Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-10-04 · Heft 38 (4.10.1907) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 38 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692549--03482-2698181
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4. bereits begonnen haben. Die Landesürganisatione» müssen auf die strikte Jnnehaltung dieser Instruktion ganz besonders achten. Wir bitten dringend, im Sinne dieses Rundschreibens zu Verfahren und insbesondere die gewünschten speziellen Angaben schleunigst zu machen. Wir sind überzeugt, daß sich der Nutzen, der sich aus einem Zusammenarbeiten beider Faktoren ergeben 'muß, schon in nächster Zeit allgemein bemerkbar machen wird. Die vorwöchentliche Ausgabe der „Welt" enthält einen Aufruf des Zentralburcaus in Sachen des Parteifonds. Wir haben wohl kaum nötig, diesen Ausruf Ihrer ganz besonderen Aufmerksamkeit zu empfehlen oder ihm irgend ein Wort der Begründung hinzuzufügen. Wir ersuchen Sie lediglich dringendst, Ihre ganze Kraft anspannen zu wollen, um die Sammlungen für die Parteisteuer zu einem guten Wschlusse zu bringe». Dieser Aufgabe müssen sich die Landesorganisationen mit dem größten Eifer unterziehen. Durch Erteilung von Instruktionen an die Vereine, durch Veranstaltung besonderer speziell diesem Zwecke gewidmeter Versammlungen, durch Propagandaartikel in der uns offenen Presse, durch Versendung besonderer Flugblätter, hauptsächlich aber durch die energische Betreibung einer Agitation von Mund zu Mund, muß seitens der Landsmannschaften alles getan werden, was erforderlich ist, den Parteisonds groß und damit wirksam zu gestalten. Wir stehen unsererseits den einzelnen Organisationen in jeder Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite, um ihnen die Arbeit für den Parteifonds zu erleichtern. Besonders viel versprechen wir uns von der Maßregel, daß die eingegangenen Beträge regelmäßig mit Name» in der „Welt" ausgewiesen werden sollen. Wir bitten deshalb Sorge dafür tragen zu wollen, daß uns die Listen allwöchentlich oder mindestens halbmonatlich zugehen und daß die Beträge zu gleicher Zeit an die Indische Kolonialbank abgeführt werden, denn es können natürlich nur die Beträge ausgewiesen werden, die tatsächlich in unfern Besitz gelaugt sind. Wir erwarten nunmehr bestimmt, daß die Arbeit der Landsmannschaften für den Parteifonds sofort und tatkräftig einsetzen wird. Mit Zionsgruß - Hochachtungsvoll Das Aktions - Komitee David Wolffsohn. Köln a. Rh. Wie die »Welt' berichtet, ist Dr. P a u l N a t h a n, der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden, in.Begleitung des Privatdozenten Dr. Mittwoch in Konstantinopel cingetroffen; Dr. Nathan will die vom Hilfsverein im Orient unterstützten Anstalten inspizieren. — Zwecks Einführung des Turnunterrichts in den jüdischen Zentren P a l ä st i n a s reist nächster Tage Gerichtsreferendar Julius Heilbrunn im Aufträge des Aktionskomitees ab. Dr. Hugo Spitzer, Mitglied - des Aktionskomitees, organisiert eine Föderation der Zionisten der südslavischen Länder. Hierzu schreibt die Welt: „Es ist kaum notwendig hcrvorzuheben, daß dieser Plan aufs wärmste begrüßt zu werden verdient. Nicht nur, daß in moralischer Hinsicht eine solche Föderation von großer Bedeutung wäre, sondern es wären dadurch einer systematischen, tatkräftigen Agitation die Wege geebnet... Es ist ein segensreicher Beschluß des VH Zionistcnkongresses, daß er durch Aenderung des Organisationsstatuts die Gründung solcher territorial unbegrenzter Föderationen