerschon Zipper das Wort. Das D.-K. habe alle seine Mitglieder und alle ihm untcrordnete Organisationen gleich respektiert; der Vertreter der konservativen Richtung jedoch habe mit seinen Pflichten als D. - K. - Mitglied mankicrt und die Sitzungen ohne jeden Grund dazu ignoriert. Dcni abgehenden D. - K. wird c i n st i m m i g das Absolutorium erteilt. — — In der Nachmittagssitzung kam zuerst die Schließung der hebräischen Schule in Rohatyn zur Sprache. Es wurde eine Resolution angenommen, die den Jüdisch-Parlamentarischen Klub auffordcrt, sich der Angelegenheit anzunchmen. Der nächste Punkt der Tagesordnung bildet die Frage der Errichtung eines Nationalhauses in Lemberg. Es sprachen mehrere Redner, die sämtlich für die Idee eines Nationalheims warm eintreten. Mancher Redner läßt sich sogar so weit Hinreißen, daß er in dem Entstehen eines solchen Hauses fast die Rettung der Lcmbcrger Judenhcit zu sehen glaubt. . . Den Höhepunkt der Diskussion bildet aber die Kundmachung, daß zu dem bereits gesammelten Fonds S. Orange 1000 Kr., B. Jahr, M. Kätz, D. Schönfeld je 200 Kr. und F. L. Lutivak 10 000 Ziegel im Werte von etwa 400 Kr. versprechen. Es wird eine spezielle Kommission gebildet und die Ausgabe von Anteilscheinen zu je 200 Kr. beschlossen. Und nun kam die Konferenz zu ihrem Schlußpunkte: zu den Wahlen. Es standen sich hier zwei Richtungen gegenüber: die eine Richtung will das künftige D.-K. hauptsächlich mit jugendlich-akademischen Kräften besetzen, die andere wieder forderte 5 Mandate der 12gliederigen Körperschaft — je 1 Sitz der Redaktion des „Tagblatt" und der „Wschod" — für die Mitglieder des „Tikwatt Zion" als Vertreter des konservativen Bürgertums. Es wurde eine geheime Abstimmung durch Zettel angeordnet und dies ergab — die volle Niederlage der Konservativen! ... Das gab Ursache zu einer fast 3-stündigen, sehr erregten und stellenweise sogar heftigen Debatte, nach der die Angelegenheit durch eine Vermehrung der Zahl der Mitglieder um 2 geschlichtet wurde. Da nun Dr. Zipper auf das Mandat im D. - K. verzichtete, indem ihm durch die Wahl ins Nätionalhauskomitee und durch die ihm zugeteilte Leitung der Tagblatt- Gcschäfte ohnehin schon eine allzu große Last zufällt, so wurden nachträglich noch 3 Konservative gewählt. M. K—n. Bericht über die Tätigkeit des „Bezalel". Am 17. d. Mts. fand in Berlin die 1. Hauptversammlung des Vereins zur Verbreitung von Kunstgewcrbc und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern „Bezalel", (Bureau: Berlin IV. 15, Uhlandstr. 175) statt. Den Bericht erstattete der Vorsitzende Prof. O. W a r b n r g. Er wies darauf hin, daß die Förderung von Hausindustrie und Handwerk eines der erfolgreichsten Mittel zur Beseitigung des jüdischen Proletariats in den Städten Palästinas ist, aber auch zur Stärkung der Kolonien in hohem Grade beitragen wird. Besonders aussichtsreichi ist die Entwicklung des Kunsthandwerkes, da kunstgewerbliche Erzeugnisse nicht nur infolge des fortgesetzt zunehmenden Fremdenverkehrs in Palästina allein, sondern auch in allen Ländern der Diaspora großen Absatz finden werden. Mit Genugtuung hob der Vorsitzende die günstigen Berichte hervor, die dem Vorstande von Besuchern der Kunstgewerbeschulc „Bezalel" in Jerusalem