Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 32 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. Nr. 32 Frsnffurkr Israelitisches Fmnilienblatt. sagte: „Was wollt ihr bon mir?" wurde von einem Mitgliede der -Bande ihm das Dolchmesser dicht vor die Brust gesetzt. Deni arg Bedrängten, gelang es aber noch rechtzeitig, den Messerhelden mit der Faust von sich zu schlagen'und in den Seminargarten zu flüchten. Hierauf stürzte die Bande auf den durch das Hilfegeschrei hinzugckommencn Molkcreigehilsen Sowinski, der aber einen der Messerhelden Niederschlag. 'Auch der Gymnasiast Czypicki und noch viele andere Personen wurden mit dem Messer arg bedroht. Durch schleunige Flucht konnten sich aber die Bedrohten alle in Sicherheit bringen. Andernfalls wäre ein Blutvergießen sicherlich" unvermeidlich gewesen. Naturgemäß hatte sich eine große Menschenmenge in dem sonst ruhigen Städtchen in der Nähe des Tatortes angesammelt und befand sich in begreiflicher Erregung. Sofort hatten sich hilfsbereite Leute und Radfahrer in den Dienst der guten Sache gestellt und die Polizei benachrichtigt. Bürgermeister Jahnke erschien sofort, als er von dem Vorkonimnis Kenntnis erhalten hatte.. Wie vom Gendarmeriewachtmeister Hecker mitgeteilt wird, sind die Messerhelden als schlesische Maurer, die ans Ansiedelungsbauten in Lipowicc arbeiteten, ermittelt worden. Mülheim a. Ruhr. Die mit i mein Kostenaufwand von über einer viertel Million Mark erbaute Synagoge ist unter Anwesenheit der städtischen Behörden e i n g e w c i h t worden. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. R o s e n t h a l - Köln. Stratzburg i. Elf. Hier wurde eine Pensionskasse für die Kantoren in Elsaß-Lothringen gegründet. Herr Lazare Lantz -Mülhausen stiftete -1000 Jk und einen Jahresbeitrag von 100 Jk Der jüngst in Markirch verstorbene Fabrikant Jules Simon, der einige hunderttausend Mark zu wohltätigen Zwecken bestimmte, hat darunter der isr. Arbeiterschule Jk 4000, dem isr. Waisenhaus in Straßburg Jk 4000 und dem isr. Spital in Straßbnrg Jk 800 vermacht. Ansbach. Magistratsrat Kommerzienrat Sigmund G u t m ann, der demnächst nach München iibcrsicdelt, stiftete mit einem Kostenaufwandc von 10 000 Jk für das städtische Krankenhaus einen neuen Opcratioiissaal. Dessau. Der Neubau der Synagoge wird in tkürze seiner Bcstimiiinng übergeben werden. Oesterreich-Ungarn. Wien. Morris Rosenfeld, der erblindete jüdische Dichter in New-Pork, ist in den letzte» Wochen von zahlreichen jüdischen Zeitungen totgesagt und in Nekrologen gewürdigt worden. Er veröffentlicht daraufhin solgendcn Brief: „In der letzten Zeit hat die auswärtige Presse über mich viele unwahre Nachrichten in oie Welt gesetzt. Ist es des Elends und der Leiden nicht genug, die ich wegen inciner Blindheit ertragen muß? Verursacht mir die Armut, wegen der meine sechs Kinder so viel leiden müssen, nicht genügend Pein? Ich hatte Wohltäter und Gesinnungsgenossen, die inich pflegten. Hie und da unterstützen siemich, ihren bescheidenen Verhältnissen gemäß, anchmateriell. Ich kann Rechnung darüber legen, daß ich mich in »teilte» Ausgaben immer auf das uotlvcndigste beschränkte. Meine Krankheit verhinderte mich jedoch daran, 800 Dollars, die ich noch ans mein Hänschen schuldete, zu bezahlen. Ich geriet in die Hände von Wucherern, die mir mein Häuschen Wegnahmen und mich samt meiner Familie auf die Straße setzten. Mit meiner Frau und meinen 