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Neue jüdische Presse · 1907-06-28 · Heft 25 (28.6.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 25 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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-k. 25 Attmkfurter FsraelittstheS FermittenSlaÜ. Seite 3 Karlsruhe. In Sachen des oberrätl i ch e n Geb eck b u ch c s seien heute eine Anzahl weiterer Gutachten mitgeteilt: Der Inhalt des von dem Gr. Bad. Oberrat der Israeliten herausgegebenen Gebetbuches ist, soweit er mir aus ausführlichen Citaten in der jüdischen Presse bekannt ist. in unversöhnlichem Streite mit dem Wesen, den Grundbegriffen und Grundlehren des überlieferten Judcntumes. Amsterdam. Dr. S. A. Dünner, Oberrabbiner. Die Aeiidernngen und Einschaltungen in dem vom Gr. And. Obcrrat der' Israeliten herausgegebenen Gebetbuch widersprechen zu einem wesentlichen Teile den Bestimmungen des Rekigionsgesetzes. In gleicher Weise sind die durch dieselben zum 'Ausdrucke gebrachten Religioiisanschaniiiigen mit den in der schriftlichen und mündlichen Lehre niedergelegten Religionslehren nicht vereinbar. Die Einführung dieses Gebetbuches in Synagoge und Schule ist dem Entsprechend als religioiisgesctzlich unzulässig zu bezeichnen. Marburg. .Dr. L. Munk, Provinzialrabbiner. ' Der Unterzeichnete gehört zur Rabbinerkcmnnission der Freien Bereinigung Ff. a. M. und hat bereits seine Unterschrift zu dem Gutachten gegeben, «reiches von derselben am 24. Dezember 1906 ausgestellt worden ist. Jenes Gutachten verurteilt das Gebetbuch des Gr. Bad. Oberrats nur vom religiösen Standpunkte a»s. Ich schließe mich aber voll und ganz auch den Aeußerungen an, welche, wie insbesondere H. Kirchenrat Dr. Kroner in Stuttgart, das Gebetbuch vom ästhetischen, pädagogischen und historischen Standpunkte ans verwerfen, hege jedoch das zuversichtliche Bertronen zu Gr. Oberrat, daß ihn nicht falsche Eitelkeit und unangebrachte Beharrlichkeit bestimmen werden, wider nachträglich bessere Einsicht, das Leben der Mißgeburt künstlich und gewaltsam zu verlängern, daß er vielmehr dem allgemeinen Verdikt sich beugen und schon aus Klugheit und Friedensliebe ein Gebetbuch'freiivitlig zurückziehen werde, das schon als Versuch unheilvoll gewirkt und zur Untergrabung des religiösen und pietätvollen Sinnes und der Eintracht unter den badischen Glaubensgenossen ein gut Teil bcigetrageu hat. Lübeck. Dr. S. Carlebach, Rabbiner. Breslau. Der hiesige .Generalanzeiger" der, tvie auch manche seiner Kollegen in anderen Städten, sich in Rücksicht auf Verbreitung und Inserenten bemüht, möglichst farblos zu sein, hat sich ttnvorsichtigcrweise jüngst einmal nicht versagen können, sein antisemitisches Herz reden zu lassen. Die antisemitische „Deutsche Hochwacht" in Stettin veröffentlicht folgendes Schreiben der wackeren Zeitung, die die jüdischen Inserenten, aber nicht die Inden liebt: Sehr geehrte Redaktion! Wir müssen uns aufs allcrentschiedeiistc gegen Ihre Unterstellung (in Nr. 125 vom 31. Mai d. IS.) verwahren, als habe der „Breslauer Generalanzeiger" irgendwelche semitischen Tendenzen. In unserem ganzen Geschäftsbetriebe befindet sich nicht ein einziger Jude und «vir ertvarten daher ven Ihrem Rechtlichkeitsgefühl, daß Sie die über uns ausgestellte Behauptung in Ihrer nächsten Nummer zurttcknehmen. Wir senden Ihnen anbei eine Kritik über „Die Juden", ans der Sic ersehen können, wie wcn'g gerechtfertigt Ihre Behauptungen sind. Hochachtungsvoll stieb, des „Breslauer Generalanzeiger s". Dr. Bruno Wagener, Chefredakteur. Die „Deutsche Hochwacht" erteilt