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Neue jüdische Presse · 1907-04-19 · Heft 15 (19.4.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 15 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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r r r Seite 1Ö. Czernowitz. S'erniftunß? Die Cbbu'tün der Leiche des Sanitätsrates Lazarus führte zu keinem definitiven Resultat hinsichllich der Todesart. Die Staatsanwaltschaft hat die chemisch-bakteriologische Untersuchung des Herzens, der Niere», des Magens und des Darmes angeordnet, da eine Reihe neuer Verdachtsmomente aufgetaucht ist, daß Lazarus von seinen Bediensteten entweder erdrosselt oder vergiftet worden sei. Bisher sind fünf Verhaftungen erfolgt, weitere stehen bevor. Sanitätsrat Dr.' Josef Lazarus, der am 28. Januar im 61. Lebensjahre plötzlich verschieden ist, war einer der angesehensten und populärsten Aerzte der Bukowina. Er erfreute sich auch großen Ansehens in den Nachbarländern und galt unbestritten hierzulande als erste ärztliche Autorität. Einer seiner Söhne ist Privatdozent an der Berliner Universität und Assistent des Geheimrates Leyden, Dr. Hans Lazarus, ein zweiter der Gerichtsadjunlt Dr. Norbert Lazarus. Schweiz. Zürich. Die freie Schweiz. Schächtverbot, Hausierverbot für die russischen Juden, jetzt sogar Nichtoijp.ns jüd.scher Schüler vom Schreinen am Sabbat — und das nennt sich ein demotratischcs Land! Bezug ich der Nichtdispens jüdischer Schüler vom Schreibe» ani Sabbat siehe den Jahresbericht der aargauer Kantonsschule; hier finden wir folgende Entjch.i^uiig des Erziehungsrates: , Jm F.ühling trat in die erste Klasse des Gymnasiums eine Schülerin is. arktischer Konf.ss'on. Sie wünschte (wie an der Schule, die sie vorher besucht hatte) von der Verpflichtung, am Samstag beim Unterrichte schreiben zu müssen, dispensiert zu werden. Die Lehrerschaft lehnte mit großem Mehr die Dispensertei.ung ab. Der Barer der Schülerin gelangte nicht an die Obcrbchörde, sondern erklärte, die Tochter aus der Schule nehmen zu wol.en. > Nichtsdestoweniger wünschte die Lehrerkonserenz auch einen bezüglichen Entscheid durch den Erziehungsrat. Dieser billigte die Stellungnahme der Lehrerkoiiferenz, indeni er betonte: Der Kantonsschulbesuch ist ein freiwilliger und kein obligatorischer. Wer die Kantonsschule besucht, muß sich der Schulordnung und den Lehrplanvorschrifien unterzi,hen oder die Anstalt verlaßen. Eine Ausnahme würde erhebliche Störungen' im Stundenplan zur Folge haben. (!!) Wenn an einer Bezirksschulc an Samstag:» israelitischen Kindern Dispens von schriftlichen Arbeiten gewährt wird, so geschieht dies, weil virle Bezirlsschüler sich noch im schulpflichtigen Alter befinden und daher der obligatorischen Schulpflicht unterliegen." Frankreich. Paris. Ein Landrabbiner für Monaco. Das Fürstentum Monaco hat jetzt einen eigenen Staatsrabbiner in der Person des Herrn M. Bauers, des Oberrabbiners von Nizza, erhalten. Sein neues Amt wird ihm kaum zu viele Mühe machen, da die Juden, die nach Monaco kommen, dort meist etwas anderes suchen als die Tröstungen der Religion. — Die amtlichen Statistiken bringen keine Angaben über die Zahl der Juden im Fürstentum. — Die Fürstin war bekanntlich ein Mitglied der Familie'Heine; doch wurde die Ehe des Fürstenpaares bereits vor einigen Jahren gelöst. Paris. Eine d r im l > ch e Trauun g maLl in den hiesigen jüdischen Kreisen viel von sich reden. Baron Dimitri Gins bürg, Sohn des Barons Horaz Ginsburg in Petersburg, vermählte sich heimlich mit Fräulein B r o d s k i, und zwar ohne vorherige Ziviltrauung, da