'Kindern liefen wir Gefahr, des Hungertodes zu sterben. Des Elends war aber Immer noch nicht genug. Böswillige Falschheit setzte die Nachricht meines Todes in die Welt, damit mir auch meine wenigen Wohltäter ihre Hilfe entziehen. Ich bin gezwungen, zu erklären, daß ich lebe, obwohl der Tod für mich wünschenswerter wäre, als mein jetziger Zustand. Ich lebe in ewiger Finsternis, denn ich bin blind. Das Licht des Tages hat mich verlassen, geblieben ist mir nur das Elend. Die Bourgeoisie wollte in ihren glänzenden Palästen nichts von den Liedern des Proletariers hören, nur meine Gesinnungsgenossen, zu denen das Echo meines Liedes dralig, suchten mich auf, um ihren blinden Sänger zu nitterstützen. Wie es scheint, neiden mir die Herren auch diesen Trost. Mit der Zeit haben die Herausgeber meine Gedichte in alle Sprachen übersetzen lassen, obwohl sic mir nie einen Heller dafür bezahlten. Jetzt, als sie die Nachricht meines Todes horten, senden sie Kränze, Um am Grabe des blinden Sängers zn opfern, damit sie, die Wohlhabenden, sagen können, den Tribut ihrer Wertschätzung entrichtet zn haben. Ich und meine Kinder werden aber auch hinfort nur jenen danken, die sich ihre armseligen Bissen vom Munde entzogen, um mich zu unterstützen." Rußland. Elisabethgrad. Die echt-russischen Leute haben ihre Tätigkeit wieder begonnen; in den letzten Tagen sind wieder zahlreiche Inden mißhandelt worden. Krementschug. Der hiesige Kronrabbiner H. Freidenb erg hat die Erlaubnis erhalten, eine russische täglicheZeitung^herauszug eb en. Kiew. Dem hiesigen Theater ist die Aufführung von L e s s i n g' s „N a t h a n d e r W e i s e" nicht gestattet worden. Jekatcrinoslaw. Der Gouverneur hat den jüdischen .Handwerker n erlaubt, ihre jüdischen A»gestellten Sonntags zu be - f ch ä f t i g e tt. Die Annahme von Bestelllmgen und der Verkauf ihrer Erzeugnisse ist jedoch den jüdischen .Handwerkern an Sonntagen untersagt. Rumänien. Bukarest. Die vom Kriegsminister General Averescn angcordnete Untersuchung betreffs der Folterung jüdischer Soldaten im Regimente VIII. Dragos in Dorohoi hat merkwürdigerweise die Schuldlosigkeit des arg konlpromittiertcn Oberst Marüsescu ergeben. Personalien. Frankfurt a. M. Amtsrichter Dr. Seligmann ist zum A m t s g e r i ch t s r a t befördert worden. Berlin. Bankier Alfred Löwenberg in Firma G. Löwenberg u. Eo. ist zum preußischen Kommerzienrat ernannt worden. Er hat sich in vielen kaufmännische» öffentlichen Aemtern, als Mitglied des Acltestenkollegiums und später als Mitglied der Berliner Handelskammer, sowie des Börsenvorstandes verdient gemacht. Berlin. Geh. Sanitätsrat Dr. Heinrich Brock, bis 1873 in seiner .Vaterstadt Bromberg wohnhaft, wo er auch Stadtverordneter war, Gründer und Generalsekretär der Deutschen Balneologischen Gesellschaft, feierte sein goldenes Doktor- Jubiläum. Den Rechtsanwälten Dr. Regensburger, Mfred Lev y, Dr. Emil Hirschfeld, Sylvester H e h m a u n, Dr. Brainson, Kraft und Lubl i n s k i wurde der Charakter als I n st i z r a t und dem Oberlehrer Schlesinger der Charakter als Professor verliehen. In die Preisaufgabe der Grimm-Stiftung an der Berliner Universität: „Wilhelm Grimms Verhältnis zur Romantik" teilen sich sind. Phil. Siegfried A s ch n e r aus Breslau und sind. Phil. Willi N e n in a n n ans Eharlottcnburg. Breslau. Den Rechtsanwälten Blaß und Dr. Moll wurde der Charakter als I u st i z r a t verliehen. Levern s. Wests. Herr