Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 40 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitische* FamilienUatt. Nr. 40 die Herren Janson, Rabinowitz, Oppenheimer (Laudenbach) und Professor Sulzbach sprachen, wird eine Resolution im Sinne des Referenten angenommen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung „Verhältnis der Ortsgruppe zum Misrachi" lag ein Antrag des Vorstandes vor, daß diejenigen Misrachisten, welche der Ortsgruppe angehören, in Zukunst JL 7 statt Ji 5 zahlen sollen, von welchem Betrag dein Misrachi-Verein der entsprechende Anteil ausgehändigt werde. Gegen den Passus „welche der Ortsgruppe angehören", ei» Passus, der cs entgegen dem bisherige» Modus den Mitgliedern des Misrachi-Vereins überläßt, der Ortsgruppe anzuhören oder nicht, erhebt sich — wie bereits in der vorwöchentlichen Versammlung des Misrachi-Vereins — bei sämtlichen Diskussionsrednern lebhafter Widerspruch: nur Herr Dr. Feuchtwanger, der Referent der vorwöchentlichen Misrachi-Vereinsvcrsammlung, vertritt ihn. Aus der sehr lebhaften und langandaucrndeil Diskussion sei hier nur das Wichtigste hervorgehobeu. Prof. Wehl: Nach dem Anträge ist der Misrachi- Berein jetzt eine selbständige Ortsgruppe, und 'es müßte daher in seinem Titel das Wort „zionistisch" zum Ausdruck kommen. Levigard: Es ist dringend notwendig, daß gerade in Frankfurt, das den Unsegen der Trennung anr besten kennt, sämtliche Misrachistcn der Ortsgruppe angehörcn. Sondheimer: Bisher war der Misrachi-Verein Sektion der Ortsgruppe. Wir können uns in Frankfurt nicht den Luxus zweier Ortsgruppen gestatten; auch ist in der Drtsgruppe nie etwas geschehen, was die Misrachisten irgendwie in ihren religiösen Gefühlen hätte verletzen können. Die Hamburger Misrachistcn haben es abgelehnt, eine besondere misrachistische Ortsgruppe zu bjlden. Janson: Nur in den Ortsgruppen können die Misrachisten für das überlieferte Judentum bei den zionistischen Gesinnungsgenossen, die in dessen Geiste nicht leben, wirken. B. Stern: Die Gründung der Misrachi-Föderation war eine Notwendigkeit, nachdem die Kulturstage durch die praktische Arbeit in Palästina im Zionismus aktuell geworden ist. Die Frage der Zugehörigkeit zur Landsmannschaft bedarf noch der Klärung. Melamed: In Rußland kann der Misrachi jeden Tag eine Föderation bilden: aber damit in Deutschland zu beginnen, dazu hat er wohl ein juridisches, aber kein historisch-moralisches Recht. Prof. S u l z b a ch: Die Angelegenheit ist zu wichtig, als daß wir heute bereits eine Abstimmung vornehmen können. Goitein:Jn Palästina legt der Zionismus jetzt den Schwerpunkt auf das erzieherische Moment und deshalb ist die Misrachi-Födcration notiveiidig. Aber die Bildung dieser Föderation möge man kn Frankfurt nicht beginnen, sonder» beschließen. Ettlinger: Eine besondere Misrachi-Ortsgruppe würde hier in Frankfurt nur die Folge haben, daß sich Zemente dem Zionismus anschließen, die ihm in Wirklichkeit nicht hold sind. Der Antrag des Vorstandes wird mit der Abänderung, daß jedes Mitglied des hiesigen Misrachi- Vereins Mitglied der Ortsgruppe sein muß, angenommen. Dr. Feuchtwanger: Die Versammlung