dem Blatt daraufhin gnädigst Absolution: sic schreibt: „Wir nehmen von der Zuschrift der Redaktion des „Breslauer Generalanzeigers" um so lieber Kenntnis , und teilen sie auch unseren Lesern zur Berichtigung gerne mit, als in der uns übersandten Kritik über „Die Juden" wirklich eine Abwehr gegen das allzugroße Sichbrcitmachen des jüdischen Einflusses auf dramatischem Gebiete enthalten ist". (Folgt die Kritik des Blattes über das Schauspiel „Die Juden".) „. . . Es ist immerhin erfreulich, daß selb in Kreisen, die sich ausdrücklich gegen den Bortour des „Antisemitismus" verwahren zu müssen glauben, antisemitische Anwandlungen — auch wenn sie sich noch so frei davon wissen — n i ch t g a n z zu u nterdrücken sind. Das ist ein von uns gerne anerkannter Fortschritt gegenüber der Aufdringlichkeit unserer jüdischen Mitbürger, die sich nur allzu gern als „Mittelpunkt unseres Kulturlebens" gebärden." Colmar. Dem .Elf. Kurier" wird aus Hüningen berichtet: „Im Anschluß an die hiesige Geineinderatsersatzwahl wurde der hiesige, erst kurz vorher gewählte Nor st eher der israelitischen Kirchengemein d e ,^M ö b elh än d le r Bloch, von verschiedener Seite a u f g e f o r d e r t, sein Vorstehera in t n i e d e r z u l e g e n, weil er bei der Ersatzwahl mit den Sozialdemokraten marschiert bczw. ihr Programm anerkannt habe. Da sich die Un>timmigkeiten nicht ausglichen, erschien heute ein Regierungs Vertreter, der die Mitglieder der israelitischen Gemeinde.versammelte, um diese Anaelcgenheit zu regeln. Nach seinerAn sicht liegt kein Grund vor, Herrn Bloch zum Niederlegen seines Amtes zu drängen, da durch das Unterzeichnen des sozialdemokratischen Wahlprogramms nicht zugleich die Zugehörigkeit zur Partei largctan sei. Der Stimmung in der Gemeinde Rechnung tragend, legte Herr Bloch dennoch sein Amt nieder." Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Hüningen sollten zu Ortsvorstehern in Ost- oder Westprenßen ernannt werden. Dort würden Leute ihrer Gesinnung einen freien Wirkungskreis und unumschränkte 'Anerkennung erzielen. <k) Liga. Bekanntlich ist Herr Hauptlehrer Herb st nach 48jähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten. Da die Schülerzahl der jüdischen Schule von Jahr zn Jahr zurückgeht und gegenwärtig unter 6 0 beträgt, so wird die Hauptlchrerstellc nicht mehr be- 'etzt. — Die jüd. Schule in Lissa hat eine interessante Geschichte. Vor dem Jahre 1840 wurden nur die üdischen Knaben in dieser Schule unterrichtet, die Mädchen mußten, wenn ihnen die Eltern eine Bildung angedeihen lassen wellten. Privatschulen besuchen. Von 1844 ab erhielten die Mädchen Volksschnlbildung. Nun betrug die Schülerzahl nahe an 450 und es wurden die Kinder von 6 jüdischen Lehrern unterrichtet. Als später die Freizügigkeit der Inden gesetzlich festgclcgt worden war, zogen fortwährend jüd. Äeineindemitglieder fort. Die Schiilerzahl sank darum von Jahr zn Jahr. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Die Generalversammlung der o r t h'. Gemeinde veranschlagte für das laufende Jahr die Einnahmen mit Kr. 90 000.— und die Ausgaben mit Kronen 95 000.