Bernhard Löwenst ein, der sechszig Jahre als Vorsteher unserer jüdischen Genieinde wirkte, ist im Alter von 92 Jahren verschieden. Kattowitz. Herr Rabbiner Dr. Cohn, dem Begründer und Vorsitzenden des hiesigen Tierschutz-Vereins, wurde auf dem Verbandstage der Schlesisch. Tierschutz-Vereine „für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Tierschutzsache" die Verbands-Medaille überreicht. Wien. Evidenzbaltungsdirektor und Vorstand des Triangulierungs- und Kalkulbureaus .Hofrat A b r ah a m Broch, eine Autorität in geodätischen Fragen, erhielt das Ko mturkreuz d e sjFr anz,J o s ep h- Ordens. Grotz-Betcskerek (Ungarn). Einer der wenigen frommen Juden hiesiger Gegend, Herr I. K a s s o - >v i tz, ein Mann von großer Menschenliebe und großer Wohltätigkcitsbetätignng, ist plötzlich verschiede». Er verrichtete gerade das Tischgebet, als er bei den Worten „Nauro loch" tot zusammenbrach. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Nationalfondskomniission gingen ein von: Emii Carl Oppenhcinier und Joseph Frank zur Erinnernng an Frau Ricke Oppenheimer je 10.— Jk Verein Auhawe Jisrocl 16.— Jk Pension Langer 1.95 Jk Sa. 27.95 Jk Bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalsonds ein: Dr. Plonialmoni 1.— Jk Dr. Mi —.30 Jk Sind. Hör —.20 Jk «öo. 1.50 Jk Frankfurt a.M. Aus derJnstruktion der südafrikanischen Federation an ihre Delegierten, deren Wortlaut die „Welt" in ihrer letzten Nummer mitteilt, dürften weitere Kreise folgende Stellen interessieren: „Alle Delegierten-Versammlungen müssen für alle Delegierten offen sein, und sie haben auch für die Orthodoxesten die Freiheit zu.wahren, ihre Meinung zu äußern und dafür zu sorgen, daß nichts geschehe, wodurch ihr religiöses Gefühl verletzt werden könnte. Sie müssen jede Verletzung des Sabbats verhüten, derart, daß die Tore des Kongreßhauses und alle offiziellen Räume von Sabbat-Anfang bis Sabbat-Ende geschlossen bleiben." Berlin. Am 6. August verunglückte auf der Eisenbahn bei der Entgleisung des v-Zuges von Mdtkuhnen der Ingenieur Moses Zeitlin aus Petersburg, Redakteur der zionistischen Zeitchrist Raswiet. Zeitlin, der aus Baku gebürtig war und in Charkow das Technologische Institut besuchte, hat nur ein Mter von 35 Jahren erreicht. Er war bereits auf dem 7. Kongreß als Delegierter tätig und befand sich auf der Reise nach dem Haast. Petersburg. Auf Grund des Leimts-Bcschlnßes. daß die zionistische Organisation unlegal ist, hat der Minister des Innern die Gouverneure angewiesen, die zionistischen Vereine und Klubs aufzuheben. Stolypin entpuppt sich mit dieser Maßnahme als echter Freund des Zionismus, denn will man in Rußland etwas fördern, so muß man es verbieten. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Der in weiten Kreisen unserer Gemeinde wegen seines gediegenen jüdischen Wissens, seiner lauteren Frömmigkeit und seines ansprnchloscn Wesens angesehene und beliebte Herr S i m o n ll n n a 'eierte dieser Tage unter lebhafteni 'Anteil zahlreicher Freunde sein 25 j ä h r i g e s Jubiläum als Lehrer der Israel. Religio ns schule. Die Verwaltung der Israel. Religionsschule lieg dem Jubilar ein Geschenk überreichen. Der Direktor der Schule, Herr Rabbiner Dr. Jakob H o r o v i tz , überbrachte die Glückwünsche der Schüler und des Lehrerkollegiums und verlas ein Glückwunschschreiben des Kuratoriums. Möge dem verdienten Manne, der als 19jähriger hierher kam, auch fernerhin gleich