hat nicht das Recht zu beschließen, daß jeder hiesige Misrachist der Ortsgruppe angehören muß. Denn den Misrachisten steht das Recht zu, eigene Ortsgruppen, zu bilden. Karlsruhe. Der Großhrrzog und die Großherzogin- Witwe empfingen Präsident David Wolfsohn in Audienz; die Hoüeiten versicherten, das Interesse des verstorbenen Großherzogs für den Zionismus bewahren zu wollen. Präsident Wolfsohn wurde zur Hostafcl geladen. Etorozynetz (Bukowina). Samstag, den 13 Olt fand hier eine massenhaftbesuchte jüdische Volksversammlung statt mit der Tagesordnung „Die gegenwärtige Lage der Inden", über welches Thema Dr. M. Kunsbruner aus Czernowitz referierte. Er gab ein wahrhaft lebendes Bild über die in Rußland, Rumänien, Marokko stattgefundencu Pogromszenen, er wies darauf hin, daß die Emigration an lauter geschlossene Tore stößt und daß nur der Zionismus das einzige erreichbare Mittel zur Lösung der Judenftagc ist. Es wurde sodann auf Anregung Dr. Jakob Engel's beschlossen, einen Zion. Verein zu gründen. H. Fleischer. Kunst und Literatur. Die Burg. Anleitung zur Erbauung nebst 20 Modellbogen. Verlag von O t t o M a i e r, Ravensburg. Preis JL 3,50. Jeder Knabe kann nach dieser Anleitung eine prächtige, dauerhafte und solide Burg mit Aufzügen, Zugbrücken, Wachttürmen, Bastionen, Kasernen, Toren usw. erbauen, ohne daß weitere Vorkenntnisse nötig sind. Das Spiel ist aus dem Prinzip hervorgegangen: „Wackere Knaben fertigen ihr Spielzeug selbst an", und es wäre sehr erfreulich und im Interesse der Jugend, wenn unsere Knaben solch' hübsche, anregende Handarbeiten pflegten, die eine edle Erholung sind gegenüber den Anstrengungen des Schulunterrichts. Spiel und Arbeit. Band 19: Wasserturbine. Eine leichtfaßliche Anleitung zur Sclbstanfcrtigung einer Wasserturbine van Otto Mayser. Mit 3 Modellbogen. [Jt. 0,70./ Ravensburg, Otto Maier. Neue preußische Jagdordnung vom 17. Juli 1907. Amtliche Fassung. {M. 1,—.) Berlin S. 14, L. Schwarz u. Comp. 14. Jahresbericht der Israelit. -Theolog i s ch e n Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1906/07. Voran geht: Komposition und Strophenbau, alte und neue Beiträge von Hofrat Prof. Dr. D. H. Müller. Wie» 1907. Verlag der Jsrael.-Thcolog. Lehranstalt, Tempclgasse 3. Der Stern Judas, dem 'Andenken Theodor Herzl's gewidmet. Dichtung und Melodie von M. Färber. Klavierbegleitung von F. Pfirstinger. Preis- Fr. 2,50. Selbstverlag des Komponisten, Zürich. Moischelacli and S c li 1 o i m c 1 a c li. Song Poetry bv Bialek. Music bv Platon Brounoff for Piano (with or without 8inging), 40 Cents, P. Brounoff, 251 East Broadway, New - York. Die jiddische Marseillaise. Poesie von EzekicI Leavitt. Music von Platon Brounoff, 50 Cents. Zion Symphonie Oriental. Suite for Piano in Four Parts, composed bv Platon Brounoff D. 1. Dem Einflüsse der starken zionistischen Bewegung verdanken wir verschiedene sehr beachtenswerte Werke zweier bisher bei uns noch unbekannten Komponisten. Herr Maurice Färber, Zürich, verstand es, das Schicksal unserer östlichen Glaubensgenossen in Wort und Ton so packend zu gestalten, daß die Arie „Der Stern Judas", dem Andenken Theodor Hcrzls