die Mutter der Braut gegen die Verbindung war. Der Religionslehrer Salomou Kohn, der die Trauung vollzog, soll zur Verantwortung gezogen werden. Rußland. Lodz, 11. April In der Derstedt Baluty die hauptsächlich von der armen christlichen und jüdischen Bevölkerung bewohnt wird und an die sich der vorwiegend jüdische Stadtteil anschließt, befindet sich ein Laden, der von der christlich-nationalen Partei gegründet worden ist und wahrscheinlich ihr auch gehört. Diese Partei ist in ganz Polen mit der antisemitischen Partei identisch.' Die Partei führt den offiziellen Namen „National-demokratische Partei"; ihr gehört, speziell in Lodz, der größte Teil der polnischen Arbeiter an. — Seit 2 Jahren steht diese Partei im Streit mit den sozialistischen Gruppen, näinlich der polnischen sozialen Partei, dem sozialdemokratischen Bund, dem Proletariat. Der Grund des Streites soll bei den nationalen Arbeitern im der Abneigung gegen das Streiken liegen. Tatsächlich werden die ncklional-demokratischen Arbeiter durch das reaktionäre Komitee der Partei geleitet und gegen die Sozialisten und Juden aufgehetzt. Kein Tag vergeht, ohne daß auf offener Straße ein oder mehrere Arbeiter von der Gegenpartei niedergeschosfen werden. — In der letzten Zeit -sind es ausschließlich Nationalisten, die . ihre Gegner morden. Die Parole dazu ging von der Leitung der Partei aus. Dumaabgeordneter Dmowski, der 0*3 Frankfurter Israelitische» Familienblatt. Führer der nationalen Partei, sagte in einer öffentlichen Wahlversammlung in. Warschau: „In dem Kampf gegen die Feinde des polnischen Volkes waren wir gezwungen, das Blut unserer Brüder zu' vergießen." Solche Morde gehören zu den täglichen Erscheinungen; man hat sich längst an sie gewöhnt. Die Polizei kümmert sich um nichts. Vor einigen Wochen wurden 2 Offiziere und mehrere Soldaten am Hellen Tage auf der Straße nicdergeschossen. Auch hier entkamen die Täter. In der vorigen Woche drangen mehrere Leute in den Laden der christlichen Partei ein nnd ermordeten die darin anwesenden Personen. Wiederum entkamen die Mörder. Jetzt begannen fortgesetzte Greueltaten. Binnen zwei Tagen wurden gegen 40 Personen niedergeschossen und noch mehr verwundet; darunter auch viele Juden. Infolge dieser Ereignisse, ist eine Panik namentlich unter der jüdischen Bevölkerung äusgebrochcn. Ein Offizier erzählte, daß am 7. d. Dt. der Ausbruch von Unruhen erwartet wurde, und die Truppen die ganze Nacht über sich bereit halten Mußten. Am Sonnabend, den 6. d. M. wurden in einem Monopol- (Branntwein-) Laden ein Schutzmann und zwei Soldaten getötet, und am 9. d. Ai. zwei Bomben geworfen, die glücklicherweise niemanden verletzten. Kiew. Ri'ualmoidmärchen. Der , lliewslij Goloß" veröffentlichte einen interessanten Bericht des Kreispolizeichess von Taraschtschauso, des berüchtigten Löwendal (der in Kischiucw während des Pogroms Chef der Geheimpolizei war), an den Gouverneur des Kiew'schen Gouvernements. Es hieß in diesem Bericht, daß die Stadtbevölkerung sehr erregt ist, aus Anlaß des Verschwindens zweier Schüler der Stadtschule, von denen man sagt, daß sic als Opfer eines Ritualmordcs gefallen seien. Die Lage, sagt der Kresspolizeichcf, ist noch ernster geworden, da die Schutzleute einen Streik machten, weil die jüdische Gemeinde sich weigerte, einen Teil der zu Wohltätigkeitszwecken bestimmten Summen zum Unterhalte der Polizei zu geben. Jetzt ist die Leiche des einen von den verschwundenen Schülern in einem Teich gefunden worden. Unter dem Verdacht, den Mord begangen zu laben, stehen jetzt der zusaminen mit dem Ermordeten verschwundene