segensreiche Wirksamkeit beschieden sein! x. Kaiserslautern. Zum Kapitel: Gleichberechtigung der Juden in Bayern! An der hiesigen, konfessionell gemischten Volksschule wurde ein als Lehrer für den israelit. Religionsunterricht und als Aushilfslehrer zur Vertretung behinderter Klassenlehrer angestellter israelitischer Volksschullehrer pensioniert. Der Stadtrat stellte mit Zustimmung der staatlichen Lokalschulinspektion den Antrag, auf Grund eines zwischen der Stadtverwaltung und der israelitischen Knltusgemeinde getrosfenen Abkommens die Wiederbesetznng der erledigten Stelle mit einem israelitischen Lehrer zn genehmigen, der neben der Erteilung des Religionsunterrichts an der Volksschule auch die Bertretiingsstundeii in den Volksschulen in allen Lehrfächern zn übernehmen habe. Die Kreisregierung versagte diesem Antrag die Genehmigung. Gegen diese Regierungsentschließnng erhob der S y n a g o g e n a u s s ch u ß Beschwerde beim Kultusminister in in mit der Bitte, die Anstellung eines israelitischen Lehrers als Aushilfslehrer an der konfessionell-gemischten Volksschule, wenn auch wie bisher nur ausnahmsweise, zn genehmigen, unter Hinweis darauf, daß das Ministerium kompetent sei, von den für die Entschließung der Kreisregierung maßgebenden Bestimmungen ad hoc zu dispensieren. Der Antrag war von der «tadtvermaltung unterstützt. Dieser 'Antrag wurde vom Ministerium jetzt zurückgewiesen, mit der Begründung, daß nach den Verordnungen von 1883 und 1873 an konfessioiiell-geiiiischteii Volksschulen nur christliche Lehrkräfte angestellt werden dürfen. (k.) Posen, 12. August Ohne äußerliches Gepränge ist der Ehejubiläumstag des Herrn Gemeinderabbiners Dr. W. Feilchenfcld und seiner Gattin vorübergegangen. Niemand wußte vorher von einer goldenen Hochzeitsseier. Erst durch das Eintreffen der nächsten Angehörigen wurde man auf den Ehrentag aufmerksam. Herr Dr. Feilchenfeld ist 1827 in Glogan geboren und wurde 1855 zum Rabbiner in Düsseldorf erwählt. 1872 ist er nach Posen berufen worden. Die Feier seines 80. Geburtstages bewies, in welch hoher Achtung Herr Dr. Feilchenfeld steht. Ter greise Rabbiner ist geistig und körperlich noch sehr frisch; dies gab er durch seine Predigt im Tempel an seinem Jubeltage, - Sonnabend, zu erkennen. Palnnka (Ungarn), 11. Aug. Die weit überwiegende Majorität der hiesigen Gemeinde hat heute zum Nachfolger des seligen R. Menachem Deutsch, der fünfzig Jahre das hiesige Rabbinat verwaltete, Herrn Rabbiner Dr. Fischer B e n ö*) aus Devavänya gewählt. Es herrscht hier allgemeine Begeisterung und die volle Zuversicht, daß der unter 45 Reflektanten siegreich hervorgegangene Dr. Fischer zum Heile und Wohle der Gemeinde und zur Ehre des Judentums wirken werde. Prag. In Neuhaus wurde Dr. Heinrich Schwenger und in Trebitsch Dr. Johann Stößler als Rabbiner der Gemeinde in ihr Amt eingeführt. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Wenn Verstand und Gemüt zusammenarbeiten, dann gibt es ein gutes Werk; — mck> es hat eins gegeben. Bon außen ein schmucker, geschmackvoller Bau, der die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenkt und seinem Architekten Herrn Max Seckbach, sowie der ausführenden Baufirma Schaffner L 'Albert Ehre macht — und int *) Herr Rabbiner Dr. .Fischer ist unfern Lesern als Mitarbeiter unserer Zeitschrift bestens bekannt. Der jüdischen Gemeinde Palänka darf zn der getroffenen Wahl gratuliert werden. D. Redakt.