gewidmet, von äußerst schöner dramoiischcr Wirkung ist, woran allerdings Herr F. Pfirstinger mit seiner feinen Harmoiiisicrililg glänzend partizipiert. In Platon Bronnoff, Newyork, lernen wir einen reifen Künstler kennen, dessen „Oticiikal-Suite" für Klavier in 4 Teilen von geradezu pompöser Klangwirkung ist und jedem Orchcsterprogramm eiiiverleibt werdeil kann. Eine „Jüdische Marseillaise" von demselben Komponisten, Text von E. Leavitt, beginnt mit dumpfen Moll-Aklorden, „Beschützt eure Freiheit, seid Helden r." bis znm Schlüsse grandios in F-dnr ausklingend „Erwacht und beschützt eure Freiheit und Ehre". Eine ächte jüdische Marseillaise, welche uns die Begeisterung des Komponisten verrät und würdig ist, von allen jüdischen Kehlen gesungen zu werden. Erleichtert würde dies uns „Deutschen Juden", wenn dem „Jargon" der deutsche Text noch beigedruckt würde wie dies ja immer üblich bei fremden Sprachen. Jedenfalls verdienen die oben genannten Kompositionen in allen jiibtfclj.en Kreisen bekannt und gekannt zu werden. R. E. Bcruria Gebet- und Andachtsbuch für jüdische Frauen und Mädchen von Rabbincr Dr. Max Grunwald. 660 Seiten. Oktavformat. Geschenkcinband. Wien, 1907. Jos. Schlesingers Verlagsbuchhandlung. Es ist ein Vergnügen, in diesem Buche zu blättern. Zum ersten Male eine „Techinah", die unfern heutigen Ansprüchen nach jeder Richtung entspricht. In Prosa wie in Poesie ein tadelloses Deutsch und modern — im guten Sinne des Wortes — im ganzen Zuschnitt. Ein Wort über das Wesen der „Techinah"! Die „Techinah" soll keineswegs die vorgeschriebenen hebräischen Gebete ersetzen; sic hat vielmehr von'jeher neben diesen Gebeten bestanden. Für unser hebräisches Gebetbuch, für unsere alte und ewig junge Tefilloh, in der unsere Urenkel, so sie noch jüdisch sind, die gleichen Worte beten werden, wie sie unsere Urgroßväter beteten, für diese Tefilloh, in der jeder Satz den reinen Geist des Judentums widcrspiegelt, gibt es keinen Ersatz. Nur als privater Notbehelf für die Frauen, die des Hebräischen unkundig sind, war die Techinah gedacht, — und so möge es auch bleiben. B c r u s, K o n f e s s i v n und Verbrechen. Eine Studie über die Kriminalität der Juden in Vergangenheit und Gegenwart von Dr. Rudolf Wassermann. (Statist, und nationalökonom. Abhandlung, hcrausgcgebeii von Dr. Georg von Mayr, Heft II.) München, 1907. Verl. Ernst Reinhardt. S. 106. Preis: Jb!5. Nach einer Betrachtung über die Methoden der Statistik und einer eingehenden Auseinandersetzung mit den auf diesem Gebiete mehrfach differenzierenden Ansichten, wird im 8 2 ein „Ucberblick über die Kriminalität der Juden in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika (ohne Berücksichtigung von Deutschland und Oesterreich)" gegeben. Es okgen § 3 „Die Kriminalität der Juden in Deutschland und die Ursachen derselben." 8 4- „Die Kriminalität der Inden in Oesterreich und die Ursachen derselben." 8 5. „Die Entwicklung der Kriminalität der Juden in Deutschland und Oesterreich." 