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Neue jüdische Presse · 1907-03-22 · Heft 12 (22.3.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Fvaraftocke? MraelMchÄ FamMerckilM " Sk. 12. auf ihn. Bald war in der Synagoge eine derartige Rauferei, daß die Polizei mit gezogenen Säbeln eingreifen mußte. Die Dr. Ehrenpreis zugcdachtc Tracht Prügel steckte Dr. C a l e f f ein, so daß er noch jetzt das Bett hüten muß, während der bulgarische Großrabbincr wohl aufbewahrt nach Hause gebracht wurde. Wenn wir schon in diesen Blätter» des öfteren manche Handlungen Dr. Ehrenpreis' mißbilligt haben, so können wir diesen schändlichen Borgang, diese Entweihung des Heiligtums und 'vor allem dieses tätliche Verfahren nicht genug verurteilen. Für die bulgarischen Zeitungen war dieses Ereignis ein Leckerbissen und es gab ihnen Gelegenheit, noch manches andere auf die Rechnung der Inden zu schreiben. Die Juden hätten an der Ermordung des Ministers den größte» Anteil, sowie sie cs auch hauptsächlich gewesen seien, die den Fürsten und die Armee bei der Einweihung des neuen Theaters in Sofia beschimpft und ausgepsiffcn haben. Was folgt aus diesen Anklagen? Mord und Totschlag den Juden! Was wird noch aus uns werden?! — Die Besetzung der vakanten Ministcrstclle ist für die bulgarischen Juden nicht ohne Bedeutung; denn die Juden standen bis jetzt mit dem Ministerium in lebhafter Berührung, und bei jedem Aufruhr gegen die Juden kam die Hilfe gleich von oben. Jetzt ist man gespannt, wie der Nachfolger Petkoms sich den Juden gegenüber verhalten wird. Wir wollen das beste hoffen. Ben-Hoamitti. leulllefoii. Die Megille als Lebensretter. Von Samuel Gordon. Frei übersetzt von M. P u l v e r m a n n. lForlsrtzung). Was sie aber den Gassenbuben so begehrenswert machte, das war die zwcispitzigc Gabel an dein einen Ende derselben. Ein Stückchen elastisches Gummiband an jede der zwei Spitze» befestigt, könnte eine feine Schleuder abgcbcn; fast so fein wie jene, mit der Davids Namenvetter dem Riesen Goliath auf den ersten Wurf den Garaus gemacht. Aber Hindele ahnte ihre bösen Absichten und hielt scharfe Wacht, wenn einer der Bengel sich in der Nähe blicken ließ. Auf David achtete sie nicht sonderlich; er war zu klein und schwächlich, um ihren Schatz anzugrcisen; darum wusch sie weiter und weiter, ohne auf sein Schimpfen zu achten. Doch jetzt bemerkte sic, wie er mit der ganzen Kraft seiner dünnen Arme die Stange ans der Erde zog und eilig davon lief. Sic erhob ein jämmerliches Wehklagen, und mit Auge», groß wie die Teller und mit einem Gesichte, rot wie ein gcsot- . teuer Krebs, lief sie hinter ihm, um ihr Eigentum zurück zu erobern. David nahm Reißaus und suchte sich so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen; so schrecklich hatte er die Alte noch nie gesehen. Jetzt war er weit genug von ihr entfernt, und cs konnte noch ein Weilchen dauern, bis sie mit ihrer Schwerfälligkeit an ihn herankam. Er stellte sich darum frech hin und schüttelte sich förmlich vor Lachen über ihre Grimassen und spottete ihrer Wut, die sich in ihrem Gesichte widerspiegelte. Auch sie mußte stehen bleiben, um Atem zu schöpfen; sing aber bald wieder an zu kreischen und zu plappern, als sollte jedes ihrer Worte den Frevler erdolchen. Und je lauter er lachte, desto verworrener und unverständlicher wurden ihre Reden und ihr Schreien, so daß der Bengel nur den einen Satz klar und deutlich heraushören konnte: „Die Stange! — Die Stange! — Ich muß sie wieder habe»! — Ah! Du willst nicht! Na, warte! Bald sollst Du sie mehr haben, als Dir lieb sein wird!" Jetzt wurde cs dem Junge» unheimlich zu Mut; das Lachen erstarb ihm auf den Lippen; eilig lief er davon, ängstliche und scheue Blicke hinter sich werfend, von wo Hindele ihm noch allerlei Drohungen nachrief. Er war daher ganz froh, als er bald »och einige Jungen antraf, die eifrig beschäftigt waren, mit Nüssen „Gerade oder Ungerade" zu spielen. David hatte keine Nüsse, aber er blieb dennoch als Zuschauer stehen. Das Spiel ging höher und höher, und David brannte vor Begierde, sich dabei zu beteiligen. Plötzlich erinnerte