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Neue jüdische Presse · 1907-10-11 · Heft 39 (11.10.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 39 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 Koslow' (Tamvow. Gruv.) Wie man den Inden das Wühlen unmöglich macht! Der hiesige Polizeiincifler fardcrte die Juden auf, sich am 7. Oktober, dem Tage der Tumawahleii, nicht ans den Straßen zu zeigen; jeder Jude, den man an diesem Tage auf der Straße antreffe, würde arretiert iverden. Amerika. New-Aork. Die Einwanderung aus Rußland ist gegenwärtig größer, als jemals! In den letzten 6 Monaten betrug sie 1.-1 Prozent mehr, als in dem gleichen Zeitraum des Borjahres. — Ei n e O r g a n i s a t i v n orthodoxer R a bb i n e r und Prediger ist hier gebildet ivorden. Die neue Organisation bezweckt hauptsächlich religiöse Erziehungsarbeit und will Konzentration und System in die Religionsschulen des Landes bringen. Der „Union der orthodoxen Rabbinen der Bereinigten Staaten und Kanadas" soll mit der Gründung keine Konkurrenz gemacht werden. Rabbiner S. L. Hourwich ist der Sekretär der neuen Organisation. NewAork. Ncw-Dork hat mebr wie 609 j ü d. Polizisten. Diese ersuchten ans den diesjährigen Jomkippur um Befreiung vom Dienste, die ihnen jedoch nicht gewährt werden konnte: so mußten sie im Dienste fasten. Marokko. Casablanca. An die Alliance I s r a e l i t e Universelle sind in den letzten Tagen folgende Berichte von ihrem hiesigen Bertreter Pisa eingesandt worden: 23. 'Sevtbr. Ich habe die Ehre, Sie zu benachrichtige», das; ich soeben die Verteilung von Unterstützungen an Lebensmitteln und Geld beendet habe. Ungefähr 300 Familien befanden sich in äußerster Not. An diese habe ich an den Rüsttagen zum Rosch - Haschana-, zum Jomkippur- und zum Sukkat-Fcst drei große Verteilungen vorgenomme». Den Familien, die nicht zur Abholung zu kommen wagten, habe ich die Spenden persönlich ins Hans gebracht, die anderen kamen in die Schule, um dort die Gabe» zu empfangen. Alle Lebensmittel und eine beträchtliche Geldsumme sind verteilt worden. Sobald auch die Kleidungsstücke verteilt sein iverden, die wir von Dr. Baron Rothschild erwarten, können wir, glaube ich, das Unterstützungswerk an Ort und Stelle für abge'chlossen erachten, nur nicht etwa auf Trägheit eine Belohnung zu setze». Koinmandant Langin, den ich gestern sprach, hat mir versichert, daß alle kräftigen Männer Arbeit finden, und daß die Frauen als Bonnen, Haushälterinnen, Köchinnen, Wäscherinnen Beschäftigung haben können. Wirkliche Armut bleibt nur bei den'wenigen Familien, für die solche Tätigkeit sich nicht eignet, bei Kranken und Waisenkindern. Ich stelle eine Liste dieser Personen auf, die wie in früheren Tagen wöchentliche Unterstützung erhalten werden. Besondere Aufmerksamkeit wende ich jetzt den im Innern des Landes und an der Küste zerstreuten Glaubensgenossen zu. Die Verteilung der Spenden hat unendliche Mühe gemacht. Bei der Auflösung aller Autorität fand ich bei niemand Hilfe, wohl aber überall Beschwerden und — Kritik. Ausnahmen bildeten einzig die Herren Bauabu und David Alexaiider, die mir bei der Aufstellung der Liste der Bedürftigen von großem Nutzen gewesen sind. (Diese Listen, in denen die Namen der Unterstützten und die ihnen gegebenen Beträge verzeichnet sind, bleiben als Unterlagen für den Rechenschaftsbericht einstweilen im Archiv des provisorischen Komitees.) Soeben