Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5K. 12 kräfte ca. 500 evangelische Vertretungen kommen, dagegen auf 50 jüdische Lehrerinnen 50 jüdische Vertreterinnen. Es scheint also ein gewisses Mitzvcrhältnis zn Gunsten der jüdischen Lehrerinnen Vvrzulicgen., Daß es nicht genug evangelische Lehrkräfte gibt, kann-ich nicht anerkennen. V- Mainz Das. Los jüd. Lehrerinnen Niel besprochen wird hier die Angelegenheit zweier jüdischer Lehrerinnen. Beid.e Damen haben glänzende Examina gemacht und auch ihr Aiistelliingsdekrct von der Negierung erhalten. Dagegen machte .ihre tatsächliche Anstellung große Schwierigkeiten, da sich die Oberlehrer sehr ablehnend verhielten. Natürlich wurden die beiden Damen trotzdem angestellt und haben sich ganz ausgezeichnet bewährt. Sie .finden aber anscheinend nicht überall das erforderliche Entgegenkommen nnd haben schwer um ihre Stellung zu kämpfen. Run kommt auf einmal die Nachricht, daß die eine von ihnen, die ihre kranke Mutter zu unterstützen hat, nach Fricdberg versetzt iverden soll und damit eine Verminderung ihres Gehaltes von 1-l50 Mark auf 950 Mk. zn erwarten hat. Und das trotz der vorzüglichen Zeugnisse, die ihr bei ihren Schulprüfungen zuteil ivnrden. Was hier hinter den Kulissen gespielt hat, bedarf dringend der Aufklärung; denn es besteht die Gefahr, daß dem Verschwinden der einen „Indessen", >vie sich einmal ein „Kollege" geäußert hat, bald das Verschwinden der rinderen folgen wird. Nnd dann ist die Mainzer VolkSschnllehrcrschast ivicder „judenrein". Erfreulicherweise hat aber der Schulvorstand diese Angelegenheit auigegriffcn nnd erklärt, mit voller Kraft für die beiden hochbegabten, fleißigen nnd tüchtigen Mädchen eintreten zn wollen. Karlsruhe, 18. März. Heute Vormittag 11 Uhr fand im Sitzungssaale der 2. Kammer die feierliche Eröffnung einer a u ß e r o r d e n t l i ch e n T a g n n g der i s r a e l. L a n d e s s y n o d c statt. Geh.-Rat B e ch e r e r cröffncte als staatlicher Kommissar die Synode. Das vorliegende Material sei nur wenig; außer der Vorlage, eine Verordnung über den Bezug nnd den Preis des Verordnungsblattes des Oberrats betr., stehe nur der Antrag auf Genehmigung zur Errichtung' eines dem 'Andenken an das goldene Ehejubiläum des Großherzogpaarcs gewidmeten Hospizes im Soolbadc Dürrheini, zn dem die Großherzogin 8000 ,/6 gespendet hat, zur Beratung. Nachdem Alterspräsident K a h n - Mannheim ein Hoch auf den Großherzog ansgebracht hat, wird zur Wahl geschritten. Fabrikant Louis M a r x wird zum Präsidenten, Dr. R a w i c z zum Vizepräsidenten und Dr. Hannes u. Dr. P i n k u s zu Sekretären gewählt! Der Antrag des Obcrrats, das Hospiz unter dem Namen „Friedrich-Lnise-Hosviz" als Anstalt der Lnndes-Synagogc zn errichten und zur Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel 150 000 .!k 3°,o Schuldverschreibungen auszngeben, wird debattelos angenommen. — Nächste Sitzung nachmittags 8 Uhr. Karlsruhe. In der zweiten und Schlußsitzung der israclit. Synode begründete Rabbiner Dr. N a w i c z folgende Interpellation: „Ist dem Obcrrat bekannt, daß ein Rabbiner der Landessynagogc als Verantwortlicher Mitredakteur eines Blattes zeichnet, das den Oberrat und damit die oberste Institution der LandeSsynagoge fortgesetzt in schärfster Weise angrcift? Ist dem Oder rat bekannt, daß in diesem Blatte unter der verantwortlichen Redaktion desselben Rabbiners ein Artikel erschienen ist, welcher den gefeierten Lehrer einer großen Zahl badischer und außerbadischer Rabbiner Zacharias Fränkcl, die von ihm begründete israelitisch-theologische Lehranstalt in Breslau nnd alle aus dieser hervorgegangenen Rabbiner in gröblichster Weise verunglimpft? Ist dem Oberrat bekannt, daß Rabbiner der Landessynagoge amtliche Bekanntmachungen einrücken? Was gedenkt der Oberrat