Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 16 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. Frankfurter Israelitisches FamilienblaÜ. Insassenvorhanden. Einen großen Verlust chat bas Asyl durch den Tod des Herrn Weil-Heilbronner, Zürich, erlitten. Als neue Mitglieder des Vorstandes sind pro 1907 eingetreten die Herren B. S. Wyler, Zürich, Viktor Wyler, Basel und Dr. nied. I. Weil-Lcngnau. Die Bilanzsumme der Einnahmen und Ausgaben beträgt Kr. 36 860,18. An Einnahmen sind ausgewiesen: Jährliche Beiträge Fr. 11763. Verpflegungsgelder 8447,65, Zinsen 1498,70, Geschenke 3871,55, Synagogenspenden 2009,60, Legat 1000. Der Vermögensbestand des Asyls an Bauten, Mobilien und Wertpapieren beträgt Fr.. 148 639,78. Der Bericht gibt einen deutlichen Beweis , von der gesunden Basis, und Fortentwickelung dieses gemeinnützigen Unternehmens. Amerika. New-Nork. Die jüdische« Schubkarren- Haus i e r e r. beabsichtigen,.eine Markthalle zu bauen und ' dafür mindestens 2 Millionen Dollars aufzübringen. Das Gebäude," das ein Häusergeviert an Raum einnehmen wird, soll zwei Stockwerke hoch werden und auf dem Dache einen Garten erhalten, in dem die Hausierer ihre freie Zeit zubringen können. Bankier Joseph S. Marcus, soll bereits für das Projekt Doll. 400 000 zugesagt haben, und viele kleine Summen sind gezeichnet worden. Resolutionen, die sich mit dem Plane einverstanden erklären, sind letzten Sonntag in sechs Massen-Meetings gefaßt worden. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Frauen-Bereinigung der Frankfurt-Loge (Vorsitzende: Ella Seligmann) vereinnahmte r'm 3. Jahre ihres Bestehens (1. Aprll 06 bis 31. März 07) an Mitgliedsbciträgen Jk 1388, Geschenken Jk 580, Ueberschuß vom Teeabend Jk 132 usw. und verausgabte für Drucksachen Jk 850, Vorträge Jk 650, Jugendgruvpe Jk 500, Geschenke Jk 325, Beitrag im die Frankfurt-Loge für das zu gründende Mädchenheim Jk 1000 usw. Das soziale Komitee der Vereinigung erhielt Mark 1490 an Geschenken und verausgabte für Pflegen Jk 827, Kleiderbepot Jk 177. Frankfurt a. M. Der 4. Rechenschaftsbericht des Vereines Jsr. Kranken heim Bad Neuenahr (Vorsitzender: Raphael Ettlinger, Frankfurt a. M.) zeigt, daß dem Verein von der jüdischen Wohltätigkeit leider noch nicht das Interesse entgegengebracht wird, das er beanspruchen darf; denn den Ausgaben von Jk 3479 (1905) und Mark 3528 (1906) steheu nur Jk 2288 (1905) und Mark 3010 (1906) Einnahmen gegenüber. Der Verein brachte —ein eigenes Heim steht 'ihm immer noch nicht zur Verfügung — (1905) 30 und (1906) 28 Patienten in Privatpflege unter und gewährte ihnen vollständig freie Verpflegung, ärztliche Behandlung, Bäder, Kurkosten usw. Frankfurt a. M. Der Verein .Mekor Ch ajim", versandte an die jetzt'aus der Schule entlassenen jungen Leute folgendes Zirkular: „Wir nehmen hiermit Veranlassung, Ihre Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit unseres Vereins zu lenken. Unser nunmehr seit mehr als 30 Jahre wirkender Verein hat sich die Aufgabe gestellt, durch ein mannigfaltiges Programm jedem Thorabeflissenen, auch dem nicht mit großen Vorkcnntnissen ausgerüsteten Laien, Gelegenheit zum Studiuni der Thora zu bieten und auf diese Weise zu einer Verallgemeinerung des Thoralerncns