8 6. „Vorschläge für die künftige Ausgestaltung der deutschen Kriminalität." Nach einem „Anhang" werden uns detailgeographische Untersuchungen über die Kriminalität der Juden. Ein überaus lehrreiches Buch, das bewundernswert viel wissenschaftlich gesichtetes Material und achmännische Verwertung desselben bietet. Das Juni-Heft der hebräischen Monats- 'christ „H aschilo a h" (Odessa; Redakteur: Ch. N. Bjalik; Mitredakteur: Dr. I. Klausner) enthält folgende Beiträge: 1. Eingebung (Ruach-H'akandcsch), Dr. Joseph Klausner; 2. Der Erbe (Erzählung), M. Ben-Eliezer; 3. Der jüdische Hellenismus vor dem hasmonäischen Zeitalter (IV), Dr. S. 55 e r n f e I b; 4. Im Licht und Schatten (Gedicht), I. Katzenclsoh»; 5. Einsamkeit und Größe, S ch. B. M a k s i m ensky; 6. Zur Charakterisierung Raschi'S, T a u ii f o i; 7. Im Erez- Jsraöl, Jacob 3i a b i n o w i tz; 8. Flimmer (Gedicht), 'Jacob Fic hm a n u; 9. „Probeheft", Rezension (Ende), Raw Zoir; 10. Briefe aus Erez- Jsrael I. (Ende), M. S m i I i a n s k y; 11. Jüdische 3ievue (XIX): Hamoschkif. „H a in a u r c r", hebräische Monatsschrift, herausgcgebcn von I. Ch. Breuer (London E., 48, Mille End R—d). Die Hefte 5 (Mai) und 6 (Juni) enthalten folgende Beiträge: X. L. Schestow: Hille l Z e i t l i n: 2. Der Letzte (Gedicht), David S ch i m e n o m i tz; 3. Blume des Friedhofes, P e r e tz H i r s ch b e i n; 5. Bam (Monolog), I. I am -- polsky; 6. Nachts iiiiiarmtc mich eine Tcufelin . . (Gedicht), I s ch a k K a tz e ii c l s o h n; 7. Mnhamcd I, R e b - B e n j a m i n: 8. 'Herrenlos (Gedicht), S ch. Pins ktj; 9. Salome (Drama), Oskar Wilde; 10) Aus den Gedanken O. Wilde's über Kunst; 11. In der schönen Literatur, Micha Joseph B e r d i t s ch e w s k y; 12. Das Wunder des heiligen Antonius (Drama), M. M a e t e r l i n k; 13. Ein Affe (Gedicht), D. S ch i m e n o w i tz; 14. Legenden, I a c. Steinberg; 15.'** (Gedicht), I. Lindenfeld; 16. Ueber Th. Hcrzl, M. I. B.; 17. Bibliographische Aufzeichnungen, Sch. Bischowsky; Bibliographische Striche, Reb - B cii j a m i n. Vereins-Kalender. Zionistische Bereiuignng Frankfurt a. M. Montag, den 21. Oktober, abends 8% Uhr int Rechneisaale, Langcstraße 29, Vortrag, Herr Davis Trietsch-Jaffa: Die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas in den letzten fünf Jahren. „Montefiore"-Vereiu. Freitag, 18. Oktober, abends SYs Uhr: Gemütliches Beisammensein. Montag, 21. Oktober, abends 9 Uhr: „Erster Leseabend", Schillers Wallenstein ist mitzubringen. Mittwoch, 23. Oktober, abends 9 Uhr: Herr Lehrer Einstaedter: Der „heilige Mann" von Ossenbach. Verein Mekor-Chajirn. Samstag, 19. Oktober, nachmittags 3^e Uhr: Mikro-Vortrag, Herr Leopold Schwab. Sonntag, 20. Oktober, abends 6 Uhr, Schiitzenstraße 2: Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jesais" (Kapitel 32). Verein Nachalatz Zwi. Sonntag, 20. Olt., abends 8 Uhr, im großen Saal der Loge zum Adler, Seilerstr. 22, Vorlesung für Damen: Die Frauenfrage und die jüdische Ethik. Referenten: Herr Moritz A. Loeb und Herr Jacob Rosenheim. Für das Diskin'sche Waisenhaus in Jerusalem und für das Israel. Altersheim in Jerusalem findet gegenwärtig unjer unsren Frankfurter jüdischen Mitbürgern eine Sammlung statt. Beide Anstalten seien dem bewährten Wohltätigkeitssinn der Frankfurter Judenheit warm ans Herz gelegt.