Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 45 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nk. 45. Seite 5. Secharjah der ganzen Welt-seinen „Prophet" weisen und Menschen weiden sein Haupt bekränzen, bekränzen vor Dank und Liebe. — Wenn in Bessie's Zimmerchen manchmal ihre Freundinnen zusammenkommen, jung, schön, blühend wie sie, mit blauen und schwarzen, dunklen und hellen Augen, und sie tanzen, lachen, singen, Maiblümchen gleich, die auf den grünen Wiesen blitzen und singen — dann geht Bes sie oft zwischen ihnen, ihre Zöpfe flechtend, ans ihrem Angesicht aber zittert ganz, g>anz leise ein ferner Abglanz der Sonne und eines warmen ■ Sommerabends. Tief aus ihren Augen blickt ein Geheimnis, und es ist, als sollte sie's mähliche mählich enthüllen und alle sollten stille werden wie sie, und ganz, ganz leise lächeln wiedürch Schleier hindurch- Wenn Bessie hin und wieder ins Leben blickte und sie ein Schreck befiel wie vor einem wilden Gespensterkanz, dem wahnsinnigen Spuk einer Winternacht, dann Pflegt sie zu Secharjah zu kommen — mit betrübter Seele. Und er nimmt sie dann bei der Hand, führt sie zum „Propheten" und sie chberkommt per Trost. Da sucht sie sein strenges Antlitz,- gefaltet von Schmerz und Weh, seine tiefen Aiigen, die sich unter den dichten, schwarzen Bräuen verbergen und einen traurigen Glanz über sein Antlitz werfen — und es dünkt sie, als spräche er: „Erbarmen mit euch armen schwachen Menschen! Finster ist's in euren Herzen und finster in den Häuptern, und ihr wißt Nicht, was ihr tut . . ." (Schluß folgt.) Bunte Chronik. Das .Schicksal der Synagoge. Am Erew Rosch Haschonah hat, wie wir bereits berichteten, die Moskauer jüd. Gemeinde ihre vor fünfzehn Jahren errichtete und eingeiveihte Synagoge wieder ihrer heiligen Bestimmung zuführen können. In der Geschichte dieses Gotteshauses spiegelt sich im gewissen Sinne der ganze trostlose Jammer der letzten eineinhalb Jahrzehnte. Sie sei deshalb in Kürze erzählt. Änfangs 1887 erteilte der General-Gouverneur von Moskau, Fürst Äolgdruckow, mit Einwilligung des Ministers des Innern der jüdischen Gemeinde die Erlaubnis, eine Synagoge zu erbauen. Der Grundstein wurde im'Juni 1888 gelegt und das Gebäude nach den von dem Baukomitee der Moskauer Stadtverwaltung offiziell bestätigten Plänen errichtete Im Erdgeschoß 'sind Sitze für 500 Personen und fast ebensoviele auf den Galerien, die Kinder- und Freisitze nicht mit eingerechnet. Als der Bau beinahe vollendet war, befahl im Jahre 1890 der Prokurator des heiligen Synods, Pobjednoszeff, mit der Begründung, daß nur griechisch-orthodoxe Kirchen Kuppeln haben dürften, die nach Len Plänen genehmigte und bereits errichtete Kuppel abzutragen, was selbstverständlich geschah. Am 28. Mai 1892 war die Synagoge vollendet; der Präsident der jüdischen Gemeinde, Herr A. Schneider, Inhaber mehrerer Orden, und der Oberrabbiner von Moskau, Dr. I. Minor, zeigten dies der, Moskauer Stadtverwaltung an und baten um die Erlaubnis, die neue Synagoge am 7. Juni zu eröffnen. Die Erlaubnis wurde erteilt und das Gebäude feierlichst seiner Bestimmung übergeben. Einige Monate später wurde der Oberrabbiner zu dem Polizeimeister zitiert, der ihm nachstehende Verfügung des General-Gouverneurs von Moskau üorläs: „Der 14. Juli dieses Jahres (1892) ist der letzte Tag zur Abreise derjenigen Juden aus Moskau, die nicht das Recht haben, in dieser Stadt zu wohnen. Nach diesem