er sich, noch einige Glaskugeln. in der Tasche zu haben, die vielleicht als Tauschobjekte dienen könnten. Er hielt sie einem Jungen hin, der besonderes Glück im Spiele hatte. und dessen Tauschen kaum noch die. Zahl der,Nüsse assen konnten. Mit diesem eröffnetc er die Unterhandlung. „Pcrez, gib mir zwanzig Nüsse für die Glaskugeln." Percz, dessen Vater der Parneß der Khille war, ah David von oben bis unten verächtlich au und prach: „Erstens will ich meine Nüsse nicht für Kugeln vertauschen, die Du sicherlich gestohlen hast; und zweitens, wenn Du auch hundert Millionen Nüsse hättest, dürstest Du auch nicht mit n»s spielen." David ließ die falsche Anschuldigung einstweilen unbeachtet und fragte nur: „Warum denn nicht?" „Weil Dein Vater ein Trunkenbold ist und Deine Mutter prügelt! Darum Paßt cs uns schon lange nicht, mit dem Sohne eines solchen zu spielen oder auch nur zu sprechen." „Mein Vater ein Trunkenbold! — Prügelt meine Mutter!" — wiederholte der Knabe sinnend. „Na warte, das soll Dir nicht geschenkt bleiben," rief er kampfbereit — und im nächsten Augenblicke hatte er Perez am Halse; dieser, ein Schwächling und Feigling trotz ' des großen Mundes, schrie jämmerlich um Hilfe, obwohl er ein Kopf größer als sein Angreifer war. Die ganze Horde eilte sofort zu seinem Beistände herbei; weil der Sohn eines reichen Manitcs stets mehr Freunde und Helfer hat, als der Sohn eines armen — und darum schien der Kampf für David einen bösen Ausgang zu nehme». Doch es kam zu keinem solchen Kampfe; denn in diesem Augenblick wurde die Lust von einem Heulen und Brüllen erschüttert, als würde ein wahninniger Tiger lebendig gebraten — und als die Kinder vcllcr Schrecken sich umblickten, da sahen fic ein gräßliches Ungeheuer, die rote Zunge aus dem Munde hängend, das struppige Haar über das Gesicht, piit glühenden, unheimlich funkelnden Augen, direkt auf sie zustürmcn. — Und ihre Angst wurde noch größer, als sie das Ungeheuer mit einer Stange bcwasfnct sahen, die keine andere als Großmutter Hindcles Wäschestütze sein konnte. Doch warteten iic nicht, bis sic sich über diese» Punkt Gewißheit verschafft und stürzten in wilder Flucht nach allen Richtungen, kreischend und läruiend, wie eine Schar junger Gänse unter der Peitsche ihres Treibers. David, der sich noch immer mit Pcrez und dem ihm zugcsttgten Schimpf beschäftigte, war der letzte, der die drohende Gefahr bemerkte. .Kaum aber hatte auch er einen Blick ans die gräßliche Erscheinung geworfen, als er auch schon dem Beispiele der andern folgte. War es nun, daß er keinen genügenden Vorsprung hatte oder ivaren seine Beine kürzer als die seiner Gefährten, genug, er erkannte bald, daß er nicht imstande war, mit ihnen gleichen Schritt zu halten, und das; er weit zurückblieb. Jnzlvischcn kam das Schreckliche näher und näher; David spürte, wie der Boden unter dessen Stampfen erzitterte — er fühlte sogar schon dessen heißen Atem und glaubte, in der nächsten Minute seinen Hals von der zweispitzigen Gabel am Ende her Stange nmklanimert zu sehen. In seiner Verzweiflung versuchte er das letzte RettungSmittel; er ließ das Ungeheuer ganz nah hcrankommcn und machte plötzlich eine scharfe Schwenkung nach links, während das Ungeheuer blindlvütend bei ihm vorbeischotz. — Schon wollte er Gott für seine Rettung danken — denn sicherlich wird das Scheusal seine Verfolgung hinter den andern Jungen fortsetzcn, wo cs doch sicher >var, aus dem großen Hansen wenigstens eine» zu erwischen — als er, oh, Schrecken und Grausen! — wahrnahm, daß der verfolgende Schritt einen Augenblick nur stillhielt, um dann die gleiche Richtung mit David einznschlagen. Mit wahnsinniger Angst lies dieser weiter, atemlos, keuchend, mit pochendem Herzen und hämmernden Schläfen — und endlich, endlich konnte er die ersten Häuser der Stadt erblicken; nur noch eine Minute . . Im nächste» Augenblick aber war er über eine Baumwurzel gestolpert und fiel der Länge nach zu Boden. Nun ivußte er, daß sein Schicksal besiegelt war und daß es vergeblich wäre, dagegen anzukämpfen. Er richtete sich auf den Knieen auf und hob die Hände empor — nicht, um