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Neue jüdische Presse · 1907-11-29 · Heft 46 (29.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 46 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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kt. 46. Seite 2. und die Schulverhältnissc durchaus ungenügende sind, wird der rasche Ausbau der Or Thora- Schule zu einer s c ch s k l a s s i g e n Volksschule nach deutschem Muster ermöglicht, und zwei weiteren Schulen, der Schule „Scror ha Chajim" und „Achrida", werden die Mittel zu einer zweckentsprechenden Umgestaltung und Erweiterung des Unterrichtsplancs zur Verfügung gestellt. Rumänien. Die Subventionierung rumänischer Schulen erfolgt in gleichem Umsang wie bisher. Galizien. Da sich die Institution des Kindergartens auch in Galizien aufs beste bewährt hat, so gewährte der Hilfsverein die Mittel zur Begründung von zivci Kindergärten, ins Tarnow und Kolomca, so das; er also in diesem Lande, mit dem schon früher begründeten Kindergärten in Stanislau, drei Kindergärten subventioniert. Die Ausbildung von galizischcn Knaben zum Handwerk nimmt ihren Fortgang. Die Errichtung von Analphabeten schulen, die an möglichst vielen Orten erfolgen soll, trägt die besten Früchte. Auf dem Gebiet der Jugenfürsorge und kulturellen Hebung leiht der Hilfsvercin,!vo sich die Gelegenheit bietet, seine Mitwirkung. Rußland. In Rußland hat der HilsZvcrcin die I c s ch i w o t h, die am meisten unter den ungünstigen Verhältnissen leidenden jüdischen Schulen, gemeinsam mit den; Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden unterstützt. * Insgesamt unterhält und unterstützt der Hilfsvercin im Jahre 1907 12 Kindergärtcn, 14 K n a b e n - u n d Mädchen - S ch n l e n, eine kommerzielle Mittelschule, eine Handelsschule, eine Haushaltungsschule, eine Haudwcrkerschule, eine Kunstgcwerbcschulc, ein Seminar, im ganzcn32Anst a l t e n. III. H i l f s w e r k. Galizien. Das Hilfswerk für Galizien führt der Hilfsverein in Verbindung mit dem „Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" und der eng befreundeten „Großloge für Deutschland" weiter fort. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat auch in diesem Jahr wiederum die Mittel für den Spezialdelegierten zur Verfügung gestellt, der, in Galizien stationiert, die dortigen Verhältnisse inbezug imf die Einführung neuer Industrien und die Belebung und Ausbreitung bestehender beständig verfolgt. In der H a a r n e tz i n d u st r i c, der Spitzen klöppclci, der Klcidcrkonfektion findet eine erhebliche Anzahl von Arbeitskräften lohnende Beschäftigung. Weitere 'Arbeitsgelegenheiten werden im laufenden Jahre auf dem Gebiete der W ä s ch e k o n f e k t i o n und W e i ß st i ck e r c i erschlossen. Erwähnt sei auch, daß eine Reihe von Komitees zur B e k ä m p f u n g des Mädchenhandels, die in Galizien ihren Sitz haben, vom Hilfsverein subventioniert werden. R u m ä n i e n. Der Judenhaß in Rumänien kam in diesem Jahre zu ganz besonders grausanren Ausbrüchen. Am 13. März begannen in dem Städtchen Podul Jloaie in der Moldau schwere Ausschreitungen gegen die Juden. Während der folgenden 14 Tage brachen in ganz Rumänien überaus schwere Agrarunruhcn aus, die sehr bald ihre Spitze gegen die Juden richteten. Die jüdische Bevölkerung auf dem Lande und in den kleinen Städten mußte unter Preisgabe ihrer Habe fliehen und war froh, mit dem nackte» Leben davon zu koniiucn. Sofort nach den ersten Nachrichten von diesen Unruhen begann der Hilssverein das Unterstkitzungswerk für die Geschädigten. Noch während der Unruhen begab sich Herr Dr. Nathan nach Rumänien, um für die notwendige Einheitlichkeit der Aktion zu wirken. Auf Veranlassung des Hilfsvereins fand in Wien am 3. Mai eine Zusammenkunft aller AranHiucker