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Neue jüdische Presse · 1907-08-09 · Heft 31 (9.8.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 31 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. itr. 31 Zlrbeit zu verrichten, denn gegen Tote kämpft man nicht. Wir niüssen jetzt vielmehr positiv schaffen. Die ausgesprochenen Nationaljuden in Tentschland arbeiten schon seit Jahren in 'dieser Richtung. Welchen Anteil die nunmehr geeinte deutsche Orthodoxie an dieser positiven Arbeit nehmen muß, will ich in einem zweiten Zinssatz zu skizzieren versuchen. Aus aftex Ael't. Deutsches Reich. Berlin. Einbruch in das Bureau der Alliance Jsraölite. Donnerstag Nacht hörten Bewohner des Hause; Oranienburger Straße 42—43, daß in dem dort bcsindlichen Bureau der Alliance Jsra/elite ein Einbruch verübt wurde. Sie hotten einen Schutzmann, der einen jungen Mann in dem Geschäftszimmer beim Erbrechen der Behältnisse sestnahm; ein bisher unbekannt gebliebener Komplize war — kurz bevor der Beamte erschiene» war — entkommen. Der Verhaftete erwies sich als der russische Schachtelmacher Ehaim Miara aus und erklärte, er habe gefürchtet, daß man ihm eine Unterstützung verweigern würde, deshalb habe er sie sich selbst holen wollen. Seinen Kompüzcn will er nicht kenne». Mönche». Die P a s s a u e r ,,Donauzeitung'' veröffentlicht folgende Todesanzeige: „In Gottes heiligen Willen war es gelegen, unfern innigst geliebten, treubesorgten Gatten, Vater, Bruder und Schwager Herrn Ferdinand Huber, I n d e n s e i n d in Aspertshain, nach längerem schweren Leiden nsw." Würzburg. Als Gesellschaft „Philantropla" ist hier eine Gesellschaft m. b. H. errichtet worden. Geschäftführer sind: 1. Philipp Wolfs, Weingroßhändler in Wnrzbnrg, 2. Noson Gonrarie, Kaufmann in Wiesbaden. Gegenstand des Unternehmens ist die Errichtung oder 'Erwerb von Häusern und sonstigem Grundbesitz sowohl in Europa als in den übrigen Weltteilen zum Zwecke der nnentgcltlicheii oder entgeltlichen Ueberlassung an dritte, insbesondere an Notleidende Juden. Ferner wird durch das Unternehmen die Unterstützung solcher Personen durch Geld, insbesondere derjenigen, welche sich dem Studium jüdischer Religionslehrc widmen und die jüdische Religionslehre unter den Glaubensgenossen fördern und verbreiten, bezweckt. Zur Erreichung dieses Zweckes ist die Gesellschaft befugt, gleichartige und ähnliche Unternehmungen zu gründen, zu erwerben oder sich an solchen Unternehmungen 'zu beteiligen. Das Stammkapital betrügt 65 000 JL Karlsruhe. Das Verordnungsblatt des O b c r r a t s bringt die Bilanzen der israelitischen Zentralkasse, des Landcsstifts, des Fonds für soziale Zwecke, des Religionsschul- und Pensionsfonds. Die' Zentralkasse hatte 81,252 JL Einnahmen, darunter 62,445 Je. allgemeine Kirchensteuer. Es wurden davon verausgabt 5700 JL an das Landesstift, für Gehaltsaufbesserungen an Rcligionslchrcr 22,745.73 JL, Unterstützungen an Gemeinden für Religionsunterricht 5715 JL, für die Wanderbibliothek 809 JL u. a. Von dem Pensionsfonds tvurden pro 1906 bezahlt an zuruhegesctzte Lehrer 2358.33 JL und Versorgungsgehalt an Rabbiner und Lehrmeister 7553.89 JL Es besteht für diesen Zweck ein Grundstockkapital von 210,729.23 JL — Pro 1907 werden ans der Friedrichstiftung wieder 1200 JL an Volks- und Religionsschullehrer zur Verteilung gelangen, und sind Bewerbungen an den