ermöglicht. Sache unserer Zionisten ist es nun, dies auch auszunützen, wenn es nur irgendwie möglich ist." (Eine Föderation der südslavischen Länder wäre eine territoriale, und der Hauptwert einer Föderation besteht darin, daß sie durch die Verbindung Gleichdenkender das geistige Leben im Zionismus zur ungehinderten, freien Entfaltung bringt. D. Redakt.) Köl« a. Rh. Mitteilung des Haupt bureau's des jüdischen Nationalfonds. Solange die Formalitäten betreffs Eintragung des hiesigen Bureau's noch nicht zum Abschluß gelangt sind, ersuchen wir, um Verzögerungen bei der Auslieferung zu vermeiden, sämtliche für uns bestimmte Briefe, Wertbriefe, Postanweisungen, Packete usw. zu Händen des Herrn Rechtsanwalt Dr. M. I. Bodenheimer, Köln, Richmondstr. 6, zu adressieren. Das Hauptbureau des jüdischen Nationalfonds, Köln, Karolingcrring 6. Breslau. Coupons der Nationalbank. Die Bilanzen der Kolonialbank zeigen, daß von den. bisherigen Dividenden größere Beträge (am 31. 12. 66 ungefähr 140,006 Jt) nicht abgehoben worden sind. Die Beträge dienten also bisher nur dazu, die ungenutzt liegenden oder wenig rentabel angelegten Gelder der Bank zu vermehren, während andererseits alle unsere Institutionen an einem großen Geldmangel laborieren. Die Einlösung der Koupons lohnt vielen nicht oder macht ihnen zu viel Mühe. An alle diese möchte üb die Bitte richten, sich der kleinen Mühe zu unterziehen, die Koupons abzuschneiden und sie dem neuen Palästina-Ressort für seine Arbeiten bezw. dem Pa¬ Frankfurter JsraÄitischeS Familienbläkt. lästina-Zentralfonds zur Verfügung zu stellen. Die Nationalfonds-Sammelstellen werden die lieber- Mittelung gern übernehmen. Schachtel-Brcslan. Jerusalem. Der 8. Zionistenkongretz, der ein Kongreß der praktischen Arbeit in Palästina war, ist vorüber, — und die Tätigkeit in Palästina kann nun mit Nachdruck einsetzen. Wie soll sie sein? Vor allen Dingen geräuschlos, so still wie nur möglich; denn jede öffentliche Diskussion kann mehr Schaden als Nutzen bringen. Wenn Ussischkin aber dagegen einwendet: „Dann sollten auch die Kongresse unterbleiben" (aus derselben Konferenz, nach Ha'olam Nr. 33); so hat er eben den leitenden Gedanken verkannt, der in der Abhaltung der Kongresse zum Ausdrucke kommt. Dieser Geoanke war es auch, der Herzl vcranlaßte, einen Volkskongretz zu creieren. — Die Bedingungen der praktischen Arbeit in Palästina malt Ussischkin mit zu düstern Farben. Darauf ist «aber nicht viel zu geben. Tenn er widerspricht sich selbst. So sagt er (nach „Ha'olam" das.. Die „Welt" Nr., 2 hat allerdings das harte Urteil abgeschwächt): „Das Land muß besiedelt werden", und bald darauf wieder: „Die türkische Regierung will nicht, daß das Land weiter mit Juden besiedelt werde." Wie kann aber das Land mit Juden besiedelt werden, wenn es die türkische Regierung nicht haben will? Er sagt ferner: „Das unbrauchbarste Element für Kolonisation auf der ganzen Welt, ist das jüdische". Später wieder: „Gute Bauern werden die Inden nie sein". Da werden sie schon zwar brauchbar sein, nämlich später einmal, nur zu den guten Bauern werden sie nicht zählen, aber auch nicht zu den ärgsten. Die „Welt" dagegen läßt ihn sagen: „Wir müssen Juden kolonisieren und diese sind für die Kolonisation ein nur unvollkommen vorbereitetes Menschenmaterial". Nun, was heute unvollkommen ist, kann ja mit der Zeit vollkommen werden. Bo hat er aber nicht gesagt; sondern einmal': daß sie überhaupt unbrauchbar sind, einmal wieder, daß sie nie volllominene Dauern sein werden. Ein