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Neue jüdische Presse · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ste. 11 Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Am2l. März, 8. u. 15. April, abends 8 Uhr wird der Schriftsteller S. B e r l o - w i tz in der Loge zum Adler (Scilerstraße 22) einen Vortragszyklus über jüdische Religio n s- Philosophie halten. Die Eintrittskarten, deren Preis auf Jk 3 festgesetzt ist, berechtigen zum Besuche des ganzen Zyklus. Berlin. Palästina reise Zu dem Zwecke, den deutschen Juden eine möglichst billige und bequeme Gelegenheit zu einer Palästinareise zu bieten, hat sich ein provisorisches Komitee zur Realisierung einer Palästinarcise gebildet, das die Vorarbeiten dieses Projektes übernommen hat und die Anmeldung zu der Reise, welche gleich nach den jüdischen Feiertagen im Oktober angetreten werden soll, entgegennimmt. Um die sehr umfangreichen Vorarbeiten im Interesse der Teilnehmer möglichst gründlich erledigen und die Zahl der Mitreisenden zeitig übersehen zu können, wird Herr Dr. A r t h n r K a h n in Charlottenburg, Englische Straße 30, als Vorsitzender des provisorischen Komitees bereits jetzt Anmeldungen entgegennehmen, bez. Auskunft erteilen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, das; auch Vorrichtungen getroffen werden, das; auch Damen an dieser Exkursion teilnchmen können. Köln, 11. März. Es ist bereits verschiedentlich in diesem Blatte ans den Protest hingewiesen worden, den Herr Albert Bier, liberales Mitglied des Repräsentantenkollegiums der Kölner Synagogcn-Geineinde, „im Interesse der Kölner Gemeinde" bei dem Regierungspräsidenten zu Köln eingereicht hat gegen das aktive und passive Wahlrecht der ausländischen Inden. Herr Bier ist für diese ^.liberale" Tat in fast allen jüdischen Blättern ohne Unterschied der Parteirichtung eine Abfertigung zuteil geworden, die ihm — wie 'anerkannt werden soll — nicht gebührt. Bei der ersten nach den Wahlen stattgefundenen öffentlichen Versammlung der Repräsentanten erklärte Herr Bier, daß er die Angriffe in den jüdischen Zeitungen für seine Person ablehnen müsse, w e i l e r l e d i g l i ch e i n e n B c s ch l u p der liberalen Partei zur Ausführung gebracht habe; diese Erklärung fand keinen Widerspruch bei seinen Parteigenossen. Bekanntlich hat der Regierungspräsident den Protest znrückgewiesen. Das hiesige Israelit. Gemeindcblatt schreibt nun in seiner Nr. 10 vom 8. März: „Beschwerde gegen den Entscheid des Regierungspräsidenten. Gegen den abweisenden Bescheid des Herrn Regierungspräsidenten ans den gegen die Wahl des Herrn Max Goldrcich als Repräsentant eingelegten Protest ist von Herrn Alb. Bier Beschwerde beim Herrn Oberpräsidenten in Coblenz eingelegt worden. Der Vorstand des liberalen Wahlvereins hat einstimmig beschlossen, die Beschwerde des Herrn Bier zu dem Zwecke zu unterstützen, um eine endgültige prinzipielle Entscheidung in der Frage der Wahlberechtigung und der Wahlfähigkeit von Ausländern hcrbeiznführen." Da die demnächstige Entscheidung des Herrn Oberpräsidenten für ivcitestc Kreise Preußens von großem Interesse ist, so mögen hier zunächst einige Sätze ans der Bcschwerdeschrift des Herrn Bier in die weitere Oessentlichkeit dringe», womit der „liberale" Wahlverein sein „Recht" verteidigt: „Der ausländische Jude soll, wenn er nach Köln kommt, gewiß als der Genieinde zugehörig betrachtet werden und an allen Wohlfahrtseinrichtnngen sich beteiligen können, aber nie und nimmermehr kann er Anspruch erheben als Mitglied der Gemeinde zu gelten, ebensowenig wie er Mitglied der bürgerlichen Gemeinde werden kann, der dann die damit verbundenen Rechte bei Wahlen laut 8 5 der Städteordnnng genießen würde, es sei denn, daß er sich die Naturalisation erwerbe." „Im weiteren gestatte ich mir