Stiftungsrat einzureichen. Bielefeld. Die „Wests. Ztg." schreibt: „Der Verband der Deutschen Inden hat beim Bnndesrat beantragt, eS möge bei der Regelung der Sonntagsruhe als Ausnahme durch Reichsgesetz gestattet werden, jüdische Angestellte in Kontoren und kaufmännischen Betrieben, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind, an Lonn- und allgemeinen Festtagen auf zwei Stunden zu beschäftigen, in soweit die jüdischen Geschäftsinhaber sich im voraus verpflichte», an Sabbaten und jüdischen Feiertagen ihre Betriebe fest geschlossen zu halten. Die Eingabe ist der H a n d e l s k a m m e r zur Unterstützung übermittelt 'worden. Die Kammer l e h n t d ie E in» gäbe ab, da sie sich nicht damit einverstanden erklären kann, daß den einer bestimmten Religionsgemeinschaft angchörendcn Mitgliedern Sonderrechte bezüglich der Jnnehaltung der gesetzlichen lLvnntagsrnhe eingeräumt werden." Wie übrigens weiter berichtet wird, hat sich die Handelskammer in D o r t m u n d zur U n t e rst ü tz u n g dieser Eingabe entschlossen, zumal sie einen weiteren Beitrag für die Schwierigkeit 'der Durchführung einer vollständigen Sonntagsruhe in den kaufmännischen Kontoren in sich schließt. Oesterreich - Ungarn. Wie». Geschäftsschluß und Sabbatr u h e. In den Verhandlnugeii der Einigungskommission, die vorige Woche unter dem Vorsitze des Statthaltereirates Ritter von H e n t l tagte, brachte Herr Bernhard H o f b a n e r das Ersuchen vor, daß die am Samstag schließenden Geschäfte in der Zeit, wo, für ihre Branche die Siebenuhrsperre gilt. Frankfurter FsraelAsthes FamBenSlaS. bis längstens 8 Uhr bei geschlossenem Laden interne Arbeiten vornehmen lassen dürfen. — Diese Forderung wurde von den Vertretern der Gehilfenschaft als g e r e ch t f e r t i g t a n e r k a n n t. Großbritannien. London. Naturalisation. Einer jüdischen Deputation, die um Herabsetzung der Kosten der Naturalisierung ersuchte, sagte Ministerpräsident C amp b c ll-Baunerm ann wohlwollende Erwägung zu. Er persönlich würde cs gerne sehen, wenn die Tür für die Erlangung des britischen Bürgerrechts soweit als möglich geöffnet würde. Rußland. Petersburg. Nette Gesellschaft! Allerorten kursieren recht bezeichnende Einzelheiten über das Verhältnis der cchtrnssischeu Berbandsmitglieder unter einander. Kruschewan beschuldigte den Geistlichen Wolowei der Unterschlagung der Verbandsgclder. In der darauf folgenden Generalversammlung erschien der Geistliche mit seiner Frail und erklärte, daß diese Beschuldigung eine Verleumdung und Jntriguc sei. Ungeachtet der Bitte der Bersammlung, erteilte Kruschewan dem Geistlichen Wolowei nicht das Wort und drohte sogar, ihn aus der Versammlung zu entfernen. Auf derselben Generalversammlung beschuldigte Kruschewan die Führer des Verbandes, Pnrischkcwitsch und Dubrowin, daß sie 300 000 Rubel Vereinsgelder unterschlagen haben, und daß sie gegen den Metropolit Antoni einen Feldzug unternommen haben. — Die Schulden des Verbandes zu Kischincw betragen gegenwärtig 10000 Rubel. Mit den Ausgaben für die bevorstehende Wahlkampagne werden diese noch beträchtlich znnehmeu. Petersburg. Der berüchtigte Führer des »Verbandes des Schwarzen .Hundert", K r u s ch e w a n, wurde aus dem Verbände;au s g e sch lo s s e »„weil er 300,000 Rubel unterschlagen h a t. Rumänien. Bukarest. Heraushungern aus dem Lande will die rumänische Regierung