Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-11-22 · Heft 45 (22.11.1907) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 45 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692556--03588-2698298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 48 __ chischen und armenischen Schulen im Orient blühen und gedeihen und die Alliance - Schulen nicht, so ist dies. — darin stimmen wir mit Herren Prof. Philippson überein — darauf znrückzuführen, daß erstere ihren Unterricht'in Einklang mit ihren Anschauungen, Ueberlieferungen und Bedürfnissen erteilen, während letztere nicht in dem Boden des wirklichen Judentums wurzeln. In zweiter Linie mangelt es der Alliance an einer demokratischen Geschäftsführung. Die Alliance hat sich dank ihrer autokratischen Verwaltung vom Volke und daher auch vom traditionellen Judentum entfernt, sie hat bis dato halbe oder achtel 'Juden erzogen und so hat sie auch — den Verhältnissen des Orients gemäß — nur halbe Menschen geschaffen. Fürwahr die Idee, die der Alliance zu Grunde liegt, ist eine gesunde, und Crsmieux hat einen richtigen Gedanken bei der Gründung der Alliance gedacht; — Mein die Leitung muß in anderen Bahnen wandeln, und das erwarten wir! Aus aller Welt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Für die Mitglieder der hiesigen israel. Religionsgesellschaft von besonderem Interesse ist 'das soeben erschienene Noveinberheft des „Baumeister" (Verlag: Georg D. W. Callwey in München, Einzelprais 3 ’JL). Das Heft führt die neue Synagoge der Israel. Religionsgesellschaft, den bedeutendsten Synagogenban der letzten Jahrzehnte, mit 33 vorzüglichen Abbildungen und 8 Tafeln im Bilde vor und ermöglicht dem Interessenten so das Studium dieses Prachtbaues bis in die kleinsten Details. Ein interessanter Artikel behandelt den Synagogenbau auch vom historischen Standpunkte aus.*) Frankfurt a. M. Die j'ü d i s ch e n Oberlehrer an den preußischen städtischen höheren Knabenschulen betrugen am 1.Mai d. °J. 64, darunter 46 in Berlin, 5 in Breslau und 4! Frankfurt. Außerdem gibt es in Preußen 11 königliche Oberlehrer' jüdischen Glaubens. Ein jüdischer Professor an einein städtischen Gymnasium Frankfurts ist aus dem Judentum ausgetreten und Dissident geworden. Berlin. Die Amtsperiode von 12 Repräsentanten und 6 Repräsentanten-Stellvertretern in der jiid. Gemeinde ist abgelanfen, und am 28. November wird die Neuwahl vorgenommen werden. Die ausscheidenden Mitglieder gehören sämtlich der konservativen Partei an, sodaß die liberale Partei in dem Kampf nicht verlieren, sondern nur gewinnen kann. Man sollte deshalb voraussehen, daß der Wahlaufruf der liberalen Partei sich durch besondere Wucht auszcichnet, statt dessen enthält er aber nur ein ödes Phrasengeklingel Seine wesentlichsten Stellen lauten: „Wir sind liberal: das bedeutet, daß wir das Judentum nicht verkümmern lassen, sondern seine Entwickelung aus den: Boden der Geschichte und der Wissenschaft fördern wollen. Keinen Stillstand und keinen Rückschritt, sondern Fortschritt und Entwickelung, Freiheit und Wahrheit! Wir sind liberal: das bedeutet ferner, baß wir allen Richtungen in der Gemeinde Rechnung tragen. In einer jüdischen Gemeinde soll keine Gewissensnot und kein Gewissenszwang herrschen. Wir bleiben fest auf unserem liberalen Programm stehen und wollen uns jedem Rückfall in den engen Gesichtskreis des Ghettos widersetzen: wir wollen