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Neue jüdische Presse · 1907-08-23 · Heft 33 (23.8.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 33 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. frankfurter Israelitische« familtenLlatt. Nr. 33. In-der Debatte komnit es bezüglich der Frage der >L>tatuten-Aendernng und der Weiterführung des Prozesses zu stürmischen Scenen. Man machte den Direktoren der Bank znm Vorwurfe, daß sie die Aktion nicht mit der erforderlichen Energie unternommen hätten. Nach heftigen Debatten gelangte schließlich ein Antrag zur Annahme, demzufolge der Kongreß denk Aktionskomitee empfiehlt, die Durchführung der Abänderung nach Möglichkeit anzustreben, und ihm zu diesem Avecke eineil Beirat von, 3 «Sachverständigen zur Seite stellt. Hierauf erstatteteDr. Schmarsahu Lewin- Wilna, der soeben von einer längeren Reise aus Palästina zurückgckehrt ist, ein Referat über die nationale Erziehung in Palästina. Er bezeichnete es als eine traurige Tatsache, daß in Palästina die jüdischen Kinder infolge des Mangels an jüdischen Schulen gezwungen sind, die Schulen fremder Missionare zu besuchen. Wenn wir von Palästina sprechen, müssen wir in erster Linie darnach trachten, daß die 90000 Juden, die dort wohnen, dem Lande und uns erhalten bleiben. Die bisher dort bestehenden jüdischen Unterrichtsanstalten sind aber durchweg dieser Seite ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Sie haben es nicht verstanden, und zum großen Teile auch nicht gewollt, ihren Schülern die Anhänglichkeit an ihr Heimatsland einzuimpfen und haben sie noch unterstützt, wenn sie nach Amerika, Canada oder Australien ausgewandert sind, um dort vielleicht der öffentlichen Wohltätigkeit anheimzufallen. Ein ganz anderes Bild bieten die jüdischen Kolonien. Dort wird wirklich eine neue Generation heranerzogcn. Die Unterrichtssprache ist die hebräische n»d zwar wird sie nicht gelehrt wie eine fremde Sprache, sondern die hebräische Sprache lebt wirklich im Munde der jungen palästinensischen Generation. Die hebräische Sprache ist auf das beste geeignet, in Palästina, wo es eine herrschende Nation nicht giebt, die Rolle eine: Vermittlungssprache zu spielen. In jeder Hinsicht beruht die jüdisch-nationale Erziehung in Palästina auf der hebräischen Sprache, und wenn wir Zionisten unsere Aufgabe nicht begreifen, so wird die Entwicklung ohne uns vonstatten gehen. Wir verfügen in Palästina über viele begeisterte Kräfte, insbesondere Lehrkräfte. Aber es fehlt an einer Organisation. Es existieren nicht einmal Lehrbücher für die Lehrer und sie sind gezwungen, alles aus eigener Kraft zu schaffen. Wir müssen es durchsetzen können, daß alle jüdischen Eltern in Palässina ihre Kinder im Lande mit europäischer Bildung erziehen können. Wir müssen danach streben, die palästinensischen Juden zu dauernden wirklichen Juden zu machen, mit denen wir für alle Generationen rechnen können. Alle übrigen Juden könnten uns verloren gehen, die Juden in Palästina aber müssen unser Zentrum bleiben. Dem ausgezeichneten äußerst wirkungsvoll vorgetragenen Referate folgte stürmischer .Beifall. Hierauf sprach N. Sokolow, Köln über nationale Erziehung in der Diaspora und stellte den Antrag, die hebräische L-prachc als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung, als Nedc- und Schriftsprache der leitenden Stellen der Kongresse und Konferenzen anzuerkennen und cinzuführen. Hierbei wird es der Organisation anheimgcstellt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung zu bedienen. Tie Königin