zugegangen sind (Fabrikbesitzer S. Hepner, Rechtsanwalt Straus, Dr. Sandler, Präsident Wolffsohn, Gaster, Dr. A. Ruppin u. a.). Alle Herren bezeichnen die Entwicklung der Schule als eine absolut gesunde und ihre Leistungen als höchst anerkennenswerte. Die bisherigen Erfahrungen beweisen, daß die Schule einem wirtlichen Bedürfnis entspricht und ihre Wirksamkeit von den segensreichsten Folgen für das Wohl der palästinensischen Judenheit sein wird. Die Bedeutung der Schule wird darin liegen, immer neue Hausindustrien und Kunstgewerbe in Palästina cinzuführcn und unter der Bevölkerung zu verbreiten. Gegenwärtig bestehen in der Schule folgende Abteilungen: I. Höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeichen- und ' Modellierunterricht. In dieser Klasse werden nur begabte und zumeist bereits vorgebildete Schüler ausgenommen. Von ihnen sollen die einen zu Teppichlehrern und Kunstzeichnern ausgcbildct, die anderen dagegen einer handwerkmäßigcn Beschäftigung, insbesondere der Stein- und Holzschnitzerei zugewicsen werden. II. Vorbercitnngsklasse für kunstgewerblichen Zeichpn- und Modcllicrunterricht. In diese für Anfänger bestimmte Klasse wurden einige begabte Jerusalemer Jünglinge ausgenommen, die ohne den „Bezalel" ein nutzloses Dasein zu führen verurteilt gewesen wären. Diese beiden Klassen zählen zusammen 24 Schüler. III. Abteilung für Teppicharbeiten. In dieser Abteilung finden 48 Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren, meist aus Jerusalem stammend, Beschäftigung. Die Mädchen lernen ein Jahr laug ohne Entgelt und erhalten im zweiten Jahre 15 Frcs. monatlich. Ungefähr 25 Mädchen waren bereits vor drei Monaten so weit, daß sie diesen Verdienst bezogen. Dieser kleine Verdienst der Mädchen ist in Jerusalem schon eine sehr wesentliche Mithilfe für ihre armen Eltern. Die bereits fertiggestcllten Teppiche sind nach Aussagen von Fachleuten recht gut ausgeführt und machen einen sehr gefälligen Eindruck. Es ist zu erwarten, daß nach zwei bis drei Jahren bei der Teppich-Manufaktur mit Leichtigkeit einige hundert Arbeiterinnen Beschäftigung finden können, da die anfänglichen Schwierigkeiten (wie Beschaffung der Wolle und das richtige Färben derselben) bereits jetzt größtenteils behoben sind und die Schule nach einigen Monaten ihr eigenes Gebäude beziehen soll, in dem genügend große Räume sind, um eine größere Zahl von Mädchen zur Anlernling des Teppichknüpsens aufzunehmen. IV. Abteilung für Stcinhaucr. In dieser Abteilung wurden 3 Steinhauer und 3 Maurer in kurzer Zeit so ausgebildet, daß sie bereits 1,20 Frcs. bis' 1,50 Frcs. täglich verdienen. Ihr Verdienst wird, wenn sie sich größere Fertigkeit angeeignct hoben lverdcn, bis auf 3 Frcs. täglich steigen. V. Die Abendschule. Die Abendschule wird von älteren und jüngeren Jerusalemer Handwerkern besucht, die daselbst hauptsächlich Unterricht im Zeichnen erhalten und in der Ausübung ihres Handwerkes vervollkonimnet werden. VI. Abteilung für Holzarbeiten. Vor wenigen Monaten ist diese neue Abteilung eingerichtet worden. Es sollen hier hauptsächlich einfache Tischlerarbeiten, sowie kunstgewerbliche Holzschnitzereien ausgeführt werden. Es besteht auch die Absicht, schon in der nächsten Zukunft die Korbflechterei und init ihr