Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 32 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Innern Räume, bei denen bei aller Einfachheit die modernsten Einrichtungen sachgemäße Verwendung gefunden haben, so stellt sich der Neubau des Moritz u. Johanna Oppenheimer'sche» Kindergartens für Israeliten dar. Letzten Sonntag Vormittag ist nun die Anstalt ihrer Bestimmung übergeben worden. Ei» geladenes Publikum hatte sich in dein Spiclsaal, dessen Fries mit Scenen aus dem Kinderleben hon dem hiesigen Maler Braun reizend bemalt sind, cingefunden. Herr Professor Dr. S u l z b a ch, der Vorsitzende, hieß die Gäste willkommen und gab in längerer Rede einen Ucberblick über das Werden des Vereins. 1889 entstand im Kreise der .Frankfurt-Loge der Gedanke, einen Kindergarten für Israeliten zu errichten, cs wurde eine Kommission bestellt, die die nötige» Vorarbeiten in die Wege leitete, und bereits am 12. Mai 1890 fand die konstituircndc GcneralversaMnilung, zu der auch Nichtmitgliedcr her Loge geladen waren, statt, und der Verein konstituierte sich als selbstständiger, unabhängiger Verein. Es traten sofort 61 Mitglieder bei, Frau Höchberg s. A. stellte eine größere Summe zur Verfügung, und bald konnte mit 10 Kindern im 2. Stock des Kaufmännischen Vereins der Kindergarten eröffnet werden. Unter der tüchtigen Leitung des Fräulein Elbogen, die auch heute noch dem Kindergarten borsteht, entwickelte sich der Kindergarten sehr schnell, sodaß er bereits am 12. Oktober 1892 mit 39 Kinder» nach der Hanauerlandstraßc verlegt wurde. Aber auch hier wurde es allmählich zu eng, auch stellte sich das Bedürfnis nach einem eigenen Gebäude heraus, und der Vorstand faßte deshalb, im Vertrauen auf den Wohltätigkcitssinn der Frankfurter Juden den Entschluß, dem Ankauf eines Grundstückes und dem Bau eines Hauses näherzutrctcn. Er hatte sich nicht getäuscht: sowohl für den Platz, ivie für den Ban erhielt er das Geld, für den erstcrcn von der Freiherr von Rothschild'schcn Familie, für den letzteren von der Familie Oppenheimer, »ach der der Kindergarten nunmehr genannt wird. Redner gedenkt zum Schluß der verewigten Vcrwaltungsnntglicdcr und schließt mit Wünschen für das Gedeihen der Anstalt. Hierauf gab Herr Dr. M c h l c r einen Bericht über die baulichen und hygienische» Einrichtungen des Gebäudes. Herr Stadtschnliuspektor Herber 'sprach sodann im Rainen der Schulbehörde; er betonte^ daß dieser Kindergarten nuninchr der schönste der Stadt Frankfurt sei und wies darauf hi», daß grade 100 Jahre verflossen sind, daß Fröbel hier in Frankfurt im Hanse der Familie von Holzhansen die Hauslehrerstclle versah. — Nachdem nunmehr der offizielle Seil vollendet war, schloß sich ein Runbgang durch die Räume an. 0 feuiÖeton. 0 Klotz-Geschichtchen. Von I. L. Perez. Autorisierte Ilebersetzung von Jacob b. Elijah. (Schluß). m. U in Mitterna ch t. Doppelt so dick wird jetzt der Klotz: er verschlingt sich mit seinem eigenen Schatten. Einetiefe, graue Stille zittert über dem toten Marktplatz. Das Städtchen schläft. Tür und Fenster sind geschlossen. Manchmal rauscht eine Fledermaus durch die Luft; eine unglückselige Fledermaus in einem Städtchen, wo die Weiber keine Haare haben! . . . Irgendwo in einem Hintergäßchcn blöckt zniveilen ein Kälbchen, als wollte es das armselige Leben beklagen, das zu kurz ist und frühzeitig abgerissen Ivird , . . Ab und zu ertönt aus der christlichen Borstadt das Gebell eines Hundes, der den Mond nicht dulden kann: warum bewegt er sich »roch in der stillen Nacht? - Sonst ist es still. Die arme kleine Welt hat eben ihre Kleinen eingewiegt — sowohl die tiefen Schmerzen, Hoffnungen und Wünsche, als auch den kleine» Dämon . . . * * * Still und traurig ruht der alte Klotz auf dem Marktplatze, stitl und traurig schwimmt über