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Neue jüdische Presse · 1907-05-17 · Heft 19 (17.5.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 19 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Thronbesteigung mit einer Standeserhöhung ausgezeichneten diese beiden Namen nicht. . . Ms dann voriges Jahr die - Geheimen Kommcrzicaräte Fritz Friedländer-Fuld und Dr. Georg Caro, die übrigens beide schon seit einer Reihe von Jahren ihre Konfession gewechselt haben, aus Anlaß der silbernen Hochzeit unseres Kaiserpaarcs mit dem Wörtchen „von" beglückt wurden, hieß es allgemein, dieser Beweis Königlicher Huld sei auch dem jetzigen Chef des Hauses S. Blcichröder, Dr. Paul Schwabach, einem Sohne des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Schwabach', zuteil geworden. Es folgte indessen ein Dementi, und erst seit einigen Tagen kann Dr. Paul Schwabach, der, wie cs der verstorbene Gerson von Bleichröder und sein Vater war, großbritannischer Generalkonsul ist, sich des Adelsprädikates bedienen, das ihm der König jetzt verliehen har. Herr von Schwabach, der Oberleutnant der Reserve bei den "Brandenburger Kürassieren ist, hat erst Geschichte studiert und sich erst nach Erlangung des Doktorgrades dem Bankgeschäft gewidmet. Seit einer Reiye von Jahren ist er mit Fräulein Ellh Schröder vermählt, die der bekannten Hamburger Patrizicrfamilic, von der ein großer Teil 1868, 1901 und 1905 wm Preußen baronisiert ist, entstammt und eine Schwester der Frau Fanny von Boddicn geborenen Schröder ist, deren Gemahl als Oberst die 16. Husaren in Schleswig kommandiert. . . Heilbronn. Am 21. Mai findet die feierliche Einweihung des israelitischen Landesasy'ls „Wilhelmsruhe" in ©o nt« hei m statt. Das Asyl, wenige Minuten von Soul- Heim auf einer Anhöhe gelegen, hat eine romantische Umgebung und eine weite Fernsicht. Der Prachtbau, innerlich modern eingerichtet, trägt am Hauptportal die Inschrift: „In Eueren Versammlungen sollt Ihr Ihn loben und in dem Asyl den Men sollt Ihr Ihm Lob singen." Elbing. Ein jüdischer Fall Cäsar. Unter diesein Titel behandelt die „Elbinger Ztg." die bekannte Berliner Affäre Dr. Emil Cohn und schreibt dabei sehr richtig: „Wir haben im Deutschen Reiche eine so große Anzahl Blätter, die in jüdischem Besitz sind und von jüdischen Redakteuren geleitet sind, und keiner von all' diesen Herren, die sonst das Wort Gleichheit und Freiheit für alle täglich auf den Lippen haben und in viel weniger eklatanten Fällen mit dem Rüstzeug ihrer demokratisch-tolerante» Gesinnung gegen jeden Fall scheinbarer Bedrückung zu Felde ziehen, hatte den Mut, für den bedrängten Stammcsgeiiosscn einzutreten." Oesterreich-Ungarn. Wie«. Prof.E. Sellin, dessen Ausgrabungsarbeiten an der Stelle des alten Jericho mehrfach erwähnt wurden, ist, 'wie die Neue Freie Presse mitteilt, nach Wien zurückgekehrt. Die Grabungen haben ein sehr erfreuliches Resultat ergeben. Ganz überraschend war die Erscheinung, daß alles, was bis jetzt gefunden wurde, auch in den obersten Schichten, bereits der vorisraclitischen, k a n a n i t i s ch c n Periode (2500 bis 1300 v. Ehr. G.) angehört. Die späteren Völker scheinen alle diesen Platz gemieden zu haben. Um so größer aber ist die Aussicht, hier endlich einmal eine Stadt mit einer rein und originell kanmritischen Kultur aus dem Schutt wieder herauszuschälcn. Systematisch wurde diesmal der nördlichste der sieben Hügel abgetragen. Er umschloß eine einzigartige gut