ergebenst zu bemerken, das; das Jndengcsctz vom Jahre 1847 nur für die 'Untertanen des weiland Königs Friedrich Wilhelm kV. gilt, somit nur bei preußischen Inden in Betracht kommt, nicht aber sür ausländische. Nur in einem einzigen Falle ist von diesem die Rede ■ und zwar -in § 71, der es verbietet, ohne Genehmigung des Ministers des Innern Ausländer als Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten nsw. bei einer Strafe von 20—300 Talern aiiznstellen. Wenn also die ausländischen Juden darnach nicht einmal als Dienstboten nsw. angestellt werden dürfen, so erscheint es doch ausgeschlossen, das; ihnen Wahlrechte und Ehrenstellen zustehen. Hierbei i st zu berücksichtigen, daß die Gefahr nicht zu verkennen ist, daß jvernöe Sitten ii li t> Gebräuche — n n d ganz besonders Ansprüche — die man ionst vermieden sehen möchte, um sich greifen würde n." Uns will bedünken, als ob dieselben 'Gedanken, dieselben Worte bereits unzählige Male von Ahlwardt, Stöcker, Liebermann v. Sonnenberg, Pückler n. a. in die Welt posaunt worden wären, und man sollte meinen, baß der Vorsitzende des liberalen Wahlvereines nicht den Jnstizratstitel zu besitzen brauchte, uni solche „Gedanken" zu Tage zu fördern. Und so was nennt sich „liberal", so etwas entrüstet sich. Frankfurter Israelitisches Famillenblaü. wenn hier und dort mal liberale Nichtjuden einem Antisemiten bei der Reichstagswahl die Stimme geben, so was stellt sich als die Vertretung einer jüd. Großgemeinde vor! Difficile est satyram non scribere. Hier müßte der Verein zur Abwehr des Antiseniitismns gegen die Verwaltung der Großgcmcinde Köln einschreiten, wenn er nicht vor Scham ob seiner ungeratenen Kinder, die ihren Beschützer und Pfleger verleugnen, ärgerlich und mit Abscheu sich abwendet. .Köln n. Rh. Oberlandesgerichtsrat Paul Rothschild hat die Stadt zu seiner Universalerbin eingesetzt. Von der auf 600000 Jk. geschätzten Hiuterlassenschast soll die Stadt 100000 Jk zum Ban eines K r e m a t o r i u m s verwenden, sobald die gesetzlichen Hindernisse, die der Errichtung eines solche» cutgegeirstehen, behoben sind. Die Erträgnisse des Restes des Vermächtnisses sollen für eine Stiftung für Lungenkranke verwandt werden. Falls die Stadtverordnctenversammlnng die Annahme ablehnt, soll das Israelitische Asyl das Vermächtnis erhalten, das dem Verein für Feuerbestattung 100 000 JL für ein Krematorium und 50 000 Jk für einen Urnenhain zu überweisen hätte. Die Stadtverordneten, die in ihrer Sitzung vom 8. März in der Sache beschließen sollten, setzten die Berainng bis zur nächsten Sitzung aus. Mannheim. Der Versuch des Mroßh O b e r r a t s der Israeliten, das seitherige direkte und geheime Wahlverfahren zur Synode z n ä n d e r n, ist vorläufig abgeschlagen worden. In der Sitzung der isr. Gemeindevertretung in Mannheim vom 5. Mürz nahm Herr Dr. Moses, der bekannte zionistische Führer, Gelegenheit, die Vorlage des Oberrats an die Synode einer strengen Kritik zu unterziehen, das Reaktionäre der beabsichtigten Maßregeln zu beleuchten und die Gemcindcvcrtrctung der größten jüdischen Gemeinde Badens zu ciueni Proteste gegen die Vorlage üufzufordern. Die Ausführungen des Gcmeindevertrctcrs Dr. Moses fanden allscitige Zustimmung; nur zwei Synagogcnräte, die gleichzeitig Mitglieder des Oberrats sind, versuchten eine schwache Rechtfertigung der Wahlvorlage. Die Mitglieder der Gemeindevertretung stellten sich einmütig aus Seiten des Herrn Dr. Moses, und es wurde beschlossen, noch vor der Synodaltagung eine eigene Sitzung der Gemeindevertretung cinzuberufen, um Protest gegen die Wahlvorlage einzulcgcn. — Schon zwei Tage nach dieser Sitzung, am 7. März, lud der Vorsitzende des Oberrats, Herr Geheimrat Dr. Mayer-Karlsruhe, die Mitglieder des Synagogenrats und des Vorstands der Gemeindevertretung zu