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Neue jüdische Presse · 1907-04-19 · Heft 15 (19.4.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 15 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15. FaaSfwcka gsraelMsche, FamilienölE Seite 11. von den Verernsschwestern nahezu. 2000 Besuche Md über "1000 Pflegetage, geleistet. Die Mt a d t S i'ü t t - gart hat dem Jüdischen Schwesternheim in Anerkennung seiner gemeinnützigen Tätigkeit bereits im Jahre 1906 einen Jahresbeitrag von 200 Jk bewilligt. Die Vorlage des jüngsten Jahresberichts hat der Königin Veranlassung gegeben, dem Verein einen jährlichen Beitrag von 50 Jk zu gewahren. Die Mitgliederzahl ist gegenüber dem Vorjahr um beinahe 100.Personen gewachsen.. Trotzdem haben die Betriebseinnahmen die Ausgaben nicht gedeckt, was auf die große Zahl unentgeltlicher Leistungen zurückzuführen ist. Nürnberg. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hat im .vergangenen Jahre durch seine.Schwestern 512 Vollpflegen, 203 Nachtwachen und 184 Tagespflegen geleistet; außer« ' dem waren, seine Schwestern in 22 Fällen bei Operationen und in 214 Fällen ambulatorisch tätig. Die Oberschwester des Vereins machte '119 Armen« und Krankenbesuche. . .. . Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Eine imposante Versammlung hielt die hiesige „Z i o n i st i s ch e O r t s g r u p p e" am Dienstag tu dein Saal dos Kanfmännischett Vereins ab. Schon lange vor der Eröffnung war der Saal überfüllt. Der bekannte Zionist, Herr Dr. Sch. Lew in, Mitglied der ersten russischen Duma, hielt einett geistreichen Bortrag über „Die Lage der russischen Juden", der sichtbaren Eiitdruck auf die Bersamtnlnng machte und mit bransendetn Beifall ausgenommen wurde. Redner schilderte die verzweifelte Lage der russischen Juden und deren traurige Stimmung, die — wenn auch nicht zur Schau getragen — beständig ihr Gemüt beherrscht, da ihnen die Hoffnnng auf eine gesicherte gute Zukunft im Lande abgeht. Die 'Armut ' der breiten Massen ist ünbeschreiblich. Die einzige, einstweilige Rettung, ist die Auswanderung. Redner, der eben von einer Reise nach Amerika zurückgekehrt ist und dort die jüdische Ansiedelung genau besichtigt hat, schildert die Lage der eingewanderten .Juden als dine ziemlich gute. Was sie in Amerika suchten: „Brot und Freiheit", fanden sie dort. Mancher von ihnen hat es sogar in kurzer Zeit bis zum Staatsanwalt gebracht; doch meint Redner, der jüdische Schutzmann, der jüdische Briefträger und jüdische, vom Magistrat angestellte, Straßenkehrer, die er in Amerika angetroffen hat, machten ihm viel niehr Freude; vom jüdischen Minister läßt sich auf die politischen Rechte der Inden kein Schluß ziehen, anders aber vom jüdischen Schutzmann. Die Emigranten haben es zu großem Ansehen gebracht; die reichen Inden tragen ihren Wünschen Rechnung, und das will viel sagen. In den russischen jüdischen Arbeitern Amerikas erkennt man nicht wieder den geknickten und gebückten russischen Juden, und das erfreuliche dabei ist, daß sie ihren Stamm und ihre Brüder nicht . verleugnen, so daß sie 60 000 Schiffskarten in kurzer Zeit nach -Rußland schickten. Auch der Zionismus macht dort große Fortschritte; die Freiheit ist für die nationale Wiedergeburtsidee sehr günstig; der Sklave kantt sich bis zur völligen Freiheit schwerlich erheben. Aus letzterem Grund macht auch der Zionismus 'in Westeuropa kleinere Fortschritte als -in ^Amerika; der westeuropäische Jude ist kein freier Jude, er ist Sklave seiner ewigen. Angst vor ,,'Rischns", alles was er tut ist von dieser seiner Äugst geleitet, und beständig dichtet er seine Blicke nach den christlichen. Mitbürgern, zu hören, was die' dazu sagen. Er macht in der Assimilation, weil Las I n d i s ch e R i s ch u s m a ch t. . . .Er verleugnet fernen Bruder, weil die jüdische Zugehörigkeit Rischus macht: er stößt den „armen jüdischen Verwandten", den Emigranten auf der Durchreise, durch sein Land aus Rischus. Das kommt daher, weil der westeuropäische Jude blos bürgerliche, aber keine politischen Rechte genießt» rind er sich in der beständigen Angst befindet, daß die wenigen Rechte, die er besitzt, ihm-nicht womöglich noch genommen werden. Anders aber der amerikanische Jude, der im Vollbesitz seiner Rechte ist. Doch meint Redner, daß auch bei den amerikanischen Juden ein wichtiger Faktorzn vermissen! ist, nämlich die gesellschaftlichen Beziehungen. Auch charf nicht vergessen . werden, daß die Lage der dortigen Juden deshalb eine gute ist, weil in Amerika vorläufig keine Nation die herrschende ist; mit dem Moment aber, da eine Nation Mr. ausschlaggebenden Stellung gelangt —- .die Jrrländer mit den Deutschen kämen in Betracht — zieht auch die Entrechtung der kleinen Nationen ein. Redner meint, daß die Mißachtung ' der-Juden nur auf der Selbstverleugnung der Juden äks Nation zurückzuführen sei. Es gibt keine jüdische Kunst — und doch sind 30 Proz. der bekannten 'Maler - und 40 -Prozl der holländischen Juden. Nur ein ' jüdischer Staat kann das Grundübel beseitigen. Die Juden leiden deshalb, weil ihnen der Schatten, tote > einst dem. Peter Schlemiel, fehlt, weil sie ihre Ber« : gnngetihe.it leugnen. Und indem Redner zum Schekel, , zum feuerigen Schekel, «zur Gabe auf „Grund der Jhee" anfforbert, schließt er mit den Worten: „Die Inden werden gezwungen sein, einen Staat zn gründen" Frankfurt a. M. Bei der Natinnalionds- Kommission der Frankfurter Zionisttschen Vereinigung gingen ein: ' Herr Saly Kaüfmanit anläßlich seiner Verlobung 50,— Jk Herr I. Marburger anläßlich der Barmizwoh seines Sohnes 10,— Jk Herrn A. Sulzbacher anläßlich ber Barmizwoh seines Sohnes 5,— Jk Frau Charlotte Fenchtwanger 10,— Jk N. N. Gewinnanteil Cafe Bauer 0,70 Jk Aus Nationalfondsbüchsen:' Herr Louis Cahn 10,10 Jk Frau A. Kahn 2,— Jk Herr I. L. Goitein 1,20 Jk Herr Herin. Schanmburger 1,18 Jk Herr I. G. 0,50 Jk Herr R. Rosenheimer 6,30 Jk Herr N. Liebes 1,10 Jk Frau Grünblatt 1,15 Jk 99,23 Jk Frankfurt a. M. Bei de- Expedition des Frkst. Jsr. Familienblattcs gingen für den Nationalfonds ein: Won Herrn Gerichtsassessor Dr. Schwarzschild, Telegrammablösung zn den Hochzeiten: Herrn Referendars Dr. Jnl. Sichel, Frankfurt a. M. mit Frl. Mieze Rose, Frankfurt a. M. 0,50 Jk Herrn Moses Rapp, Frankfurt a. M. mit Frl. Clara Schmidt, Frankfurt a. M. 0,50 Jk Herrn Julius Philipp, Hamburg mit Frl. Helene Baß, Frankfurt a. M. 0,50 Jk Herr S. Berlowitz anstatt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Dr. Jßerlin, Soden, mit Frl. Bär, Berlin 1,— Jk Herr S. H..Goldman« anstatt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Dr. Jßerlin, Sodeit, mit Frl. Bär, Berlin 0,50 Jk Herr S. H. Gvldmann gratuliert Herrn Dr. Salkind zit feiner Berufung als Rabbiner nach Cardiff 1,— Jk 4.