Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter JsraelitWeS Familienblatt. Seite 10. zu nehmen, und die Intervention der französischen Vertretung bei der Negierung des Schah ist stets wirksam gewesen und mit Entgegenkommen auf. genommen worden. Wir würden Ihnen zu tiefer Dankbarkeit verbunden sein, wenn Sie die Güte haben wollten, möglichst auf telegraphischem Wege der französischen Gesandtschaft in Teheran aufzugebcn, daß sie bei den hauptstädtischen Behörden die Rücknahme der gegen die Israeliten von Jspahan erlassenen Bcjehle erwirke. Wir richten diesen Appell an Ihren Geist der Menschlichkeit und des Liberalismus und sind überzeugt, daß Sie diesen durch Gewährung unseres Ersuchens aufs neue beweisen w^den. Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung unserer Hochachtung Der Präsident Narcisse Leven. Hieraus ist folgende Antwort au Herrn Leven gelangt: Republigue Francaise. Minislere des affaires etrangeies Paris, den 18. Februar 1907. Geehrter Herr! Durcy einen Brief vom 12. Februar haben Sie die Güte gehabt, meine Aufmerksamkeit auf gewisse Verfolgungen zu lenken, denen Ihre Glaubensgenossen in Jspahan von seiten der Ortsgeistlichkeit dieser Stadt ausgesctzt werden. In diesem Schreiben drückten Sie mir zugleich den Wunsch aus, daß die Gesandtschaft der Republik in Teheran bei den hauptstädtischen Behörden auf die Rücknahme der gegen die Israeliten von Jspahan erlassenen Verfügungen wirte. Ich, habe die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß ich soeben unserm Gesandten in Persien telegraphisch die Weisung habe zugehen lassen, er möchte in dem von Ihnen angegebenen Sinne bei der Regierung des Schah die erforderlichen Schritte tun, die, wie ich hoffe, wirksam sein werden und im übrigen dem Geist der Menschlichkeit und des Liberalismus der Regierung der Republik entsprechen, an den Sie neuerdings appelliert haben. Empfangen Sie, geehrter Herr, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. S. Pichon. Personalien.; Bergen bei Frankfurt a. M. Zum ersten Vorsitzenden des hiesigen Kriegerverein wurde der Kaufmann Leopold Hirsch, ein Veteran von 1870, fast mit Srimmeneinhcit (nur drei Stimmen fielen aus) gewählt, was um so bemerkenswerter ist. als unter den 130 Mitgliedern des Vereins nur vier Juden sind und Bergen früher eine Hochburg des bürg des antisemitische» Dr. Böckel gewesen ist. Aus -er Lehrerwett. Mimberg. Von der israelitischen Kultusgemeinbe wird mitgetellt, daß die Stellvertretung des Rabbiners durch Rabbinatssubstitut D r. C h o n e erfolgt. Gnesen. Sein Löjähriges Amtsjubiläum feiert am Sonnabend, den 23. d. Mts. unser Rabbiner Herr Dr. Jacobson. Pretzbur». Herr Michael K u n st a d t. II. Kantor der orth. israel. Kultusgemeinde, feierte sein 40jähriges Amtsjubiläum. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frankfurter Jsr. Familienblattes gingen für den Nationalsonds ein: Hugo Oppenheimer 3,— Jk Anläßlich der Purimseier D. Kroll, Wingertstr. 