JsraeMWeS Familienblakt. großen jüdischen Organisationen statt, in der der Plan für das Unterstützungswerk und die Bereitstellung der Mittel beraten und genehmigt tvurde. Die Gefahr für die rumänischen Juden i st noch immer n i ch t b e s c i t i g t. Die Inden, die von den Bauernunruhen verschont blieben, tvcrden von der rumänischen Regierung bedrückt. Massenhafte Ausweisungen ans den Dörfern finden statt. In den Städten häuft sich das Elend, und verzweifelt greifen viele Tausende zum letzten Mittel, zur Auswanderung. Für das rumänische Hilfswcrk sind voin .Hilfsvercin allein 70 000 Mark beigestcucrt worden. Weitere erhebliche Aufwendungen werden noch nötig sein. Marokko. Nachdem der Hilfsverein' auf der Konferenz von Algeciras durch seine Initiative die Mächte veranlaßt hat, eine Resolution zugunsten der marokkanischen Juden anzunehmen, hat er auch weiterhin sein Augenmerk auf die dortige trübe Lage gerichtet. Bei den infolge der Beschießung von Casablanca entstandenen Wirren wandte sich die Wut der Eingeborenen in erster Linie gegen die Juden. Der Hilfsvercin der Deutschen Juden versagte auch hier seine Hilfe nicht. Durch Vermittelung des Auswärtigen Amtes und des Deutschen Konsulats in Casablanca wurde denjenigen Juden, die unter deutschem Schutz, stehen, Hilfe gebracht. Insgesamt sind bis jetzt vom Hilfsverein für Marokko 15 000 Frcs. aufgcwendet worden. Rußland. In verschiedenen Städten kam es zu Exzessen und in Odessa herrscht ein permanenter Pogrom. Das Ausland ist nicht imstaud^ die Lage der russischen Juden in anderer Weise als durch materielle Hilfe und durch Erleichterung der Auswanderung zu bessern, sie bleiben nach >vie vor den Ausschreitungen der Banden des Verbandes russischer Leute und seiner Helfershelfer prcisgcgcbcn. Das russische Hilfswerk, für das der .Hilfsvercin seit zwei Jahren 21/» Millionen Mark aufgewendet hat, muß infolgedessen fortgesetzt werden. Im laufenden Jahre sind - bereits ca. 400 000 Mark hierfür verwendet worden. IV. Auswanderung. Das vom Hilfsverein und der Großloge errichtete und vom Hilfsvercin geleitete „Zentral b u r c a u für jüdische A u s Wanderungsangelegenheiten" hat in ununterbrochener Tätigkeit sein Ziel, die Organisation des Auswanderungswescns zu vervollkommnen, weiter verfolgt. Die Bureaus in Hamburg und Bremen wurden den Bedürfnissen entsprechend mit bedeutenden Mitctln ausgestattet. Die Komitees an der Grenze und im- Innern Deutschlands sorgten in anstrengender Arbeit für eine glatte Abwicklung des Auswanderervcrkehrs. Auch in außerdeutschen Häfen nnd Auswandcrungszentren wurden durch entsprechende Subventionen die Komitees in den Stand gesetzt, für die Bedürfnisse der Auswanderer zu sorgen. Die Auswanderer werden ivie in den Vorjahren bei ihrem Durchzug durch Deutschland verpflegt, so weit als nötig ist, eingckleidet und beherbergt, und es wird ihnen auf ihrem schweren Wege jede mögliche Hilfe zuteil. Die Verhandlungen mit Behörden und Schifffahrtsgcscllschaften wurden in eifriger Weise fortgesetzt und hatten gute Erfolge. Besonders hervorzuheben ist, daß die amerikanischen Einwanderungskomiss a r e, die von den gesetzgebenden Körperschaften Amerikas zum Studium der Auswanderuugsverhältnisse nach den einzelnen Ländern entsandt worden sind, um das Material für neue Gesetzentwürfe zu sammeln, bei ihrer Anwesenheit in Berlin mit dem .Hilfsverein sich in Verbindung setzten. Diese Beratungen werden sicherlich für die gesanrte jüdische Auswanderung erfreuliche Ergebnisse zeitigen, zumal der Hilfsvercin dauernd mit den amtlichen amerikanischen Kommissaren in Verbindung geblieben ist und ihnen über einzelne Fragen ausführliche schriftliche Gutachten überreicht hat. Die besondere Aufmerksamkeit des Hilfsver- .eins hatte der Plan, eine zweckmäßige