Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 19 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Seite 5. dies "vor/der Hochzeit geschähe — eine Verbindung mit einer so befleckten Familie Wäre unmöglich, init meinem Willen würde mein Sohn sie nicht eingehe n. Zhnkn. Herr Werner liegt es ob, Ihren Sohn auf den rechten Weg zu bringen, damit er uns nicht alle unglücklich macht." .Werner war erstarrt. „Rabbi, und das wissen Sie genau, cs ist kein Irrtum möglich?" Der Rabbi nickte schweigeild. »Ich 'gab mich der Hoffnung hin, das; er jetzt ernsthafter und solider sei. Das klebrige hielt ich für kindische Nenommagc." Der Rabbi erhob sich. „Herr Werner, Sic wissen jetzt, was Ihnen zu tun obliegt." „Sie werden mit mir zufrieden sein. Ich werde den Verblendeten zu seiner Pflicht zurückführen. Wollen Sie nicht mit ihm reden?" „Zwischen Vater und Sohn soll Niemand treten, damit nicht Bitterkeit znrückbleibt. Seien Sie milde und fest dem Verirrten gegenüber." — Karl leugnete bei seinem Vater gar nicht. „Ich weiß nicht, weshalb Du Dich so darüber aufregst. Die Taufe kommt doch in den besseren Familien jeden Tag vor. Dil ereiferst Dich nur deshalb, weil durch Betth's Heirat bei uns jetzt Frömmigkeit Trumpf ist." „Nein Karl, es wäre mir immer schrecklich, einen abtrünnigen Sohn zu haben. Und ans welchem Grunde wolltest Du konvertieren? Um eine Stellung zu erlangen, reich zu werden, einer Heirat wegen?" Alles das erreichst Du auch als Jude." „Nein. Als Christ werde ich vielleicht der Schwiegersohn des Präsidenten Klansius» und dann erreiche ich eine hohe Stellung im Sturmschritt. Wenn Du mir dann noch die Mittel zum Ankauf eines. Guts zur Verfügung stellst ..." Sein Vater unterbrach ihn. „Ich habe Dir schon viel mehr zur Verfügung gestellt, als ich durfte und Deine Schwester dadurch benachteiligt. Jetzt bist Du auf dein besten Wege, uns unglücklich zu machen, denn Moritz wird niemals ein Mädchen heiraten, dessen Bruder abtrünnig ist. Nun höre mein letztes Wort. In vier Wochen soll die Hochzeit sein. Höre ich inzwischen, daß Du durch Dein liederliches Leben uns lveiter Unehre machst, ziehe ich vorläufig meine Hand von Dir ab. Solltest Du aber ernst mit Deinem Uebertritt machen, so bist Du mein Sohn gewesen, ich enterbe Dich." Der starke Mann schwankte und wäre gestürzt, wenn Karl ihn nicht gehalten hätte. ' Er stotterte: „Aber Papa, wer tvird das denn so tragisch nehmen, beruhige Dich doch. Was mich betrifft, so wird die Hochzeit stattfinden, und ich Iverde auf derselben meinetwegen mit dem alten Rabbi tanzen. 'Später sehen wir denn, was' es gibt. Du hast mich doch sonst immer nach meinem Gusto leben lassen, jetzt allerdings ist es zu einer anderen Erziehung zu spät. Aber rege Dich nur nicht weiter auf, das ist Dir gar nicht zuträglich und auch nicht nötig, ich gebe Dir mein Ehrenwort darauf." Kapitel 10. Tie milde Sonne eines herrlichen Herbsttages goß ihr Licht über den Werner'schen 'Garten, der auf einer Anhöhe oberhalb Anderstadt's lag. An den Spalieren strotzten die Trauben der Reife entgegen, die Aeste der Apfelbäume bogen sich unter der Fülle der rotbackigen Früchte. In den Beeten grüßten bunte Blumen. In blauem Duste schloß das ferne Gcbirg den Horizont ab, der Anderstrom durchfloß die weite Landschaft, die in unvergleichlicher Ablvechselung die vieltürmige Stadt, Dörfchen in Obsthainen gebettet, Aecker und Gebüsch zeigte. Im Garten hatte sich eine große Gesellschaft versammelt. Rabbi Brandes hatte gewünscht, die Hochzeit auf altjiidische Weise stattsinden zu lassen, uiib die Familie Werner war damit einverstanden. ' Aus dem Vorplatz vor dem Gartenhanse war die Chuppah errichtet, eine viereckige blausammtene Decke mrt goldenen Franzen, auf vier Stangen befestigt. Als das Brautpaar, von den Eltern begleitet, unter die Chuppah trat, riesen alle: „Boruch haboh". Darauf deckte Rabbi Brandes das Tallis über das Brautpaar. Frankfurter Israelitische- FamilienvlaÜ. Dann nahm er einen Becher Wein, sprach de» ,/Brrcha« arusin" darüber nnd gleich darauf den zweiten Segen. Rim gab er dem Bräutigam einen goldenen