konservierte, große kananitifche, in drei Stockwerken aufgeführte, aus 17 Zimmern bestehende D u r g. Sogar die Seitcnwäirde der meisten Zimmer, die Oefen, die steinerne Treppe, die vom Parterre durch die Stockwerke auf das Dach führte, waren noch erhalten. Auf dem.zweiten Hügel ist bereits die Ecke einer zweiten, scheinbar noch massiver gebauten Burg bloßgclegt. Zwischen beiden wurde die berühmte Mauer Jerichos gefunden und an einer Stelle aus dem Schutt herausgearbcitet, eine an die babylonischen Bauwerke erinnernde, 4 Meter hohe, 3 Meter dicke, auf steinernem Fundament ruhende Ziegelmauer. Hinter dieser fand man in ganz geringer Tiefe die Fundamente eines kananitischeii Privathauses neben dem andern, innerhalb deren die großen Oelkrüge usw. noch säuberlich geordnet dastanden. Das Ergebnis an Einzelfunde» war überhaupt groß, besonders an Erzeugnissen der Keramik. Unter diesen nehmen die erste Stelle drei wundervolle Schprben mit Reliefdarstellungen von (Gazellen und sie verfolgenden Löwen, ein Krughenkel mit dem Löwenstcmpcl und ein anderer mit einem Stempel in sogenannten althebräischcn Lettern ein. Professor Sellin wird seine Ausgrabungen nächsten Winter sortsetzcn. Budapest. In dem Repräsentautenkörper der Hauptstadt, der bis nun von den Großjuden beherrscht war, fängt ein stark reaktionärer Wind an zu wehen. Die jüdischen Stadtväter, die sich in der sog. Demokratcnpartei in der Majorität befinden, haben in ihrer Gedankenlosigkeit und sträflichen Ueberhebung sich nicht entblödet, durch die Macht der Demokratenpartei ans die Wahl eines katholische» -Geistlichen für eine hauptstädtische Kirche, deren Patronat die Hauptstadt iune hat, einen Druck auszuüben, der in seinen Folgen für die Juden verhängnisvoll werden kann. Diese demokratischen Herren, die sich schon sorglos für echte Stmnmesmagyaren Frankfurter Israelitische» FamMenblatt. halten, haben es "nicht bedacht, daß ihr auffallendes Auftreten in einer Sache, die sie am allerwenigsten angeht, nur den Judenhaß schüren werde. Tatsächlich hat sich mm soeben eine neue christlichkatholische P r a t c i innerhalb der Stadtrcpräsentanz gebildet, die dagegen protestiert, das; die jüdischen Stadtväter einen Kandidaten für die Pfarrei in: II. Bezirk, den der Hcrzogvrimas, also der erste kirchliche Würdenträger im Lande ablehnt, mit aller Gewalt und gegen den Willen der katholischen Wähler durchbringcn wollen. Die neue christliche Partei ist eine große Gefahr für die hauptstädtische jüdische Bevölkerung, die .min die Zeche für den Uebermnt der Großjuden bezahlen wird. Rußland. Odessa. Infolge der Bemühungen seines Oberarztes Dr. Puritz wurden dem hiesigen I ii d. H o s p it a l von der A l 1i a u c c Israölitc in Paris 25 000 Francs bewilligt. Personalien. Frankfurt a. M. Fräulein Lina Gottlieb, Lehrerin an der höheren Mädchenschule der israclit. Religionsgesellschäfr, erhielt aus Anlaß der Rettung eines Kindes aus Lebensgefahr vom Kaiser die 3kett n n g s m e d a i l l c. Frankfurt a. M. Zum Attache bei der deutschen Gesandtschaft in London ist ein Sohn des Freiherrn M. B. v. G o l d s ch m i d t - 31 o t h s ch i l d ernannt tvordeu. Freiherr v. Goldschmidt-Rothschild entstammt einer Frankfurter-Londoncr Bankierfamilie, der auch die Baronin Wilhelm Köuigswarter und die Gemahlin des Hamburger Landrats Dr. v. Marx angehören, die beide geborene Fräulein Goldschmidt sind. ' Berlin. Die ersteverheirateteDoktorin der Medizin lvurdc an der Berliner