Datum wird nur noch eine sehr kleine Anzahl Juden dahier wohnen, so daß eine Synagoge keine Notwendigkeit mehr ist. In Anbetracht, daß die neue Synagoge noch nicht eröffnet worden und die Existenz einer Synagoge ungeziemend ist, hält es Se. Kaiserl. Majestät 'in Hebereinstimmung mit dem Minister des Innern für nötig, daß das Gebäude in eine wohltätige Institution umgewandelt oder bis zum 1. Januar 1893 verkauft werde." Hierauf richteten der Präsident der Gemeinde und der Oberrabbiner an den Gouverneur von Moskau Und an den Minister des Innern eine Petition, in welche sie hervorhoben, daß die Synagoge unter Genehmigung dieser beiden - Instanzen erbaut und mit Erlaubnis der Behörden eröffnet, daß inzwischen die alte Synagoge abgerissen wurde, und daß deshalb die jüdische Gemeinde während der hohen Feiertage keine Stätte zum Gottesdienst haben werde. Als Antwött ging unter dem 6. November 1892 ein kaiserlicher Ufas ein, welcher die Entlassung des Oberrabbiners und seine dauernde Verbannung, sowie die zweijährige Verbannung des Herrn Schneider (der nebenbei bemerkt, ein ehemaliger „Nikolai'schcr Soldat" war, d. h. fünfundzwanzig Jahre gedient hatte) aus Myskäu »norbnete. Frankfurter FsraelitrWts FamilienblaL. Am 1. Januar 1893 wurde die Vorhalle der Synagoge in eine Schule umgewandelt, das Gotteshaus selbst, das nahezu dreiviertel Millionen gekostet hatte, blieb leer und unbenutzt. Me Versuche, ihre Neueröffnung zu erwirken, scheiterten an dem wütigen Widerstand des teuflischen General-Gouverneurs Großfürsten Sergej, und nach dessen Beseitigung Ivären sie wohl gleich falls erfolglos geblieben, wenn nicht das Zaren-Manifest über die Gewissensfreiheit die Handhabe zu erneuten Schritten gegeben hätte. Auch jetzt bedurfte cs noch hochmögender Fürfprache, bis die Erlaubnis des Ministers erteilt wurde. Roosevelt uudAhlwardt. In der Biographie Roosevelts „Vom Reitersmann zum Präsidenten" von Dr. Max Kullnick (Verlag: Mittler u. Sohn) findet sich eine kleine Episode aus der Agitationsrcisc Ahlwardts, die dieser 1895 nach Amerika unternonimen hätte. Roosevelt war um diese Zeit Polizeipräsident von Newyork. Ahlwardt sollte in einer öffentlichen Versammlung sprechen, seine Freunde aber fürchteten für seine Sicherheit und begaben sich deshalb zu Nooscvelt: „Was befürchten Sie denn?" fragte Roosevelt. „Herr Ahlwardt ist oft sehr scharf in seinen Ausdrücken," erwiderten sie. „Da könnten sich möglicherweise die Juden zusammenrotten und ihn beschimpfen." „Das ist Unsinn," war seine Antwort. „Es gibt in Newyork keine friedlicheren Bürger, als die Juten." Da die Mgesandten aber dabei beharrten, das Erscheinen einer besonderen Leibwache von Schutzleuten würde etwaige Ruhestörer am besten im Zannie halten, so entließ sie Roosevelt mit der Versicherung, Ahlwardt solle an dem betreffenden Abend einen ausreichenden Schutz erhalten. Kaum hatte sich'die Tür hinter den Männern geschlossen, als er einen Polizeikommi'ssar zu sich berief und ihni befahl, aus der gesamten «ckmtzmannschaft dreißig Leute jüdischen Glaubens auszuwählen. Je deutlicher sie die Kennzeichen ihres seniitischeu Ursprungs an sich trügen, um so besser. Der Kommissar kannte seine Leute, und als Roosevelt die „Garde" musterte, mußte er gestehen, daß der Kommissar seine Auswahl gut getroffen hatte. Er gab den Leuten ihre Anweisungen und schickte sie am Abend nach dem Lokal, in dem Älhlwardt reden sollte. Man male