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Neue jüdische Presse · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 34. Weigerung -er nationalen Anerkennung in viel größerem Maße unsere Lakaien, all unsere „Moschkes" des „Majofis" Geschlechtes, die vor den anderen beständig auf dem Bauche kriechen und sich wegen ein paar abgefallener Brocken verleugnen... Mein die Zeit des Geschlechtes der Wüste ist bald herum, und sobald das „Daur Hamidbor" nicht mehr ist und ein neues selbstbewußtes Geschlecht aufgestanden ist, wird es niemandem mehr cinsallen können, uns das nationale Recht abzusprcchcn. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Nachstehender Aufruf ist uns zur Veröffentlichung zugegangen: Aufruf zur Gründung eines Verbandes gcsetzestrcuer Jugendvereinc. In unserer auf technischem Gebiete so fortgeschrittenen Zeit, wo durch moderne Bcrkehrseinrichtungen die entlegensten Städte miteinander verbunden und Fernwohnende einander nähergcbracht werden, macht sich auf allen Gebieten das Bestreben bemerkbar, über die so räumlich nähcrgcrückten auch geistige Bande zu schließen, um mit vereinten Krästen den gemeinsamen Zielen zuznstreben. So sind in den letzten Dezennien große Verbände im Judentum für allgemeine jiidische Interessen entstanden und zu großen Machtfaktoren geworden. Aber auch in gesetzestreue» Kreisen hat sich — erfreulicherweise — die Erkenntnis immer mehr Bahn gebrochen, daß wir unsere, meist gesondert wirkenden, Kräfte durch engen und festen Zusammenschluß einen und stärken müssen. In dieser Erkenntnis haben sich vor noch nicht langer Zeit die „Freie Vereinigung", der „Verband der Sabbatfreunde", der „Bund jüdischer Akadenriker" u. a. gebildet. Besonders die Erfolge des Verbandes der akademischen Jugend hat auch bei vielen gesetzestrcuen jungen Kaufleute» den Wunsch immer lauter werden lassen, durch Zusammenschluß aller gesetzcstreuen Jugendvereinc — gleichviel, welchen Namen sie tragen wie Mekor Chajiin, Lcschaun Linrudim, Montesiore usw. — eine wirksame Organisation zu schaffen. Was bezwecken nun unsere Jugendvereinc und welche Ziele soll im Besonderen eine Vereinigung dieser Vereine zu erstreben suchen? Wir alle wissen cs, daß unsere Jugend, wenn sie — unerfahren — ins Leben hinaustritt, sich 'nur allzuleicht vom Zeitstrome sortrcißen und sich bei dem heute immer schärfer werdende» Wirtschaftskampse einzig und allein von materiellen Vorteilen leiten läßt. Wie oft sind es nicht Söhne frommer Eltern, die, nachdem sie kaum das Elternhaus verlassen, draußen in der Fremde die überlieferten Ideale über Bord werfen und unser heiliges Religionsgcsetz wie einen lästigen Mantel von sich schütteln? Um den jüdischen Jüngling, der zumeist in fremden, andersdenkenden Kreisen lebt, der tagsüber durch das Streben nach materiellen Gütern voll und ganz in Anspruch genommen und oftmals durch falsche Freunde auf falsche Bahnen geführt wird, wieder zum wahren, echtjüdisch denkenden und lebenden Juden zu machen, haben sich allerorts Jugendvereinc gegründet, die sich bestreben, unsere Jugend zusammenzuschließen, damit sie ihre Mußestunden im Kreise von Gleichgesinnten mit jüdischer Geselligkeit verbringt, damit in ihr jüdische Lebcusideale geweckt und sic vor allem durch Lernabende und Vorträge mit jüdischen Geistesschätzcn ansgestattet wird. Denn nur im Thoralernen wurzelt die Gewähr für die treue Erfüllung unserer