13 1,— Jk I. L. Goitein zur Eintragung des Herrn Leopold Simon, Mannheim 0,50 Jk Materialien von Frl. Paula Kroll, Sara Aronsohn, Herrn Ettlinger. Fürth. Einen glänzenden Erfolg batten Zionismus und Nationalfond durch die von der zion. Ortsgruppe Nürnberg-Fürth im Cafe Central veranstaltete Purim f e i e r. Nachdem der Fürther Kantor Herr Schönberg bas „Hatikwah" vorzüglich gesungen hielt der Vorsitzende Herr Dr. Bamberger eine geistig durchdächte Festrede,7in der er auf die Bedeutung bes Purimfestes in Beziehung zur zionistischen Bewegung hrnwies. Ein reiches Vergnügüngsprogramm, bestehend aus . künstlerischem Gesänge und Musikausführungen, sowie Couplets und Rezitationen jüdischen und allgemeinen Inhalts fefselle die stattliche Anzahl der Besucher bis nach Mitternacht. Aus ein Gedicht, das Frau El lein und Herr Lautmann, als arme Russen verkleidet, die nach Palästina reisen wollen, vortrugen, sei besonders §inge. wiesen.' : > Airs den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Purimfeier des Vereins Nachlaß Zivi hatte die Jungen und die Alten, die Damen intb die Herren der Religionsgesellschaft zu einem bunten, lebhaften Bilde in dem großen Saale der Börse vereinigt. Die Feier hatte den Charakter eines Kommerses, und es ergab sich daher, daß man nicht mit künstlerischem Maßstabe an die Beurteilung der Darbietungen herantreten durste. Die Kappen aus den Köpfen und das Bier auf den Tischen verlangten einen leichtgeschürzten tzmnor, und dieser hält ja nur selten der Kritik stand. Fröhlich und heiter war auch die Stimmung des Publikums, flott tönten die Tischlieder, dankbar wurden die Purim-Possen und -Vorträge beklatscht. Auch die P u r i m s e i e r, die der S y n a - gogenchor der Neuen Gemeinde-Shnag o g e im Saale des Kaufmännischen Vereines veranstaltet hatte, erfreute sich eines überaus starken Zuspruches. Hier schloß sich dein unterhaltenden Teile ein Ball an, der bis zum Morgen währte. Schließlich ist noch der P u r i m b a l l der Bcr - g n ü g u u g s - G e s.e l l s ch a f t j u u g e r L e u t e zu erwähnen, der gleichfalls harmonisch verlief, Frankfurt a. M>, 5. Mä z Verein f.Montefiore". Ueber „Iüdische Sprichwörter" sprach gestern Abend Herr Zahnarzt S. N a t h a n s e n. Wir entnehmen de» Aussiihrungen: Die hebräische Literatur ist reich an Sprichwörtern, und auch die Literatur über das hebräische Sprichwort ist eine umfangreiche. In der Bibel finden sich nur wenige Sprichwörter: „Von den Bösen kommt Böses" (1 Sam. 24,14). „Ist auch Saul unter den Propheten" (1. Sam. 10, 11). Von nachbiblischcn Werken sind es hauptsächlich „Das Buch Sirach" von Josua ben Sirach, uird „Das Buch der Weisheit" eines unbekannten Verfassers, das wohl aus der Zeit um das Hahr 100 v. Chr. stammen dürste, welche uns Sprichwörter überliefern. Die Harcptquclle für uns bleibt der Talmud, jenes gewaltige Sammelwerk, welches Sprüche und Sprichwörter, teils in ganzen Sammlungen aneinaiidergereiht, teils an verschiedenen Stellen zerstreut,"enthält. Bier Traktate, Sprüche enthaltend und aus verschiedenen Perioden herrührend, sind im Talinud ausgenommen, die sich von den apokryphischeu Werken als auch untereinander bedeutend unterscheiden und zwischen deren Abfassung wohl längere Zeiträume liegen. Es sind dies die Traktate: Aboth, Aboth des Rabbi Nathan, Traktat Dcrech Erez und Dcrech Ercz souta des kl. b. E. Außerdem finden sich im Talmud und in den Midraschim noch viele Sprüche allenthalben zerstreut. Wir nlüsscn dem Talmud dankbar - dafür sein, daß er uns die Reste der damaligen Volkskultur aufbewahrt Hai Es läßt sich im allgemeinen annehmcn, daß die Sprichwörter, die