Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 46 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Frankfurter JsraelUMes FamMenblaü. Seite 3. nunmehr die'Städtc Berlin, Charlottenbnrg, Schöneberg und Rixdorf und 57 Vororte uutfafjt. 417 Personen (gegen 877 in der vorausgehenden Berichts-Periode) schieden durch Erklärung vor Gericht ans dem Indent u m ans. und 4 2 Personen (gegen 29 in den Vorjahren) haben aus Grund religiöser Bedenken ihren A.ns tritt aus der Gemeinde erklärt. Die Gemeinde hat 8 R a b b i n c r und 12 Kantoren. Den in der Gemeinde bestehenden 17 R c l i - gionsvereinen wurde in den drei Jahren insgesamt Mk. 248,190 Beihülse gewährt. Das Schulwesen beanspruchte im letzte» Jahre eine Ausgabe von Mk. 255,767. Es bestehen 2 Elementarschulen (604 Knaben, 530 Mädchen), 10 Religionsschnlen (2000 Knaben, 1552 Mädchen), und die Lehrerbildungs- und Präparanden-Anstalt (54 Zöglinge). Von den Leistungen der Gemeinde sei ferner erwähnt: Die A r m e n k o m m ission bewilligte in den drei Jahren Mk. 526,084, die Ephraim - Stiftung 142,960 Mark, die W a i s e n k o m m i s s i o » hatte für 361 Waisen zu sorgen; in den beiden Waisenhäusern waren unverändert 75 bezw. 55 Kinder untergcbracht. — Die jährliche Subvention sür das Kranke n h a u s wurde auf 71,580 Mk. erhöht. — Die Gemeinde- Bibliothek beansprucht 49,712 Mk. in der Berichts-Periode und die K o m m ission zur Beschaffung des K o s ch e r f l e i s ch e s 18,450 Mk., jährlich. Hannover. Am 17. November fand die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der I s r a e l i t. E r z i e h u n g s a n st a l t A h l e m statt. Zunächst wurden Wahlen erledigt. Die nach dem Turnus ansschcidcnden Mitglieder wurden wicdergewählt. Neu in das Kuratorium berufen wurden die Herren Rechtsanwalt Dr. Apfel-Köln, Geh. Kommerzienrat Georg Arnhold-Dresden, Dr. mcd. L. Caro-Hannover, Hermann Karger-Breslau, Albert. Meyer-Leipzig, Justizrat Placzek-Posen und Adolf Sternberg-Breslau. Herr Konsul Jaffa-Hannover wurde aus dem Kuratorium in den Vorstand berufen. Besondere Freude erregte es, das; diesmal in den Etat ein Einnahmeposten von 10,000 Mark eingesetzt werden konnte, die von der Simonschen Stiftung in Hannover einige Tage vorher für die Anstalt Ahlem bewilligt waren. Ein Teil dieser Summe soll zur Herstellung einer notwendigen Bewässerungs- Anlage benutzt werden, der Rest zur Erleichterung der Aufnahme armer Kinder. Aus dem vom Vorstande erstatteten Bericht sei hier mitgeteilt, das; seit dem 1. Januar ds. Js. 13 Lehrlinge (11 Gärtner, 1 Schuhmacher und 1 Bäcker) nach vollendeter Lehrzeit die Anstalt verlassen und sämtlich Stellung gefunden haben. Aus dem Mädchenhause gingen 11 Haushaltungsschülerinncn ab, davon 4 in Stellung als Dienstboten l-zw. Stützen, die andern zu ihren Angehörigen. Oesterreich - Ungarn. Budapest. Die 15er orthod. Zentral- K o m m i s s i o n beschloß, anläßlich der vor 40 Jahren erfolgten Sanktionierung des Gesetzes betreffs der Emanzipation der Ungar. Inden an den König eine Adresse zu richten, billigte das von dem Kanzleipräsidenten an die Rabbinen gerichtete Zirkular, das die Teilnahme der Orthodoxen an dem geplanten Jndentag verwirft, und genehmigte ein gleiches Rundschreiben an alle orthodoxen Gcmeindevorstände. Budapest. Eine neue aniisemitische Organisation, die christlichsozialc politische Landespartei, hat sich hier gebildet. Bei der Gründungsversammlung lvaren 3 volksparteiliche Abgeordnete und 