der Niederlande hat dem Kongresse für die ihr dargcbrachte Huldigung telegraphisch ihren herzlichen Dank aussprechenlassen. Montag, B o r m i t t a g s s i tz u n g. Ihren Höhepunkt erreichten die Debatten in der Sitzung am Montag, in der diePalästinafrageu zur Diskussion standen. In einer den ganzen Tag ausfüllenden Aussprache kamen die Gegensätze, die mit Bezug auf die praktische Arbeit der zionistischen -Organisation in .Palästina einerseits und ihrem Charakter als politische Bewegung andererseits seit Jahren innerhalb der Bewegung bestehen, zu einem teilweise hoch dramatischen Ausdruck. Beide Seiten schickten ihre besten Vertreter vor. Den Beginn machte der Referent des Palästinaausschusscs B ö h m, der die Anträge des Ausschusses in längerer Rede begründete. Danach soll innerhalb der Leitung ein besonderes Palästinaressort geschaffen werden, dem ein in Palästina befindliches aus besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt werden soll. 2ä°/o sämtlicher Einnahmen der Organisation sollen diesem Palästinaressort zur Verfügung gestellt werden. Das Palästinaressort und das Direktorium der jüdischen Kolonialbank sollen beauftragt werden, umgehend ein Jnstitilt für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Ein weiterer Antrag.beauftragt das Palästinaressort, die Frage der Siedelungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und den palästinensischen Bildungsanstalten seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fond zu schaffen. Die Debatte war vorläufig eine prinzipielle, die einzelnen Anträge sollen morgen in der Spezialdebatte zur Erörterung gelangen. Der erste Diskussionsredner, Mr. Cowen, Lond o n, betonte init Nachdruck den politischen Charakter der Bewegung, die nicht zu einer Wohltätigkeitsgescllschaft für praktische Kleinarbeit in Palästina hinabsinken dürfe. Wir dürfen die Einwanderung nach Palästina nicht ermuntern, solange wir nicht die öffentlich rechtlichen Sicherheiten haben, deren Erlangung der eigentliche Zweck unserer Bewegung ist. Dagegen müssen tvir mit Nachdruck für die kulturelle Hebung der schon in Palästina befindlichen Volksgenossen Sorge tragen. Das einseitige Betonen der praktischen Arbeit und die Intoleranz der Anhänger dieser Richtung hat uns vorzügliche Kräfte aus dem Zionismus hinausgetrieben, und wir sollten uns lieber bemühen, sie wieder für uns zu gewinnen, statt sie durch unsere Einseitigkeit für ewige Zeiten von uns zu trennen. j Davis Trietsch, Jaffa, vertrat in eindrucksvoller Rede den Standpunkt, daß praktische Arbeit in Palästina die Vorbedingung der Erlangung politischer Rechte sei. Gegenüber der Behauptung der Gegenseite, daß die sogenannten praktischen Zionisten von der politischen Arbeit des Zionismus nicht viel wissen wollten, vertrat er die Meinung, daß gerade von der anderen Seite die politischen Möglichkeiten nicht genügend erkannt und ausgenutzt worden wären! Greenberg, London, bezeichnete sich als den ersten Zionisten, der für praktische Arbeit in Palästina eingetreten sei. Allerdings müsse diese Arbeit möglichst praktisch sein und dürfe nicht in fantastischen Unternehmungen ausarten. Das Mißtrauen der „praktischen Zionisten" mache der Leitung eine politische Arbeit fast unmöglich. Der letzte Redner der Vormittagssitznng, Re v. Ga st er, ..erklärte, daß ein prinzipieller Gegensatz zwischen praktischem und politischem Zionismus weder bestehe noch zu bestehen brauche. Montag, N a ch m i t t a g s s i tz u n g. In der Nachmittagssitzung hielt Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Sofia, ein