Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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£etie lö. lrsmus und den extremen Sozialismus miteinander Lusgleichenden und vereinigenden Weltanschauung. Die Weüanschauung des Judentums erkennt die Erhabenheit der Idee der Gesamtheit, aber sie nivelliert darum das persönliche Recht des Mnzelnen nicht. Das Judentum akzeptiert-Len Grundsatz nicht, wonach' das Individuum nichts. alleZ nur die Gattung, die Gesamtheit ist, die den Einzelnen zum wertlosen Mittel für die Zwecke der Gesamtheit degradiert. Die vollständige Aufopferung des Einzelnen, die vollständige SÜrfgabe seiner Persönlichkeit, das spurlose Untertauchen und Verschwinden in der Masse der Gesamtheit ist auch unvernünftig. Denn wenn das moralische Gewicht des Individuums dis zur. Wertlosigkeit herabsinkt, wie vermag dann die Gesamtheit auf eine höhere Stufe sich zu erheben, wie kann sie dann einen Wert erlangen, da sie doch eben aus solchen wertlosen Atomen besteht. In der Weltanschauung des Judentums wird wohl ein jeder Mensch als Sei bst ziel betrachtet und geschätzt. Die Erhaltung einer einzigen Seele wird in der Anschauung der jüdischen Weisen der Existenz der ganzen Welt gleichgestellt. Anderseits durchdringt aber die Weltanschauung des' Judentums die Jüee der Gemeinschaft, der Gedanke des „Klal Jisroel". Aber diese widerstreitenden Prinzipien vereinigten sich zu einer vollkommenen Haripouie im Gesetze und im Leben des Judentums. (Schluß folgt.) Personalien. Berlin. Privatdozent Professor Dr. Walter Loeb wurde zum Vorsteher der physiologischchemischen Abteilung am Rudolf Birchow-Krankenhause gewählt. Dem Astronomen Privatdozent Dr. Adolf M a r - cuse wurde der Titel Professor verliehen. Mühlenbesitzer I. Bieber in Schönau hat anläßlich seiner Ernennung zum Kommerzienrat für seine Arbeiter ein Kapital von 10000 Jk gestiftet. Groß-Strehlitz. Kaufmann Simon Gr ätz er ist zum Kommissionsrat ernannt worden) ' ' Moscht« (Posen). Die Wabl des Heft» Michaelis Loewy, Vorstehers der jüdischen Gemeinde, zum Magistrats schössen wurde vom Regierungspräsidenten bestätigt. Karolineathal (Böhmen). Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Herrn Ignaz Kallberg als Vorsteher der israel. Kultusgemeinde fand unter überaus zahlreicher Beteiligung der Behörden und des Publikums ein Festgottesdienst in der Synagoge und eine Festsitzung des verstärkten Kültusvorstandes statt. PiliS-Vörösvär (Ungarn). Im 80. Lebensjahr ist Frau Sara Breuer, die Mutter des Herrn Rabbiners Dr. Salomon Breuer in Frankfurt a. M., verschieden. Die Verstorbene war die Tochter des berühmten Lovasberenyer Raws, Rabbi S. Wiener s. A,, und die Gattin des ihr vor etwa 10 Monaten im Tode vorausgegangenen Rabbi Mordechai Breuer s. A. London. Bei den Wahlen zum Londoner Gras sch asts rate wurden folgende Juden gewählt: Jocelyn B r a n d o n, Nathaniel L. Cohen, David Davis, Frank B. H. G o l d s m i t h, H. H. Gorbon, Percy A. Harris, Isidore Salmo n u. Percy C. Simmons. Arandon, Goldsmith und Gorbon .sind wiedergewählt worden, A. L. Leon verlor feinen Sitz. — ( : Charles Davis ist znm Mitgliede des Viktoria-Ordens 5. Klasse vom König ernannt worben. . Paris. Unter sehr großer Beteiligung der ersten Kreise fand die Trauung des Barons Robert vo»—Rothschild, Sohn des österr.