Staat aber ohne Bauernstand ist nicht denkbar. Sind es die Juden nicht, wozu dann die Kolonisation? Die Juden sind es aber wohl, nur nicht alle Jude». Darum müssen wir uns unsere Leute wählen. Wmberi hat Recht, wenn er eine Kommission, welche die Emigration zu überwachen hätte, vorschlägt (Hazeman Nr. 16g). Ucberhaupt sollte die Kolonisation mit dem schon hier vorhandenen Element begonnen werden. Der satte Kaufmann, mag er auch vor Tod und Verderben geflüchtet sein, er wird sich tatsächlich schwerlich z» dem Pflugeisen bequemen. Wohl aber der hiesige Ausgehungerte und Anspruchslose, der, ob Sephardi oder Aschkenasi, auch den Vorzug besitzt, daß er türkischer Untertan ist, der wird ein gutbrauchbarcs Element abgeben. — Unter den Einwanderern befinden sich leider auch Juden, die keine Juden sind. Die unjüdischen Sitten, welche damit hier Eingang finden, üben leider schon an unserer Jugend ihre Wirkung aus. Und wird dem Uebel nicht bei Zeiten Einhalt getan, ist es wirllich gar nicht abzusehen, welche Verheerungen das schl«hte Beispiel nicht noch anrichten wird. Wie hat dies zu geschehen? Dafür gibt es nur einen Ausweg: die Errichtung von Schulen, welche auf dem Standpunkt des überlieferten Judentums stehen. Dankend muß daher die Bekanntmachung in diesen Blättern (Nr. 33) begrüßt werden, daß der Misrachi eine Mittelschule in Palästina begründen will. Eine Mittelschule, errichtet auf streng konservativem Standpunkte, daß jeder Vater ohne Bedenken sein Kind hinschicken kann, ist wirklich dringend nötig und hat eine große Zukunft. Wir sehen ja, welchen Aufschwung die Lämelschule genommen hat. Gute Lehrkräfte werden auch die Mittelschule rasch vorwärts bringen. Die Bekanntmachung des Projektes hat der Kongreß mit Begeisterung zur Kenntnis genommen. Wo Begeisterung herrscht, kann die Geldfrage unmöglich aus Hindernisse stoßen. Somit scheint die Mittelschule gesichert. Das große Verdienst um deren Errichtung aber wird sich der Misrachi erworben haben. Hoffentlich wird sich auch der Zionismus die Aufgabe zu eigen machen, das Problem des hiesigen Elends radikal zu lösen. Das kann aber nur in der angedeuteten Weise geschehen. H. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Das liebliche Suckothsest ist vorbei; mit Regenschauern meldet der Winter sein Kommen. Der Attißc im Freien folgt nun das Muß der schützenden vier Wände, und die stärkere Betonung der körperlichen Pflege wird durch die Hervorkehrung geistiger Betätigung abgelöst. Die Saison der Vorträge hat begonnen. Der erste, der von den hiesigen wissenschaftlichen jüdischen Vereinen mit seinem Winterprogramm an die Oeffentlichkeit tritt, ist die Vereinigung zur Pflege jüd. Lebensanschauung (Nachlaß Z w i). Ihr Programm zerfällt in: Diskussionsabende, Leseabende und Vorlesungen für Damen; auch sollen von Zeit zu Zeit gesellige Abende veranstaltet werden. Die Vereinigung hat das System der Lehrgänge verlassen; sie wird an den Diskussionsabenden Nr. 38. Einzelvorträge und an den Leseabenden Quellenstudien pflegen. Auch der Verein zur Pflege jüdischen Wissens (Tiferes Bachurim) gibt sein Programm bekannt. Er hat bereits folgende Vorträge iu Aussicht genommen: Raschi's Leben und Wirken (Emil Gottlieb), Ein Tag im Tempel (Leop. Oppenheimer), Die Juden in China (Manfred Rosenblatt), Koheleth (Rabbiner Dr. I. Horovitz), Lchrgedanken aus, jüd. Psalmen (Dr. M. Mainzer), Die Geschichte der Frankfurter Juden in ihren Anfängen (Ernst Gottheinier). Die Glanzzeit jüd. Poesie in Spanien (Artur Hirschberg) und