Gottcsgebote. Wir müsse» unsere Jugend mit dem Gcdankeninhalt unserer göttlichen Lehre durchdringen und ihr eine gefestigte Lebensanschauung geben. Hat der jüdische Jüngling erst jüdisch zu denken und fühlen begonnen, dann wird er draußen auf dem Kampfplatz des Lebens durch reiches Wissen gestärkt als treuer Sohn unseres Volkes wirken. Ein Verband all dieser Vereine will nun bezwecken, diesen die ihnen gebührende Stellung zu verschaffen. Vielfach — besonders in Großstädten — sind -diese Lernvereinc recht wenig bekannt und finden nicht genügende Beachtung. In kleineren Städten sind oft selbst orthodoxe Kreise gegen Gründung solcher Vereine, da diese ihnen keine Lebensdauer zu weissagen vermögen. Bei einem großen Verbände wirkt.schon das Bewußtsein, daß gleiche Vereine an anderen Orten mit ihm Hand in Hand gehen, auf jeden Verein anregend und ernnitigend. Unsere Aufgabe wäre es, unsere Lehrpläne, Jahresberichte usw., vor allein aber unsere Erfahrungen ständig gegenseitig auszutauschen, wodurch wir stets wieder neue Anregungen empfangen würden. Der Verband müßte besonders das Interesse und die Mitwirkung der geistigen Führer und jüdischen Gemeindekreise zu gewinnen suchen, damit diese daraus hinwirken, daß vor allem die schulentlassene Jugend, sowie sämtliche religiösen junge» Leute sich unseren Bestrebungen anschließcn. In Städten, wo das Bedürfnis nach Lernvereincn vorhanden ist nnd nur die geeignete Initiative hierzu fehlt, müßten wir einen solchen Verein zu gründen suche». Bei dein häufigen Wechsel, der uns Kaufleute oft von einer Stadt zur anderen führt, müßte der Verband dafür Sorge tragen, daß wir überall in den bcftcundeten Vereinen warme Aufnahme finden und uns Tn den neuen Kreisen bald heimisch fühlen. Es eröffnet sich für einen Verband ein iveites Feld der Betätigung, wovon Ivir hier nur einige Andeutungen geben wollten. Es wird uns mit Gottes Hülfe durch vereinte Kraft" gelingen, die Beachtung mrd die Mithülse aller orthodoxen Kreise zu erringen. Ist es ja von größtem Werte, wenn wir cs erreichen, unsere Jugend, die ja die Zukunft unseres Volkes darstellt, in immer weiterem Maße zu treuen Erben unserer heiligen Ueberlieferung zu machen. Ein jeder von uns wird dann wetteifern, auch nach Junen hin seinen Verein auszubauen, damit der Gesamtkörpcr eine Lebenskraft erhält, die ihn befähigt, mutig und siegesgewiß auf dem Wege sortzuschreiteu. Alle Vereine, die obige Ziele verfolgen, bitten wir höslichst ihre Druckschriften (wie Statuten, Lehrpläne, Bibliothekskataloge, Jahresberichte usw.) än Herrn Edmund Lewy, Berlin kl., Auguststr. 84 einzusendcn und möglichst eingehend nähere Vorschläge zu machen, in welcher Weise der Verband zu wirken hätte. Edmund Lewy, Vorsitzender des Aiontefiore-Vercins Berlin. Isidor Isaak, Vorsitzender des Mekor-Chajiin-Vereins Hamburg. Marius Hirsch, , Vorsitzender d. Mekor-Chajim-Vereins Frankfurt a. M. H c r ma un Goldschmidt, Bors. d. Tiphereth-Bachurim-Vcrcins Frankfurt a. M. G a b r i e l R a t h a u s e n , Vorsitzender des Mekor-Chajiui-Vercins Leipzig. Elias Rzcszewski, Vorsitzender des Leschann-Limmudim-Bcreins Posen. Benjamin Wolfs, Vorsitzender d. Vereins Chewras Bachurim Nürnberg. Kassel. Stiftungen. Der am vorigen Montag in Höringhausen zu Grabe getragene Kausman» Lazarus vermachte dem hiesigen isr. Waisenhaus 20000 JL und der christlichen und der israelitischen Gemeinde zu Höringhausen