nach Kräften beizutrage». ' An der Hand unseres Lehrplanes werden Sie zugleich ersehen, daß unser Verein eine willkommene Stätte bietet für die Ruhepausen des geschäftlichen Lebens, wo die erwachsene Jugend Gelegenheit zu edler Nutzanwendung ihrer Mußestunden findet und der Geist 'sich im Kreise erprobter Gesinnungsgenossen zu erheben und an dem ewig sprudelnden Quell unserer Tauroh häkdauschoh zu erfrischen vermag. Wer als gesctzestreucr Jude offenen Auges unsere heutige Zeit verfolgt, wird zugcben müssen, daß im Interesse der Kräftigung eines wahrhaft jüdischen Bewußtseins mehr als je eine Ausrüstung mft dem Geiste jüdischer Lehre vonnöten ist. Gill es. doch in unseren Tagen, den Juden, der von allen Strömungen der Zeit,' von ihren Wahrheiten und Jrrtümcrn erfaßt wirb, mit dem Gcdankeninhalt unserer alle Zeiten überragenden göttlichen Lehre so sehr zu erfüllen, daß er dadurch befähigt werde, das Leben und seine Erscheinungen aus dem rechten Gesichtspunkte zu würdigen und Gedanken in ihm geweckt, berichtigt und gekrästigt werden, aus denen das ziclbewußtc, charakterfeste und echtjüdische Tätenleben zu erblühen vermag. Nur im Thoralernen wurzelt die Gewähr für die unentwegte Erfüllung der Gottesgcbote. Ganz besonders aber sollte der Gedanke bei allen Eingang finden, daß ebenso wie der Schluß des Schulbesuches keineswegs das Ende der Profanen Ausbildung bedeutet, wie vielmehr die Ertüchtigung im Berufsleben noch weitere Studien verlangt,'ebenso auch — und in noch höherem Maße — mit dem Hinaustritt aus der Schule ins Leben eine fortgesetzte,, nie endende jüdische Lernarbeit Platz greifen müsse. — Wir richten daher auch an Sie die frdl. Bitte, unserem Vereine als Mitglied beizutreten und fügen hinzu, daß nach Paragr. 4 unserer Statuten der Jahresbeitrag für junge Leute vom 1.4. bis zum vollendeten 17. Lebensjahre Jk 2 beträgt. — - - - Wir wollen jedoch nicht unterlassen, zu bemerken, daß auch Mchtmitglieder an allen Bereinsvorträgen teilnehmen können." Ein ähnliches Zirkular gelaugte gleichzeitig an die jungen Leute zur Versendung, die in Samstags geschlossenen Geschäften tätig sind. Frankfurt a. M. Die General-Versammlung des Vereins „Jsr. K r a n k e n h e i m", Bad Neuenahr fand am Sonntag, 7. April 07 in Bonn a. Rh. statt. Die aus dem Vorstand eusschcidenden Herren Raphael Ettlinger aus Frankfurt a. M., Dr. mcd. I. W e i d e n b a u m aus Bad Neuenahr, Abraham Bär aus Ahrweiler wurden wiedergcwählt, elfterer als Vorsitzender. Frankfurt a. M. Die Jtraelit. Wohlfahrtskassc hielt am 22. ds. Mts. unter Leitung ihres Vorsitzenden M a x G. A d l e r ihre Generalversammlung ab. Nach 'Erstattung des Berichtes wurden die Satzungen, die bereits im Oktober festgesetzt waren und inzwischen von der Negierung bestätigt sind, definitiv angenommen. Das Sterbegeld für das laufende Jahr wird auf Jk 500.— bestimmt, und der Vorschlag des Vorstandes, den Jahresbeitrag aus Jk 10.