erhalte ich den beiliegenden Brief, der mir in der Abwesenheit des Herrn von Rothschild ausgehändigt worden ist. Wie ich erfahre, hat die Genieinde von Häzagan sich die größten Opfer auferlcgt, um unsere Glaubensgenossen aus Scttat frcizukaufe» und sie zu ernähren. Doch muß sie eine große Zahl fortschicken, weil sie bereits überlastet ist. Den Absendern des Briefes habe ich älsbald Ermächtigung geschickt, alle Familien anszulösen, die in der Gewalt der Araber sind, und ihnen einstivcilen .1500 Fr. zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig habe ich Herrn Elmaleh von der Lage unterrichtet, damit er sich nach seiner Rückkehr nach Mazagan mit der Repatriierung dieser Unglücklichen beschäftigen kömie. Heute früh kam aus Mazagan ein Zug von 123 Personen, die von der Gemeinde freigekauft und von Herrn Zenath, einem Notablen von Mazagan, hierher geleitet wurden. 26. Sept. Heute früh sind hnndcrtfiinfzig 'Jsraeliten, die von der Gemeinde Mazagan freigekauft waren, durch unsere Vermittlung repatriiert worden. Sie kamen. in beklagenswerten! Zustand hier an. Wir haben ihnen die nötige Hilfe geleistet. "Die von Herrn von Rothschild geschickten 20000 Fr. sind in Händen des Kommandanten Mangin. 6—7000 Fr. sind für Matratzen, Decken und Kleider ausgegcben worden. Für den Rest schlägt Kommandant Mangin folgende Verwendung vor: Ankauf von Rohstoffen zur Herstellung von Leiuewaud für Kinder und Frauen. Israelitische Krauen sollen mit den: Weben und Zuschneiden beschäftigt iverden und dadurch einige Monate Arbeit haben. — Reinigung und Desinfektion des Mellah. — Organisierung der Arbeiten zur Säu- Frankfurter Israelitisches FamilienblaÜ. Seite 3. berung des Innern der Häuser, ihrer Mwaschung mit Karbolwasser, und zum Weißen der Mauern. — Ankauf einiger Esel für die Straßenaufseher im Mellah usw. — Das provisorische Komitee wird sich über die Vorschläge äußern. 1. Oktober. Ich beehre mich. Ihnen die Nachrichten zu übermitteln, die ein von mir nach Uleid- Mriß, Uled-Zyan, Rdakra und bis.nach Settat entsandter Kurier gebracht hat: Das Land ist öde und verlassen. Der Kurier begegnete unterwegs nur einigen Familien, die, von den unterworfenen Stämmen freigelassen, nach Casablanca zurückkchrten. Die Hauptmasse der Flüchtlinge scheint sich nach Settat zurückgezogen zu haben. In dieser Stadt hatten sich jüngst 700—800 Seelen angesammelt, von denen erwa 350 nach Mazagan und Babet zurückgekehrt sind. Gegen 400 Personen blieben in äußerstem Mangel zurück. Herr David Amar, der in den ersten Tagen sich damit beschäftigt hatte, sie aufzuuehmen, zeigt trotz der Hilfsmittel, die ich ihm zur Linderung des Elends dieser Unglücklichen zur Verfügung stellte, jetzt nur noch mäßige Teilnahme und Fürsorge. Eine Znrückführung in Massen ist zur Zeit untunlich, weil Settat jetzt von dem Stamm der Tchanjas besetzt ist und seit gestern das Gerücht sich hartnäckig erhält, daß die Mahala des Gegensultans Mulay Hasid zu den Schaujas gestoßen sei. Man weiß noch nicht, welche Haltung die beiden Sultane cinnehmen werden: es scheint aber, daß die Hauptentwickelung des Dramas sich in dieser Gegend vollziehen wird. Unter solchen Umständen ist es für uns äußerst schwierig, zu entscheiden, ob wir die Flüchtlinge hierher sollen kommen lassen, oder ob wir ihnen Unterstützungen schicken sollen. Ihre Lage zlvischen den beiden Sultane» und inmitten einer unentschiedenen Bevölkerung ist überaus besorgniserregend. Mit Freude teile ich Ihnen mit, daß eine der Friedensbedingungen, die General Drude, Admiral Philibert und Herr Malpertuy den Stämmen auferlegt haben, die Freigabe aller von ihnen während der jüngsten Ereignisse geuiachten Gefangenen ist. Aus den Zeitungen wissen Sie, daß fast alle Stämme in der Umgebung von Casablanca ihre Unterwerfung angemeldct haben. Es sind demgemäß, auch" alle Israeliten, die sich bei ihnen befanden, in die Stadt znrückgckehrt. Personalien. Berlin. 