gegen dieses das Ansehen der Landessynode und des badischen Rabbincrstandes schädigende Verhalten einzelner Mitglieder dieses Standes zn tun?" Im Namen des Oberrats erklärte Geh. Hofrat Dr. Rosin, daß derselbe es nie unterlassen werde, das Ansehen der badischen israelitischen Religionsgemeinschaft zu wahren. Auf der anderen Seite glaube er aber auch im Sinne der Synode zn handeln, wenn er sage, daß man alles vermeiden müsse, um auch nur den Anschein zu erwecken, als wolle der Obecrat die Freiheit der Wissenschaft und der religiösen Meinungsäußerung unterdrücken. Es sei aber auch unrichtig,.behaupten, daß die Organisation des Oberrats zur Unterdrückung des gesetzcstrcuen Judentums führe. Er weise den Vorwurf energisch zurück, als 'ob der badische Oberrat in seiner Zusammensetzung eine unerträgliche Knechtung der Gewiffen mit sich bringe und dazu angetan sei, das gesetzestreue Judentum auf den Weg der unbeschränkten Reform zu drängen — Dr. Hannes stellt den Antrag, die Synode möge dem Oberrat ihre volle Zustimmung zu dessen Maßnahme aussprechen, ihn des unverminderten Vertrauens versichern und die ungerechtfertigten Angriffe im „Jsraeljt" mißbilligen. Nach langen Ausführungen des.Oberregierungsrates Mayer vom Oberrat über beit Mainzer Prozeß und das Verhalten, de^ Rabbiners Dr. Löwenstein wird der Antrag einstimmig angenommen und die Synode geschlossen. Frankfurter JsraelüWeK Familienblaü. Oesterreich-Ungarn. Wien. Ein nicht alltäglicher Prozeß spielte sich vor einem hiesigen Gerichte ab. Die Wirtslente Johann nnd Rosa Florian ans der Bindergasse 1 im Lichtental hatten gegen de» Bankier Sigmund Fischer geklagt. In dem bezeichneten Hause befindet sich eine Synagoge, deren Vorsteher Herr Fischer ist. Die Klage behauptet nun, der Geklagte habe die Wirtsleute animiert, einen Teil der Gaskhauskokalitäteu zu einer orthodoxen Koscherküche samt Gasthauslokalitäten zu adaptieren, die Wirtsleme würden von zahlreiche» Tempelbesuchern Zuspruch erhalten, Fischer garantiere, das Unteruehnien werde prosperieren. Auf diese Gutstehung hin haben die Kläger eine Koscherküche eingerichtet, besonderes Geschirr gekauft, eine geeigllete Köchin angeliommeu, das Zimmer sogar an der Tür mit einer Gebetrolle versehen usiv. Anfangs sei es ganz gut gegangen — eines Tages seien aber alle Besucherdes Kofchergasthauses auSge.blicben und nicht mehr getvmmen. Wie die Kläger erfuhren, soll Herr Fischer selbst die Leute vom Besuche abgehalten haben, da er aber für den guten Erfolg garantiert habe, müsse er für den Schaden anskommen, den sie mit 700 Kronen beziffern. — Der Vertreter des Geklagten wendete ein, daß die Kläger das Ausbleiben der israelitischen Gäste selbst verschuldet haben. Er stellte unter Beweis, daß zuerst die Köchin erfuhr, der Herd, die Stätte ihrer Tätigkeit, werde prosaniert, so daß sie erklärte, nicht lveiter „koscher" kochen zu können, cs sei dies mit ihrem Gewissen nicht vereinbarlich. Dies sei, wie der Vertreter des Geklagten weiter unter Beweis stellte, dadurch geschehen, daß bisweilen auf dem fraglichen Herde allerlei nicht rituell zubercitete Speisen gekocht wurden, daß der'Svciscnträger einmal im Koschcrzimmcr SchwcinSbrateu kredenzte und daß in diesem Zimmer spät nachts auch atteinslehcnde, stark geschminkte .Mädchen in der uugezwuilgeustcn Fröhlichkeit hausten. —- Dieses Beweisthema wurde von den ciiivcruoinmeuen Zeugen im großen Ganzen bestätigt und daher die Klage kostenpslichtig abgeivicsen. Budapest. Ungarn, das bereits mit einem Täbaksnionopol beglückt ist, steht in Gefahr, nun auch mit einem Spiritus m v n v p o l beglückt zn werden. Die Z e ch e werden die I ud e n zahlen müssen, denn die B r n u n t w eins ch e n k e r sind f a st a n s schließlich Inden, und durch Einführung eines Monopols würden Tausende