Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 38 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692511-2692549--03481-2698180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 38 Seite 3. die wir gesetzestreuen Juden in Sachen der Sonntagsruhe mit ruhigem Gewissen erheben können, in ausreichendem Maße zu Gehör bringen konnten. Frankfurt a. M. Die Ausstellung von Kunststickereien in der Israelitischen Realschule findet bei alle» Besuchern lebhafte Anerkennung wegen der Schönheit der von Frau Rabbiner Brauer verfertigten Stücke. Von der Ausstellung sollen 1 Miniatur Sefer Torah, 2 Pvrauches, 10 Sefermäntelchen, 2 orientalische Decken, 2 handgestickte Wandteppiche und 3 Sederkisscn am 15. Oktober verlost werden. Die Lose sind bei Herr» Oberkantor Pesachowitsch, Ostenbstraße 29 und Herrn D. I. Weil, Am Tiergarten 36, sowie auch in der Ausstellung selbst, erhältlich. Da die Familie Brauer mit ihren 7 Kindern sich in bedrängten Verhältnissen besindet, so sei ein Ankauf von Losen dem Publikum doppelt ans Herz gelegt. Berlin. Eine Klage gegen den Steuerfiskus hat der Vorstand der hiesigen Jüdischen Gemeinde angestrengt, weil ihm in einer ErbschastZsache, entgegen der bisherigen Uebung, die beantragte Steuerfreiheit abgelchnt worden ist. Da cs sich um eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung handelt, hat die Repräsentantenvcrsammlung der Klageerhebnng zugestimmt. — In einer anderen Erbschaftssache, betreffend die Haberland-Stiftung für Hilfsbedürftige in Höhe von 92 000 JL. hat die Rcpräsentantenversammlnug den Wünschen der Regierung Rechnung getragen. Der Minister des Innern hatte nämlich, entsprechend dem allgemeinen Bestreben der Staatsbehörden, die Entstehung neuer juristischer Persönlichkeiten tunlichst zu beschränken, die Gemeindeverwaltung ersucht, die Stiftung nicht als selbständig und rechtsfähig, sondern nur als eine der jüdischen Gemeinde unter bestimmten Bedingungen gemachte Zuwendung zu übernehmen, was auch geschehen ist. Die Stiftungsurkunde enthält unter anderem die Bestimmung, daß Personen, die aus dem Haberlandschen Nachlaß etwas erhalten, weder getauft sein, noch in gemischter Ehe leben dürfen. Mannheim. Ein interessantes Urteil hat das Kaufmannsgericht gefällt. In den Diensten einer hiesigen Eisenhandlung, deren beide Inhaber Juden sind, stand zuerst als Reisender, zuletzt als Verkäufer init einem Gehalt von 150 Mark ein junger Mann. Am 12. August nachmittags erging sich dieser im Geschäfte einem Kunden und dem anderen Personale gegenüber in antisemitischen Redensarten. Als die Chefs davon hörten, entließen sie begreiflicherweise sogleich ihren Angestellten mit sofortiger Wirkung. Dieser aber hatte nichts Eiligeres zu tu», als seine Chefs auf die Gehaltszahlung von dem Entlassikngstage bis zum 30. September mit 215 Mark zu verklagen. Nachdeni im ersten Termin der junge Mann zur Zurücknahme seiner Klage nicht zu bewegen war, erfolgte eine weitere Klageablveisung, da das Gericht anerkannte, .daß das Verhalten des Klägers seine Prinzipale zur sofortigen Entlassung berechtigte. München. Die akademischen Ferien neigen sich ihrem Ende zu. Der Beginn des kommenden Semesters bedeutet für Viele den Anfang ihres akademischen Lebens überhaupt. Wenn iin allgemeinen die erste hierbei zu lösende Frage für jeden Studenten die Wahl bcS Nniversitätsortes ist, so werde» jüdische Studenten und deren Eltern doppelte Schwierigkeiten. haben, bis sie sich ruhigen Herzens für die eine oder andere alom mator entscheiden können. Gehören ja nicht bloß