'Professor Dr. Stanislaus Jolles wurde vom Dozenten zum ctatsmäßigen Professor an der Technischen Hochschule befördert. — Professor Dr. Georg G a l l a n d ist von der Technischen Hochschule zur Akademischen Hochschule für bildende K ü n st e als Dozent für Kunstgeschichte übergetreten. Köln a. Rh. In den Bocstand der neuen orthodoxen Separat-Gemeinde Adaß-Jeschuru» ivurden gewählt: Dr. O ch s (1. Vorsitzender^ Jos. W a l - l a ch, Sal. Hecht, B. Hirsch, B. L e w e r t o f f und Jos. S e l i g m a n n; in die Repräsentanz: Jsaac van C l e e f, Jonas Wolf, M. L. M unk, L-ally Benjamin ,M. Dinkel, Jac. S e l i g in a n n, Herm. M. Mncham, Selig Adler und Max Rosenthal (die letzten zwei als Stellvertreter). München. Regierungsaffessor Dr. Siegfried L i ch t e n st ä d t e r ist zum Regierungsrat und Amtsrichter Dr. Emil Ulf m aun - Nürnberg zum Landgerichts rat in Kempten befördert worden. Wertheim am Main Jvren 60. Geburtstag feierte die Gelehrte Dr. S u s a n n a Rubinst e i n. In Czcrnowitz, der Hauptstadt der Bukowina, als Tochter des kaiscrl. Rates und Reichsratsabgeordneten I. Rnbinstein geboren, bezog R. im Jahre 1870 nach glänzend bestandenem Abiturientenexamen die Prager Universität und promovierte 1874 mit der Arbeit „Die sensationellen und sensitiven Sinne" zum Doktor. Von ihren Werken seien hier genannt: „Psychologisch - ästhetisch: Essays", „Aus der Innenwelt", „Zur Natur der Bewegung" und „Psychologisch - ästhetische Fragmente". Wien. Am 1. Oktober hat Professor Dr. Adam Politzer, der seit 34 Jahren als Chef der Universitäts-Ohrenklinik wirkte, mit Absolvierung des akademischen Ehrenjahres von der Lehrtätigkeit zurück. Die Abschiedsvorlesung gestaltete sich zu einer erhebenden Feier, tute es dem Mann, der auf dem Gebiete der Ohrenheilkunde vorbildlich tmd richtunggebend gewirkt hat, gebührte. Budapest. Oberrechnungsrat a. D. Simon T e l c ö c z wurde in den erblichen ungarischen A d e l s st a n d erhoben. — Max Gut m a n n , Präsident des ungarischen Jnformationsvercins, erhielt den Charakter eines kgl. Rates. Rotterdam. Hermann Heyer Manns feierte sein 60 jähriges Jubiläum als Redakteur der bekannten Zeitung „Nieuwe Notterd. Courant" und erhielt aus diese»! "Anlaß den Oranien- Nassau-Orden. Paris. Oberstleutnant Bloch wurde zum Ob e r st, Major Meyer zum O b e r st l e u t n a n t und Hauptmann Cerf zum Bataillonschef befördert. — Dem auä Metz stammenden Bildhauer Hanaux wurde die Ausführung des Denkmals übertragen. das auf den französischen Kriegergräbern zu Noiseville bei Metz errichtet werden soll. New-Aork. Moses Hermann, seit einigen Jahren Präsident des Park-Departements, ist zum Ratsherrn ernannt worden. In Philadelphia ist Angelo Myers, einer der bedeutendsten Groß-Whiskyhändler und -Destillateure Amerikas, im 63. Lebensjahre verschieden. 