zweite Schüler und der Sohn des Bürgermeisters, welche beide verhaftet sind. Die Legende des Ritualmordcs ist aber zu demselben Zwecke erfunden worben, wie der Streik der Schutzleute, nämlich u m von der jüdischen Gemeinde Summen zum Unterhalte der Polizeizu erpressen. Der letzte Zweck ist erreicht worden: die Versammlung der Gemeinde beschloß am 20. März, zum Unterhalte der Polizei 1000 Rubel von den Wohltätigkeitssummen zu geben. Personalien. Berlin. Im Alter vn 62 Jahren verschied Geh. Sanitätsrat Dr. Max Altmann, Ehrenbürger seiner Vaterstadt Gr. Wartenberg in Schlesien. Denr außerordentlichen Universitätsprofessor Dr. A u g u st Wassermann ist der Charakter als Geh. Medizinalrat.verliehen worden. München. Pcojejsir Dr. Goniried Merzbacher, der bekannte Kaukasusforscher, 'begleitet Prinz Arnulf von Bayern nach Zentral - Asien. Wien. Umer außergewöhnlicher Te lnahme de> Bevölkerung wurde Frau Berta Krüger, die Gattin des kaiscrl. Rates Dr. S. Krüger, zu Grabe getragen. Die Verstorbene hat trotz ihrer zarten Gesundheit aus hem Gebiete der Menschenliebe hervorragendes geleistet; besonders der „Leopoldstädtcr Franenverein" und das „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim", deren Präsidentin sie war, verdanken ihr ihre heutige imponierende Ausdehnung. — Kaiscrl. Rat Bernhard Pollak ist in den Adelsstand erhoben worden. — Den Herren Arnold Marek und Richard Königsberger ist der Titel Kaiscrl. Rat verliehen worden. Prag. Dem hiesigen Advokaten Herrn Dr. Friedrich Kaufmann, Präsidenten der Advokatenkammer, wurde vom Kaiser das Komthurkreuz des Franz-Josef- Ordens verliehen. Rotterdam (Holland). Einer der Besten weit und breit, Herr Simon vander B e r g h ist von dannen gegangen. Seine Menschenliebe ist vorbildlich gewesen. Wohltätigkeit im edelsten Sinne des Wortes und Bescheidenheit zierten ihn. London. Znm Gouverneur von Natal hat der König den Gouverneur von Hongkong, Oberstleutnant Sir Matthew Nathan ernannt. Sir Matthew Nathan, der 45 Jahre alt ist, ist Vizepräsident der Anglo-Jewish Association. Der jüdische Gelehrte Dr. ÄdolfNcnbauer, geboren 1831 in Ungarn, ist in der Wohnung seines Neffen Dr. Büchler gestorben. Wir nennen von Neübauers Werken: „Die Geographie des Talmuds" (1868), ausgezeichnet von der Französischen'Akademie, „Katalog der hebräischen Manuskripte der Bodleian- Bibliothek zu Oxford", an dem er 18 Jahre arbeitete und dessen erster Band mit mehr als 2500 Deklarationen 1886 erschien (der zweite Band unter der Rr. 1ö Mitarbeit seines Nachfolgers an der Bodleian-Bibliothek, A. E. Cowley ist 1906 erschienen). Neubauer edierte eine große Anzahl Händschrisien u>w. Er war Ehrenmitglied der Königl. Akademie der Geschichte zu Madrid und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Paris. — ' InDrrmingham starb Barnett Henry Joseph, eines der angesehensten Mitglieoer der dortigen Gemeinde nnd Atttglied der Verwaltungen der meisten dortigen jüdischen Organisationen. Aus -er LehrerwrU, ' Kaiserslautern. An der hiesigen Volksschule wirkte bisher ein israelitischer' Lehrer; dem die Anfgabe zufiel, den israelitischen Religionsunterricht zn erteilen und bis zur Höhe der wöchentlichen Pftichtstundenzahl Vertcetungsstnnoen in 'allen 'Lehrfächern zu übernehmen. Da oer -seitherige Srelkeninhaber in den Ruhestand versetzt wurde, wollteber Stadtrat eine neue israelitische Lehrkraft in Vorschlag bringen. Der Lokalschulinspeltor, die protestantische Distrittsschulinspeltion und auch das Bezirksamt besürworteten den Antrag. Die k ath o l i s ch e D istr ikts schnliuspektion dagegen erhob laut „Pst Rdsch/" Einspruch imHiublick auf den chr istlich e n .C h arakter der hiesigen konfessionell-gemischten Volksschule. Der Antrag des Stadtrats wurde deshalb von der Kreisregierung abgelehnt. Der Synagogen-Ausschuß hat gegen die Regierungsentscheidung Einspruch beim Ministerium erhoben. Elberfeld. Dr. N o r d e n - Myslowitz ist zum Rabbiner der hiesigen Kultnsgemeinde gewählt worden. A«S den Vereinen. Frankfurt a M. Montefiore-Verein. Wie uns berichtet wird, ist der Vorstand des „Montesiore" - Vereins bereits eifrig mit den Vorarbeiten für die Sommer-Saison des Vereins beschäftigt. Die verschiedenen Ausschüsse sind wieder konstituiert worden und sind schon an der Arbeit, ein ebenso reichhaltiges wie lehrreiches Programm für die Sommer - Monate auszustellen. Die im vorigen Jahre mit so großem Erfolge ausgenommenen Diskussions-Mittwoch-Abende sollen wieoer cingeführt werden, ebenso wird geplant, verschiedene Lehrgänge und Unterrichtskurse auch während des Sommers weiterzusühren. . Als Beweis, wie sehr der „Montefiore" - Verein geradezu eine Notwendigkeit für die jüdischen jungen Leute Franksurts geworden ist, möge der erfreuliche Umstand dienen, daß in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 100 neue Mitglieder sich anmeldeten. Wünschcnslrert wäre es, wenn gerade in der jetzigen Zeit, wo infolge Quartalswechsels viele auswärtige junge Leute nach Frankfurt gekommen sind, dieselben seitens ihrer Prinzipäle auf die segensreichen Bestrebungen des „Monjefiore"- Vereins aufmerksam gemacht würden. Der Jahresbeitrag beträgt bekanntlich für ordentliche Mitglieder nur Jk 2, wofür den jungen Leuten sämtliche Institutionen des Vereins kostenfrei zur Verfügung stehen. Frankfurt a. M. Die Israelit. Wohl» fahrtskasse (früher: Israelit. Sterbeaffe, gegr. 1885) schloß ihr Geschäftsjahr 1906 mjt 365 ordentlichen nnd '68 außerordentlichen Mitgliedern und Jk 25028 Vermögen. Der Verein hat feit feinem Bestchenjl.21 Sterbegelder mit Jk 51500 ausbezahlt. Der Vorstand des Vereins setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Max G. Adler (Vorsitzender^, Abraham Adler, Jakob Ettlinger, Siegfried Herzfeld, David Kaiser, Joseph 'Schwabacher lind Daniel A. Worms. Frankfurt a. M. Der 31. Jahresbericht der Israelit. Waisenanstalt (Vorsitzender: Professor Ar. Joseph Werner) gibt ein günstiges Bild von dem Wirken dieser Anstalt. Die Frequenz betrug am 31. Dezember 42 Knaben und 26 Mädchen. Für die Knaben-Abteilung wurde vereinnahmt:. Geschenke Jk 19 625, Jahresbeiträge Jk 6544, Zinsen Jk 8823, aus den Stiftungen Jk 6560, Synagogen- Plätze und Spenden Jk 1278, Fonds russischer Waisenkinder Jb 1600 (Sa. Jk 44430) und verausgabt: Haushaltung Jk 23058, Bekleidung Jk 5708, Gehälter und Löhne Jk 7059, Sonstiges 11650 (Sa. Jk 47 475). Für die Mädchen-Abteilung betrugen'die Einnahmen an Geschenken und Legaten JL 7619, jährlichen Beiträgen Jk . 468i unb an Zinsen einschließlich solcher aus Stiftungen Jk 6054, die Ausgaben dagegen Jk 21006 (Haushaltung Jk 10 022, Gehälter und Löhne Jk 2832 usw.). . Wiesbaden. Der Israel, llnterstützungs» verein für 1906 vereinnahmte 17388 Mark und verausgabte 16,938 Mark. Bei den fortwährend anwachseiwen Ansprüchen des segensreich wirkenden Vereins sei er dem Interesse der hiesigen Juden aufs wärmste empfohlen. Stuttgart. Das Jüdische Schwestern» heim hat soeben seinen zweiten. Jahresbericht verandt. Der Verein verfilzt zurzeit über fünf Schwetern, welche er Kranken ohne Unterschied der? Äonession zur Verfügung stellt. Im Jahr 1906 wurden

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