liniversität soeben promoviert: die russische Jüdin Lea Schwarz geb. Beßmertnaja, die Tochter eines Kaufmanns in Witebsk. Berlin. Dem Prwatdozenten an der medizinischen g-akultät der hiesigen Universität Dr. Adolf Lazarus ist das Prädikat Professor beigelegt loordcn. Regensburg. Hier v e r st a r b Baroneß Pauline von Hirsch a u f G e r e u t h und wurde in Würzburg deigesetzt. München. Im Alter von 44 Jahren verschied Baurat Max Jaretzki. Breisach in Baden. An die Stelle des jüngst verstorbenen Herrn Gidion Uffeuheimer wurde Herr Jsac Levch als IDynagvgenratssBorst eher gewählt. Dessau. Kommerzienrat August Tuch mann erhielt den Charakter eines Geheimen Kommerzienrats. (f) Posen, 8. Mai Wieder hat der Tod eine Lücke in die Iieihe der greisen Mitglieder imserer Gemeinde gerissen," nach, kurzem Leiden ist der Buchhändler I o s e p h "I o l o w i c z im Alter von 67 Jahren verschieden. Jolowicz war der Senior der Posener Buchhändler und wurde in den weitesten Kreisen seiner Berufsgcnossen als tüchtigster Antiquar in slavischen Werken geschätzt. Seit 1893 "war er Vorsitzender des Posener Provinzial-Buchhändler-Vereins und vertrat seit 'dieser Zeit den Verein mit Umsicht und Erfolg. Aber auch außerhalb der engeren Fachkreise erfreute sich Herr Jolowicz außerordentlicher Beliebtheit. Die unerwartete Nachricht von seinem plötzlichen Hinscheidcn findet in unserer Stadt allgemeine Teilnahme. Schildberg, 13. Mai. Am 7. ds. Mts. wurde hier der bisherige Stadtverordnete, Herr Louis Kempinski zum Magistratsmitglied gewählt. Wir geben der Hoffnung Raum, daß Herr Kempinski, sowie seine Amtsollegcn Herr Feibelsohn und Herr Nicklas zum Segen der Stadt und zur Ehre des Judentums wirken werden. Bischheim i. Elsatz. Frau Zerline Klein geb. Bamberger, Gattin des Herrn Jules Klein, hat ihre irdische Laufbahn beschlossen. Weit über das Weichbild des Ortes hinaus ist das Haus bekannt, wo die Verblichene seit ungefähr 7 Jahren ihres hohen Berufes als jüdische Hausfrau waltete. Schwere Pflichten tvarcn es, die sie übernahm, als sie ihren Einzug in dieses Haus hielt; galt es doch, verwaisten Kindern die Mutter zu ersetzen. Und in welch' incistcrhaster Weise hat sie es verstanden, die übernommene Aufgabe zur Durchführung zu bringen; wahrlich der Vater wußte seine Kinder in sicherer Hut, wenn er fern vom Hause seinem Berufe nachging, er wußte, daß echt jüdischer Geist cs sei, der sein Heim erfüllte, und daß dieser Geist unter solcher Leitung als heiliger Familienbesitz auch das Herz seiner Kinder einst erfüllen werde. So hat sich die Verblichene als echte Tochter des Stammes Levi bewährt, dessen hoher Berus einst die Pflege des Hciligtumcs gewesen, ihr Hans war ihr zum Heiligtum geworden, wo sie in stiller Zurückgezogenheit als Priesterin waltete, getreu dem hehren Vorbilde, das sie in ihrem Elternhaus genossen. Es war ein imposanter Zug, der den irdischen Ziesten der Verstorbenen die letzte Ehre erwies. Aus allen Gegenden waren die Freunde und Ver- _Nr. 19. wandten herbeigeeilt, um ihr den Tribut der Liebe und Verehrung zu zollen, dessen sie sich im Leben so würdig erwiesen. Im Trauerhause entwarf Herr Rabbiner Dr. W o l f - Bischheim in warmen Worten ein Lebensbild der Verstorbenen und auf beut Bes - Aulom verlieh der älteste Bruder, Herr giabb. Dr. Bamberger, Hanau, den schmerzlichen Empsindungen Ausdruck, die das Herz aller Beteiligten durchzitterte. Möge Gott dem schwergeprüften Gatteit und der Familie Trost 'schicken und die unmündigeit Kinder in seinen besonderen Schutz nehmen. Budapest. Dem Großgrundbesitzer Ludwig Nennt a n n ist der ungarische Adelverliehen worden. Budapest. Der Großgrundbesitzer Emil Keppich ist im Alter von 58 Jahren gestorben. Er hat im wirischaftlichen Leben Ungarns eine hervorragende 3iolle gespielt. 