Ring Der steckte ähu der Braut an den Finger und sagte, dabei: „Durch diesen Ring sollst Die mir verheiratet sein nach dem Rechte Mosis nnd Israel." Rim sprach der Rabbi ergreifende Worte: „Liebet Euch,'liebet Eure Mitmenschen." Als er der Märtyrer gedachte, seiner hingemordeten Gattin nick Sohnes, weinte Betty laut^und die tief ergriffene Frau Werner gelobte sich im stillen, Moritz eine rechte Mutter zu werden. Aber mit erhobener Stimme sagte der Rabbi die Trosteswvrte aus den Psalmen: „Du gibst der Ernst nicht meiile Seele preis, Du läßt die Frommen nicht Verwesung schauen." Hierauf nahm er den anderen Becher Wein, sprach den „Birchas nissnin" darüber und ließ noch sechs Scgenssprüchs folgen, welche zusammen „Schiwoh Brochos", die sieben SegenSsprüche, genannt werden Dann lvurdc von dem Wein getrunken, nnd der Rest iv.t| den Boden geschüttet. Hierauf rief alles Masseltof. Das Brautpaar, die Eltern wurden von den Fcsttcilnehmern umdrängt, Karl aber freute sich, daß er keinen seiner Freunde eingeladen hatte. Das Ehepaar Werner hatte sich nicht nehme» lassen, die Hochzeit ihrer einzigen Tochter ans das Glänzendste auszustatten. Die Gäste bestanden, der Stellung der beiden Familien entsprechend, ans Mitgliedern der ersten Meise der Gemeinde. Rabbi Brandes, der den meisten Anwesenden Persönlich unbekannt war, bezauberte sie durch seine Liebenswürdigkeit nnd ruhige Heiterkeit und bewies, daß sich Frömmigkeit und Gelehrsamkeit sehr wohl mit dem modernen Leben und seinen Freuden paaren kann Karl hatte ein reizendes Mädchen zur Tischdame. Ge markierte aber den Blasierten mit so vielein Erfolg, daß seine Nachbarin sich langweilte nnd sich ausschließlich mit ihrem Gegenüber, einem älteren jovialen Herrn, unterhielt. Er nahm seine Pflichten als Sohn des Hauses überhaupt sehr leicht, kümmerte sich weder um die Ordnung des Festes, noch um die Gäste, sodaß das Urteil über ihn im Schoße der Gesellschaft sehr wenig schmeichelhaft lautete.- Einige Wochen sind vergangen, das jnnge Paar war von der Hochzeitsreise znrückgckehrt. Frau Werner kam mit Zeichen großer Aufregung zu ihrem Mann. „Denke Dir, ich ivollte die Kinder zum Essen cinladen, bis sie eingerichtet sind, bn; erklärte Betty mit der größten Kaltblütigkeit, sie würde nicht mehr bei uns speisen, weil es nicht koscher genug sei." Herr Werner lachte laut ans. Karl fragte mit großer Teilnahme, ob Betty verrückt geworden sei. „Und was hat Moritz dazu gemeint?" „Früher habe er bei uns gespeist, well Betty ihm für alles garantierte, aber jetzt müsse er seiner Frau beipslichten." „Und was hast Du ihm erwidert?" Frau Werner sah auf ihren Sohn nnd stotterte: „Ich sagte ihnen, daß ich für eine fromme jüdische Köchin sorgen würde. — Die'Kknder sollen uns doch nicht entfremdet werden!" „Ganz meine Meinung, liebe Frau, Du hast in meinem Sinne gesprochen." Karl pfiff vor sich hin, dann meinte er: „Jetzt werden wir wohl eine sonderbare Küche erhalten." Sein Vater antwortete ironisch: „Beruhige Dich Karl, Du wirst auch ferner bei uns nicht darben. Was den Inden verboten ist, kam ja. doch niemals auf den Tisch." Karl ging schweigend heraus und begab sich nach dem Schweizer Cafe, wo er sich mit seinen Freunden beim gewohnten Frühschoppen traf. (Fortsetzung folgt.) Aus der Geschäftswelt. Frankfurt a. M. Der frühere Direktor des Grand Bazars Herr Josef G e l l h o r n hat die Parterre-Lokalitäten im Union-Hotel, Steinweg 9 gemietet und errichtet daselbst, unter ber Firma Gellhorn u. Co., ein Modewarenhaus. E i n N a t u r b u t t e r - E r s a tz m i t t e l. Auf der kürzlich in Berlin stattgefundenen Koch- Kunst-Ausstettung erregte eine neue, ans Pflanzenbutter hergestcllte Knnstbuttcr, genannt „Leto", wegen ihrer der Butter außerordentlich ähnlichen Eigenschaften allgemeines Aufsehen und erhielt die Fabrikantin. dieser Pflanzeubutter, die Firma Dr. Riegels Nahruiigsmittelwcrkc, G. in. b. H., Nenenbnrgerstraße 37, für ihre Leistungen die goldene Medaille. Die Dr. 