— festzusctze», wird acceptiert. Der. Verstand appelliert an die Mitglieder, energischer Propaganda für den Verein zu treiben. Auch der Berichterstatter mochte sich diesem Appell wärmstens anschließen, denn ein Betrag von Jk 500 bei einem etwaigen Stcrbcfall ist für die meisten Familie» eine große materielle Erleichterung. Nach Wiedertvahl der ausscheidcnden Vorstandsmitglieder Jacob Ettlinger und Joseph S ch w a b a ch e r und Wahl der Revisoren wird die Versammlung geschlossen. Frankfurt a. M. Ein „Mohelim"-Verein. Wir können heute zu unserer Genugtuung von einem neugegründcten Verein, mit dem Namen „Chebrath Mohelim" berichten, der nicht nur die Ausübung der Mitzwath Miloh zu fördern und zu pflegen sucht, sondern auch die Heranbildung junger Männer zu tüchtige» Mohelim sich zur angelegentlichsten Aufgabe macht. Die hier praktizierenden Mohelim, die Herren: Liepmann Ph. Prins, Hermann Zuntz, David Strauß, Jacob S. Posen, Jsaac Goldschmidt, Jacob Gottheimer, Max Locb, Hermann Marcus, - Hugo Boudi, Bernhard Nicdcrhofheim, Leopold Rothschild, Lion Seligmann, Hermann Krankenthal haben sich auf Grund gründlich ausgcarbeitctcr Statuten zu dieser Vereinigung zusammengetan. Wer es weiß, wie schwierig cs oft den Bewohnern lleiner Plätze gemacht wird, die Miloh, namentlich an Sabbaten und Festtagen rechtzeitig vollziehen zu lassen, der muß den Männern, die Mißständr in dieser Hinsicht nicht auskommen lassen wollen, herzlich dankbar sein. — Da nun allen Eltern und jedem Jchudi die Pflicht geboten ist, für die Mitzwath Miloh einzutrcten, und diese nicht allein dem Mohcl überlassen werden kann, bittet der ncugegründete Verein um lebhafte Beteiligung aller Jchndim, denen daran gelegen ist, ist, die Fahne des 'Judentums hochznhaltcn. — Jedermann kann für einen Mindestbeitrag von Jk 5 jährlich Mitglied des Vereins werden. Der Vorstand des Vereins besteht aus den Herren: Zuntz, Posen und Bondi; Ersatzmänner bilden die Herren: Prins und Goldschmidt. Berlin. Der Verein «Freunde der Taubstummen (I e d i d e I l in i m)" hielt unter dem Vorsitz Geheimrat Dr. Boas' seine Generalversammlung ab. Direktor M. Reich erstattete den Bericht. Die Zahl der Zöglinge beträgt 48, die in acht aufsteigenden Abteilungen in sechs gesonderten Klassen von dein Direktor, vier Lehrern, zwei Lehrerinnen und einer Erzieherin unterrichtet werden. Neben den üblichen Unterrichtsfächer» und der religiösen Unterweisung wird auch dein HanLsertigkeitsunterricht große Aufmerksamkeit zugewendet. Das Bestreben des Vereins ist darauf gerichtet, die in der Anstalt untergebrachten Zöglinge zu brauchbaren Menschen und gesinnungstrenen Juden zu erziehen. Doch darf mit der Entlastung der Zöglinge aus der Anstalt die Fürsorge für sie nicht aushörcn. Es ist daher dringend nötig, den Fonds für eiitlassenc Zöglinge zu kräftigen, um diese Unglücklichen, wenn sie erst ins Leben eintreteu, in jeder Beziehung fördern zu können. — Die Versammlung erteilte alsdann einstimmig der Kasscnverwaltung die Entlastung und genehmigte den Voranschlag des Etats für 1907, der mit 41050 Jk Balancierte. — In den hieraus folgenden Wahlen, wurden die turnusmäßig ausscheidendeu Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. M aybaum, Ludwig Gumpertz, Jsmar Hamburger- Berlin, Kommerzienrat Kirchdörfer« München wieder- und die Herren Ernst Blumenthal - Leipzig, Friedrich Kaufmann- Frankfurt a. Main, S. R e i ß - Mannheim, Rabbiner Dr. L. R o s e n t h a l-Köln und Adolf Schw a r z - Nürnberg neugewählt. Nr. 16, 0 leuiffefoa. 