-ungar. Generalkonsuls Gustav von Rothschild, mit Fräulein Nelly Beer, einer Großnichte Meyerbeer's, statt. . Philadelphia. Ihre goldene Hochzeit feierten in Rüstigkeit Herr Jacob Loeb und Frau Miria geb. Harf. Der Jubilar ist in Vallendar am Rhein und die Jubilarin in Seibersbach bei Kreuznach geboren. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Das Kartell Zionist. Verbindungen ersucht uns um Aufnahme des nachstehenden Preisausschreibens: . „Seit einer Reihe von Semestern bemühe» sich die im Kartell Zionistischer Verbindungen vereinigten Korporationen um die Propagierung des Zionismus unter den jüdischen Akademikern. Trotz mancher Frankfurter JfraelitischerFamilienblatt. Hindernisse ist eS uns gelungen, durch öffentliche Versammlungen wie durch interne Einzelarbeit unsere Idee erfolgreich zu vertreten und ihr neue Anhänger unter der . Heranwachsenden Generation zu gewinnen. Noch bleibt aber vieles zu tun übrig. Noch gibt es Hunderte von jüdischen Studenten, die vom Zionismus nichts wissen, denn die mündliche Agitation erreicht sie nicht, und es fehlt an einer Schrift, die insbesondere dem jüdischen Studenten in Deutschland Interesse für die natioaaljüdische Bewegung abgewinnen könnte. Daher hat das Kartell Zionistischer Verbindungen beschlossen, einen Preis Don Jk 50 auszusctzen für die beste Agitationsbroschüre über das Thema: : - „D er jüdisch eS tud e n t u n d die n atio n aljüdische Bewegung". Als Preisrichter fungieren die Herren: Rechtsantwält Dr. H a n t k e, Rechtsanwalt Dr. P i n k u s und Dr. med. Zwirn, sämtlich in Berlin. Die Broschüre muß besonders die deutschen Verhältnisse berücksichtigen, in deutscher Sprache geschrieben sein und darf zwei Druckbogen 8" Nicht übersteigen. Die Manuskripte sind^ an der Spitze mit einem Kennwort zu versehen und bis zum 15. Juli 1907 an den Vorsitzenden des Preisrichterkollegiums, Herrn Rechtsanwalt Dr. H a n t k e, Berlin, Kaiser Wilhelmstraße 3, einzusenden. Der Sendung ist ein verschlossenes Couvert beizufügen, das das Kennwort des Verfassers trägt und seineil Namen nebst Adresse enthält. Das Resultat des Preisausschreibens wird bis zum 1. September 1907 bekannt gegeben werden. Alle Rechte an der preisgekrönten Schrift gehen an das Kartell Zionistischer Verbindungen über." Frankfurt a. M. Bei der Nationalfondskommission der Frkstr. Zion. Bereinigung gingen für den Nationalfonds ein: Herr H. M. anläßlich der Geburt seines Sohnes 10,— Jk Gesammelt bei Brismiloh Fritz M. 6,71 Jk Herr Sam. Nußbaum anläßlich der Barmizwoh'- seines Sohnes 5,— Jk Herr Jakob Frank anläßlich, der Barmizwoh seines Sohnes 20,— Jk Natkonalsondsbüchse Frkstr. Jsr. Familienblatt 6,28 Jk Nationalfondsbüchse David Hamburger 6,20 Jk Frankfurt a. M. Bei bet Expedition des Franks. Jsr. Familienbl. gingen für den Nationalfonds ein: ' i Jakob Dahlheim dankt den Schülern des //.osteuropäischen Seminars für GlückwunschtDgrainm anläßlich der Geburt seiner Tochter , ö,— Jk - Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frankfurter Jsr. Familienblattes gingen ein: . Anläßlich der Barmizwoh Chajim Gilwein's im Hause Goldmann: je 1 Oelbaum Chajim Gilwein u. Kadesch Gilwein, Lodz 12,— Jk Anläßlich der Purimfeier im Hause Goldmann: 2 Oelbäume S. H. Goldmann und Frau 12,— Jk