Referat über Fragen der nationalen Erziehung in der Diaspora. Er verlangte, daß insbesondere die jüdischen Lehrer mehr national beeinflußt würden, um die Erziehung der Jugend in dem Sinne zu leiten. Hierauf wurde zur Wahl von 9 Geueralrednern für die Palästinadebattc geschritten. Der erste Generalredner, Scheinkin -Jaffa, verlangte im Namen der palästinensischen Zionisten und Juden eine lebhafte Anteilnahme des Zionismus an der jüdischen Erschließung Palästinas. Aber unsere Arbeiten müssen wirklich praktische sein und dürfen nicht vom grünen Tische aus geleitet werden. Es ist unbedingt notwendig, daß unsere Führer und die wohlhabenden Zionisten sich materiell an der Ausschließung Palästinas beteiligen, sonst kann das Volk kein Vertrauen zu Ihnen haben. Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler sprach namens der niehr politischen Richtung. Wir. dürfen die Ideen des großen Herzl, daß die Judcnfrage nur politisch zu lösen ist, nicht aufgeben. Es gibt keinen Gegensatz zwischen praktischer Arbeit und politischc.n Zionismus, wenn die Arbeit wirklich praktisch und der Zionismus wirklich politisch ist. Reichsratsabgeordneter Dr. Stand: Der praktische Zionismus ist das Mittel und der politische der Zweck. Wir werden zum politischen Zionismus nur kommen, wenn wir das Mittel zum Praktischen Zionismus 'anwenden. Praktischer Zionismus ist das primäre, der politische das sekundäre. Ich bin für die Unterstützung der Palästinakommission in. jeder Hinsicht. Unsere Bank soll nicht die letzte in London, sondern die erste in Jaffa sein. Ohne praktische Arbeit tvird die Bewegung zurückgehen. Dr. Mozkin: Niemals hat der politische Zionisnius versprochen, daß er sein Ziel in den nächsten Tagen erreichen könne. Wir dürfen die große Idee des politischen Zionismus, die allein bas Neue und Gewaltige unserer Bewegung darstellt, nicht aufgeben, weil wir ungeduldig werden. Wir dürfen unsere realen Machtfaktoren, Nationalfond und Bank, nicht aus - Händen geben, um praktisch Arbeit zu treiben, weil wir uns damit des einzigen Faktors begeben, der uns reale Bedeutung gibt. Solange wir die gesetzlichen Garantieen nicht haben, solange dürfen wir nicht an die Verwirklichung des Zionismus schreiten. Dr. Marmorek-Paris: Wir sind in Gefahr, in die kleinliche Ghettopolitik zurückzufallen, aus der uns Herzl herausgerissen hat. Wir müssen große Politik treiben, aber es icheint, daß wir noch nicht verstehen, Politiker zu sein. Wenn die praktischen Zionisten ihre Arbeit zu einer politischen erklären, verschiffen sie ihre Ware unter einer falschen Flagge. Die Macht des Geldes muß uns zur Verfügung gestellt werden, die ganze jüdische Nation mnß hinter uns stehen. Darum dürfen wir nicht diejenigen von uns treiben, die nicht mit uns einer Meinung sind. Die einzige Rettung des Judentunis ''ist der politische Zionismus. Dr. Weizmann - Manchester: Allerdings, wenn das jüdische Volk will, werden wir den Charter haben. Solange das 'jüdische Volk aber nicht will, müssen wir seinen Willen wachrufen, und das werben wir nicht erreichen, wenn wir ihm nur sagen, wir können den Charter erlangen. Auch die Machthaber der politischen Welt werde» unsere Resolutionen solange nur sympathisch aufnehmcn, als sie nicht sehen werden, daß wir im Stande sind, Palästina zu besitzen. Der politische Zionismus muß eine Synthese zwischen praktischer Arbeit in Palästina und de» Bemühungen darstellen, die Judensrage zu einer internationalen zu machen. Die mit großem Ernst geführte Debatte wurde vom Kongresse mit lebhafter Anteilnahme verfolgt. