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Neue jüdische Presse · 1907-11-22 · Heft 45 (22.11.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 45 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette ffrmtlfuttet -MaiMWK' MMrerchW. . $äxfö. Zum Kabinetschef deS Ackerbanministe rS ist Gaston Raynal ernannt Wörden. .... Löndöit. Die Manchester-Universität errichtet zum Andenken ast den jüngst verstorbenen Professor Dr. Julius Dreschfeld, eines geborenen Würzburgers, ein Stipendium und stellt seine Düste im Universitätsgebäude auf. — Sir Isidore Spielmann wurde in Anerkennung seiner Dienste gelegentlich der Neuseeland Internationalen Ausstellung zum Kommandeur des Obdens von St. Michael ü. St. Georg ernannt. Jassy (Rumänien). 115 Jahre alt starb hier .Samuel Herschku, ein Enkel des berühmten Witzlings Hirschel Oströpöler, dessen Witze noch heilte Gemeingut der Judengasse» Polens und Rumäniens sind. Herschku beherrschte neun Sprachen und hat ganz Europa und Amerika bereist. Er war mehrere Male bei Zar Nikolaus L in Audienz, sprach mit Alexander II. und dem Kadi von Egypten. Er machte den Krimkrieg mit und überstand die Cholerakrankhtzit. Aus seinen hinterlassenen Schriften und Briefschaften ist ersichtlich, daß er die Türkei, Bulgarien, Serbien, Palästina, Oesterreich-Ungarn und die übrigen Länder Europas bereist hat und zu dem Kadi von Egypten, der seinen scharfen Witz bewunderte, in fast freundschaftlichen Beziehungen stand. In früheren Jahren war Herschku ein bedeutender Geschäftsmann und als solcher Vertrauensmann des Hauses Ephrussi im Orient. Noch bis vor sechs Jahren war er geschäftlich tätig. .. Herschku war nicht nur von Juden, sondern auch von Christen hochgeehrt. Die Bauern verehrten ihn wre einen Heiligen und nannten ihn einen Propheten Diese.Verehrung ging so weit, daß sie glaubten, es genüge, daß Herschku über ein Ackerfeld schreite, um es. vor Hagelwetter zu schützen. Die Bauern, die ihn kannten, pflegten mit jeder zweifelhaften Sache zum ^roßvltter der Juden" Zu kommen, um sich bei ihm Stat.gu holen. Und sie befolgten auch seine uneigeu uützig erteilten . Ratschläge aufs pünktlichste. . Herschku behielt seine geistige Frische säst bis zum letzten Atemzuge. Einige Minuten vor seinem Drde fragte er eines seiner Enkelkinder, was für Neuigkeiten aus Rußland kämen und ob der Pogrom in Odessa noch anhalte. ' New-Aörk. Ein jüdischer H.eldenvreis Gewinner. Die Verwaltung der Carnegie- Stiftung, zur Belohnung freiwilliger Heldentaten, hat dem Mischen Schüler Charles Weiß aus dem East-End einen Preis von 2000 Dollars und die Ehrenmedaille zugesprochen, weil Weiß am 28. September d. I. unter Gefährdung seines eigenen Scbcns eine ihm unbekannte Frau von dem Ertrinkungstode rettete. Der junge Weiß, dessen Eltern unbemittelt sind, hat die Absicht, JNgennieur zu werden, und das Stiftungskomitee. beschloß, die Preissnmme für die Erziehung und Förderung des wackeren Jüng lings zu verwenden. Pros. Dr. Grün „Aus. der Geschichte der Juden Böhmens" — Prof. Dr. Kisch „lieber jüdisches und staatliches Eherecht" — Prof. Dr. Hirsch „Aus der jüd. Apologettk" — Rabb. Dr. Klotz „Einleitung in Mischna und Talmud" — Rabb. F. Knöpselmacher „Aus der Geschichte der jüd.. Homiletik — Rabb. Dr. Deutsch „Ausgewählte Kapitel aus der hebräischen Grammatik" — Rabb. Dr. Weiner „Das Zeitalter des Königs David". Trapp au sOesterr.- Schlesien). Zwei Wochen nach seiner Versetzung in den Ruhestand ist Rabbiner Dr. Abraham Blüh im 76. Lebensjahre gestorben. . London. Prollssor Adolph Büchler ist nunmehr endgültig zum Direktor des Rabbinerfeminars als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Dr. M. Friedländer ernannt worden. Grodno (Rußland). Am 13. N-vember sind hier die von der Petersburger Jüd. Bildungsgesellschaft errichteten Pädagogischen Kurse eröffnet worden. Aus -er Lehrerlvett. . ÄLnster i. W. Der 43...Bericht der Marks Haindorfsschen .Stiftung umfaßt die Zeit vom. 1.