Verteilung der jüdischen Einwanderer über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten hcrbeiznführcn. Der Einwanderung droht infolge der Ansammlung der Juden in New Port und in wenigen Städten des Ostens der Vereinigten Staaten Gefahr. In großzügiger Weise ist von den Amerikanern unter Führung von Jakob H. Schiff die schwere und verantwortungsvolle Arbeit, die lÄnwanderung von Ncw-Iork abzulenken, in Angriff genommen worden. Soweit Europa in Betracht kommt, wird der Plan und die Arbeit vom Hilfsverein der Deutschen Juden gemeinsam mit der Jto. (Jewish Territorial Organisation) ausgesührt. Bereits sind 8 Gruppen mit über 600 Auswanderern nach dem Hafen Gakveston befördert ivorden, von wo aus ihre Verteilung über die ' einzelnen Staaten erfolgt. Die Bemühungen des Zentralbnreaus für jüdische Auswanderungsallgelegenheiten, die Auswanderer und Auswandercrkomitecs zu stützen und informieren, wurden in noch umfassenderer Weise als in deir früheren Jahren fortgesetzt. Von der Fürsorge, die der Hilfsverein den Auswanderern angedeihen läßt, haben viele Tausende Vorteile gehabt. Ueber 30000 Auswanderer wurden aus seinen verschiedenen Verpfleg ungsst a t i o n e n verpflegt und ca. 10 000 A u s - Wanderer sind bis zum 1. Oktober d. I. vom Hilfsvercin befördert worden. Die Gesamta u f w c n d u n g dieses Jahres für Ausw a il d c r n n g s z w c ck e beträgt bereits jetzt Vi Million Mar k. * * * Die gegebene kurze Skizzier»ng zeigt, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden bestrebt bleibt, das Vectra u e n, das ihm die d e u t s ch e n I u d e n entgegen bringen, durch hingebende Arbeit zu rechtfertigen und seiner edlen Bestimmung nach Maßgabe der Kräfte gerecht zu werden. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M., 27. November. Zu den Wahlen in den Ausschuß der Israel. Gemeinde! Der „C c n t r a l v e r c i n israel. Gern e i n d e m i t g l i e d e r" hatte auf gestern Abend eine Mitgliederversammlung einberufen. Herr Dr. mcd. W. Hanauer erstattete Bericht über die Verhandlungen mit dem Vorstand des „Freisinnigen Vereins". Die Verhandlungen, die, um einen Wahlkampf zu vermeiden, einen Kompromiß zum Gegenstand hatten, schcitertell, da der „Freisinnige Verein" dem „Ccntralvcrein" bezüglich der Personen der vom „Centralverein" ausgestellten Kandidaten Vorschriften machte nnd von dieser unannehmbaren Bedingung nicht Abstand nehmen wollte. Es sei - deshalb zu den beiden Kandidaten Raphael Ettlingcr und Dr. mcd. Z. Strauß noch die Aufstellung eines dritten Kandidaten Notwendig, was die Ausgabe der heutigen Versammlung sei. Den Ausführungen des Vorsitzenden schloß sich eine lebhafte nnd langdauernde Debatte an. ES sprachen die Herren Raphael Ettliuger, H e y m a n n, Martin L e v i g a r d, Isaak Goldschmidt, Rechtsanwalt Dr. K a tz e nst e i u, Verwalter Martin Meyer, Josef Wisloch, Hermann Kahn, Max Bauer, Salo Stern, Hirsch, Dr. Heinemann, Eli Michael usw. Die Abstiinmung ergab die Aufstellung des Herrn Hermann Kahn als dritten Kandidaten. Es war bereits Mitternacht, als der Vorsitzende die Verhandlungen schloß. Berlin. Statistisches. Der Anteil der Juden unter der Gesamtbevölkerung Deutschlands ist in den 5 Jahren 1900/1905 von 1,04°/o auf 1,00 °/o gesunken. — Das Eingehen der M i s ch e h e n seitens der Juden nimmt von Jahr zu Jahr zu; Berlin ist bereits so weit, daß jeder fünfte.heiratende jüdische Mann eine C h r i st i n zur Frau n i m in t. Berlin. Der Berwaltungsbericht der jüd. Gemeinde über die Zeit vom 1. April 19.04 bis 31. März 1907 konstatiert ein Anwachsen der Steuerzahler von 26471 auf 30206. Zu dieser Steigerung hat die Einbeziehung von 24 weiteren Vororten in den Synagogen-Bezirk beigetragen,, der

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