sich das Gesicht von Ahlwardts Freunden aus, als sie gleich an der Tür von ein paar Schutzleuten empfangen wurden, über deren Abstammung nicht der geringste Zweifel möglich war. Ueberall an den Pfeilern und Fenstern standen sie umher, selbst wie steinerne Säulen, mit ihren gebogenen Nasen und schwarzen Haaren, um Ahlwardt zu schützen. Und sie beschützten ihn auch. Unter den Zuhörern befanden sich natürlich auch einige Juden, und als einer von ihnen versuchte, die Rede zu stören, packte ihn einer der Schutzleute mit dem „reinen Profil" beim Kragen Nnd beförderte ihn glatt auf die Straße. VAR AVI cm [ Üm-&N«uban vou Geschäftshäusern B’id'tt'tr 1. Tri. 4711 Kaiser *'rie«lrlcn Quelle Offenbach a. M. —— Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Wocheu-Saieuoer. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 23. November (— 17. Kislew): Sabbat-Ankang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 10 Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 25 Min., in Berlin 4 Uhr 50 Min. W a j i s ch l a ch berichtet weiter von Jakobs Heimreise. Nachdem der Feind im Rücken — Laban — unter Gottes Beistand abgewendet war, galt es, den entgegenkommenden sich zuzuwenden. Esan zieht Jakob mit 400 Mann entgegen. In dreierlei Art trifft Jäkob Vorbereitungen. Er sendet Boten mit Geschenken voraus, um Versöhnung zu erwirken; er bereitet sich kriegerisch vor, indem er sein Lager in zwei Hälften abteilt; endlich betet er. Als Esan mit Jakob zusammen trifft, wird er versöhnlich gestimmt, nimmt Geschenks an und wendet sich wieder heimwärts. Die Begleitung durch Esau schlägt Jakob aus, offenbar aus Mißtrauen. — IN der Nacht vor der Zusammenkunft mit Esau kämpft Jäkob mit einem Engel, der ihm die Hüfte verrenkt, ohne ihn indes zu Fall zu bringen. Beim anbrechenden Morgen endet der Kampf. Jäkob erhält den Namen Israel. (Jksroel — Gotteskämpfer.) Dieser Kampf ist nach der Tradition ein Bild für alle Leiden, mit denen Israel im Laufe der Zeiten heimgesucht wird. Es fällt nicht, bleibt stets siegreich als „Gotteskämpfer". — In Schechem wird Jäkobs Tochter Dina verunglimpft. Simon und Levi nehmen Rache dafür. — Jakob schafft alle Götzen aus seiner Umgebung und baut in Bet-El einen Altar zNr Erinnernng an seine erste Ruhestätte bei der Flucht vor Esau. — Rebekkas Amme stirbt unterwegs. Jäkob begräbt sie unter einer Eiche, Trauereiche genannt. — Rachel stirbt bei der Geburt Benjamins. Sie nennt ihn „Schmerzenskind". Jakob stellt einen Denkstein auf Rachels Grab und zieht weiter. — Jsak stirht, .180 Jahre all, Esau und Jakob begraben ihn in die Höhle Machpela. — Die Sidra schließt mit der Aufzählung von Esaus Stammsürsten, die im Lande Söir regierten. Offenbaeber Druckluft »Anlage Telefon 128. OHenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TBPpfciirBlnl0UI10. Pflanzungsverein „Palästina". Ausweis der Mitgliedsbeiträge vom 1. Juni bis zum 1. November 1907. 1. Ordentliche Mitglieder. 33. I. Moser Bradford (1 Dunam), 34. Berthold Israel, Berlin (1 D.), 35. S. Hepner, Charlottenburg (2 D.), 36. Dr. A. Sandler, Breslau '1 D.), 37. Oberlehrer Ing. S. Klasmer, Breslau (1 D.) eingetragen durch Anonymus, 38. M. M. Abesgäs, Baku (1 D.), 39. Prof. B. Dessau, Perugia (1 D.), 40. Lehrer Wolf Neumann, Burgreppach (1 D.) eingetragen durch seine Söhne Elkan und Salomon Neumann, 41. Dr. M. Kaufmann, Freiburg i. Br. (l D.j. eingetragen durch die zion. Ortsgruppe Freiburg, 42. Isidor Schnitzer, Zürich (1. D.) beigetreten durch Herrn Dr. Chamitzer, Leipzig, 43. Chowewe Zion Dawid, Bukarest (1 D.), 44. Leopold Kehlmamr, New Jork (5 D.), 45. A. Simons, Haag (1 D.), 46. Doktor Hans Jäcobi, Agram (1 D.), 47. Bertrand Hamburg, Charlottenburg (1 D.), in Summa 20 Dnuam Landk ä JL 80 — JL 1600.