außerdem ein Vortrag des Herrn Dr. Isaak Heinemann. Es werden des ferneren Rezitationsu. Diskussionsabende veranstaltet u. der Chajc - Odom - Schiur (ab Samstag, den 12. Okt., nachmittags 2Ve Uhr in der Suppenanstalt) fortgesetzt werden. Frankfurt a. M. »Montefiore-Berein". Das Winterprogramm des „Montefiore" - Vereins, welches am Sontag zur Ausgabe gelangt, verspricht eine in jeder Hinsicht ersprießliche Saison. Außer auf die Mittwoch-Vorträge, für die namhafte Redner gewonnen wurden, hat die Vereinsleitung das Hauptgewicht ihrer Tätigkeit auf die Abhaltung von Lehrgängen in fremden Sprachen und handelswissenschaftlichen Gebieten gelegt. Als Neueinrichtungen finden wir die geplante Veranstaltung eines literarischen Lese-Abends sowie die Errichtung einer Auskunfts-Abteilung für die Mitglieder. Die im vorigen Jahre mit so außerordentlichen: Erfolge durchgeführten Freitag- Abend-Zusammenkünfte werden auch in« kommenden Winter - Halbjahre wieder stattfinden, und zwar erstmalig am Freitag, den 11. er. Alles in Allem ein verheißungsvolles Programm, auf dessen Einzelheiten wir noch zurückkommen werden. Der offizielle Beginn der Wintertätigkeit findet bereits a«n nächsten Mittwoch, den 9. er., statt. Der Ehrenpräsident Herr Rabbiner Dr. Horovitz wirb den Abend «nit einer Ansprache eröffnen. Aus der Lehrerwett. Metzen. Lehrer Salomon in Sprendlingen erhielt das Dekret an das Realgymnasium und die Oberrealschule zu Gießen unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer. Budapest. Im Alter von 93 Jahren ist Professor Moses Bloch, nachdem er 37 Jahre als Rabbiner und 30 Jahre als Direktor der Landes- Rabbinenschule aintiert hat, in den Ruhe standgetreten. — In Paszlo ist am Jaumkippur der 92jährige Rabbiner David Büchler nach 60jähriger Tätigkeit in dieser Gemeinde verschieden. Budapest. Der Kulms- und Unterrichts-Minister hat den Csvngrader Rabbiner, Dr. Mich arl Guttmann — vorläufig in Provisorischer Eigenschaft — zun« ordentlichen Professor des Landes- Rabbiner-Seminars ernannt. 0 leuUMon. 0 Am Tage der Erinnerung. Bon Sainuel Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) So hatte damals ei>« neues Leben für ihn begonnen: das Verweilen im Kloster, die christlichen Gottesdienste, das Erlernen unbekannter Wissenschaften. Aber auch ein Kampf hatte in seinem Innern begonnen, zwisch«^ der Baude des Blutes und den Lockungen nnd Annehmlichkeiten seiner neuen Heimat. Einmal, aber auch nur dieses einzige Mal, hatte die Erstere triumphiert. Es waren etwa fünf Jahre nach seiner Flucht aus dem Elternhause versttichen, rlS sich eine unbezwingbare Sehnsucht seiner bemächtigte, über das Befinden seiner Angehörigen etwas Näheres zu erfahren. In sttller, finsterer Nacht war er aus dein Kloster geschlichen und gelangte bald zum Hause seiner Eltern; leise bestieg er eine kleine Leiter, die dort lehnte und schaute in das Zimmer hinein: da saßen sie alle um den kleinen, runden Tisch — der Vater, die Mutter, die Geschwister — essend, trinkend und fröhlich die hebräischen Lieder zu Ehren des Festes singend, als ob sie keinerlei Kummer, keinerlei Herzweh zu beklagen hätten. Ein neidischer, grimmiger Zorn bemächtigte sich seiner — er wurde also garnicht vermißt — er war vergessen, die Lücke wieder ausgefüllt, die zerbrochene Scheibe durch eine >«eue ersetzt. Schweigend stteg er wieder die Leiter hinunter, fest entschlossen, nie wieder.hierher zurückzukehren. — Und da oben drehte sich, wieder.kreischend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.