Berlin, 10. März. Reger Teilnahme erstellte sich die gestrige Monatsversammlung der hiesigen Misrachi-Gruppe, zu der sich auch, der bekannte Geschichtsgelehrte W. I a w i tz eingefunden hatte. Herr Hermann Struck machte verschiedene Vorschläge für die Tätigkeit des Vereins, woran sich eine lebhafte Anssprache der Mitglieder anschloß. Es wurde u. a. beschlossen, eine Enquete über das Thema: „Zionismus und gesetzestrenes Judentum" an namhafte, gesetzestreue Persönlichkeiten zu richten. I. A.: Ed. Lewy, Auguststratze.84. Berlin, 10. März. Die hiesige Misrächi- Grnppe richtet an sämtliche'^ Vorstände deutscher Misrachigruppen die Bitte, ihr leihtveise " ihre Mitgliederlisten zu überlassen, üm ein möglichst vollständiges Adressenmaterial zwecks Propaganda anfertigen zu können. I. A.: Ed. Lewy, Augnststr. 84. Marburg. Gründung einer Ortsgruppe. Endlich ist es den Marburger Zionisten gelungen, auch hier eine Organisation ins Leben zu rufen. Am 16. Februar hielt Herr Dr. Friedemann - Wiesbaden vor, einem zahlreich erschienenen Publikum ein glänzendes Referat, -essen Diskussion zügte, wie reges Interesse die hiesige jüdische Bürgerschaft dem Zionismus entgegenbringt. Im Anschluß an den Vortrag wurde die Ortsgruppe gegründet, der am selben Abend noch ca. 30 Mitglieder beitraten. Es sind bisher drei Diskussionsabende veranstaltet worden, welche eine rege Beteiligung auch von Richtmitgliedern der Ortsgruppe gefunden haben. Es ist Ans bereits gelungen, weitere Kreise der Bewegung zugänglich zu machen und wir hoffen durch eifrige Arbeit noch recht gute Erfolge zu erzielen. Adr.: Marburger zionistische Vereinigung, Hotel Jsenberg. Lemberg. Zur Reichsratswahl sind in Galizien folgende zionistische Kandidaturen ausgestellt worden: Lemberg, 3. Bezirk: Dr. M. Brande — Brody: Dr. Adolf Stand — Tarnopol: Dr. Isidor Schalit — fßr. 11 □ Drohobycz: Dr. G. Zipper — Buezacz:Dr. Ä. Schmelkes — Kolonien: Dr. J. Thron'— Stryg: Dr. A. Salz — Bobrka-Zhdaczow: Dr. 9L Malz — Brzezany: Dr. S. Aappapvrt. Wilna (Rußland). Das Zentral-Komitee der z i o n. O r g a n i s a t i o n i n R u ß l a n d hat an den Präsidenten d e r D n in a das folgende Telegramm gesandt:'- -n- Die zionistische Organisation in Rußland,-?ie das Aufleben-dss jüdischen Volkes erstrebt, begrüßt die zweite Düiiia als die Auslebung Rußlands auf dem Grund bürgerlicher Freiheit, nationaler Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit." Pozsony (Pretzburg). Nänsten Sonntag veranstaltet derAhawat-Zion- Verein im großen Saale der „Bellevue" einen Jüdisch-literarischen Abend unter Mitwirkung der Herren: kaiserl. Baurat Architekt Oskar Marm ore k, Mitglied des großen Aktionskomitees und des Kultusvorstandes, Men; Professor Arpad S e b e st h ä n, Pozsony; Jos. Basser, Tenorist, Wien; Leopold Kuschner, Opernsänger, Wien; Wilhelm Safrany, Mitglied des Pozsonyer Stadttheater-Ensembles; Friedm a n n E r n ö, Pozsony, Samuel Strauß, Wien, Rezitatoren; Adolphe E r n e st, Konservatorist, Wien, sowie des Männergesangvereines „S ch i r C h o - dosch". Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Verein „Montefiore". Auf das am Montag, d. 18. dss. Mts., abends 9 Uhr, im Saale der Adler-Loge, Seilerstraße 22, znm Besten der Pereins - Bibliothek stattfindende Konzerkisei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht. 