0 Ost und West. Sittenbilder aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Jacob Levy. (Fortsetzung.) Nach einer Weile trat ein Paar ein, so abweichend von den gewohnten Klienten, daß der Rabbi es verwundert anblickte. Es war ein behäbiger, gut gekleideter älterer Herr imd eine elegante schöne junge Dame. „Herr Brandes, ist heiße Werner und komme in meiner Eigenschaft als Vorsteher des Unterstützuugsvereins zu Ihnen. Meine Tochter verehrt Sie und wünscht sehulichst, Sie kennen zu lernen, sie ließ sich 'nicht nehmen, mich zu begleiten." Der Rabbi sah das junge Mädchen, das ihm anmutig zulächelte, wohlwollend an. „Und womit kann ich Ihnen dienen?" „Ich bin beauftragt. Ihnen den offiziellen Dank unserer Verwaltung für Ihre Hülfe abzustatteu. Wir empfinden Ihre segensreiche Tätigkeit sehr gut und möchten Ihr Wirken aus irgend eine Art unterstützen." , Der Rabbi lächelte. „Lassen Sie mich meinen Weg in' der Stille machen. Meine Tätigkeit patzt nicht in den Begriff der öffentlichen Wohltätigkeit." „Herr Brandes, wir wollen nicht aufdringlich sein, aber bestimmen Sie über unfern Verein. Allen Anweisungen, mit Ihrem Namen versehen, soll nachgekonnnen tocrben." „Ich danke Ihnen und werde, wenn nötig, Gebrauch davon' machen." „Das loird uns freuen, Herr Rabbiner. Doch nun, da meine offizielle Sendung erledigt wäre, gestatten Sie mir. persönlich zu Ihnen zu reden. Da möchte ich Sie denn herzlich einladen, uns zu besuchen. Bei mir verkehren die Spitzen der'Gemeinde und — wer weiß, wie viel Segensreiches aus dem persönlichen Verkehr entsprießen kann. Ich möchte Ihnen auch als Mensch zum Menschen näher treten." „Herr Werner, fassen Sie es nicht als eine Unfreundlichkeit auf, wenn ich Ihre Einladung ablehne. Mirfehlt wirklich die Zeit. Ich bin ein alter Mann und muß mit der Minute geizen. Meine Zeit gehört nicht miri" Betty sagte schüchtern: „Herr Brandes, Bertha Weinstein erzählt mit Begeisterung von den Vorträgen, die Sie wöchentlich den jungeil Mädchen halten. Darf ich nicht Teil daran nehmen?" „Gewiß mein Kind, Sie werden mir willkommen sein." Herr Werner erhob sich. „Gestatten Sie mir. Sie immer um das zu befragen, was mir am Herzen liegt, auch wenn es vielleicht einmal in eigener Sache wäre?" „Kommen Sie mit Vertrauen, ich werde Ihnen raten, so gut es in meinen Kräften steht." Draußen sagte Betty 'mit Begeisterung: „Papa, das ist ein Mann, wie aus einer anderen Welt, ein Patriarch, ein Prophet." „Gewiß. Ms ich mit ihm sprach, stieg der Wunsch in mir auf, daß er Einfluß auf Karl gewinne und dies war es auch, woran ich bei meinen Abschiedsworten dachte." 5. Kapitel. Jtzig Strohsesscl hatte Jahrzeit und deshalb seine Chewroh veranlaßt, zu Schacharis für Minjan zu sorgen. - : --'ü i Dte östlichen Juden hatten einen Betsaal, in dem sie ihren Gottesdienst nach polnischen! Ritus abhielten. Dieser war ein großes Zimmer in eineni Hintergebäude, die beiden Ncbenräume hatte eine russische Hansierersamilie innc. Im Betsaal war ein einfacher Oraun mit zivei Seforim, in der Mitte des Almemor, ein Pult, vor dem ein kleiner Teppich lag und an den Seiten hölzerne Bänke ohne Rückenlehne. Es war Winker, sechs Uhr Morgens und noch ganz dunkel. Die Gaslaternen blinkten wie Glühwürmchen durch den dichten Nebel, der. .aufden