Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 15 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Edlliou der Biblia Hebraica ist ein Stereotypabdruck der seinerzeit von der Londoner „Bible Society for the Circulation of nncorrnpted Versions of the Word of God" mit namhaften Kosten hergestelltcn Ginsburgschen „24 Heiligen-Bücher" deren fortschreitender Druck jeweils den Orientalisten - Kongressen von Wien, Stockholm und Zürich Vorgelegen hat. Giusburg gibtuns hier einen miMtiös genauen, richtigenm a sfür«tischen Text der ganzen .hebräischen Bibel, den er in den Fußnoten mit unzähligen sehr wertvollen .Varianten und Glossen begleitet. Weben den Varianten aus alten Handschriften und Drucken, gibt der gelehrte Editor auch die Lesarten, die die verschiedenen allen Uebersetzungen, wie Oukclos, Jonathan, der Syrer, .die.Septüayuinta, die Vulgata u. a. voraussLtzen. Wn den ölten Drucken, die dem Editor! Vorgelegen, seien erwähnt: Pentateuch, Bologna.1482;; Propheten, Soncius 1485-^1466; Hagiographen, Neapel 1W6—148^; Erste Edition-der Bibel 1488; Zweite Edition, Neapel xa. 1491—1483; Jesaja u. Zeremia, Lissabrur.M9Z^ /Dritter.-Editsön der Bibel, Brescia 1494; Die vorderen Propheten, Pesaro 1511; Die Hinteren Propheten, Pesaro 1515; Vierte Edition-der Bibel, Pesaro 1511—1517; Psalmen, Sprüche, Hiob und Daniel, Salonicki 1515; Polyglotte; Erste Edition der Rabbinischen Bibel, Bamberg 1517; Bamberg'sche Bibel 4° 1521; Zweite .Edition der Rabb. Bibel, od. erste Edition ■. durch Jakob bcn Chajjim, Venedig 1524—,1525 u. a. Es sind im Ganzen 24 alte, Drucke, die für die Variaiüenjammlung benützt wurden. Welcher. Gebrauch nun von diesen mit imensem' Fleiß zufammengetragenen Varianten usw. gemacht, tvird, das hängt ganz von der religiösen und : wissenschaftlichen Richtung des Betreffenden ab. Die. Zusammenstellung allein Ist eine überaus verdienst-: liche Arbeit, die einem jeden Bibelforscher unschätz-! bare Dienste leistet, aber auch einem jeden Bibelfreund -eine willkommene Gabe sein wird. Der sür i :cine solche Ausgabe ungewöhnlich billige Preis von j "JL 6 ermöglicht jetzt überall die Anschaffung derselben.; 'Der Druck ist sauber und schön. Dr. B. F. i .'N.eueste Prinzipien der alttestamentlichen Kri-! : tik, geprüft von Eduard König, Dr. phil. «,?;theol., ord. Prof. a. d. Universität Bonn. Gr. -i . Lichterfelde - Berlin, Verlag von Edwin Runge (8°. 80 S.V Preis M. 2. j Ed. König gehört zu den Bibelforschern gömäßig-'. ter Richtung und unter diesen nimmt er eine hervor-- ragende Stelle ein. Er geht seine eigenen Wege und: gibt, durch seine scharfe Kritik des radikalen Flügel der modernen Bibelkritiker, diesen viel zu schaffen.' In der vorliegenden Schrift beurteilt er sehr geistvoll die Prinzipien der modernen alttestamentlichen Kritik, von den er hervorhebt: die grammatische Richtigkeit, die lllerargeschichlliche Altertümlichkeit, die geistesgeschichtliche Priorität, den Schwierigkeitsgrad, die stilistische Nichtigkeit und Kongenialität, die metrische ' Beschaffenheit, die komperakivistischc Norm, das Personifikationsprinzip und die poetisiercnde Methode. Mit großem Geschick und in einem glänzenden Stil, der. die Lektüre der Schrift Mch dem Laien, oder dem in ähnlichen Schriften weniger Bewanderten, leicht und interessant macht, bekämpft er die radikalen Hypothesen, besonders von Gunkel, Guthe, Duhm, Stade, Coruill, Winkler U. a., und bietet damit gutes, sehr wertvolles Material für diejenigen, die in der Bibelforschung auf traditionellem Standpunkte stehen. Wir geben hier den Schluß- Passus. wieder, in dem König sich gegen die Behauptung ' Küthes, ,chie .israelitische Religion habe die Poesie und auch die poetische Erzählung besonders in: ihr Herz geschlossen" — also die poetisierenbe Methode — in folgenden Worten ausspricht: „Die Pflege der Religion Israels ließ es zu, daß bei der Vererbung der allen Erinnerungen Reproduktionen entstanden, die in Nebensachen differierten. Aber die Religion Israels war