ihre jüdische Bcvölkcrpng, denn Totschlägen ist in unserer zartbenervten Zeit nicht mehr modern. Von diesem Gesichtspunkte aus sind all' ihre Maßnahmen gegen die Juden seit Jahren zu verstehen, und von diesem Gesichtspunkte aus muß auch der neueste Tric dieser modernen Folterknechte beurteilt werden. Jüngst hat nämlich der Handelsminister an alle Industrie-Gesellschaften und Etablissements, die sich der Begünstigungen des Gesetzes zur Förderung der Nationalindn'strje erfreuen, ein Zirkular erlassen, durch das gefordert wurde, daß nicht nur von den Arbeitern, sondern auch vom Verwaltnngspcrsonal zwei Drittel Rumänen sein sollten. Hiergegen wurde eingewendet, daß nur von den Arbeitern die Rede sei. Die Regierung hat daher, um die im Dienste der Industrie Rumäniens stehenden zahlreichen Fremden — sprich: Juden — zu beseitigen, eine entsprechende Gesetzesändcrung beschlossen. Amerika. New-Aork. Im ersten Halbjahre dieses Jahres sind hier 132,185 Einwanderer ans Rußland angekommen, meistens Juden. Nur etwa 100 Einwanderer sind wegen Krankheit znrückgcwiesen worden. Aus Philadelphia wird gemeldet: Eine Freiwilligenschar, angeführt von Bernard Gimbet, riskierte in dem Atlantic City Regierungs-Rettungsboot letzte Sonntag Nacht ihr Leben, um 4 Leute aus der brandenden See zu retten. Der junge Held Bernard Giinbel ist ein Sohn des Kaufmanns Jsaac Gimbel. Die vierte Jahresversammlung der Vereinigung der orthodoxen Rabbiner beschloß, der Vereinigung eine s o l ch c v o n o r t h o d o x e n Laien a n z u s ch l i e ß e n und ernannte zu diesem Zwecke ein Komitee von 200 Mitgliedern, das sich aus Persönlichkeiten aus allen Teilen des Landes zusammensetzt. Man hofft dadurch die Tätigkeit des Rabbinerverbandes zu einer intensiveren zu gestalten. Personalien. Frankfurt a. M. Dr. S. Graefenberg. Oberlehrer an der Handelsrealschule, und Dr. I. Caro, Oberlehrer an der Realschule der isracl. Rcligionsgcsellschast, erhielten den Charakter als Professor. Berlin. Anläßlich seines 60. Geburtstages erhielt M a x L i e b e r m a n » von dem Generaldirektor der Kgl. Museen Geheimrat Wilhelm Bode ein Schreiben, in dein es heißt, daß wir in Liebermann d e n e r st e n deutschen Maler der Gegenwart zu ehren haben. Berlin. Fräulein Bera Feldberg, die das Mädchengymnasium in Odessa mit einer goldenen Medaille absolvierte, ist an der hiesigen Universität zni» Doktor der Medizin promoviert worden. — Sanitätsrat Dr. med. Karl E'd e l, Gründer und Besitzer der bekannten Irrenanstalt in Charlottenbnrg, feierte seinen 70. G e b u r t s t a g. >.— Der Seniorchcf der bedeutenden LedergroShandlung Max Michaelis, .Herr M a x Ai i ch a c l i S ist im Älter von 68 Jahren gestorben. München. Regierungsassel, or Dr. Siegfried L i ch t e n st ä d t e r wurde zum R e g i e r u n g s r a t ernannt. Würzbnrg. Rechtspraktikant Dr. Hugo Gunz wurde zum E i s e n b a h n a s s e f s o r ernannt. Breslau. Hier starb der Kgl. Kreisarzt, Geh. Mediztnalrat Professor Dr. I o s e f I a e o b i. Privatdozent an der Universität. Wien. Der Direktor der niederöster. Landesirrenanstalt in Klosterneuburg Dr. Siegfried Weiß erhielt den Titel R e g i e r n n g s r a t. Budapest. Kgl. Rat Jakob Beimel. gewesener Vizepräsident der Waren- und Effektenbörse, Chef der Firma Jakob Beimel u. Sohn und der Stärkefabrik Beimel u. Bosch, starb im Zitier von 82 Jahren. Teplitz in Böhmen. Kgl vreuß. Geh. Sanitätsrat Dr. Ignaz Hirsch erhielt den kgl. prcuß. K r o n e n o r d e n 3. K l a s s c. London. Frau S. H Cohen Witwe feierte ihren. 