ihm ini Himmel der volle, gelbe Mond. Warum bist du, Mond, so gelb? Warum ist dein Antlitz so kränklich? Hast du etwa Mitleid mit dem Kälblein des jüdischen Hintergäßchens? — Oder schreckt dich der Hund der christlichen Vorstadt? ffnmlfuit« IfraEWe» FmiMenAatt. Nr 32: Und vielleicht beneidest du uns. arme Menschen, daß wir nachts schlafen können? . . . Kranker Mond' — nicht alle schlafen! . . . * * * Hie und da dringt ein matter Lichtstrahl durch die Spalten eines Fensterladens. Dort ist wohl ein Schneider oder ein Schuster, und vielleicht gar ein Tallißweber spät bei der Arbeit sitzen geblieben. Eine arme Näherin zuckt mit ihren roten Augenlidern und näht und steppt. — Eine erschrockene Mutter wacht über ein krankes Kind. — Und irgendwo in einem Winkel zählt ein Bettler bei eingroschener Talgkcrze sein zusammengeschnorrtes Geld, Vermögen. Im großen, weißen Hans liegt ein Kranker; das Weib Sorach's, des Sch.cnkers. Wer könnte's voraussehen: ei» junges Weibchen und ein alter Mau» — der Alte ist rüstig und sie liegt stets im Krankenbette! Sie liegt nun im Sterbe», sic die Junge! Es brennt ei» Nachtlämpchen, es ist hier ei» Mann ans dem Krankenvercin. — Sorach geht, in Gedanken versunken, auf und ab, rauft sich das Haar ans sciuem graue» Barte: Er wollte sie ja sofort nicht haben! Wozu denn eine solch blasse, eine solch weiße . . . Die Leute aber haben ihn überredet. Jene wollte er und jener zum Trotz hat er diese geheiratet. . . Es schimmert auch in der Wohnung des „Dajans" (Rabbinats-Assessor). Er sitzt noch über seine Folianten und studiert. Und vielleicht denkt er bereits über eine Trauerrede nach; Sorach ist ja ein reicher Mann und dazu noch ein Talmudist; und „eischeß chowcr k'chowcir" . . . (die Frau eines Gelehrten ist wie ein Gelehrter). * * * Und dort, wo cs finster ist, schlafen auch nicht alle . . . Gegenüber dem große» weiße» Hause steht eine eingefallene, finstere Stube mit ausgerumpften Wänden. Die Fcnstcrlädcn hängen quer herunter und schon lange ist cs, daß sie nicht mehr die Fenster schließen können. In der Stube zittern beim blassen Mondschein die Polster ohne Ucberzug auf den zwei stets seufzenden Betten. . . Ein greiser, zusainmengeschrumpfter Weiberkopf mit erloschenen Augen erhebt sich und ruft zum ander» Bett hinüber: „Schläfst Du, Taube?" Vom zweiten Bett kommt keine Antwort, kein Atemzug ist von dort aus zu vernehmen. Doch die Alte läßt sich nicht täuschen. Sie weiß ganz gut, daß Taube nicht schläst, nicht schlafen kann. . . „Taube!" — ruft die Alte lauter. „Was willst Du, Mutter?" — kommt ans dem zweiten Bett eine abgerissene Stimme, von Tränen dnrchtränkt. — „Du wirst doch die Kinder anfweckcn!" Die Alte schweigt einen Augenblick. In der Stille hört sie, wie Taube im Bette sich nmwendet und 1>as Gesicht in die Kissen vergräbt. „Hörst Du, Taube!" — spricht die Alte nach einer Weile — „Dein Männchen zieht heute oder morgen fort... Er hat schon das Tallis-Säckche eingepackt . . . Und Du bleibst für immer verlassen. Trägt er denn ein jüdisches Herz in der Brust? Er ivird Dir auch sein „Get" geben . . . Vmn zweiten Bett ertönt ein ersticktes Gewein. Die Alte murmelt vor sich hin: „Wolltest Deinen Eltern nicht 'folgen . . . glänzende Stiefclchen wolltest Du haben! . . . Sorach — eine Goldgrube — wolltest nicht! . . . Glänzende Sticfelchen! Den Baker ins Grab getrieben . . . Der Allmächtige bleibt nicht schuldig . . . O! er zahlt heim . . . O, Herr der Welt . . ." Taube springt rasch, wie von einem Pfeil getroffen, aus. dem Bette, wirft "sich, einen Nock und einen Shwal um und stürzt sich auf die Gasse. „Und Sorach's Weib liegt im Sterben" — murmelt weiter die Alte und legt den zitternden Kopf auf das rötlich-schwarze Kissen zurück — wenn er ihr einen Gct geben würde, dann könnte's noch vielleicht