—. — Bezüglich Errichtung einer o r t h o d. M ä d ch e n s ch ule, für die es vorläufig noch an den finanziellen Mitteln mangelt, wurde der Antrag Großberg angenommen, vorläufig die erste Klasse für das nächste Schuljahr zn eröffnen. Ferner wurde eine 20gliedrige K o m inissio n für den Neubau d e r S y n a g o g e gewählt, welche Angelegenheit nachgerade brennend geworden ist. Budapest. In Angelegenheit der Sonntagsr u h e war eine j ü d i s ch e D e p u t a t i o n am 19. ds. beim H au de ls minister Kossnth. Der Handelsm'.nister erklärte, daß er glaube, daß der Erfüllung des Wunsches der am Samstag geschlossen habenden Geschäfte, Sonntags hinter verschlossenen Türen arbeiten zn dürfen, nichts cntgegcnstehe. Arad. Wieder ein „judenfeindlicher" Akt der „liberale n" u n g a r i s ch e n Regie r n n g! Der 13jährige Gesangskünstler M o s e s M i r j s k y, der in ganz Europa Aufsehen erregte und dem überall die glänzendsten Ehrungen und Auszeichnungen zu Teil wurden, hat auch am hiesigen Platze konzertieren wolien. Der S t a d t h a n p t in a n verbot jedoch die Abhaltung des Konzertes, weil der Künstler Ausländer — in Wirklichkeit aber wohl, weil er Jude ist. Praschno-Anjezd (Böhmen). Hier brannte die S ynahoge vollständig nieder; der schaden ist durch Versicherung gedeckt. Amerika. New-Nork. Die Bemühungen der Jto, die Auswanderung nach dem Süden der Vereinigten Staaten zn lenken, wurden ans der 4. I a h r e s k o n f e r e n z der Bereinigung der orth o d. jüd. Gem ei nd en d er Verein i g t e n Staaten, einer Bereinigung, der etwa 250 Gemeinden angehören, einer scharfen Kritik unterzogen. Präsident Dr. H. Periera M e n d e s führte aus, daß es den Einwanderern ini Süden n n in ö g - lich sein würde, den Sabbat zu beobachten und sie schnell ihres Judentums verlustig gehen würden. Aus der Lehrerwett. (kl Lstrowo. Die Wahl des Rabbiners Dr. Fr ei m an n-Holleschau zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde ist nicht bestätigt worden, weil der Gewühlte Ausländer ist und keine Aussicht ans seine Naturalisation besteht. — 'Hauptlehrer a. D. Herb st in L i s s a erhielt den K r o n e n o r d e n 4. Klasse. Pretzburg. Nach vieljährigem Schwanken und oftmaligen Verhandlungen hinsichtlich der Besetzung des seit Rabbi Fischmann s. A. vakante» Maggie- Sitzes der altehrwürdigen orth. Gemeinde Preßburg, kam endlick in jüngster Zeit die lleberzeugung allgemein'zum Durchbruche, daß diese, im Interesse der Eindämmung und Verhütung des — trotz ausgezeichneten Wirkens der anerkannten Größen, welche den Rabbinatssitz inne hatten — offenkundigen rapiden Verfalles religiöser Betätigung und in weiterer Folgewirkung zur Wiedererweckung und Nenbelebnng des dekadenden jüdischen Geistes im Schoße der Gemeinde unerläßlich notwendige Lösung dieser wichtigen Frage nicht länger hinausgeschoben werden könne, und so faßte denn die Gemeinde den Entschluß, dem Gedanken die Tat folgen zu lassen. Am Schabbos Parschath Korach hielt nun auf Berufung des Vorstandes und unter ausgesprochener Patronanz des ehrwürdigen Oberrabbiners der Bezirksrabbiner des nahe gelegenen Somorja, Rabbi S a in n e l A u st e r l i tz einen Probevortrag. Dem Genannten ging der Ruf eines trotz seiner Jugend nach jeder Richtung hin befähigten und rethorisch besonders gewandten Redners voran und so wurde denn dem Vortrage mit erhöhtem Interesse enigcgcnaesehen. Die "Erwartung, welche an die Person und sachliche Befähigung des Redners geknüpft waren, wurden durch die abgehaltene Predigt mehr als gerechtfertigt. Rabb. Austerlitz entledigte sich seiner 'Aufgabe in nahezu cinstündiger Rede mit nieisterhastcm Geschicke in gewohnter Eloquenz. Seine formvollendete Rede, tvctche hauptsächlich Betrachtungen über die speziellen Prcßb arger Verhältnisse und Bedürfnisse der religiösen Änsgcstaltung gewidmet war, erhob sich dennoch, aua, über diesen naturgemäß enge gesteckten Rahmen hinaiisgehend, in das weite Gefilde der allgemeinen religiösen und jüd. - ethischen Lebens - anschanung, Die Aiissührungeii des Redners, getragen