in Verbindung stehende Stroharbeiten iin Bezalel einzuführen. Diese Industrie hätte hauptsächlich große Bedeutung für die landwirtschaftlichen Kolonien. — — Miit großem Dank wurde seitens der Versammlung die Zuwendung des Handelsrichters Herrn I. Moser in Bradford erwähnt, der 10,000 Frcs. für fünf Jahre (je 2000 Frcs jährl.) dem „Bezalel" gespendet hat und des Rittergutsbesitzers Dr. Paul Schottländer in Breslau, der einen Jahresbeitrag von 1500 Mk. leistet. Beide Herren sind als erste zu Stiftern unseres Vereins ernannt worden. Die im vorigen Jahre den Bezalel subventionierenden Organisationen — Hilfsverein der Deutschen Juden, Kolonisationsvercin Esra, das zionistische Aktions-Koniitee, die Großloge für Deutschland — haben auch, in diesem Jahre ihre Beiträge gewährt. Das Palästina-Koniitce in Odessa hat nicht nur einen Kredit von 2000 Frcs. zur Einführung der Steinhauerarbeiten gewährt, sondern auch seinen für den hebräischen Unterricht in der Schule bestimmten Jahresbeitrag auf 1200 Frcs. erhöht. Mit hoher Genugtuung nahm die Versammlung den Beitritt einer größeren Anzahl von B'nai B'rith- Logen, sowie mehrerer jüdischer Gemeinden, die insbesondere dank der Agitation des Herrn Rabbiner Löb in Szegedin in Ungarn den Bezalel zu fördern sich entschlossen haben, zur Kenntnis. Eine große Anzahl von Freunden gewann der „Bezalel" unter der palästinensischen Bevölkerung selbst und unter den vielen Touristen, die auf ihrer Palästinareisc das Institut persönlich zu besuchen Gelegenheit hatten. Der beste Beweis dafür ist die große Anzahl von Spenden, die bei der Schule in Jerusalem direkt eingelaufen sind. Um eine intensivere Propaganda für den „Bezalel" entfalten zu können, haben sich auch an verschiedenen Orten spezielle „Bezalel-Vereine", von denen insbesondere die von den Poale-Zion-Organisationen unterhaltenen durch ihre großen Beiträge hervorgehoben zu werden verdienen, gebildet. — — Als Vorsitzender wurde Prof. O. Marburg wiedergewählt, in den V o r st a n d wurden die Herren Dr. Paul Nathan, Berthold Israel, Fabrikbcs., S. Hep.ner, Dr. Hirsch Hildesheimer, Direktor Paul Lewy, Dr. E. Mittwoch, S. B e r g e l, Prof. M. Philippson, Bert. Hamburg, Dr. Paul Schottländer, James Simon, Dr. S. Soskin berufen. Den künstlerischen Beirat bilden wiederum die Herren Maler Jul, Boden st ein, Prof. Max Lieb er mann, Maler Hermann Struck. i ft a. Aus aller Welt. Großbritannien. London. Ein Menschenfreund. Nathan Strauß, dessen Säuglings-Milchkühen in Newyork und anderen Städten Nord-Amerikas Tausenden von Kindern das Leben erhalten haben, bereist gegenwärtig England, um hier gleichfalls auf seine Kosten Säuglings-Milchküchen zu errichten. Palästina. Jerusalem. Verein *8entotut Zion". Die Apotheke des Vereins fertigte im August 2635, September 2364 und Oktober 2624 .Rezepte an; die Aerzte des Vereins behandelten im August 4803 Augenkranke und 1820 diverse Kranke, September 2971 Augenkranke und 1717 diverse Kranke, Oktober 2745 Augenkrauke und 2056 diverse Kranke. In Hinblick auf tzic derzeitige Notlage und Teuerung läßt der Verein demnächst Getreide und Mehl zur Verteilung bringen und bittet derselbe um sreundl. Zuwendungen für diesen Zweck.