jüdischer Familien tun ihre Existenz gebracht werden. Boskowit; «Mähren) Der 100.. Iahrzeitst a g Rabbi tf (nun c( Löw 's, genannt nach seine»! Hauptwerke „Machazis haschckel", 'ist von der hiesigen jüdischen Gemeinde, in der er lebte nnd starb, mit einem Erinnerungs-Gottesdienste begangen worden. Der „Machazis haschckel" ist ein den ersten Teil des Schnlchan-Aruchs erklärender Kommentar, der besonders die oft schiver erklärbaren «teilen .des Kommentars „Mögen Aivrohom" aufhetlt. Großbritannien. London. I t o. Am 7. März hielt der Londoner Ausschuß des Emigrations-Departements der Ito seine Monatssitziing unter Z a n g >v i l l s Borsitz ab. Anwesend waren die Herren M. H. K i s ch, Leopold v. Rothschild, Clemens I. Salaman, Earl S t e t t a i! e r und Lneie» W o l s. Es ivurdc ein Organisatioilsstatut, das den Beziehungen zum Ito- Bureau in London und den Galvcston-Bureans in Amerika und Rußland soivic dem Berliner Bureau (Vorsitzender: Dr. Emil Timonsohu, Berlin-Schönebrrg, Maxstraße 29) Rechnung trügt, beraten und angcnoinmcn. — Herr A. M a r k s aus Melbourne, Mitglied der königlichen geographischen Gesellschaft für Australien, ist von Zangwill zum Mitglied des internationalen Rates der Ito ernannt worden. Bei der Jahrest'onferenz der Z i o n i - st e n von T e x a s wurde eine Unter st n tz u n g der t e r r i t o r i a l i st i s ch e n Bestrebungen angeregt und lebhaft diskutiert. Es wurde cmpsohlen, das Programm in dem «innc zn modifizieren, daß es einschließen solle die Zentralisation der Emigration und oie Schaffung eines autonomen Zentrums, aüs den zwei Erwägungen heraus, daß zunächst die Gesamtlcbenslage des jüdischen Volkes dadurch gehoben werden würde, und daß das Endresultat, die Heimstätte in Palästina, dadurch gefördert werden.'würde.. Der Antrag wurde mit einer kleinen Majorität abgelehnt. Es wurde aber eine Resolution angenommen, nach welcher die 'Ansiedelung jüdischer Farmer in Texas mit Freuden begrüßt wird. Frankreich. Paris. Der Präsident der Alliance Jsraelite U n i v e r s e l le hat von dem französischen Gesandten in Teheran nachstehenden Brief auf eine telegraphische Vorstellung bezüglich der jüngsten Bedrückungen der Inden in Persien erhalten: „Ich'habe das Telegramm empfangen, das Sie am 11. d. M. an mich wegen der Bedrückungen gerichtet haben, denen die israelitische Gemeinde von Jspahan ausgesetzt gewesen ist. Ich bin sofort bei Sadi Azam vorstellig geworden, der deswegen alsbald ein Telcgramnr an den Gouverneur von Jspahan Seite 3 geschickt hat. Ich hoffe, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten sich nicht allzu lange ansdehnen werden. Nach den von dem englischen Konsulat eingezogencn Erkundigungen soll in Jspahan di.' Agitation unter den Mollahs abermals zunehmc», die den Inden das Recht zum Verkauf von Wein und Branntwein und zum Handel im Uinherziehcn bestreiten wollen." Rußland. Petersburg. Belobigung der Sjedlezer P o g r v in mache r. Bon der „strengen und allseitigen Untersuchung" des Sjedlezer Pogroms, die Ministerpräsident Stvlypin versprach, ist bis jetzt — nach Monaten — noch nichts zn merken. Dagegen hat am 24. Februar der Generalgouvcrncnr von Warschau, der berüchtigte General S k a l o n, einen Dankerlast an die Garnison von Siedle; Unterzeichner, der als förmliche Lobpreisung dec dortigen aktcnmäßig gebraudmarkten Pogrommacher gelten kann. General Skalon gedenkt rühmend der Tavserkeit, der Eides¬ und Pflichttreue der Sjedlezer Garnison nnd ihrer Befehlshaber bei Iliiterdrückniig des „organisierten revolutionären Ausriilirs" nnd schreibt dann lveiter: „Die relativ schnelle Unrerdrücknng des Aufruhrs, der im Falle seines Erfolges ernste Gefahren für das ganze Gebiet gebracht hätte, schiebe ich dem Heldennnite der genannten Truppen der Sjedlezer