die gute Besetzung der Fakultät, die Zahl und Art spezieller Vorlesungen usw. zu den Erwägunge», von denen sich jüdische Studenten bei der Wahl der Universität leiten lassen werden. Neben der Möglichkeit ritueller Kost (die noch keineswegs in allen Universitätsstädten gegeben ist) werden sicherlich auch noch eine Reihe anderer spezifisch jüdischer Momente zu beachten sein. In erster Linie wird der gesetzestreue Vater cs sich angelegen sein lassen, seinen Sohn an einem Orte zu wissen, wo Gelegenheit gegeben ist, neben den akademischen Studien, auch Limmud Tauroh zu pflegen. „Lernen" im altjüdischen Sinne sowohl, als auch gründliche Apologetik als Gegengewicht gegenüber destruktiven, materialistischen und bibelkritischen Tendenzen sind dem jüdischen Akademiker unerläßlich. Erwägungen dieser Art waren es, welche bereits vor einigen Jahren den Zusammenschluß gesetzcstreuer Akademiker an einzelnen Universitäten veranlaßten. Das Bestreben dieser in Berlin, München, Straßburg, Marburg und Heidelberg bestehenden „Bereinigungen jüdischer Akademiker" ist darauf gerichtet, alle gesetzestreuen Akademiker an der betreffenden Universität uiu die Fahne des gesetzestreuen Judentums zu scharen und ihnen dadurch einen gemeinsamen Mittelpunkt zu bieten. Durch Verkehr mit gleichgesinnten, durch gemeinsamen Gedankenaustausch, durch die Gleichheit der Interessen und durch gegenseitige Förderung in den Studien soll sich um die jungen Akademiker ein so inniges Freundschaftsband schlingen, daß sie aneinander einen sicheren Halt haben und sich gegenseitig kräftigen und festigen in der Erreichung der hohen Ideale des traditionellen Judentums. Seit Juli 1906 haben sich die einzelnen Vereinigungen zum „Bunde jüdischer Akademiker" zusammengeschlosseu. Auskünfte erteilt der Bundespräsident stud. med. dent. S. Ehrmann, München, Sternstr. 22. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Schirmeck i. Elf. Die hiesige jüdische Gemeinde kommt durch die Hilfe der Regierung und yer S t a d t zu einer neuen Synagoge. Die jüdische Gemeinde selbst, die nur aus 17 Mitgliedern besteht, hat eine Summe von 1000 JL zum Ban aufgebracht. Die Negierung hat einen Zuschuß von 2000 JL gewährt und die Stadt Schirmeck liefert zum Bau jährlich 500 JL auf 10 Jahre. Das Gotteshaus hofft man im Sommer 1908 seiner Bestimmung übergeben zu können. Oesterreich - Ungarn. Wien. Neues Krankenhaus in Palästina Wie verlautet, will Baron Edmund von Rothschild- Paris in Safed ein großes Krankenhaus erbauen lassen. Budapest. In welch' unverantwortlicher Weise der Vorstand der 185 000 jüdische Seelen zählenden hiesigen jüdischen Gemeinde wirtschaftet, ist bekannt; doch er steht darin nicht vereinzelt, 'denn es gibt heute noch recht viele jüdische Gemeinden, deren Vorstandsmitglieder in gleicher Weise das Judentum zu Grunde wirtschaften. Mer der hiesige Vorstand dürfte in scineni Nivellierungscifer unübertroffen sein: er zerstückelt selbst den heiligsten Tag, den Jaumkippnr, indem er an diesem Tage von 12%—4 Uhr die große Synagoge schließen läßt und die Andächtigen für diese Zeit nach Hanse treibt: wahrscheinlich, damit sie die Jontns-Mahlzcit halten können. Czernowitz. Kundgebung. Die wegen ihrer nationalen Betätigung gemaßregclten Professoren des Radautzcr Gymnasiums Dr. Engel und Lieben, von denen der erstcre strafweise versetzt, der andere ganz vom Amte enthoben wurde, waren am 19. ds. Ms. auf ihrer Durchreise am hiesige» Bahnhofe Gegenstand lebhafter Ovationen. Sic wurden von sämtlichen jüdischen Verbindnugen erwartet, in deren