je 6000 JL Oesterreich-Ungar«. Eibeukchütz (Mähren). EinMillionen-Legat Der im vorigen Jahre in Wien verstorbene Elsan S. Steiner hat die hiesige israelitische Kultusgcmeinde zum Ztvecke der Errichtung einer Knltus- Humanitäts- und llnterrichtsstiftung zur Univcrsalerbin seines 1 Will. Kronen betragenden Vermögens eingesetzt. Nemes-Szalok. Eine Gemeinde, die den Rabbiner für einen Luxusartikel hält, scheint die hiesige Geiveinde zu sein. Die Gemeinde hielt jüngst eine Bcriammlung ab, um die Rabbinerwahl vorzunehmen, konnte sich jedoch auf keinen der Bewerber einigen und beschloß deshalb, die Angelegenheit bis Ende nächsten Jahres zu verschieben. Schweiz. Basel. Ein „Verein zur Förderung des gesetzestrcuen Judentums in der Schwei z" ist hier gegründet worden. Dem Verein soll die Einmischung in Gemeinde-Angelegenheiten ferne liegen, er will die Förderung des orthodoxen Judentums nur auf friedlichem Wege erreichen. Der Verein stellt sich zur Ausgabe, die Kenntnis der Thora zu fördern, die Sabbatheiligung zu verbreiten, rituelle Speischäuser und Tauchbäder zu 'errichten, junge Leute, die sich dem Lehr- und 'Rabbinerberufe widmen wollen, zu unterstützen. Der Mitgliederbcitrag jst Fr. 3.— per Jahr. Alle Jahre findet ein Verciustag statt, der zur allgcmciucn Anssprache der Gleichgesinnten dienen soll. Personalien. Berlin. Der Sohn des Landtagsabgeordnetcn Justizrats Dr. Cassel ist zum Leutnant der Reserve befördert worden. Sanitätsrat Dr. Maretzki, der langjährige Großpräsidcnt des deutschen Distriktes des v. 0. L. B„ erhielt den Charakter eines Geheimen Sanit ä t s r a t s. Der Arzt Dr. Ludwig Friedländerwurde von der Straßenbahn überfahren und starb bald darauf. Berlin. Der Generalsekretär des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft, Professor Dr. phil. et jur. Alfred M a n e s, ist zum Offizier der Academie Franyaise ernannt' worden. - Den Charakter als Sanitätsrat erhielten die Aerzte: Dr. Isaak K a m n i tz e r - Menstein, Dr. Jaques Ocstreicher, Dr. Pank Mannheim, Dr. Philipp Sternbcrg, Dr. Abraham W c y l - Berlin, Dr. CamillWolf f-Finsterwalde, Dr. Samuel Ritter -Breslau, Dr. Hermann Selig- Dortmund und Dr. M o r i tz Stern- Eschwege. Berlin. Dr. Heinrich Simon. Bibliothekar an der Königl. Universitätsbibliothek, erhielt den Tttel Professor. Erfurt. Herrn Otto Bibo, einem Veteran der Kriege 1866 und 1870/71 und Inhaber des Eisernen Kreuzes, wurde die Rote-Kreuzmcdaille 3. Klasse verliehen. — Mit derselben Auszeichnung wurde der Bariton Alexander Hey mann-Berlin bedacht. Siegbnrg. Sanitätsrat Dr. Levtson, der als Militärarzt die Kriege 1866 und 1870/71 mitgcmacht hat und seit vielen Jahren Stadtverordneter und stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde ist, erhielt anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums den Charakter eines Geheimen Sani« tätsrats. Danzig. Sanitätsrat Dr. Abraham Wallenberg erhielt den Charakter eines . Geheimen Sanitätsrats. Paris. Der 3bjährige vr. meä. Baron Henri de Rothschild, ein Mitglied der Londoner Linie und vermählt init Mathilde von Weisweiler, hat sich mit dem Kriegs- und dem Marineministerium in Verbindung gesetzt, um in Tanger eine ärztliche Ambulanz zu organisieren, welche die Verwundeten von Casablanca aiifnehmen wird. Dr. Baron Rothschild, der die Kosten dieser Samariteraktion trägt, hat sich bereits nach Spanien begebe», um alle nötigen Vorkehrungen