jetzt ein richtiges Ehepaar sein . ... Taube setzt sich auf den Klotz. Die nackten Füße stießen mit dem Sande zusammen, der graue Shwal und das graue Kleid — mit der grauen Mondnacht ... Mau unterscheidet nur ihr blaßes Gesicht 'mit den leuchtenden Augen, die sich vom großen, weißen Hause, vom zitternden Lichte, das .sich durch die Spalten der grünen Fensterläden durchbricht, jetzt nicht fortreißen kann. „Sterben — denkt jetzt Taube — ist noch gar nicht so schlimin . . ." Mer es schaudert sie vor ihren eigenen Worten. Wenn sie es nur nicht in einer bösen Stunde ausgesprochen . . . „Magst Du am Leben bleiben, Mirele" — lispelt ftc^ mit zitternden Lippen. — „Möge Dir Gott Dein Leben erneuern . . . Magst Du hundert und zwanzig.Jahre leben . . ." Das Gebet bricht plötzlich ab. Traurige finstere Gedanken huschen um sie. Noch am Tage vernahm sie, das; der Arzt sich von Mircl's Bett abwcndetc und alle Sachverständigen sie mit der Hand wcgmachtrn . . . „Nur Gott allein kann noch helfen" — sagte man ihr — und bei diesem Gedanken beginnt Taube's Herz zu beben: lind vielleicht ist cs die Verfügung Gottes, damit 'kein Wille erfüllt werde? . . . Oder ist ihr nun Sorach nicht das bcstiinmte Ehepaar? . . Er, ihr Mann, muß ja fort; es gibt nichts mehr, wovon man leben könnte . . . Ihn zieht cs nach Amerika . . . Und jene — jene liegt im Sterben . .' Es bleiben dann: — Sie und Sorach . . . Nein, nein, nur kein Gct!" — zappelt in ihr das Herz. * * * All das hat mir der Klotz erzählt. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach ». M. — Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. VARAVICINI Um-&Neubau von Geschäftshäusern Bleiienstr.'l. Tel. 4711 Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loach.) Samstag, den 17. August (= 7.Elul): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 30 Min., in Berlin 8 Uhr 20 Min. In der Sidra S ch a u f t i m sind zahlreiche Gebote und Verbote enthalten, welche notwendigerweise nur durch die Aufklärung, ivelchc die Tradition — Mischna und Talmud — hier geben, verstanden iverden können. Erst so offenbaren sie den wahren Geist dieser Gesetze und somit auch des Judentums überhaupt. — Zunächst wird die Einsetzung gerechter Richter, die keinerlei Bestechungsversuchcil zugänglich sind, gefordert. (Aehnlichcs im 2. B. M.) Kein Baum, göttlicher Verehrung geweiht, soll angepflanzt werden. (Astarde) Verbot, Tiere mit Leibfehlern zum Opfer zu bringen. Bestrafung von Götzendienern und' deren Verleitern; Gerichtsverfahren mit solchen. Einsetzung des höchsten Gerichtshofes in „der aüserwählten Stadt". (Jerusalem.) Einsetzung eines Königs in Israel. Dessen Rechte nnd heilige Pflichten als Vater des Volkes, besondere Vorschriften für sein Verhalten überhaupt. Diverse Abgaben an Priester, als von Opfern, Feldfrüchten und Schafschur. Heidnische Bräuche und Unsitten aus Israels Mitte fernzuhalten. Verhalte» gegenüber den wahren und falschen Propheten. Wiederholt die Vorschrift, sechs Zufluchtsstädte einzurichte» für den Fall eines unabsichtlich begangenen Mordes. Wahre und falsche Zeugenvor Gericht. Bestrafung letzterer. Aufmunterung zum Kampfe bei einer Mobil»,achung von Israels Streitkräften. Dispensierung verschiedener Kategorien der männliche» Bevölkerung durch den Kriegspriester. (Meschuach Milchomoh.) Verfahren mit einer zernicrtcn und okkupierten Stadt vor und nach der Kapitulation. (Dabei die bemerkenswerte edle Anweisung, keinen Fruchtbaum zu zerstören!) Verantwortung und' . Sühne des jüdischen Gerichtes bei einem Mordfalle, wo die Recherchen erfolglos blieben. (Beweis für den hohen Grad der Verantwortung bezüglich der Sicherheit von Person und Leben im heiligen Lande.! §. weil, Samstags geschlossen. Tapezier- und — —■ — ... Dekorationsgeschäft 7 Pestalozzistrasse 7.