800 Delegierte anwesend. Schweiz. Zürich. Die sogenannte Russenfrage, die in Wirklichkeit eine Judcnfragc ist, wurde von Professor H i tz i g-S te i n er, dem Rektor der Züricher Universität, unter anderen Angelegenheiten aus der Versammlung des Hochschulvereins behandelt. Er führte jms: Viele Leute meinen, nur die Invasion der zahlreichen russischen Studenten sei schuld daran, daß die llniversitätsräume nicht mehr ausreichen. Es ist dies eine irrige Ansicht. Es ist, soweit es sich mit der Toleranz und der Humanität irgendwie vereinigen läßt, alles getan worden, die Zahl der Ausländer zu verringern. Das Einschreibegeld ist erhöht worden, jeder Student muß eine Gymnasialmatnrität besitzen. Man darf nicht allzuscharf gegen die russischen Studenten Vorgehen, die bei einer Reihe uns unsympathischer Eigenschaften auch manchen guten Zug ihr eigen nennen. Bor allein darf man nicht vergessen, daß die Russen zurzeit sür ihre Studien fast ganz aufs Ausland angewiesen sind, da ihnen bei den Zuständen in der Heimat auch jede Möglichkeit des Studiums genommen ist. Interessant ist übrigens die Konstatierung, daß 1872 die Prozentzahl der Russen 31,6 betrug und für das laufende Semester — es studieren gegenwärtig 465. Russen an der Züricher Universität — 31,5 beträgt. Italien. Rom, 25. Nrv. Ein Jude zum Bürgerin e i st e r von R o m gewählt! Der Gcmcinderat der Stadt Rom ist heute zum erstenmal nach den allgemeinen Gem-nnderatSwahlen znsamniengelreten und hat mit 60 Stiinmcn bei 12 Stimmenthaltungen Urne st o N atha n zum Bürgermeister gewühlt. Der Name Nathan hat in der Geschichte der italienischen Besrcinngskämpfe einen guten Klang. Während seiner Verbannnngszeit hatte Mazzini in Lausanne keine treueren Freunde als den englischen Juden Nathan und dessen Frau. Erncsto Nathan's Erwählung znm Bürgermeister dürste den Klerikalen als Heraussordernng gelten, denn außer seiner Zugehörigkeit zum Judentum werden sic ihm nicht verzeihen, daß er Großmeister des italienischen Grvßorients war. Mer auch die Klerikalen werden zngestehen müssen, daß Nathan ein ehrlicher Mann und von hervorragender Tüchtigkeit ist. Dänemark. Kopenhagen. Im Januar wird hier unter Leitung der Herren Prof. Dr. Simonsen u. Mnseumsdirektor Emil Hannover eine I ü d. K u n st a n s st e l l u n g, die auch alle Arten von Gegenständen des synagogaleu und sonstigen kulturellen Lebens umfassen soll, stattfinden. Amerika. New-Nork. Die Synagogengemeinde „Kehiath Anfhe Mayriv" in C h i c a g o , die älteste jüdische Gemeinde im N o rd w esten, feierte ihr 6 0 j ä h r i g e s Bestehen. — Der „Jüd. Wohltätigkeits - Franenvercin" in Philadelphia ist der älteste jüdische Verein und der älteste Franenvercin dieser Stadt; er ist bereits 1819 gegründet worden. E i n e n D r o h b r i c f von dem russi s ch e n schwarzen Hundert, datiert Genf, 31. Okt., in dem ihm sein Todesurteil verkündet wird, empfing Louis Miller, der Herausgeber der Jargon- Zeitung „Die Wahrheit". Miller hatte dem Schwarzen Hundert einige Male in seine Kulissen hineingclcuchtet. Personalien. Berlin. Professor Dr. Israel. Leiter der chirurgischen Abteilung des jüd. Krankenhauses, ist wegen seiner Verdienste um die Nierenchirurgie zum Ehrenmitglied der deutschen ll r o l o g i - scheu Gesellschaft ernannt worden. — Stadtrat Kalisch und Bankier C. L o e s c r erhielten den Roten A d l e r o r d e n 4. Klasse, Direktor Georg Haberland den Charakter eines K o m m e r z i c n r a t e s. — Professor