Namen cand. jnr. Stecher eine Ansprache hielt, für die Prof. E » g e l in warmen Worten dankte. Großbritannien. London. Aufsehen erregt ein hierher gelangtes offenes Schreiben des Rabbiners von Minsk. Dieser Brief lautet: „Unsere letzten Hoffnungen auf bessere Zeiten sind nun verschwunden, unser Los hat sich noch verschlimmert, ja, es ist fast unerträglich geworden. Ilm Neujahrstage wird uns verwehrt, unser Haus zu verlassen und das Bethaus aufzusnchcn; auch am Bersöhnnngstage sind wir an unsere Schwelle gefesselt. Unsere tüchtigsten Söhne und Töchter sind entweder im Kerker oder in Sibirien. Wie glücklich seid Ihr zu preisen, daß cs Euch vergönnt ist, in einem freien Lande zu leben! An tuen sollen wir uns aber um Hilfe wenden? Zu wem sollen wir flehen, daß er sich unser annehme? Wir sind elend und verlassen! Aber Ihr, im freien England könnt Euch an die guten, gläubigen Christen wenden, damit sie für uns ihre Stimme erheben! Bemüht Euch Euer erlauchtes Königshaus, welches durch seine» Edelmut bekannt ist, auf unser Schicksal aufmerksam zu machen. Ein Wort aus ihrem Munde würde die Herzen von Millionen unserem unglücklichen Volke zuwenden. Möge Gott walten, daß die mächtige und furchtlose englische Presse sich unser annehmc und auch uns Gerechtigkeit verschaffe!" „Neue National - Zeitung." London. Legate. Der am 31. Juli im 87. Lebensjahre verstorbene Samuel Vallenti n e hat 22 000 Lstr. (150 000 JL) hiesigen interkonfessionellen und jüdischen Wohltütigkeitsanstalten hinterlassen. Personalien. Berlin. Im fast vollendeten 80. Lebensjahre verschied der Chef der Getreide- und Banksirma Müller & Heitmann, Herr M oritz H e i l m a n n. Der Verstorbene gehörte lange Jahre der Stadtverordnetenversammlung und der Repräsentanz der israel. Gemeinde an. Berlin. In hohem Alter verschied der hiesige japanische Konsul Karl W o l f f s o h n. Berlin. Dr. I Bkeichröder. Aiflüent am städtischen Krankenhause in der Gitschinerstraße wurde zum interimistischen Direktor dieser Anstalt ernannt. — Professor Dr. Ludwig Borchardt in Kairo ist zum D i r e E t o r des dortigen deutschen I n - stituts für egyptischc Altertumskunde ernannt worden. Hannover. Für das eingemeindete Wüllel wurde Kaufmann G u st. R e n b c r g zum B ü rgerv o r st e h e r gewählt. Posen. Die Wahl des Kaufmanns Breslauer zum M a g i st r a t s m i t g l i e d e ist von der Regierung bestätigt worden. Dresden. Ter 98 jährige frühere Arzt Dr. W. Mattersdorf, früher in Glogau wohnhaft, feierte sein 70 j ä h r i g e s D o k t o r j u b i l ä n m. Mülhansen i. Elf. Die Markus B a um a n n' s ch e n Eheleute feierten die goldene Hochzeit, aus welchem Anlaß sie mit der goldenen Ehejubiläumsmedaille bedacht wurden. Hagenau. Dcm Kaufmann Arthur Mach wurde der Kronenorden 4.j£lasse verliehen. Wien. Dem Gymnasialproicpor und llniversiiäts- Privatdozenten Dr. W i lh e l m I er u s al em wurde anläßlich seiner Pensionierung der Titel Re gierungsrat verliehen. New-Nork. Im Alter von 70 Jahren verschied der Seniorchef der Firma G. «chamberg L Co., Gustav S ch a m b e r g. Der Tod des Philanthropen und Multimillionärs Randolph Guggenheimcr's hat die New Parker Judenheit um eine ihrer bekanntesten Persönlichkeiten beraubt. Er war erst vor wenigen Tagen in bester Gesundheit von Europa zurückgekehrt, und der plötzliche Tod des noch nicht Sechzigjährigen hat deshalb allgemein Bestürzung hervorgerufen. Guggenhcimer war ein angesehener Advokat und eine der ersten Persönlichkeit der New Parker Schulverwaltung. 