99. Geburtstag. Die Greisin, welche einer hochangesehencn Familie angehört, >mu° niemals krank und befindet sich auch heute noch frisch und munter. Paris. Der Generalsekretär der Loire Albert H e ii d l e ist zum Präsekten des Departements Eure et Loire ernannt worden. New-Nork. Professor Angelo Heilprin. dessen Tod wir in voriger Nummer berichteten, wurde 1853 in Satoraljaujhely (Ungarn) geboren. Bereits sein Großvater Sineas Mendel Heilprin und sein Vater Michael Heilprin waren Gelehrte von Ruf. Sein Großvater war 1812 vor der russischen Schreckensherrschaft in Polen nach Oesterreich und sein Vater 1849 infolge der Reaktion in Oesterreich nach Ungarn geflohen, wo er gleichfalls am politischen Leben tätigsten Anteil nahm. 1856 ging Michael Heilprin nach Amerika und siedelte sich in Philadelphia an. Angelo interessierte sich schon frühzeitig mit Eifer für Naturwissenschaft. Er studierte an einer Reihe europäischer Universitäten Bivlogie, Geologie und Paläontologie. 1879 ließ er sich für immer in Philadelphia nieder. Bereits 1880 wurde er zum korrespondierenden Mitgliede der Akademie der Naturwissenschaften in Philadelphia gewählt. Bald daraus erfolgte seine Ernennung zum Professor der Paläontologie an der Akademie. 1883 wurde er der leitende Vorsteher der Akademie, welche Stellung er bis 1892 inne hatte. Er war u. a. eine Reihe von Jahren Präsident der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft und Präsident der Amerikanischen Geographischen Gesellschaft. Heilprin hat eine große Anzahl von wissenschaftlichen Büchern veröffentlicht. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüdischen Nationalfonds gingen ein ans Büchsen: Russisches Seminar JL 1.— Frau I. Ganz JL —.57 Hotel Illlmann JL —.59 Liebes JL 1.07 Janzon JL 1.05 Goitein Jf. 1.24 G. I. Rapp JL 1.— Joseph Rosenthal JL 2.65 Sänger n. Friedberg JL —.80 Joseph Japhet ff 2.72 Grünblatt JL o_ Dr. I. Feuchtwanger JL 4.90 Mannheimer JL —.30 Martin Wolf JL 1.27 I. Jsaaksohn JL 3.80 Berman JL 1 — S. Goldmann JL 1.71 Dr. Schapiro JL 1.30 Familienblatt JL 2.55 Frau Johanna Setiginann, gcb. Hirschberg JL 5.83 3 Ferner: Frau Carvline Hamburger anläßlich der Hochzeit ihres Sohnes Joseph JL 20.— Herr Abraham Moses anläßlich der Hochzeit feiner Tochter Emmi JL 10..— Haag, 3. Aug. Zum 8. Kongreß sind bis jetzt schon ca. 400 D e l e g i e r t e in allen Teilen der Welt gewählt wurden. Mehr als 30 Delegierte kommen allein aus A m c r i k a, ans Südafrika wird gleichfalls eine starke Delegation auf dem Kongreß anwesend sein, Sibirien entsendet ebenso seine Vertreter wie das ferne Neuseeland, China ebenso wie Argentinien. Außerordentlich bemerkenswert ist die starke Vertretung Rußlands auf dem Kongresse, von wo trotz der herrschenden ganz ungewöhnlich großen Schwierigkeiten mehr als 150 Delegierte zum Kongresse kommen dürste». Unter den bisher gewählten Delegierten befindet sich eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die in ihren Ländern eine große Rolle nicht nur in der jüdischen Oeffentlichkeit spielen. So werden die vier Mitglieder des Jüdischen Klubs des österreichischen Reichsrats als Delegierte auf dem Kon-

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