Dr. T h. So m m e r f e l d wurde von der „Intern. Ausstellung für llnfallverhütnng, Gewerbehygiene und Arbciterwohlfahrt" wegen seiner hervorragenden Leistungen aus dem Gebiete der Gewcrbehygicne mit der Goldenen Staatsmedaille ausgezeichnet. Aschaffenburg. Dr. Max Dreysuß und Dr. ö a in lt e [ Swonsensky - Hof, wurden zu Stabsärzten der Reserve besördert. Breslau. Hcslieferont Emil Zadck erhielt den Titel K o m m i s s i o n s r a t. Posen. Archivrat Dr. Warschauer wurde znm Geh. Archivrat ernannt. München. Außerordentl. Universttälsprofessor Dr. A r t h u r K o r n, der Erfinder der elektrischen Feruphotographie, erhielt den preußischen Rote» A d l e r o r d e n 4. Klasse und das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. — Fabrikant Alfred K ö n i g s b e r g e r wurde zum Handelsrichter, Rcchtspraktikant Dr. H u g o G ü n z znm E i s e n b a h n a s s e s s o r in Würzburg Und Dr. Hugo Walter in Gervlzhofcn zunr Notar ernannt. — Rechtsanwalt Dr. Fritz Ball in wurde znm V i z e k o n s n l von Brasilien ernannt. — Buchhalter Heinrich Bloch in Landau erhielt die L u i t p o l d m e d a i l l e. Posen. Dem Geh. Kommerzienrat Michael Herz wurde der K r o n e n o r d e n 3. Klasse verliehen. Königsberg. Privatdozent Dr. Sellh Askanazy erhielt das Prädikat Professor. Wien. Seinen 70. Geburtstag feierl e Dr. Markus Landau, der mit seinem 1869 erschienenen Werke „Die Quellen des Tekameron" für die damals ganz brachliegende Bocccaccio-Forschung bahnbrechend gewirkt hat. Auch auf dem Gebiete der Quellenforschung in Bezug auf die Märchen und Novellen der Weltliteratur gehört 'dieses Buch zu den Hervorragendsten. Von seinen zahlreichen Werken seien genannt: Giovanni Boccaccio, sein Leben und seine Werse; Geschichte der italienischen Literatur im 18. Jahrhundert; Skizzen aus der jüd. Geschichte. Budapest. Josef K i ß, der bedeutendste lebende Lyriker Ungarns, feiert sein 4 0 j ü h r i g e s S ch r i f t st e l l e r j n b i l ä u m. Seine jüdischen Lieder hat Kiß 1885 unter den: Titel „Feiextage" heransgegeben. Prag. Das Ritterkreuz des Franz I o s e f s o r d e n s wurde den kaiserl. Räten Philipp F ä l k o w i c z und Sieg m u n d H a u r o - Witz, dem Bankdirektor B c r t h o l d Steiner in Prag und dem Großhändler Eugen Tauber in Vysocan verliehen. Frau Sanitätsrat Ottilie öl l t s ch u l erhielt den Elisabet Horden 2. Klasse. Dem Ingenieur Otto B o n d n , dem Hoflieferanten E m i l G c r st e l, dem Großhändler Bened i k t K l e m p e r e r , dem Beamten Engen Lederer, dem Großhändler Jakob Straß und dem Bankdirektor 'Adolf W l a s ch i m wurde der Titel Kaiserl. Rat taxfrei verliehen. Sämtliche Auszeichnungen sind ans Anlaß des letzten Kaiserbesnches in Prag erfolgt. London. Im Alter von 68 Jahren verschied der Diamantenmakler M o s e s A. R o z e l a a r, lebenslängliches Mitglied des Rates der United Synagogue und Mitglied der Schächt-Kvmmissio.i. Jerusalem, 14. November. Am 12. d. M. verschied hier Herr Benschimol, Direktor des Rothschild'schen Hospitalcs. Benschimol, in Marokko gebürtig, war langjähriger 'Alliance-Lehrer. In dieser Eigenschaft wirkte er zunächst in seinem Heimatlande, später in Palästina, in Chaifa. Infolge schweren körperlichen Leidens, das ihm die Betätigung seines Berufes unmöglich machte, ernannte ihn die Alliance, in deren Verwaltung vor etwa vier Jahren das Hospital Übergegangen ist, znm Direktor desselben.'Die Erleichterung des Berufes wirkte aber kaum besser ans. seinen Gesundheitszustand. Er hat schwer gelitten, bis ihn schließlich der Tod von seinem Leiden befreite. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerknndgebung. Nach Hunderten zählte der Kondukt, der ihm das Geleite' gab. Benschimol hat bloß ein Alter von 56 Jahren erreicht. __ H. Cincinnati (Amerika). Fredeiick S. Spielm a n n wurde zum R i ch t e r a m O b e r g e r i ch t und Samuel Weil zum Direktor der Verwaltung des öffentlichen Dienstes gewählt. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. „Montefiore-Berein". Die C h a n u k a - F'e i e r des „M o n t e f i o r e - Vereins" findet am 7. Dezember in sämtlichen Räumen der Frankfurt-Loge statt. Das Fest-Programm, welches dieser Tage versandt wurde, hat bei den Mitgliedern eine derartig starke Nachfrage nach Eintrittskarten hervorgerufcn, daß dieselben bereits am ersten Tage trotz möglichster Beschränkung der einzelnen Bestellungen vollständig vergriffen waren. (Siehe Inserat.) Wie uns aus dem Bureau des Vereins mitgetcilt wild, betrügt die Zahl der bestellten Karten bereits mehr als 1000 S t ü ck, während nur ca. 500 Plätze verfügbar sind. Sv erfreulich cinerseits das rege Interesse der Vereinsmitglieder ist, das sich überhaupt bei allen Vorträgen und Veranstaltungen des 'Montesiore-Bereins in rühmenswerter Weise bemerkbar macht, in so unangenehmerer Lage befindet sich in diesem Falle die Vereinsleitung, da sie genötigt ist, eine erhebliche Anzahl von Billetbestellnngen ablehnen zu müssen. Wie übrigens ans sicherte Quelle verlautet, beschäftigt sich der Vorstand des Montesiore- Vereins z. Zt. sehr eingehend mit dem Plane der Vergrößerung seiner Vereinsräume, da die Mitglicderzahl beständig stark zunimmt und bereits mehr als 1200 beträgt. Frankfurt a. M. Letzten Mittwoch hielt Herr Dr. I. Hülsen im „Montefivre-Vereiii" cinen Vortrag mit Lichtbildern über die Ausgrabungen zu Pompeji. Seine sehr interessanten Ausführungen, ans die hier näher eiiizugehen zu weit führen würde, fanden den verdienten lebhaften Beifall der zahlreichen Zuhörer. Lffenbach a. M. Samstag Abend veranstaltete der Verein „I'ü d i s ch e freie Bühne" unter der bewährten Leitung des Herrn S. Goldfaden eine wohlgelnngene Aufführung des Jargondramas „D i e z w e i L u m p e n". Ter Autor dieses Mielieustückes ist Herr A. Goldfaden, ein Bruder des Regisseurs der besagten 'Aufführung. Das Stück beleuchtet die patriarchalischen Familienverhältnisse der strenggläubigen Söhne vom Judas Stamm und hält dem äußerlich überfeinerten und innerlich doch hohlen Teile der ncnerungssüchtigen jüdischen Jugend ein wohlgetroffencs Spiegelbild vor. Jeder Votksstamm hat seine Charaktereigenschaften, durch welche er in der Geschichte typisch geworden. Dem Deutschen rühmt man Fantasie und elegische Schwärmerei, denr Franzosen elegante Liebenswürdigkeit, gemischt mit frivolem Leichtsinn nach, den romanischen Rassen ist heißblütige Leidenschaft eigen; das jüdische Volk zeichnet sich durch eine spezielle Sentimentalität aus, die sich selbstredend auch durch die einschlägige Lnrik und Drainaliteratur zieht. Herr Goldfaden, der das laktige Werk geschmackvoll inszenierte, traf den Ton des liebevollen Vaters vorzüglich. Frl. Jakobi bewies in der schwierigen Rolle der flatterhaften Anna Verve, Bühnenrontine und zum Schluffe auch dramatische Leidenschaft. Die Herren Weißholz und Spiegel gaben ein originelles Gaunerpaar ab. Bei ersterem ist besonders die Gewandheit zu loben, mit