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüd. Nakionalsoiids gingen ein: N. N. (Sammlung.) Markus u. Katz Restaurant Salomon Restaurant Falk M. Speyer Geldsendungen sind zu Hamburger, Grünestraße 29. 13,20 JL 210 , 1/ „ 0,61 „ 1'22 18,16 JL adressieren an David Bei der Gefchäftsstelle des Jsr. Familienblatt gingen für den Nationalfonds ein: Oelbaumspende für Leo Kohn an seiner Barmizwoh von Frau Anna Jacobsohn geb. Grünblatt, Ottoshoop 6,— JL Nuss. Seminar für einen Herzlbaum 6,— „ 12,— JL Frl. Johanna Fränkei, Sandweg 16, Marken und Staniolpapier. Frankfurt a. M. Die .Verbindung Häsin o n ae a im K. Z. V.", Berlin, ersucht uns um Aufnahme des nachfolgenden Aufrufes: An die zionistischen Ortsgruppen und Vertrauensmänner! Im Namen des Kartells zionistischer Verbindungen (Hasmonaea-Berlin, Jordania-München, Jvria-Frciburg) richtet Unterzeichnete an die Ortsgruppen und Vertrauensmänner die dringende Aufforderung, an untenstehende Adresse die Namen und näheren Angaben von jüdischen Akademikern und Abiturienten zu richten, welche im kommenden Semester die Universitäten Berlin, München oder Freiburg zu beziehen gedenken. Wir erlauben uns, hierbei auf den Beschluß des Hannoverschen Delegiertentages hinzuweisen, welcher den zionistischen Organisationen zur Pflicht macht, das Kartell zionistischer Verbindungen, als der offiziellen Vertretung der zionistischen Studentenschaft Deutschlands, nach Kräften zu unterstützen. Mit zion. student. Gruß ^>e b. t. dem K. Z. V. präsidierende Verbindung „Hasmonaea", I. A.: Hans Levy, cand. jur., Berlin NW., Klopstockstr. 9. Haaa» Spenden. Herr M o s e r - Bredford spendete -für-den Bezalel 10,000 Francs, sowie für das G y m n a s i u m i» I a f f a 80,000 Francs unter der Bedingung, daß dasselbe zum Andenken an Herzl „Herzl-Gymnasium" genannt wird.. Haag. Der Kongreß ist Mittwoch Abend 7'/, Uhr geschlossen worden. Wolsfsohn, Marburg und .Hann lvurden ins Präsidium gewählt. Storozynetz lBukowina). Der Arbeiterverein „Poale Zion" veranstaltete Samstag, den '17. August, im Saale des Hotel Central eine Volksversammlung, die sehr gut besucht war. Die Versammlung setzte sich größtenteils aus der jüdischen Arbeiterklasse zusammen, lieber das Thema, das den Titel führte: „Die historische Bedeutung des VIII. Zionistenkongrcß", referierte Gesinnungsgenosse S. H o r o w i tz aus Czcrnowitz. Er skizzierte in vortrefflicher Weise den Ursprung des Zionismus und seine bedeutungsvolle Entwickelung und gelangte zu dem Schlüsse, daß das jüdische Volk sich nur auf seinem eigenen Lande und nur durch sich selbst - erhalten kann. H. F. Aus -er Lehrerwett. Alsheim v. Worms. Herr Lehrer Marx und Frau feiern am 26. d. Mts. in Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Berlin. Der Unterrichtsminister hat Erhebungen veranlaßt, in welchen Fällen der jüdischeReligions unterricht noch von Schächtern und Vorbetern erteilt wird. Es scheint die Absicht zu bestehen, diese Kategorien von Religionslchrern auszuschalten. Die Anregung geht von jüdischen Lehrern aus. „Frkf. Ztg." Münster i. Elf. Die Regierung hat an der hiesigen Volksschule einen Lehrer für jüdische Religion zum 1. Oktober angestellt. Personalien. Agraul silngarn). Zwei Söhne des Kaufmanns Griinhut in Wurbiza ertranken beim Baden. In Haßzu-Mesö starben MichaelDoWido w i t s ch und Israel Katz an Milzbrand; erste- Tcr durch Berührung einer Tierleiche, letztererdurch Berührung des erstcren, als er dessen Leiche wusch.

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