'Riegel'sche Kokospflanzcnbutrer „Leto" ist berufen, auf dem Gebiete der Nahrungsmittel- Jndnstrie eine Umwälzung hervorzurufen. Sie besteht aus absolut unverfälschtem Pflanzenfett. Zu ihrer Herstellung werden nur die reinsten Naturprodukte verwendet und unterscheidet sie sich von den bisherigen Ersatzmitteln der Butter dadurch, daß sie sämtliche Eigenschaften der echten Butter in sich vereinigt. Sie bräunt, schäumt und duftet beim Braten wie frische Butter und kann daher zu allen Zwecken in der Küche verwendet werden. Sie ist streich-, schmier- und stichfähig wie Butter, hat dieselbe angenehme Farbe nnd den Wohlgeschmack der Butter. Ihr Fettgehalt von 95°,o übertrifft den der fettreichsten Butter, die bekanntlich nur 86-o Fett enthält. Bon Butter unterscheidet sie sich nur allein durch den billigen Preis, welcher nur halb so hoch ist. Diese Butter wird nun, wie uns die oben genannte Fabrikantin mitteitt, auch in koscherer Form, unter Berliner Rabbinats- Aufsicht, hergcstellt und dürfte es sich für jede sparsame Hausfrau empfehlen, dieses für den rituellen Haushalt unentbehrliche Fett zu probieren. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. .- ■ Gegen Gicht nnd Bhenmatiamns bewährt. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 18. Mai (= 5. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr — Min., in Berlin 8 Uhr 55 Min. Mit der Sidra B a m i d b o r beginnt das (. Buch: Misses. Es wird uns in dem Wochenabschnitte von der Musterung der Kinder Israel berichtet. Die Stainmesfürsten leisteten Hilfe bei dem Zähcgeschäft. Jeder 'stamm wurde besonders gezählt, d. h. die männlichen Personen vom 20. Lebensjahre an. Der Levitcnstamm wurde eigens gemustert, da ihm die Pftichc „des Tragens nnd Bedienend" der Snjtshütte oblag. Es' sind im Wochenabschnitt die drei Gruppen änfge,zählt, in welche sich der Stamm Levi gliederte. Jeder Gruppe wurden genau die zu tiagenden Teile der Stiftshütte benannt nnd zugcwiestn: Bretter, Teppiche, Altäre, Gefäße :c. Die Leviten lagerten rings um die Gotteswohnung. Sic waren die Wächrer, Pförtner nnd Träger. Die andern Stämme lagerten entfernt von der Stiftshütte nach deren 4 Seiten geordnet, eine Fahne bei jeder Himmelsrichtung, je drei Stämme bei einer Fahne. Fahnenführende Stämme waren:'Juda, Rüben, Efrajiin, Dan. Nach' der Lagerordnung richtete sich beimi Aufbruch des Lagers auch die Zugsordnung. Da der Stamm Levi sich nicht durch! die Sünde des goldenen Kalbes verunreinigt hatte, wurde er — anstatt der Erstgeborne» — mit der Würde des Hkiligtnmsdicnstcs betraut. Man schaltet die „Ahawo": „Aus-cho kol hajaum kiwinu" und das „sulas": „Elaukim beosnenn" ein. Beide hübsche Piecen behandeln Israels Martyrium für das Thoragesetz. Beide Stücke deshalb auch am Sabbat vor dem 9. Aw. — Bor dem „Einheben" das Märryrergeber Aw-Horachamim. In manchen Gemeinden Aufzählung einzelner Städte, wo Märtyrer starben. („Memorbücher", von memoria — Gedächtnis.) — Man liest den 6. Perek. — Kein „Zedkoscho Zeüek" zu Mincho. „S ch o w n a u s" — Wochensest, wegen der vcrangegangenen Zählung von sieben Wochen. Auch „Chag-hakozir" gleich Erntefest, weil die Ernte in vollem Schwärnge war. Wegen der von neuem Weizenmehl fereifetcn zwei Brote, die man als Tpeisropfer darbrachte, auch „Jaum habikuriin" gleich Tag der Erstlingsfrüchte genannt. Im Gebete „Scman matan taurausenn" gleich Zeit unserer Gesetzgebung. Dies die Hauptbedeutung. Datum des Offenbaruiigsaktes in der Thora nicht genau angegeben. Nach der Tradition der 6. «iwan. Zweifelshalber der 7. noch mitgefeicrt. — Das Machsor behandelt die zehn Gebote, überhaupt die Gesetzgebung ausführlich» schildert die Thora als Israels herrlichstes, ewiges Gut. Dem Borlefen vom ersten Tage geht die in chaldäifcher Sprache abgefaßte bekannte Introduktion „Akdoinus milin" voran. — Samstag Nacht findet das sogenannte „Lernen" statt. Ein Kemvcnd'rnm aus Thora, Newiim und Kesuwim, sowie ans Zeiten bev 6 Bände der Misch»«. 13 Kadeschim. —> Am 2. Tag des Wochensestes wird das Buch Rnt gelesen, da die Begebenheit um die Zeit des Schowuaus spielt. — Beim Lichtanzünden und Kiddusch ist „Schehcchijonu" zu sprechen. Des Morgens als Ki'ddusch nur „Wajdaber Mnuscheh."