'Das ausgezeichnete Programm (siehe Inserat!) bürgt für einen sehr genußreichen Abend. Es dürfte sich für die Mitglieder empfehlen, sich rechtzeitig mit Karten zu versehen. Franksurt a.M., 14.März. Verein .Nachlaß Zwi". lieber „Die Entwicklungstheorie in d er j üd is ch e n Wi s s en s ch a f t" sprach gestern Abend der bekannte Gelehrte Ahron Marcus ans Krakau. — Nachdem Redner auf Grund des Zeugnisses Hartmaim's, in seiner „Philosophie der Unbewußten" nachgewiesen hat, daß in der alten Philosophie auch nicht eine Spur von dieser Theorie, der Grundlage der modernen Weltanschauung, zu finden sei, daß Leibniz dieselbe erst entdeckt habe, and dessen Behauptung zitiert, daß nach Mendelssohn's Ansicht dem seiner Natur nach stationären und stagnierenden Judentum der Begriff einer Weltentwicklung vollständig ftemd sei, benutzt er das erstere Zeugnis für eine Einteilung der Entwicklungsgeschichte dieser Theorie in 5 Perioden: 1. Entdeckung durch Leibniz. - 2. Behandlung derselben durch Kant (negativ als Phantasiespielerei) und durch Goethe (positiv dichterisch, Natur als stufenweise Schöpferin). 3. Hinzutreten der neuen Paläontologie und ihrer Erdgrabungen (naturwissenschaftlich behandelt von Cuvier, der sich für die unerreichte Diktion des ersten Satzes der Genesis begeistert und durch Alexander v. Humboldt im Kosmos, der durch Paläontologie im Gegenteil Befreiung, der Wissenschaft vom semitischen Joch erhofft. Seitdem zwei Parteien mit den Losungen: Hie Moses, hie Darwin. 4. Austreten der Engländer Lyell Wallace (Theist) und Darwin 1859 (Atheist) gegen Cuvier's Auf-- sassung von erneuten Schöpfungen nach Katastrophen gleich Untergängen. Deszendenztheorie, die Abstammung heutiger Arten aus früheren Formationen .durch unbewußte Zuchtwahl. 5. Zurückiveisung der Darwin-Haeckellehre durch Nägeli, Virchow, Driesche, Fleischmann als Mythus und unbewiesener Märchenkram, wobei Prof. Reinke- Kiel Moses als bedeutendste wissenschaftliche Persönlichkeit preist, Fleischmann-Erlangen dagegen die Genesis der Bibel als nicht in Betracht kommend erklärt. Schluß des historischen Rückblickes: R Mose Chaim Luzzato Padua kommt, 25 Jahre alt, 1725 nach Frankfurt ä. M. mit Schriften Aber ein philosophisch-kabbalistisches System, wird aber gezwungen, die Geheimhaltung derselben zu versprechen. Sein Merk Klach wird aber in Polen gedruckt. — Redner verliest Textauszüge und übersetzt dieselben. Sie enthalten die ganze moderne Entwickelungstheorie laut jüdischer bis dahin geheim gehaltener Uebcrlieserung. Dies wird durch Vorgänger (den Verfasser des Schulchan Aruch> und Zitat aus dessen kabbalistischen Schriften, wie äus zahlreichen Midrasch- und Talmudstellen bewiesen» durch welche der Ursprung dieser Theorie auf jüdischem Gebiete mit Vermeidung der Jrrtümer der modernen, als deduktiv-abstrakte Definition der Schöpfungsvorgänge im Sinne Cuviers und sogar Goethes ohne dessen heidnische Allüren nachgewiesen wird. Frankfurt a. M. Der Verein Montefiore (Vorsitzender: Felix Meyer)'vereinnahmte im abgelaufenen Jahre. 2273 an Mitgliedsbeiträgen und 4532 Jk an Spenden und schloß am 31. Dez: mit einem Kassenbestande von 1812 Jk ab. Der Jahresbericht gibt das Bild einer sehr lebhaften und vielseitigen Tätigkeit und berechtigt zu