weiter versuchen, unser religiöses Fühlen und Denken mit den Ideen des modernen Zeitalters zu versöhnen und wollen darum auch nicht die Religionsübung in überlebten Formen erstarren lassen. Aber wir wünschen, gerade weil wir liberal sind und nach allen Seiten gerecht zu sein streben, auch die Mitarbeit 'derjenigen Männer im Revräsentantenkollcgium, denen das Festhalten an Itlten, durch Ueberlicferung ehrwürdigen Einrichtungen Bedürfnis ist. Darum setzen wir ans Unsere Kandidatenliste auch die Namen derjenigen Konservativen, von denen wir nach den Erfahrungen der letzten Wahlperiode ein friedfertiges Zusammenarbeiten mit uns erwarten dürfen." Ueberleb'te Formen — durch Überlieferung ehrwürdige Einrichtungen! Kommentar überflüssig. — Ihre Liberalität haben die Herren Liberalen ja in ihren fanatischen D-mühunae», der Synagoge in der Rhkestraße eine Orgel aufzuzwingen, zur Genüge gezeigt. Auch die „liberale" Behandlung des Rabbiners Dr. Emil Cohn seitens des „liberalen" Vorstandes werden die Wähler hoffentlich nicht vergessen haben. *) Das Heft liegt in unserer Geschäftsstelle (Vilbelerstraße 4), die auch bereit ist, Bestellungen darauf anznnehmen, zur Einsicht aus'. D. Redakt. Frankfurter Ffra MWeÄ FamilienNaL. Berlin. Der Hilisverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt am Main - weitere 22 500 Fr. an die Zentrale für die rumänische Hilfsaktion, die Israelitische Alliance in Wien, überwiesen. Eine Fortführung des Hilfswerks erweist sich leider noch als notwendig, da 'die wirtschaftlichen Folgeerscheinungen der Frühjahrsexzesse noch fortdauern, namentlich weil die Behörden mit rigorosen Ausweisungen nicht nachgelassen haben. Für bas durch Brand sehr schwer heimgesuchte Newedwer bei Warschau hat der Hilfsverein der Deutschen Juden ein Darlehen von 10060 JL bewilligt, damit die Betroffenen möglichst rasch über die erste Zeit hin wegkommen und' den Gewerbetreibenden und Handwerkern aüfgeholfen werden kann. Oesterreich-Ungarn. Wien. D er neue Minister Dr. Geßmann gehört zu den fanatischsten Anhängern der antisemitischen Bewegung, in der er von jeher eine führende Rolle spielte. Er ist der Verfasser des Wahlaufrufes der antisemitischen Partei anläßlich der Reichsratswahlen im Jahre 1897, der mit den Worten beginnt: „Die christlichsoziale Partei verlangt die Beseitigung des Druckes 'des herrschenden großkapitalistischen Wirtschaftssvstems, dessen Hauptträger das Judentum ist." Mit der Ernennung ihrer Anhänger Geßmann und Ebenhoch zu Ministern haben die Antisemiten Oesterreichs die höchste Stufe erklommen, zu der von Dr. Lueger als Bürgermeister der Reichshauptstadt, "Prinz Lichtenstein als' Ländesmarschall von Nieder-Ocsterreich und Dr. Weißkirchner als Präsident des Reichsrats nur noch ein Schritt gewesen ist. Rußland. . Petersburg. Der Minist errat beschloß der Dunra in der I n 8 c n s r a g e keinen Entwurf vorzulegen, sondern der Duma selbst die Initiative hierzu zu überlassen. — Da kann er lange warten! Odessa. Die Odeksaer Woblkampnane. Beim ersten Wahlgang erhielt niemand die erforderliche absolute.Majorität. Die meisten Stimmen vereinigte auf sich' der Kandidat der Sozialdemokraten, Herr Maljantowitsch. Es war dies weniger ein Sieg der Partei, als der Person. Zu verdanken hatte Maljantowitsch seine Popularität — den Zionisten. Ms nämlich die Zionisten bei der Wahl zur zweiten Duma die Kandidatur des getauften Pergament