- Ji Frankfurt a M. D's sneben im Verlage van Groß, Barth u. Comp. (53. Friedrich) in Breslau erschienene und 'von dem Breslauer Pfarrer Dr. Paul Menzel herausgegebene „Meine Reise nach Jerusalem im Jahre 1806" (288 Textseiten und zahlreiche Abbildungen; Preis Jk 3 geb., illustriert Jk 5), darf auch jüdischen, besonders zionist'sche» Krci'en zur Lektüre empfohlen werden. Die Schilderungsweise ist eine sehr lebendige und das Gegebene zeichnet sich besonders durch eine auch das Nebensächliche liebevoll berücksichtigende Geivissetthaftigkeit ans (Programen, Passagkerlisle, meteorologische Beobachtungen sind genau wiedergegeben). Auch der christliche Verfasser sagt Palästina eine glänzende Zukunft voraus: „Die Transportverhältnisse dieses Landes werden zusehends besser, die geographische Lage im Knotenpunkt dreier Erdteile ist die denkbar günstigste. 2Sr> viel Einwohner mehr wird Palästina zu ernähren vermögen, wenn seine industriellen Chancen sich so weiter steigern wie in den letzten Jahr-ehnten, wenn die Hebung der Kulturschätze und Bodenwerte des Landes weiter so fortschreitet wie seit knapp 100 Jahren (S. 236)." „Wer will unter solchen Auspizien den Vergleich Palästinas mit dem klimatisch ähnlichen Sizilien gewagt finden, das im 16. Jahrhundert auch auf 800,000 Seelen zttrückgegangen war, heut aber 3Va Millionen Einwohner spielend ernährt, und dessen Bevö'kerungsziffer sich noch immer in rapidem Wachstum befindet? (S. 238)." Hamburg. Nach dem Jabresbedckite der ^rtsgruppe Hamburg-Altona ist die Zahl ihrer Mitglieder von 277 auf 285 und die Zahl ihrer Schekelzahler von 311 auf 340 gestiegen. Wien. Der Jüd Kolanisationsverein (Wien II/3 Gradlerstr. 9) gibt soeben heraus: 1) Dr. Franz Oppenheimer, Genossenschaftsiche Kolonisation in Palästina, 2). Prof. Dr. O. Warbnrg, Tie Zukuitft Palästinas in unseren Aufgaben daselbst. — Beide Broschüren erhalten Mitglieder kostenfrei, Nichtmitglieder gegen Zusendung von 45 Heller. Wien. Der Verein .Schlaum H o ir" der auf Initiative von Frankfurt aus gegründet wurde, um außerhalb und im Gegeitsatz zur zionistischen Bewegung in Palästina zu arbeiten, gibt jetzt, nachdem er bisher nur geschlafen hat, wieder einmal ein Lebenszeichen von sich. Er hat seinen durch seinen famosen Anfruf ominös gewordenen Namen in den Namen „Tauw Jernscholojim" nmgeändert. Bunte Chronik. Die „Jca". ' Vorgeschichte. Auf Veranlassung seines Freundes Dr. W. Löwenthal versammelte Baron de Hirsch in seinem Hause in Paris am 20. August 1890 die Herren Isidor Loeb, Michel Erlanger, - Dr. W. Löwenthal, C. E. Cullen, Oberst Vanwinkeroy, und Dr. E. Schwarzfeld zn einer Konferenz. Das Resultat war die Ernennung eines 'Ausschusses, bestehend aus den Herren Dr. Löwenthal, Oberst Banwinkeroy, C. E. Cullen, der die Aufgabe erhielt, auf Kosten des Barons eine Informationsreise nach Argentinien zn unternehmen. Nach sechsmonatlicher Abwesenheit brachte der Ausschuß einen sehr günstig lautenden Bericht zurück. Als geeignetste Person, nach Argentinien zurückzukehren, und Land anznkäusen und alle weiteren nötigen Vorkehrungen und Vorbereitungen sür zukünftige jüdische Ansiedlungen zu machen, wurde Dr. Löwenthal ansersehen. Kaum war Dr. Löwenthal in Buenos-Ayres angelangt, als die Exzesse im Mai 1891 gegen die Juden in Rußland ausbrachen. Da sofortige Hülfe nötig war, entschied Baron de Hirsch sich für die sofortige Hmübersendung der Vertriebenen. Gründung. IM September 1891 erfolgte die' Gründung in London, und es zeichneten als Inhaber