1892 begründete er die Gegenseitigkeit-Destillations - Gesellschaft, die den „Whisky-Trust" bekämpfen sollte, was ihr auch mit Erfolg gelang. Ans der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition d. Ist. Fainilienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Simchas - Thora - Minjan bei Wallach Kohn G. L. Dzalozinsky Albert Kornblum, Telegramm - Ablösung zur Hochzeit von Herrn Professor Dr. Jos. Horovitz mit Frl. Laura Scheier Kattowitz Jsaac Goldberg stiftet'zur Barmizwoh hntt ST?nrhimt ßlnffcmrrmr 1 .rVffirrtim 0,50 Jk 0,50 „ 0,50 „ 0,50 Berlin. Das .Zentralbureau der Zionistischen Bereinigung für Deutschland", Berlin IV. 66, Mauerstraße 2, beabsichtigt auch in diesem Jahre, die Bermittelung von Einzelvorträgen und Agitationstourneen in die Hand zu nehmen. Es werden daher diejenigen Dainen und Herren, welche zur llebernahme von Vorträgen bereit sind, ersucht, umgehend dem Zentralbureau sich unter 'Angabe ihrer Themata, der Zeit, in der sie zu reisen bereit sind usw. zu melden. Die Gruppenverbände und Ortsgruppen werden gebeten, dem Zentralbureau solche Damen und Herren ihres Bezirkes, welche zum Halten von Vorträgen bereit und geeignet sind, aufzugeben. Köln a. Rh. Im Namen der zrontstllchen Organisation hat eine Deputation an den Bersetz ungsseierlichkeiten iu Karlsruhe teilgenommen. Die Deputation bestand aus den Herren David Wolsssohn, Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Dr. H. Katzenelsohn, Präsident des Jewish Colonial Trust und N. Sokolow, Generalsekretär des zionistischen Zentralbureaus. Haag. Zum Andenken an den Zionistenkongreß ist die Melodie de» jüdischen Nationalliedes „Hatikwah" dem Glockenspiel der hiesigen Hauptkirche eingefügt worden. Ans der Lehrerwelt. Lels i. Schlesien. Im Alter von 57 Jahren verschied nach langem Leiden Rabbiner Dr. Salomo» Chodowsky. Wien. Das Budapester Rabbiner- Seminar, das aus dem allgemeinen jüdischen Schulfonds jährlich etwa 70 000 Kronen erhält, wurde im abgelaufeneu Schuljahre iu den 5 Jahresklassen seiner Oberabteilimg nur von insgesamt 15 Hörern besucht. Die Unterabteilung, deren Schüler sich meistens nur das Abiiurium erwerben wollen und sich dann anderen Berufen zuwendeu, zählte 87 Schüler.— In dem Jahresbericht der Israelitisch- Theologischen Lehranstalt in Wien fällt auf, daß von den 33 Hörern dieser Anstalt nur ein einziger aus Wien und Nieder-Oesterreich ist, — ein Zeichen des jüdischen Tiefstandes der österreichischen Jndenhcit! 14 der Hörer sind aus Galizien, 5 aus Ungarn, 2 aus Böhmen, 4 aus Mähren, 2 aus der Bukowina und der Rest aus dem Auslände. Petersburg. Das Komitee der Petersburger jüdischen Bildungsgcsellschaft macht bekannt, daß am 1. November in Grodno ein zweijähriger Lehrerseminar-Kursus eröffnet wird. Der Unterricht ist unentgeltlich; bedürftige Schüler werden unterstützt. Die Absolventen erhalten den Titel: Vollsschullehrer für jüdische und allgemeine Lehrgegenstände. Zum Direktor ist der bisherige Leiter der Petersburger Talniud-Thora Herr A. Kohnst ain bestimmt worden. Dem Vernehmen nach soll iu W i l n a ein z w e i - tes jüdisches Gymnasium errichtet werden. G Femllelm. G Am Tage der Erinnerung. Von Sainuel Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Schluß). Er fühlte bei diesen Worten einen Stich im Herzen. So war er tot, der strenge, ernste Mann, den er einst Vater genannt. Und diese hier waren seine Brüder — lebendige Typen von dem, was auch

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