- April 1905 bis 1. April 1907. Diese Periodc war für die Weiterentwicklung der Anstalt von der größten Bedeutung; durch die neuen amtlichen Bestimmungen, die dem Seminar und der Präparandie wettaus gesteigerte Lehraufgaben stellen, erhallen diese Anstalten immer mehr den Charatter einer einheitlichen höheren Schule. Es war daher notwendig,, trotz der verhältnismäßig geringen Schülerzahl die Klassenteilung in ^Seminar und Präpürandie weiter burchzuführen, so daß wiederum neue. Lehrkräfte angestelll werden mußten. Als eia Beweis, für..die erfolgreiche Arbeit der Anstalt sei hier hervorgehoben, daß in den letzten neun Jahren, also gerade in der ^Zeit der Steigerung der Ansprüche im die Ausbildung der Zöglinge, jeder der Prüflinge vor der- Königlichen Prüfungskommission bestanden hat. Mit warmem Eifer trat .der Ausschuß deS Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens »kp Werbetätigkeit des Kuratoriums zur Seite, . so daß die finanziellen Schwierigkellen überwunden werden konnten. Im Laufe der .Berichtsperiode würden sÄytkühe an der Marks-Haindörffschen Stiftung angestellten Lehrer nach Auflösung der Pensionskasse, des Verbandes her Synagogcngemeinden Westfalens in die. Pensiönskasse der Kreise, Städte und anderer Korporationen in der Provinz Westfalen und in die Westfälische Witwen- und Waisenpersorgungskasse eingelaust. Der Besuch der An- Pcckt hat sich während der.Berichtszell nicht weseilliich.üeäpdext.. Es betrug.die.Durch schnitt^iffer der Serninarklassen 19, der. Elementarklassen 27, der Religiytzsklassen 24 Schüler. . Prag, .Der Be rband der israelit. Religfönslehrer. an den Mittelschulen Böhmens wird.während der. diesmaligen Weihnachtsfeier! zum ersten Male einen Ferien«Kursus abhalten, . -7.7 Es ist fotzendes.Programm.in Aussicht genommen: Rabb. Si Knöpselmacher „Ausgewählle Kapitel ans der Bibel an der Hand aller Kommentatoren" Der Prophet Aus dem Jüdischen des A. Ch. Kodak. Jeden Tag, Punkt zwölf Uhr mittags. Pflegt die kleine Bessie zu ihm ins Arbeitszimmer zu .kommen, mit ihren Nöten im Arm. Still tritt sie herein, wie in einen Tempel und stellt sich hinter ihn. Und er, in seine Arbeit versunken, hört ihren Schritt nicht, weiß nichts von ihrem Kommen. Nur empfindet er dann gleichsam ihre Nähe, fühlt das stille Klopfen ihres Herzens, ihren leichten Atem, als breitete eine Engelsmacht segnende Flügel über ihn. Dann ist die Arbeit so gut, der Pinsel wird fröhlicher und streicht auf die Leinwand so schöne Linien. Wie aus Morgendnnst, benetzt mit Sonnenschein, so tauchen aus seiner Seele wärmere, lichtere, junge Gedanken und malen sich auf die Leinwand wie Funken einer Seele — — Und wenn er dann müde die Hand mit dem -Pinsel senkt und an die Waiid sich lehnen will, bann neigt sich oft Bessie's goldenes Kronenhaar über ihn, und ihre himmelblauen Äugen ergießen aus seLn Angesicht Frieden, Glück und Entzücken. In der kleinen Bessie drängte und leuchtete die »Jugend so schön, die Jugend selber lag froh und schimmernd auf ihren roten, frischen Wangen und blitzte und lebte in dem Gold ihrer langen Zöpfe. Wenn sie aber zu ihrem Secharjah ins Arbeitszimmer hereintrat, dann wurde sie stille, als ob Wecharjahs „Prophet" sie beschattete mit seinen schwärzen Falten und den Kindheitstau von ihrer Seele streifte. In der letzten Zeit fand er Bessie sehr oft ganz allein neben seinem „Propheten", die Stuhllehne umgelegt, die Wange daran gelehnt und die bläuen Augen zum Propheten erhoben — in Sehnsucht und Bangigkeit. Dann blieb er wohl an der Schwelle steh'n, ihre Ruhe nicht zu stören, well er schon von ferne die Wehmut sah, die jetzt aus ihren Augen sttahlte. In diesen Augenblicken sprach ihre Seele mit dem Propheten. In ferne Lande, über steinige, dornige Wege, mit nackten, wunden Füßen ging sie ihm nach, trüg zü den Menschen ihr brennendes Herz, die Finsternis ein wenig zü erhellen. — Jede neue Linie, die sie von Tag zu Tag auf der Leinwand fand, entzündete in ihr neuen Abglanz, neue Töne. Und von ihren Augen fiel über ihr Angesicht ein Schimmer von Ergriffenheit, Frieden und Glück. Als in Secharjah zum ersten Male der Funke erwachte, der dann aufglühte und ihm die Seele des Propheten wies, die große, dunkle Seele mit den tiefen Abgründen, die das Dunkel des Wellleides birgt, die große Seele mit ihren schneebedeckten Bergen, über welchen die Sonne am Himmel wandelt und Strahlenkränze um die Gipfel