bekämpften, agitierten sie zu Gunsten des Kandidaten des linken Blocks, desselben Herrn Maljantowitsch, und ihnen hatte er es zn verdanken, daß er damals nur nni 5 Stimmen weniger als Pergament erhielt. — Nach Maljantowitsch folgte der Kandidat des schwarzen Hunderts, Graf Konownihin, der ungefähr 3100 'Stimmen erhielt. Es sind dies gut 60o/o sämtlicher von Christen abgegebener Stimmen! Da man aber nicht annehmen kann, daß die Polen. Armenier, Griechen, Ukrainer und die übrigen nicht russischen Elemente für ihren echtrnsfCchen Todfeind gestimmt hätten^ so wird man sämtliche Konownihinsche Wahlzettel a conto der russischen Bevölkerung setzen müssen. Wir kommen somit atm lehrreichen Resultat, daß 80°/» d(cr russischen Wähler der zweiten Kurie für den Pogromhelden Kynownitzin gestimmt hat. Der Schwarzhnndertmann der ersten Kurie vereinigte sogar auf sich nicht weniger als 95<>/o der russischen Wählerstimmen! Jetzt erfolgte die übliche „Erklärung" der Administration. wonach Maliantowitsch von vornherein kein Wahlrecht besessen hätte. Für den zweiten Wahlgang mußten sich sämtliche progressiven Parteien auf einen Namen einigen, um eine'Zersplitterung rü vermeiden. Nach Maljantowitsch 'kamen nur Nikolskn*! und Jabotinsky in Betracht. Don diesen hatte Jobotinsky mebr Chancen, da er mehr als Nikolskn die Sympathien der radikalen Wäbler für sich hatte. Die wenigen Stimmen, die Nikolsky bei der erst-n Wahl mehr als Jabotinsky erhielt, wurden reichlich n>ett gemacht durch die 270 Stimmen, die der Kandidat der Volkssozialistcn. Voaonioletz. erhielt, der ietzt bereit war, zu Gunsten Jabotinskvs zurückmtreten. Indes, man batte eine administrative „Erklärung" auch für Jabotinsky zu befürchten. Jabotinsky zog daher seine Kandidatur zurück und das zionistische Komitee lud die jüdischen Wähler ein, für Nikolsky ru stimmen. Dieser erhielt nun bei dem zweiten Wahlgang mehr als 7000 Stimmen. Ans diese Weise war wenigstens erreicht, daß die dritte Reichsduma einen Bluthund weniger erhielt. KirnSnnstnw tMothnnirnf ^chr-cktilbe Taohaben die hiesigen Juden dnrchgemacht, denn jeden Augenblick mußten sie das Ausbrechcn eines Pogroms fürchten. Die Sache kam so: Bauern hatten in'der Nähe der Svnagoge einen Brunnen gegraben und hatten des Mends nach getaner Arbeit bei dem Schammes gezecht. Einer von ihnen war so bezecht, daß er den Weg nach seiner Wohnung nicht mehr fand, sich vor dem Hause des Feldschers hinlegte, einschlief und erfror. Als er dann am nächsten Morgen *) Der Kandidat der Kadetten. Seite 8. erfroren »^gefunden wurde, da hieß es sofort, die Juden hätten ihn getötet, — und der Schammes mit seiner gesamte,: Familie wurde ins Gefängnis gesetzt. Erst einige Tage nach dem Begräbnis des Bauern traf von Koscz die Gerichtskommissiou mit einen: Arzte ein, der den Tod durch Erfrieren feststelltc. Bis dahin war es eine Fügung vom Himmel, daß es nicht zu dem Ausbruch eines Pogroms kam. Wilna. Eine sechsstündige Haussuchung unternahm die Polizei in der bundistischen Zeitung „Die Hoffnung". Sämtliche Anwesenden — unter jhnen auch Frau Frumkin — einschließlich des Setzerpersonals wurden verhaftet und die gesamten Räumlichkeiten versiegelt, Rumänien. Jassy. Der viehische Prügelhe ld Ober M a r e s c u, der, weil er ohne irgend welchen Grund 8 jüdische Soldaten vor versammelter Mannschaft entkleiden und blutig prügeln ließ, auf Befehl der Königs vor ein