zu treffen. Sobald er die nötigen Verbindungen mit den Behörden iii Tanger angeknüpft haben wird, soll ihm fein Personal folgen. New-Nork. Zum Bürgern, ei st er von D u n k i r k (N. 9).) wurde Herr MYcr Einstein gewählt. Aus der zionistische« Bewegung. Wie«. Unter der Ueberschrift »Eindrücke vom 8. Z i o n i st e n k o n g r e ß schreibt Dr. S. R. L a n d a n in seiner „Neuen National - Zeitung".: „Israel Z a n g w i l l, der am 1. Kongresse Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit war, der greise Professor M a n d e l st a m m aus Kieiv und der temperamentvolle Advokat I a s i u o w s k i aus Warschau sind ' nebst anderen Territorialisten diesmal ausgeblicben. Die alte Wiener Garde: Dr. Schnircr, der Begründer der „Kadimah", Dr. Kahn und Baurat M a r m o r c k, einst Herzls Kronprinz gegcuaiint, hat der jüngeren Generation den Schauplatz geräumt; sie dürsten schwerlich in das Aktionskomitee wicdcrgewählt werden. Die Kerntruppe der zionistischen Parteileitung ist unverändert geblieben. Da sehen wir MaxNord a u aus Paris, dessen Rede auf jedem Kongreß eine great attractiou bildet, Chief-Rabbi Dr. G a st e r und Herbert Bentwich, Carrister aus London, den stämmigen Ingenieur llssischkin, Dr. Tschlen o w und Dr. M o tz k i u aus Rußland, Dr. Salz, Dr. Brande, Abgeordneter Stand aus Galizie», Assessor F r i e d e m a n n aus Wiesbaden, P i n e l e s ans Rumänien, alles Individualitäten von erprobter zionistischer Gesinnung. Dazu kommt nun eine Schar neuer Männer, die erst auf den späteren Kongressen nach und nach zum Vorschein kamen, Professor Marburg und Dr. N o s s i g aus Berlin, Freunde der großzügigen Kolonisation in Palästina, Dr. Fränkcl aus Kopenhagen, die Professoren Schlocssingcr und M arg „lies aus Cincinnatti, die wegen ihrer zionistischen Gesinnung das dortige Rabbinerseminar verlassen haben, Dr. Bruck, Dr. L e w i n, Dr. K a tz c ii e l l e n s o h n und Dr. R o s e n b a u m, die vier zionistischen Exdeputierten der ersten Duma, Dr. Gabel Und Dozent Dr. Mahler, die Mitglieder des jüdischen Klubs im österreichischen Parlament usw., eine stattliche Reihe von Männern, die jedem internationalen Kongresse zur Ehre gereichen würden." , Landau streift dann die Künstler Hermann Struck und Professor Schatz, die Publizisten Ruben Brainin und Säiulem-Alejchcm, dessen jüngste Novelle „Der Mabel" (Die Sintslut) von der Wochenschrift „Harpcrs Weekly" in Newyork um 3000 Dollars angekanft wurde, die weibliche Delegierte Miß Karmel Goldsmid, die Tochter des verstorbenen Zionisten Oberst Albert Goldsmid, und den Studenten Robert Gutmann aus Prag, der zum 3. Male die Reise zum Kongreß zu Fuß zurückgelegt hat. Zum Schluß geht Landau auf das Sachliche des Kongresses ein; er sieht in dem Kongreß den ersten Kongreß der Wirklichkeit, den ersten Kongreß, der die Verwirklichung der zionistischen Idee unsichtbaren rätselhaften Händen entwand und in die Hände des Volkes legte. A«s der Lehrerwett. Würzburg. Der Israel. Lehrerderrin für das Königreich Bayern zählt 183 ordentliche nnd 6030 außerordentliche Mitglieder nrit 3786 Mark Jahresbeiträgen. An Spenden nnd Geschenken gingen 4700 JL ein. Das Gesamtvermögen beträgt 120000 JL An 31 Pensionäre wurden 7300 JL ausbezahlt. Zufolge Beschlusses der Generalversammlung wurde die Pensionsquote von 140 auf 200 JL pro Jahr erhöht.

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