einer Konferenz ein, in welcher Herr Dr. Mayer die oberrätliche Vorlage zu verteidigen suchte, aber ans den energischen Widerstand bei den anwesenden Vertretern der Mannheimer Jndenschait' stieß. Schon am 8. März früh lief bei einem Teilnehmer dieser Konferenz die Mitteilung von Herrn Dr. Mayer ein, daß der Oberrat die Vorlage vorläufig zurückziehe und nicht vor die außerordentliche Synode vom 18. Mürz bringen werde. Es wird wohl vom Ausfall der Neuwahlen zur nächsten Synode abhängen, ob diese famose Vorlage überhaupt wieder ihre Auferstehung feiert. Karlsruhe. Ani 18. Mä-z findet hier eine außerordentliche isr. Synode statt, bei welcher namentlich über das zu errichtende Hospiz für Kinder und Erwachsene in Dürrheim, bczw. über ein dafür aufziinebmendes Anlehen beraten wird. — Als geistlicher Abgeordneter wurde für den nach Kassel verzogenen Rabbiner Dr. Doctor Bezirksrabbiner Dr. Mayer in Bühl gewählt. — Vom Ministerium der Justiz und des Kultus wurden für das Jahr 1907 für die isr. Oberratskassc 7500 Jk und für Aufbesserungen von 7 gering besoldeten badischen Rabbinern 15 440 Jk gewährt. Hamburg. In der letzten Bersammruna des RepräfentantenkollcgiunisderDentich- Israelitischen Gemeinde stellte Herr Aler Levy den Antrag, den Gemcindevorstand zu ersuchen, die Einianngsverhandliingen zwischen dem Syncigogenvcrvand und der Verwaltung der neuen Dammtor-Synagoge (Cenedrestraßes wieder anfzunehmen Der Antragsteller weist auf die in früheren Jahren stattgchabten Verhandlungen hin, die nicht abgebrochen, sondern nur vertagt worden seien. Es gelangte schließlich folgende Resolution zur Annahme: „Das Rcpräscntantenköllegium bittet den Gemeinde- Vorstand, wenn sich die Vorstände des Synagogenverbandes und der Neuen Dammtor-Synagoge um Wiederanfnahme der Einigungsvcrhandlungcn an ihn wenden sollten, die Vermittelung zu übernehmen." St. Ludwig. Svnagogeneinweihung. Bon herrlichstem Frülilingswetter begünstigt, feierte die hiesige nenbegründetc Israelitische G e - m e i n d e vergangenen Diestag das Fest der Lynagogeneinweihiing, und sie kann mit Recht stolz auf diese Feier sein, die wie Herr Bürgermeister Dr. Tilger in seiner so schönen, von echter Toleranz und wahrer Menschenliebe durchdrungenen Rede mit Rechi behauptete, nicht blos ein Fest der jüdischen Gemeinde, sondern der gesamten Bürgerschaft war. Von Rah und Fern war inan herbeiaeeilt, um dieser Feier beiwohnen zu können, und der Andrang war so groß, daß dke Synagoge nicht alle fassen konnte. Als Ehrengäste waren erschienen: Seite 3 Se. .Hochwürden Herr Oberrabbiner I. Weil! aus Colmar, Herr Geh. Regierungsrat P e u c e r in Vertretung des Herrn Bezirkspräsidenten Freiherr v. Piittkammer ans Colmar, .Herr Polizeipräsident und Kreisdirektor Dr D i e ck h o f f aus Mühlhausen, Herr Rabbiner S ch ü l e r ans Bollweiler, der Vater des hiesigen Herrn Rabbiners, Herr Pastor B i r m e l e, Herr Konstorialrat Wallach, Herr A. Ginzb u r g e r, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Mühlhausen, Herr Bezirksrat Ja eck, Bürgermeister in Hegenheim, Herr Kantonalpolizeikommissar W e i n h a g c n , sowie fast sämtliche Herrreu Geineinderäte von St. Ludwig. Seine Exzellenz Herr llnterstaatssekretär Dr. Petri bedauerte, der Feier nicht beiwohnen zu können und übersandte seine herzlichsten Glückwünsche. Herrn L. Lautz, den Vräsibentcn des israelitischen Konsistoriums, hinderte z-, feinem und unserem größten Leidwesen sein hohes 'Aller an der Reise hierher und auch der diesige kotlwiische Pfarrer Herr D i e t s ch wäre der Einladung mit Freuden gefolgt, wenn er nicht amtlich verhindert gewesen wäre. Die Feier begann präzis l lihr mit dem Abmärsche des Festzuges vom Hotel John ans unter Borantritt der Festmusik, der die Schulkinder folgten. An der Synagoge angelangt, übergab Herr