weit davon entfernt, selbst eine Basis aufzubauen, auf die.sie sich dann gestellt^ hätte. Es heißt, diese Grundeigenschaft..der wahren Religion Israels ganz verkennen, wenn man von ihr sagt, daß sie poetische", d. h. erdichtete, „Erzählungen besonders in ihr Herz geschlossen habe" .... Das neueste Prinzip der Kritik des Alten Testamentes schließt demnach auch eine Verkennung der Objektivität als des Grundcharakters der israelitischen Religionsgeschichte in sich." Dr. B F. Der ältcsteProphetismus. Von D. Dr. E d. König, Prof. d. Theol. i. Bonn. (9. Heft der 1. Serie der Biblischen Zell- und Streitfragen.) 1905. Verlag von Edwin Runge in Gr. Lichterfelde- Berlin. Preis: 50 Pfg. ' Unter den Schriften, die in der Sammlung „Biblische Zeit- und Streitfragen" — ein Unternehmen von „positiven" Theologen, als Gegenaktion gegen die radikalen „Rcligionsgeschichtlichen Volksbücher" — erschienen sind, halten wir die.obige Schrift Königs für die beste. In einem lebhaften, prächtigen: Stil; der die Lektüre.für jeden Gebildeten zu einem Höheren geistigen. Genuß gestattet, kämpft der Verfasser hier gegen die grundstürzeude Auffassung der modernen radikalen Bibelkritiker an, hie den Aus-, gangspunkt aller Erscheinungen der israelitischen: Geistcsgeschichte nach Babylonien verseht und. speziell inbezug aus das Prophetentum Babel und Bibel für gleichartig achtet. König erweist die Grundlosigkeit dieser Auffassung, widerlegt 'aber auch die Behauptung, die das Prophetentum aus der kauaanitischcn Religion herleitet. Das atttestamentliche Prophetentum hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Region, vielmehr ist es eine der israelitischen Religion selbst natürlicherweise angehörende Erscheinung. Nachdem Verfasser das Prophetentum des Allen Testa-, ment's sowohl nach feinem Ursprung betrachtet, als auch die Verschiedenheit und Abgrenzung desselben von den nächstverwandten Geistern.gewürdigt hat,, geht er zur Darstellung der Hauptgestalten des älteren Prophetismus und ihrem Eingreifen in die Ge-: schichte ihres Volkes über. Lebendige farbenprächtige Schilderungen, Meisterstücke in engen beschränkten > Rahmen. Der Schluß, den.er aus seinen Auseinander-; setzungen zieht, ist: In der älteren Zell prägte! sich die prophetische Verkündigung mehr in kürzeren; Sentenzen aus. Sie erscholl als Spruch, Weihespruch,- Segenssprüch, oder auch Drvhspruch. Erst später: bildeten sich die „Svrüche" zu „Reden" üus. '. Dr. B. F.; Moritz Lazarus' Lebenserinnerunge n,: bearbellet von Nahida Lazarus und Alfred Leicht.: Mt einem Titelbild. 632 Seiten. Berlin, Georg. Reimer. Die Besten der deillschen Nation fühlten sich zu Lazarus, dem Edelmenschen und berühmten Völkerpsychologen, hingezogen, und so sehen wir ihn im innigen Verkehr mit Männern wie Rückert, Gottfried Keller, Berthold Auerbach, Paul .Hetise, Fritz Reuter, Raabe und vielen anderen. Diese unter der Beleuchtung emes so feinen Beurteilers wie Lazarus,, kennen zu lernen, ist von Nerz für auf dem Gebiete der Literatur Bewanderte und von Vorteil für den Laien. Hierzu kommt der Einblick in das .reichgesegnete und reichen Segen ausstreuende Leben eines Lazarus. Eines freilich ist an dem vorliegenden Buche auszusetzen, nämlich der Umstand, daß die Verfasser auch zahlreiches Nebensächliches, gebracht haben; hier wäre'.weniger mehr gewesen, und-hätte mehr Discretion Lazarus' Persönlichkeit nur .gehoben. lieber das Verhältnis Lazarus' zum Judentum und zu den Juden hören wir nur sehr Spärliches. Wohl wird uns auch noch eine Biographie Lazarus, von.jüdischem Standpunkte aus in Aussicht gestellt; da sich aber Lazarus dem jüdischen Leben sehr entfremdet hatte» so ist es nur die Betrachtung seiner Persönlichkeit als Mensch, die uns Wertvolles zu bieten weiß. Monatsschrift für Geschichte u, Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Braun. 51. Jahrgang, Heft 1/2. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: M. Braun, Zur Geschichte der „Monatsschrift" — Felix Goldmann, Der Oelbau in Palästina in der tannaitischen Zell (Fortsetzung) — S. Horo-. vitz. Der Sifsre sutta nach dem Jalkut und anderen: Quellen (Fortsetzung) —Samuel Krauß, Die Kauf-: Nr. 1.5. inanrische Mischna-Han.dfchrM — M. .Parol? Wennachem den Simon aus Posqyires und sein Kommentar zu Jeremia und Ezechiel. — Jakob Guttmann, Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum — die Vorarbeiten znr „Germania Jüdeica" — usw. Juda t c a undHebrai c a. Lagerkatalog 539. 106 Seiten.. Joseph Baer u. Co., Fraykfurt. Die erfolgreiche Reklamation gegen zu hohe Steuerveranlagung. Praktischer Ratgeber sür jeden Steuerzahler. Mustergültige Formulare nebst preußischem Einkomniensteüergesetz vom 19. Juni . 1906 Und Erläuterungen, v IMSellen (Mark IM)). :L. Schwarz-ü. Comp:,'Berlin'8. 14.' Er as m u s R ag l, Dr., Prof., der .Theologie in Heiligen kreuz. Die nachdavidische Königsgeschichte . -Israels. Carl. Fromme. Wien und Leipzig 1905. : 355 n. XV S.; ' . ’ Es ist erfreulich, daß die Königsgeschichte Israels einmal eine Darstellung von seiten eines Gelehrten gefunden hat, welcher, derisraelitischen Geschichtschreibung unbefangener.und vorurteilsloser gegenübertritt, als es seitens der zünftigen Wissenschaft zu geschehen pflegt. Der Verfasser arbeitet mit dem Rüstzeug moderner Wissenschaft, das Hilfsmaterial der Archäologie und der Geographie steht ihm sogar ur viel reicherem Maße zu Gebote als vielen anderen; aber er ist auch nicht blind für' das Walten Gottes in der Geschichte Israels, und darum tritt er auch an die Kritik der heiligen Schriften init derjenigen Ehrfurcht heran, welche die sicherste Gewähr gegen haltlose Hypothesen bietet. Bei den privilegierten Vertretern der sogenannten modernen „Wissenschaft" wird ihm allerdings damit auch schon das Urteil gesprochen sein; sie werden in gewohnter Weise sein Werk entweder totschweigen oder verketzern; aber die ernste und gediegene Arbeit wird sich trotzdem durchsetzen. Von Interesse ist besonders der an verschiedenen Stellen geführte Nachweis von der Zuverlässigkeit des Buches der Chronik, dessen Wertlosigkeit für die Geschichte bei den Kritikern schon als Axiom gilt. Nagl zeigt, daß dem Verfasser der Chronik noch ein nach dem kanonischen Königsbuch verfaßtes, umfangreicheres Königsbuch als Quelle vorlag. Sehr wertvoll sind auch die zahlreichen geographischen und ethnographischen Exkurse des Verfassers; wir finden Untersuchungen über die meisten in den Königsbüchern erwähnten Städtenamen, ferner über Kananäer, Ammoniter, Moabiter, Edomiter, Egypter usw. Eine genauere Kenntnis des Talmud und -Midrasch hätte allerdings dem Verfasser in manchen Punkten die Arbeit wesentlich erleichtert, so z. B. bei ber Erklärung der Stelle Könige 1,4,19 (unezio echod ascher boorez); und eine etwas flüssigere Darstellung würde zur Verbreitung des als Hilfsmittel für Gelehrte und Laie» sehr empfehlenswerten Buches noch mehr beigetrageu haben. I. U. Vereins -Kalender. Ziouistische Bereinigung Frankfurt a. M. Dienstag, 23. April, abends 8^,4 Uhr, rm .Kursaal Mlani, . Friedberger Anlage: Generalversammlung. Israelitische Wohlfahrtskasse. Atontäg, 22. April,. abends 9 Uhr, im Lokale der Jsr. Suppenanstalt, Theobaldstraßc: Ordentliche Mitgliederversammlung. Verein Mr jüdische Geschichte und Literatur. Mittwoch, 24. April, abends 8(4 Uhr, im Saale der Frankfurt -Loge (Eschenheimer Landstraße 27): Vortrag mit Lichtbildern des Herrn,.Dr. Jaques Faitlovitch aus Paris: „Die Falaschas". Im Anschluß an diesen' Vortrag findet ,mu 91/» Uhr im kleinen Sitzungssaal der Frankfurt-Loge eine General-Versammlung statt. Israelitischer Mädchenklub VahrgasBe 146. W' Jeden Abend von 7Vi—10 Uhr geöffnet. *M> Wir bitte» nufere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unsere» Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familieublatt. garantiert frisch. Preis 9 Pfennig frei ins Hans. Kommejedeu Donnerstag nach Frankfnrt. Han schreibe an Wueckof?&. 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