Kriegsgericht gestellt wurde, ist selbstverständlich — freigesprochen worden und wird weiter eine Zierde der rumänischen Armee sein. — UmwiederTausendcvonJudendurch Aushungerung aus Rumänien zu treiben, wird dem Parlament demnächst ein Gesetz vorgelegt, das den Ausschank von Getränken zu einem Monopol der Regierung macht, dessen Beamte nur Griechisch-Orthodoxe sein dürfen. Die Annahme der Gesetzesvorlage ist sicher. Palästina. Jerusalem. Der Maler SnmueT HirSzen». berg ist hier eingetroffen, um als Zeichenlehrer an der jüdischen Kunstgewerbeschule „Bezalel" zn wirken.. Hirßenberg, geboren als Sohn einer chassidischen Familie in Lodz, hat sich bereits den Ruf eines hervorragenden Künstlers erworben. Sehr zahlreich sind seine Bilder mit jüdischen Sujets» so: llriel Acosta, Jeschibah, der ewige Jude und Golus. — Beirut. Aut dem W-ae über D maskuS. Haifa, Bagdad trifft morgen Dr. Paul Nathan vom Hilfsverein der deutschen Inden in Begleitung des Privatdozenten Dr. Mittwoch in Jaffa ein. Amerika. New-Nork. Der Beschluß b*t Ph'lndelvb'a» Mteilung des Nationalrates jüdischer Frauen, dafür zn sorgen, baß die jüdischen Kinder an den Weihnachts-Nebnngen in den öffentlichen Schulen nicht teilnehmen, hat in allen jüdischen Kreisen Beifall gefunden. — Es ist für die gegenwärtige wirtschaftliche Lage bezeichnend, daß Jacob H. Schiff in seiner Eigenschaft als Präsident des Montefiore-Heims a:rf der Jahresversammlung dieses Instituts dessen Vorstandsmitglieder änffordertr, in dem kommenden Winter bei den Unterstützungen weitgehendste Liberalität walten zu lassen. (Das Mont-nore-Heim hat eine Jahres-Einnahme von fast 600000 M) — Der Tod Frau Esther I. Ruskny's, einer Iran von hochsinniger Ansfassung, altjüdischer.Frömmigkeit und reger Betätigung für alte Interessen her jüdischen Gesamtheit, hat allgemein aufrichtiges Bedauern erweckt. Sie stellte einen Tvpus dar. wie wir ihm heute leider unter den jüdischen Frauen nicht häufig begegnen. $erfoitaIieit. Berlin. Karl Cobn Semorch-f gleichnamigen Kirrz- und Pässementeriewaren-Firma. wurde mit dem Charakter eines Kommerzienrats ausgezeichnet. Neustadt lOb-rkchlestenl Komm-rziew-al Albert Sränkel erhielt den Roten Adlerorden s. Klasse. Wien Ne? dm E>nladuna. di-Erzhe-z-a Eugen -n Ehren seiner Schwester, der Königin Mutter von Spanien, gab und an der zahlreiche Mitglieder des kaiserlichen Hauses tejlnahmen. wurde das künstlerische Programm von der Kammersängerin etlraa Kurz nnd den: Kammermusiker Alfred Grünfeld. beid-s Inden, ansgefübrt. — In S'inye ^Ungarn) verstarb im Alter von 114 Jahren der Landwirt HillelWeiß. Noch vor einigen Jahren saß er stramm zn Pferde, dann verlor er aber das Augenlicht und das Gehör und konnte sich nur noch von Zucker nähren. Er ist in?-inem Geburtshause, bas er nie verlassen hat» gestorben. Genk. Hier starb im Aller von 78 J-br-n infolge Kekirnblntimq Frau Baronin Adolf Rothschild, die Tochler Baron Salomon Rothschilds in Wien und Witwe des 1903 verstorbenen Varon Adolf Rotb'child's. Die Verstorbene bewohnte seit 1850 Schloß Prignv bei Genf »nd war bei der Kenfer Bevölkerung durch ibre 'Wohltätigkeit sehr beliebt. Mit der Königin Mexandra von England verband sie innige Frelmdlchaft. Die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich speiste bei ihr an dem Tage» da sie ermordet wurde. Baronin Rothschild war kinderlose

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.