von nicht alltäglichem Schwünge und warmer Begeisterung für Taurahsenu hakdanschich teilte sich der gespannt aufmerksamen, die „große Schul" dicht füllenden Gemeinde mit und es wurde der allgemein gehörten 'Anschauung Ausdruck gegeben, das; die Gemeinde mit dieser Probebcrusniig einen glücklichen, erlösenden Schritt getan hat und wurde auch in Beziehung daraus die Erwartung ausgesprochen, da; die definitive Besetzung des Postens in nicht allzu weiter Ferne erfolgen werde. Z. A. P. Pretzbnrg. Herr Bernhard Spitzer, emeritierter Direktor der Volksschule der hiesigen israel. Gemeinde, ist, betrauert von den Tausenden seiner chemaligen Schüler, nach schwerem Leiden verschiede». Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüdischen Natioualsonds gingen .ein: Herr u. Frau Arthur Oppenheimer anläßlich der Geburt ihres Sohnes : 10,— Jk Leopold Dessau 1,96 „ Erlös aus verlaustem Silberpapier 18,20 „ . 30,16 Jk Bei der Expedition des Frist. ,Jsr. Fbl. gingen siir d. Nationakfonds ein: Bernhard Wolpc gratuliert Herrn Herrn. Erteschick zu seiner Verlobung ” 0,50 Jk Materialien von Frau Fanny Salbcrg n. Herrn Jsaac Goldbcrg. Frankfurt a. M. Das Kongretzbureau im Haag (Bureau Zioiiistenkongreß, Gebouw „De Kunstkring", Heerengracht 13) bringt zur Kenntnis, daß die Kongreßteilnehmer, die durch Vermittlung des Kongreßbnrcaus Zimmer zu erhalten wünschen, dies demselben mit dem Vermerk „Logis" mitteilen wollen. Es wird ersucht, dabei anziigeben: 1. Tag der 'Ankunft, 2. Ob" Hotel oder Privatlogis erwünscht, ob in Scheveningen oder im Haag, 3. Wieviele Zimmer man wünscht und für wieviel Personen, mit oder ohne Frühstück, und welchen Preis man für ein Zimmer anzulegen wünscht, 4. Voraussichtliche Dauer des Aufenthaltes. Im K o n g r e ß g e b ä u d e wird ein st r e n g r i t >.! elles R estau r a n t eingerichtet werden, das unter der Aufsicht des Herrn Oberrabbiners vom Haag, van Loen, stehen wird. Im Restaurationssaal können bis zn 300 Personen speisen. Karten für die nummerierten Galerieplätze werden im Kongreßbiireau kostenfrei ausgegeben. Vorinerkn'igen werden schon jetzt gegen eine Einschreibgebühr von Jk 1.— oder Frcs. 1.— angenommen. Wien. Gesammelte Reden Dr. Strauchers. Der „Jüdische Nationalverein" in Czernowitz hat einige Reden des Reichsratsabg. Dr. Strancher, die in den österreichischen Delegationen und im österreichischen Abgcvrdnetenhanse gehalten wurden, in einem Buche erscheinen lassen. Es enthält vier Delegationsreden, in denen Dr. Strancher die zionistische 'Bewegung, die Anstellung jüdischer Militärärzte, die Teilnahme der Juden an der russischen Revolution u. v. a. einer Besprechung unterzieht. Die Reden zeigen, mit welchem Mute, mit welcherrücksichtslosen Offenheit er an dieser ungewohnten Stelle aktuelle jüdische Fragen angeschnitten hat. Prag, 20. Juni Für den 20. Juni war eine Protestversammlnng gegen die Zugehörigkeit dcS zionistischen Abgeordneten Dr. Mahler zum Lehrkörper der deutschen Universität von jüdisch-liberalen, für deiq 21. von dentsch-radikalen-antisemitischen Studenten einberufen. Da zu ersterer auch neben 120 liberalen, etwa 40 zionistische Studenten erschienen waren, forderte der Einberufer die Zionisten auf, sich zn entfernen, was diese mit Rücksicht darauf, daß die Einladung durch öffentl. Anschlag am schwarzen Brett erfolgt war, verweigerten. Darauf wurde die Versammlung vertagt. New-Aork. Dr. Magnes, Sekretär der Förderation der amerikanischen Zionisten und Rabbiner am Tempel Emanu-El, wird Palästina einen Besuch abstatten.

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