'Das Mnnizipiuin Szolnols hat seine wirtschaftliche Tätigkeit damit gewürdigt, daß es ihit in den Ausschuß des Komitats gewählt hat. Er war eilt Philantrop und Förderer von kulturelleit Bestrebungen. Amsterdam. Zum ersten Vertreter der Niederlande auf 'der Haager Friedenskonferenz wurde der Staatsminister A s s e r ernannt. Zürich. Proicffor Alfred Stern wurde zum Korrespondent der Academie des sciences morales et politiques, historische Sektion, in Paris, ernannt. Paris. ZuQfsiciers d'Academiewurden ernannt: Clement Drcyfus, Cartonnagenfabrikant, Achille G r a d >v o h l, Industrieller, Frätilein Leoittine Lazarus in Firma Paul Kahn, Einanuel 3t e l s o n - U h r y, Zivilittgenieur, Isidor Picard, Federnfabrikaitt, A. 3k. Wahl, Professor in Lille, Achille Weilt, Geschäftsvertreter in Paris. Nathan Weilt, Buchdrucker itt Paris wurde zum Offizier de l'Instruktiott publique ernannt. New-Nork. Oberstleutnant Felix Rosenberg- Clcveland (Ohio) "wurde auf der Jahresversammlung der Ohioer Offiziers-Veteranen aus dem spanischamerikanischen Kriege, einer vom Präsidenten Roosevelt gegründeten Organisation, zum Befehlshaber ernannt. G lenUMon. 0 Ost und West. Sittenbilder aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Jacob Levy. (Fortsetzung.) Kapitel '9. Herr und Frau Werner erhoben sich freudig, als Rabbi Brandes bei ihnen erschien. Der Greis sah nicht nur ehrwürdig, sondern in seiner aufrechten Haltuitg, feinem feilten schwarzen Anzug und dem Cylindcr vornehm aus. Er küßte Betty, die ihm entgegeneilte, auf die Stirn, sah aber Karl mit finsterem Blicke an. „Rabbi, diese seltene Ehre. . ." Er setzte "sich und sagte: „Wir wollen den Hochzeitstag unserer Kinder auf eilten früheren Tag festsetzen. Ich bin ein alter Mann, und alte Leute sind eilig Ich denke in vier Wochen," lächelnd fuhr er fort, „incin Moritz, ist damit Einverstanden. Auch Du, mein Töchterchen?" Betty nickte errötend zustimmend. Die NNutter aber tvehrte entsetzt: „Das geht zu rasch, es ist noch so vieles vorzubereiten." „Weshalb, die Wohnung ist "bereit, was nicht fertig ist, wird später nachgeholt, außerdem," sagte er fest, „es"tnuß sein, ich bitte darum." Herr Werner wandte sich zu seiner Frau: „Ich tvüßtc in der Tat keinen "Grund, weshalb wir die Hochzeit nicht in vier Wochen feiern könnten, also in Gotte? Namen." Betty hatte 'inzwischeii Wein und Glaser geholt. „Vater, den Wein, den ich Ihnen anbictc, dürfen Sie trinken," bemerkte sie lächelnd. Die Gläser klangen, und bald war die heiterste Unterhaltung im Gange, nur Karl rückte cttvas unbehaglicy ails "seinem Stuhl, denn des Rabbi's Blick lichtete sich oft durchdringend auf ihn. Schließlich erhob sich der Greis und sagte abschiednehmend: „Herr Werner, noch ein Wort unter vier Augen." Werner nahm ihn mit auf sein Privatbnreau. Der Rabbi begann ohne Umschweife. „H"crr Werner, jetzt will ich Ihnen den Grund anvertranen, weshalb wir die Hochzeit der Kinder beeilen inüßen. Ihr Sohn ist in liederlicher Gesellschaft und spricht im- Wirtshaus ungescheut von seiner Absicht, sich taufen zu lassen. Und tpenn

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