für sein Leben zu bitten, — sondern, um nur nicht den'Stoß zu sehen, der sicherlich bald erfolgen wird. Ehe er aber noch seine Lage weiter überdenken konnte, sah er auch schon das schreckliche Gesicht über sich gebeugt. Dem armen Jungen blieb die Zunge am Gaumen kleben — aber trotz des gräßlichen Anblickes, der ihm den Atem benahm, fand er in diesem Gesichte etwas — etwas — Vertrautes, etwas. — etwas Bekanntes und blitzartig kain es ihm. zum. Bewußtsein, das ist ja — war es denn möglich — ja, leider — es ist sein —' Vater! Perez hatte also Loch recht gehabt; sein Vater war ein Trunkenbold und durch das viele Trinken war er wahnsinnig geworden — und jetzt war er im Begriff, sein eigenes Kind zu ermorden! Großer Gott! Muß er jetzt schon sterben, und ist doch noch so jung? — Und dabei kennt er doch noch nicht einmal das Gebet der Sterbenden, ohne welches ja keine Seele in das Gan Eden einziehen kann! Er wußte wohl, daß es im Gebetbuch enthalten ist; aber wie es ausängt und wie es weiter geht, das' >var vollständig seinem Gedächtnis entschlüpft. Was soll er nur machen? — Aber, halt! Gott ist ja barmherzig und wird schon zufrieden sein, wenn ein kleiner Junge, der das richtige Gebet vergessen, überhaupt nur einige heilige Worte spricht, gleichviel welchen Inhalts diese auch sein mögen! Schnell zog er darum die Megille aus der Tasche, und mit' bebender Stimme fing er an zu lesen: „Wa jhi bime Achaschwerosch; hu Achaschwerosch hamolech. mchaudu wead Kusch" .... Zugleich hielt er die Megille hoch empor, um den Anblick des Mörders zu vermeiden, um den tötlichcn Stoß nicht erst vorher zu sehen. — Unterdessen taumettc Awrom von einer Seite zur andern, ohne in seiner Trunkenheit zu wissen, warum er eigentlich die Kinder verfolgt oder warum er, mit der Stange in der Hand, auf das vor ihm liegende Opfer einstürmtc. Jetzt streifte sein stierer Blick den Knaben, und ' eine teuslische Freude breitete sich über sein aufgedunsenes Gesicht. — ES war ja herrlich, daß er ihn endlich erwischt. — Da lag er ja, der Kobold, der fortwährend in seiner Erinnerung hcrumgespuckt und seine Seele beständig gefoltert durch allerlei niederträchtige Vorspiegelungen, daß er heute irgend jemand ein großes Unrecht zufüge und etwas Entsetzliches und Fluchwürdiges begehe. — Das ist ja derselbe Kobold, der ihm beständig in den Ohren gelegen und ihm die bittersten Vorwürfe zugeslüstert, die ihn so rasend gemacht auf die ganze Welt und am meisten auf sich selbst — und darum wollte er ja alle Menschen, die ihm in den Weg kamen, ermorden, vernichten. — Aber jetzt endlich, endlich lag er da und sein letztes Stttndlcin hat geschlagen; hier, mit dieser Stange wird er ihn gleich hier am Boden fest anspießen; — hier kann er zappeln, so lang er nur will, der häßliche Kobold und er wird endlich 'vor ihm Ruhe haben. (Schluß folgt.) Kaiser Friedrich Quelle ' > Offenbach a. BL - Gegen Gicht nnd Bhenmatisinns bewährt. Wochen-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 23. März (= 8. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 30 Min. Berlin 7 Uhr — Min. Die Sidra Z a w berichtet von den beständigen Altarfeuern, von besonderen Speiseopsern, welche die Priester verzehrten, von den Vorschriften für das Sündopfer, Schuldopfer, Friedensopfer, Dankopser. Zeit und Reinheitsvorschrift für den Genuß der Opferteile. Unerlaubte Genußstücke. Einkleidung und Weihe der Priester für ihren heiligen Dienst; Salbung mit Olivenöl, siebentägiger Aufenthalt im Vorhof des Stiftszeltes. Der Sabbat vor Pesach führt den Namen Schabbos-Hagodaul, der „große" Sabbat, zur Erinnerung an das große Wunder, das sich an unseren Vorfahren in Egypten vollzog. Sie stellten das von den Egypter» göttlich verehrte Lamm zum Schlachte» bereit, und doch schwiegen ihre Zwingherrn dazu! — Das war gleichsam: ein Wahrzeichen der bevorstehenden Erlösung. Die „Jauzcr" - Einschaltung handelt von dieser wunderbaren Tatsache und^ enthält viele rituelle Vorschriften für Pesach. In den-^neisten Gemeindenbeginnt die laute Rezitation des '„Hakaul joducho".

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