1897 wurde er zum Vorsitzenden des Stadtrates gewählt und amtierte in Abwesenheit des Bürgermeisters van Wyck 1897—1901 als Bürgermeister von New Pork. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedi'ion des Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalsonds ein: Familie 2. H. Goldmann gratuliert zur Verlobung Wolpe—Kristjanpoller 0,50 Jk Paul Landauer 5, „ Louis Lippstadt für einen Oelbaum im Herzlwatde 6,- .. Hermann Erteschick 0,80 „ Im Hause des Herrn Abraham Inda Dsalozinsky am Jomkippur anläßlich des Ausrufcns zur Thora S. Feldstein 1 - „ I. Eisikmann 0,75 „ M. Kahn 0,50 „ I. Bergmann 0,50 „ Besserglück 0,50 „ Großmann 0,50 „ Magulies 0,50 „ M. Dsalozinsky 0,30 „ Köln a. Rh. Mitteilungen des zionist. Z e n t r a l b u r e a u. Köln, im September 1907. Rundschreiben an die Föderationen. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! In unserem Aufrufe haben wir darauf hingewiesen, daß wir die vom Kongresse beschlossene Neugestaltung der Leitung als den Ausdruck seines Willens betrachten, das Engere Aktionskomitee in den Stand zu setzen, die Geschäfte der zionistischen Organisation einheitlich, schnell und sicher zu erledigen. Wir rechnen damit, daß unsere Gesinnungsgenossen in aller Welt uns in nnserm Bemühen, dem Vertrauen des Kongresses gerecht zu werden, tatkräftigst und nach bestem Können unterstützen werden. JnsbesonderezählenwirausdieMitarbeit d e r L a n d e-s o r g a n i s a t i o n e n, von denen wir erwarten, daß sie ihre ganze Kraft darein setzen werden, die Leitung in jeder Weise zu unterstützen. In deni engen und verständnisvollen Zusammenarbeiten der Leitung niit den Landsmannschaften sehen wir eine der ersten Bedingungen für einen gedeihlichen Erfolg unserer Bemühungen. Darum werden wir bestrebt sein, die Arbeit der Landesorganisationen durch die reichliche Erteilung von Informationen und Anregungen, durch Mitteilungen über den Stand der Bewegung und die Unterstützung der Propaganda zu fördern. Anderseits aber erwarten wir auch von den Landsmannschaften, daß sie begreifen, daß nur aus einem beiderseitigen Zusammenwirken ein ersprießliches Arbeiten resultieren kann. Wir müssen fortwährend und vor allen anderen über alles Wissenstverte aus dem Bereiche der Landesorganisationcn unterrichtet werden. In allen Fragen, die die Landesorgauisationen nicht allein entscheiden können oder wollen, bitten wir, bei uns Rat einzuholen und uns jederzeit alle Erfahrungen und Anregungen schnellstens zu übermitteln. Nichts aus dem zionistischen Leben ist zu gering, als daß es für die Leitung keinen Wert hätte. Es wird sich empfehlen, daß jede Landesorganisation eine besondere Institution einrichte, die den Auftrag hat, uns regelmäßig wöchentlich oder mindestens halbmonatlich Auskunft und Nachrichten über den Stand der zionistischen Organisation in den betreffenden Ländern, über alle zio - n i st i s ch e n Veranstaltungen, wie überhaupt über alles Bemerkenswerte auf zionistischem Gebiete Mitteilung zu mache n. Auch dürfte es praktisch sein, uns jedesmal eine Abschrift der Protokolle der Vorstandssitzungen der Landesorgauisationen zu geben. Die Vereine sind zu ersuchen, uns unterallcn ll m st ä n d e n wenigstens eine kurze Mitteilung über jede von ihnen veranstaltete Versammlung usw. allerschnellstens zu übermitteln. Abgesehen von dem allgemeinen Werte eines solchen Nachrichtendienstes sind uns derartige Notizen, wenn sie schnellan uns gelangen, geradezu unentbehrlich zur Ausgestaltung des Nachrichtendienstes unserer Zentraloraane, die allgemein gewünscht wurde und mit der wir