*) Personalien. Berlin. Geh. Justizrat Prof. Dr Albert Mo k.se jst zum Stadtrat gewählt worben, Die Stadträte JacobY, Kalisch u. Dr. Straßm a n n sind als Stadträte wiedergewählt worden. Fräulein Gertrud Klausner, Tochter des Schriftstellers M. A. Klausner ü. Leiterin der „Freien Vereinigung studierender Frauen", hat die Doktorprüfung bestanden. Magdeburg. Der praktische Arzt Franz Wolfs wurde als Kandidat der bürgerlichen Parteien zum Stadtverordneten gewählt. Darmstadt. Anläßlich der jüngsten Ordensauszeichnungen wurden auch zwei Juden — Lehrer Nathan L e v y in Gießen und Lehrer Vogel in Ofsenbach — mit Orden bedacht. London. Im Alter von 79 Jahren verschied Judah Nahon, einer der Aeltesten der Spanischportugiesischen Synagoge und Schwager des seligen Abraham Mocatta. — Lord Battersea, unter seinem ursprünglichen Namen Cyril Flower Lordschatzmeister während Gladstone's letzter Regierung, ist gestorben. Seine Witwe, eine Tochter des verstorbenen Sir Anthony de Rothschild, ist Vizepräsidentin und Ehrensekretärin der „Jüdischen Bereinigung zum Schutze der Mädchen und Frauen". Verden. Herr S. S. Schrägen heim, lvährend 24 Jahren Stadtverordnetenvorsteher, ist — 79 Jahre alt — gestorben. Herr Schragenheiin >var ein streng frommer Jude und genoß durch sein Wirken in allen Kreisen höchste Achtung. Sidney lAustralien). In den Neuwahlen zum Parlament wurden auch drei JUden, die Herren I. I. Cohen, Daniel Levy und A. E. Cöl - lins, gewählt. Ms der zionistischen Bewegung. Fulda. Zu unserem jüngsten Bericht haben wir nachzutragen: Herr Hackenbroch betrachtet es als notwendig, daß die gesetzestreuen Zionisten sich im Mis« rachi zusammenschließen (Föderation), um so ihre Ideale innerhalb der zion. Bewegung sinoen zu können. Aruh würde mit der Gründung der misrachistischen Föderation den Misrächisten die Möglichkeit gegeben, im Aktionskomitee und in den Komniissionen der.. Kongresse vertreten zu sein. Köln a. Rh. In der Sitzung des Engeren Aktionskomitees, die hier am 24. u. 25. Nov. stattfaud, erstattete der Präsident Bericht über seine Reise nach Konstantinopel. Die Verhandlungen mit der türkischen Regierung seien in ein Stadium getreten, in deni positive Projekte in einer festen unirissencir Gestalt "unter dem Gesichtspunkte realpolitischer Erwägungen behandelt werden. Der Präsident berichtete ferner über seine zusammen mit Dr. Kätzenelsohn, dem Präsidenten der Jüd. Kolonialbank, wegen Errichtung einer Bankfiliale in Konstantinopel entfaltete Tätigkeit. Die Versammlung beschließt die Einberufung des Großen Aktionskomitees aus den 6. Januar nach 'Berlin, die Ausarbeitung einer neuen Geschäftsordnung für den Kongreß seitens des Berliner Bureaus und. die Einrichtung des P al ä st in aa in tes in Palästina unter Ernennung von Dr. Ruppin und Dr. Thon zu Beamten desselben. Aus den Mitteln der bei den Pogroms gesammelten Gelder sollen eine Anzahl Pogromwaisen in Palästina erzogen werden; die vom Kongresse eingesetzten 3 Juristen, die sich mit der Frage der Abänderung der Bankstatuten beschäftigen, sind zu ersuchen, ihr Gutachten schnellstens äbzugeben. *) Die Geschäftsstelle dieses Blattes ist bereit) Spenden an den hier in Frankfurt domiMerenben Vorstand des „Lemaan Zion" zu vermitteln. D. Red.

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