der eingc« zahiten Aktien nachfolgende Persönlichkeiten: Baron de Hirsch 19993 Aktien Fr. 49 982500, Lord Rothschild, Sir Julian Goldschmid, E. Cassell, F. D. Mocatta, Benj. S. Cohen, S. H. Goldschmidt» Salomon Reinach je 1 Aktie zu Fr. 2500; zusammen 20000 Aktien Fr. 50000000. Obenstehende Herren waren der Rat der Gesellschaft, jedoch Baron de Hirsch war der Leiter. Zweck. -zn unterstützen und zu fördern die Auswanderung der Juden nach anderen Weltteilen von irgend einem Teil Europas und Asiens, hauptsächlich aus Ländern, in welchen sie zurzeit besonder« Steuern, politischen oder anderen Rechtsunsähigkeiten ausgesetzt sind. -zu bilden und zu gründen Kolonien in verschiedenen Teilen von Nord- und Südamerika und andern Ländern für landwirtschastliche, kaufmännische und andere Zwecke. -zu gründen und zu unterhalten oder berzutragen zu solchen Gründungen und Erhaltungen in irgend einem Teil der Welt von pädagogischen und Erziehungsanstalten, Muster-Landwirtschasten, Darlehens-Banken, Industrien irgend welcher Art, Fabriken oder Anstalten und Vereinigungen, welche in der Meinung des vorstehenden Rats dieser Gesellschaft Berechtigung finden, die Juden für Auswanderung geeigneter zu machen, dieselben zu unterstützen und ihiten zu helfen zur Ansiedlung in verschiedenen Teilen der Welt, außer in Europa. Das Recht zur Beisteuer zu den Fonds irgend einer Vereinigung oder Gesellschast, schon vorhanden oder später gebildet, die Ziele verfolgen oder fördern, wie die dieser Gesellschast.- Das Geschenk des Baron de Hirsch. Vor seinem Tode schon verteilte Baron de Hirsch seine Aktien als Geschenk in folgender Weise: Der Synagoge in Brüssel 3600 Mtien, der jüd. Gemeinde Frankfurt a. M. 3600 Aktien, der jüd. Gemeinde Berlin 3600 Aktien, der englisch-jüdischen Vereinigung London 4595 'Aktien, der Asiiance Jsraelite Universelle, Pa-is 4595 Aktien. Baron de Hirsch starb im April 1896. kurz nach dem 'Ableben seines einzigen Soh-es Süden. Seitdem besteht der Rat aus elf Mitgliedern obiger Inhaber der Mtien. Durch den Tod des Baron de Hirsch erhielt die I. C. A. einen weiteren Fond von einhundert» undfünfzig Millionen Franken, zur Förderung der Grundidee. Juden im österreichischen Abgeordnetenhause. Der erste Jude, der ins Herrenbaus berufen wurde, war Frh. Anselm v. Rothschild (>861). Im Jahre 1869 wurde ein zweiter Jude, soimon Winterstein, President der Handels- und Gewerbekammer. der spätere Baron Winterstein zum Herrenhausmitglicde ernannt. Seitdem erhielt sich die Tradition, daß dein Herrenhause stets zwei Juden anzugehören haben. Auf Baron Rothschild folgte Baron Moritz Königswarter und aus Winterstein Julius von G o m p e r z. Den Sitz Königswarters erhielt Baron Oppenheimer. Seitdem wurden noch drei Juden ernannt: der Handelsrechtslehrer Professor Dr. G r ü n h u t, der Philologe Professor Dr. G o m p e r z und der Handelskammerpräsident Alois N e u m a n n. Kauft uud Literatur. Biblia Hebraica. Massoretisch - kritischer Text des Men Testaments, genau durchgelesen nach der Massorah und nach alten Drucken, nebst Varianten und Randglossen aus alten Handschriften und Targumkm von David Ginsbnrg. London 1906. 1808 S. Verlag für den europäischen Kontinent: Hof-Verlagsbuchhandlung Carl Fromme, Men IL Preis: Jk 6. Es ist eine hervorragend wichtige Leistung, die uns in Ginsbergs Bibeledition vorliegt. Diese neue

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