webt — als der erste Funke in ihm geboren wurde, da wüßte sie es schon. Da lief er zu ihr, und wie sie eben in ihrem Zimmerchen hin- und herginn, den Zopf flechtend mit einem fröhlichen Lied — dä nahm er sie bei der Hand und führte sie well, weit weg von der Stadt und den Menschen — dann setzte er sich mit ihr an, das Ufer , eines stillen Sees und erzählte ihr dÜS Gehiimstis Gott ihn gerufen, er solle' den Menschen best „Propheten" zeigen. Ein stiller, blauer Abend war's. An'dem weiten' Ufer, zwischen dichtbelaubten Bäumen, ragten noch ferne die Dächer der Stadt. Die Kirche schwämnr iu .Len tiefen Raum hinäüf und' ihre Glocke' klang, daß 'die Klänge durch die weite Lust hinschwebttn wie stille Wendträüme und weich und wehmütig verloschen, allmählich, wie der weiße Schnee, der im Wasser zerrinnt. — Und er sagte: „Mein Prophet soll wie ein Strahl fallen in das dunkle Leben der Menschen. Das ttefste Menschenleid, das Leid des dunklen Lebens wird mein Pinsel auf die Leinwand malen in brennenden Farben. Und das wird Menschen trösten, Menschen erhellen, wie die streichelnde Hand einer Mutter." Da legte Bessie ihre Hand auf seine Schütter, blickte tief in seine Seele uud fragte: „Secharjah, und hast du die Kraft, solches zu schaffen?" „Ob ich die Kraft habe? Als sich zum erstenmale in mir die Gestalt des Propheten wie ein Funke entzündete, da fühlt' ich schon, daß draus ein Stern ineines Lebens werden müsse, der Führer meines Weges. Meine lleine Bessie! Auf den Schultern trag' ich ein Joch — und ich fühle die Sendung, den Menschen einen „Propheten" zu geben, verstehst du es? Und solang' ich das nicht offenbart habe, wird' mich meine Seele wie die Hölle brennen." Und Bessie glaubte ihm. Bessie fühlte in ihrer Künstlerseele die Aermlichkeit des umgebenden Lebens und flocht aus Träumen Blumenkränze. Sie hätte sich der Musik g'änz ergeben und glaubte, sie werde noch Melodien schaffen, welche den Menschen ihre Himmelssehnsucht wiedergeben und ihren Hatz äuslöschen werden. In ihrem Zimmerchen pflegte sie, in verklärten, einsamen Nachtstunden dem Piano Tötte zu entlocken, -um ihre Seele auszusprechen und Träume zü weben. Als Secharjah zu ihr über den „Propheten" sprach, -erinnerte sie sich an die schrecklichen Tatest, von Menschen begangen, an die schrecklichen Prüfüstgen ihres Volkes, die Dinge, die in letzter Zeit so oft ihr silbernes Lachen erstickt und ihre Seele getrübt hatten, wie wenn ein Windhauch über den Keinen See fährt und den silbernen Spiegel zerfallet — dann -sagte 'sie still: „Lang', lange schon ist kein Prophet erstanden — — 0 käme ein wirklicher Prophet!" — Und wie sie mit den Händen ihr goldenes Haar flocht, blickte sie so bange in das flackernde Abendrot. -- Secharjah wußte, daß in seiner Bessie, der anmutigen, eine weit schönere Seele noch lebte — und er zog sie an sich und sagte: „Er wird kommen — Du wirst es seh'n, er wird kommen-" Und wunöerprächtig flackerte das Äbendroi, als ob in einer anderen Welt bas Morden und Brenne» geschähe Ind nur ein Schein all der Schrecken streifte den Äbendhimmel und besprengte -mit roten Tropfen den Pillen Weiher, der sich zusänimestzög aus dem dunkelblauen Osten, wo so mild und weh die Abendglocken tönen.- Da hob Bessie die Hand gegen den Abendhimmel und sagte: „Secharjah, siehst Du's?" „Ja," sprach Secharjah aufblickenb, „Mcht wahr, Secharjah? Unter solchen Himmeln können doch nur schöne Gefühle wachsenflammende Gedanken — —" Secharjah lächelte und sprach: „Hörst Dü Bessie! Diese bunten Himmelsfarben, Deine Melodie» und mein „Prophet", aus einer Welt kommen sie und Eines sprechen sie zum Menschenherzen." Da würd'e Bessie so fröhlich. Sie nahm kleine, glatte .Steinchen, warf sie über den Weiher ünd freute sich, wie sie noch Mehrmals über däs Wässer sprangen, ehe sie versanken. Dann setzte sie sich ganz nah' ans Ufer und ließ ihre Zöpfe hineinfällen ünd benetzen itttb spritzte übermütig damit Tröpfen in sein Gesicht, und dazu erklang ihr silbernes Lachen.- Seit Jenem Abend aber wurde Bessie ernster. Wiißtd sie doch seist großes Geheimnisünb daß Stele, daß etwas Trotzes tzesHthdn Denn bÄWMkb

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