Garnison, sowie namentlich der Energie und Gewandtheit des Garnisonchefs Oberstleutnant Tichanowsky und der übrigen Offiziere zn. Ich sage dafür den tapferen Mannschaften der genannten Truppenabteilnngcn meinen herzlichen Dank, und dem Oberstleutnant Tichanowsky sowie den übrigen Osiizieren bringe ich meine aufrichtige Anerkennung dar. Gleichzeitig wird Tichanowsky znm Oberst ernannt." Tichanowsky ist die Bestie, die beim Hinschlachten der Juden einen Sängerchor um sich sammelte nnd das Jammern der Berstüininelten und das Dimmern der Sterbenden durch lustigen Gesang übertöiicn ließ. Petersburg, 18. Marz Das Sonntagsr u h e - G e s e tz , das auf Grund des tz 87 der Grundgesetze von der Regierung am lf>. November 1906 veröffentlicht wurde, und dessen praktische Durchführung nun den einzelnen Orten obliegt, ivird als eine gute Gelegenheit, die Inden geschäftlich zu schädigen, ausgebenket. Das Gesetz bestimmt, daß während des ganzen Sonntags die Geschäfte geschlossen sein müssen, daß jedoch in den Orten, wo die Mehrheit einem nicht christlichen Glauben angehört, ein anderer Ruhetag bestimmt werden kann, in welchem Falle aber auch an den Sontagen erst nach 12 Uhr die Geschäfte geöffnet werden dürfen. Die jüdische Bevölkerung sein ihre einzige Hoffnung auf die Duma. „Die zionistische Organisation für Polen" hat bereits ein 'Aufruf erlassen, in dem sie für eine Petition an die Duma um schleunigste Zustellung des nötigen Materials ersucht. Warschau. 18. März. Der hiesige Magistrat hat beschlossen, den Juden in den Stadtteilen, Ivo sic die Mehrheit sind, zu erlauben, S o n n t a g s nach zwölf Uhr ihre Geschäfte zu öffnen. Kowel <Gouv. Wol.j. w.rotzdein in ganz Kowel nicht mehr als 3 Läden vorhanden sind, die christlichen Besitzern gehöre», hat auch hier die Behörde verboten, a m S o n n t a g d i e C'> e s ch äste z u öffn e u. Nowo-Wilrisk. Die euch hier cingesührte Sonntagsruhe ist ei» schwerer «chlag für uns Inden, denn die meiste» jüdischen Existenzen stehen so wie so schon auf sehr schwachen Füßen. Die christlichen Krämer sind mit aller Macht dagegen, daß die Juden Sonntags ihre lüeschäfte offen halten dürfen, und es dürste deshalb schwer etwas gegen die «onntagsruhe - Verordnung zu inachen fein. Warschau. Die jüdische Gemeinde hat beschlossen, in «achen der 2 o n n t a g s ruhe eine Deputation bestehend aus den Rabbinen Segal- Warschan und Livschitz-Kalisch und dem Kaufmann Davidsohn-Warschau nach P e t e r s b u r g zu schicken. Bulgarien. Philippopel, 1t. März. Der vorigen Sonntag in Sofia ermordete Ministerpräsident P e t k o w bat einige Tage vorher Herrn Großrabbiner Dr. Ehrenpreis, daß er seinen Einfluß nach Möglichkeit geltend mache, damit die Juden sich nicht in politische Angelegenheiten mischen und besonders an den revolutionären Ausschreitungen, die lctzterdings hier häufiger wurden,, keinen Anteil nehmen. Er persönlich sei ja ein Jndenfreund und würde, soweit es in seinem Bereich liege, jeden feindlichen Vorgang gegen die Juden verhindern; doch das erhitzte Militär und der . aufgeregte Pöbel suchen eine Gelegenheit, sich ein bißchen auszutoben, und da sei es selbstredend, daß die Juden der Sündenbock sein müssen. — Dr. Ehrenpreis nahm sich diese Worte zu Herzen und schärfte in der 'Tamstagsvredigt seiner Herde ein, sich friedlich zu Verhalten. Sonntag ließ Dr. Ehrenpreis die Juden in der Synagoge von „Jütsch-Bnnar", einem entlegenen Stadtteil von Sofia, zusammenkvmmcn. 'Auch dort hielt er eine Predigt, berichtete von seiner Unterredung mit dem Ministerpräsidenten und bat die Juden, in ihrem eigenen Interesse allen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Da erhob sich sein älter Gegner, Dr. Josua C ake f f, Jdjrie mit mächtiger Stimme „alles ist gelogen" und stürzte sich mit geballten Fäusten