Geh. Regierungsrat Pencer den Schlüssel, der ihm von weißgekleideten Mädchen aus seidenem Kissen überreicht wurde, dem Herrn Oberrabbiner, der die Synagoge öffnete. Der lleberrcichung des Schlüssels ging die Deklamation eines schönen Prologs voran. In der Synagoge begrüßte der Synagogenchor, der von Herrn Kantor L e h in a n n geleitet war, die Festversammlung mit einem herrlichen Psalm: Nachdem Herr Oberrabbiner durch eine äußerst gehaltvolle, formvollendete Rede die Synagoge geweiht hatte, begrüßte Herr Rabbiner Dr. Schüler die Festversamniluiig mit begeisterten! Worten. Er leitete seine Rede ein mit den Worten des Psalmistcn „Bornch habbo", mit denen vor 45 Fahren sein sek. Großvater Oberrabbiner S a l o m o n Wo l f Klein s. A. ans Colmar die Synagoge zu Hüningen, die soviele Jahre auch der hiesigen Gemeinde als Andachtsstätte gedient hat, eingeweiht hatte. Die Rede des Herrn Rabbiner Dr. Schüler gipfelte in der Erklärung der hohen Bedentiing und des Zweckes des jüdischen Gotteshauses. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr E. W e i l l, dankte im Rainen derselben allen Behörden und Privaten, die zum Ban der Synagoge beiactragen hatten. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. S ch ü l e r das Kaisergebet. Die verschiedenen Reden und Ansprachen wechselten mit Gesängen ab. die teils Jjti .Herrn Kantor Lehmann, teils von .Herrn Kantor Wetll aus Altkirch vorgetragen und von den Anwesenden mit großem Beifall anfgciwmmeii wurden. Die Festmusik, die der Musik-' verein St. 'Ludwig stellte, spielte »ach der Weiherrdc das herrliche Lied „Die Himmel rühmen" und beendigte auch die Feier. Die Begleitung des Gesanges ans dem Harmonium hatte in liebensloiirdigster Weise Herr Lehrer Lauffenbnraer übernommen. Kurz nach der offiziellen Feier begann das Bankett, bei welchem der Vorsitzende Herr E. Weilt das Hoch auf Sc. Majestät Kaiser Wilhelm II. ausbröchle, in das alle Anwesenden begeistert ciiistimmien. Darauf dankte Herr Rabbiner Dr. Schüler all' denen, die ziim Gelingen des Festes bekgetragen hatten, dein Festkomitee, dem Gemeindevorstand, ganz besonders aber hob er die Verdienste des rührigen Vorstehers und seiner wackeren Gattin hervor Das Bankett dauerte von 4 bis 7 l!hr. Dem Festessen folgte ein Ball nebst Theatervorstellung und Tombola, der die zahlreich erschienenen Febteilnehmcr bis tief in die Nacht hinein vereinigt hielt. Das Fest war ein in allen Teilen würdiges und durchaus gelungenes und machte sowohl den Veranstaltern als auch dem neuen Pächter des Hotel John alle Ehre. Dieser hat bewiesen, daß er es vorzüglich versteht, große Festlichkeiten aufs beste zu arrangieren. Die Synagoge ist ein schöner schlichter Kupvelban, nach den Plänen des Herrn Architekten L o n v a. t , Mühlhausen, von der Firma S i in o n hier ausgeführt. Die innere Einrichtung lieferten Herr Architekt Lehr und das Bangeschüst 0» roß hier. Porauches, Schu'lchan-Dccke etc. sind aus dem Atelier des Herrn Bloch, Straßbnrg. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Aussicht, eine entsprechende Anzahl jüdischer Kandidaten bei den R e i ch s i a t s w a h l e n d u r ch z n b r i n g e n , ist infolge der unwürdigen Taktik der jüdischen Assimilationskreise, sowie überhaupt infolge der. Zersplitterung und llncinigkeit innerhalb der Judenheit sehr a e r i n g. Das Resultat wird dem der russischen Dumawahlen wie ein Ei dem andern ähneln, d. h. es werden durch günstige Nebeuumstände einige Znfallsjnden zufällig durchkvmmen. Als Beweis für die Berechtigung dieser Prognose möge u. a. folgender Bericht ans Drohobyez dienen: Drohobycz, einer jener 6 galizischen Wahlbezirke, die von der Regierung im Einvernehmen mit dem Polenklub jüdischen Abgeordneten reserviert wur-

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