—. 2. Außerordentliche Mitglieder. 8. Prof. G. Bielkowski, St. Petersburg, 1. Rate ■JL 20; do. 2, Rate JL 30; 9. Mozes Davids, Amsterdam, eingetragen durch Herrn S. Hoofien, 1. Rate JL 20; 10. Dr. L. Landesberg, Kremenetz, 1. Rate JL 20.30: 11. Lippmann Blech, Breslau, 1. Rate JL 20; 12. Ignaz Timar, Berlin, 1. Rate JL 20; 13. Dawid Levy, Montreal, 1. Rate JL 20; 14. Frau Dr. Rahel Strauß, München, 1. Rate JL 20; 15. Stadtrat Alb. Eckensdorff, Brieg, 1. Rate JL 20; 16. Frl. Menuchäh Wyssotzky, Suwalki, durch zion. Ortsgruppe Suwalli, 1. Rate JL 40; Redakteur S. Gottschalk, Breslau, 3. Rate JL 20; Zahnarzt Schachtel, Breslau, 2. Rate JL 10; in Summa JL 260.30. 3. Erste Jahresrate. 8. Frau L. Henle, Hamburg 'JL 10; 9. Dr. Hugo Spitzer, Osiek JL 10; 10. Woine Spitzer, Osiek JL 10; 11. Carl Stand, Lemberg JL 10; 12^Cand. Fug. Joseph Lewy, Charlottenburg JL 10; in Summa JL 50.—. Insgesamt betrug das Vereinsvermögen per 1. November 1907 JL '7103.40. Bei dieser Gelegenheit sei zur Vermeidung von Mißverständnissen wiederholt, daß der Pflanzungsverein mir gemeinnützige und nicht etwa privatwirtschaftliche Zwecke verfolgt. Die Zahlstellen des Vereins sind: Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59; I. L. Goldberg, Wilna; The Jewish Colonial Trust ltd., London E. C„ Walbrook, Brook Honse. Kunst und Literatur. Die Ziele der Sintonschen Stiftung in Hannover. 16 Seiten. Kostenlos zu beziehen von der Wexander und Fanny. Simonschen Stiftung in Hannover, Waschstr. 8. Die Broschüre will das jüdische Publikum auf die Notwendigkeit, sich Ackerbau, Gärtnerei und Handwerk, denen die Simonsche Stiftung gewidmet ist, zuzuwenden. aufmerksam machen. Sehr richtig heißt es da bezügllch der gegenwärtigen Situation der deutsche» Juden: „Je mehr die übrige Bevölkerung sich zum Handel hin entwickelt, desto eher kann dann ber Jude in Gefahr geraten, raif seinem eigensten Gebiet zurückgedrängt zu werben. In großen Instituten, vor allem in Banken, werden bereits Inden bei der Anstellung zurückgesetzt — mögen solche Institute selbst von Juden begründet sein. Es bildet sich überhaupt in unseren wirtschaftlichen Großbetrieben allmählich eine Art Hierarchie ans. welche geneigt ist. die Gepflogenheiten nr.serer Staatsverwaltung auf diese Betriebe zu übertragen — eine Erscheinung, die zur Folge hat. daß die" Juden schwerer als früher in wirllich leitende Stellungen gelangen. Aehnliche Vorgänge erleben wir auch auf den unteren Stufen von Handel und Verkehr. Dort sind es gerade unsere ärmeren Glaubensgenossen, die betroffen werden. Man denke an die zunehmende Ausschaltung des Zwischenhandel auf dem Lande, an die Erschwerungen des Wanderhandels, kurz an das Schicksal aller jener Erwerbs- Zweige, die sich vordem zum großen Teil in jüdischen Händen befanden. DerGoldt'rust, ein internationaler Finanzroman von Oskar Hofnnann (JL 1,801. Verlag Hermann Seemann Nachfolger, Berlin NW. 87. Der Verfasser hat sich schon durch mehrere Erzählungen in der Art JuleS Derne's einen guten Namen gemacht, und der Goldtrust wird auch am besten als eine für den gebildeten Erwachsenen von