sich im babylonischen Talmud finden, in Babylon üblich waren, sowie diejenigen, die im jerusalcmischen Talmud und im Midrasch rabba sich finden, in Palästina gebräuchlich waren. Es finden sich auch viele in diesen Werken zugleich, was dann beweist, daß sie sowohl hier als dort einheimisch waren. Bei einigen ist im Talmud ausdrücklicki das Vaterland, zuweilen auch die Stadt genannt, wo solche vorzugsweise gebraucht wurden. Der Redner gab nun eine große Reihe Sprichwörter: „Während dein Feuer brennt, schneide den Kürbis ab" (Saiihedrin). „Iß, solange' du hungrig bist, trink, solange du dursttg bist, uiib wenn dein Topf siedet, gieße ihn ab (Berachoth). „Groß ist die Arbeit, denn sie lobt ihren Meister" (Nedarim). „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen" (Midrasch Bereschith rabba). „Dem, der Güter besitzt, trage das Holz nach" (Baba Kama). „Alles Schlimme, nur keine schlimme Frau". „Dreier Leute Leben ist kein Leben: wer aus der anderen Tisch hofft, wer unter der Herrschaft seiner Frau steht und wer schwer erkrankt tji". „Die Sechzigjährige läuft ebenso zur Musik wie die Sechsjährige". „Alter Mann im Hause ist Schrecken im Hause, alte Frau im Hause ist Perle im Hanse". „Eine Frau durchschaut die Gäste besser, als der Manu". „Zehn Maß Schlaf sind dem Menschen gegeben, neun davon beanspruchen die Diener". „Füchse sind die Nachkommen von Füchsen". „Der Umzug von einem Haus ins andere kostet ein Kleid, von einem Land ins andere ein Leben" usw. usw. Redner gibt zum Schluß seines, sehr instruktiven Vortrages noch einen Ueberblick über die Sprichwörter, die im Ghetto entstanden sind und.heute im Jargon weiterleben. Frankfurt a. M. In der am Sonntag, den 3. März statt gefundenen Generalversammlung des Centralvercins Israel. Gemeindcmitglieder erstattete zunächst Herr Dr. Heinemaun'den Jahresbericht. Danach haben im verflossenen Jahre 4 Vereinsversammlungcu stattgefuirden, außer ver oroentlichen Generalversammlung. Es sprachen Herr F. Sondheimer über die „Aufgaben jüdischer Gemeindepolilik", Herr Dr. W. Hanauer über den „Etat der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M.", Herr Dr. Heinemann und Dr. Katzeustein über den „Rosinschen Gesetzentwurf". Die letzte Versammlung war eine geschlossene Mitgliederversammlung und beschäftigte sich mit den Ausschußwablcn. Alle' Versammlungen wüten gut besucht, es fanden lebhafte Diskussionen statt, welche dem Vorstande mancherlei Anregungengaben. Die innere Arbeit des Vereins galt vornehmlich dem Rosinschen Nr. 10. Gesetzentwurf, der in mehreren Kommissionssitzungeu beraten wurde. Der Verein hatte die Genugtuung, daß der Gcmeindebund in der Frage schließlich denselben Standpunkt cinnahm, den der Verein vertrat. Die Wahlen ergaben das Resultat, daß ein Kompromiß mit dem Freisinnigen - Verein geschlossen wurde und die beiden Kandidaten des Centralvereins, die Herren H. Frankel und Bottenwiescr, als gewählt aus der Urne hervorgingen.. ' Auf die Interpellation des Herr Lehmann sprach sich der Referent noch über die Tätigkeit des Vereins hinsichtlich der Frage des Jugendgottcsdicnstes und des Religionsunterrichtes aus. In der Frage der Errichtung konservativenJugendgottesdienstcs habe der Verein bereits die notwendigen Schritte eingelcitet und sei zunächst mit Herrn Rabbiner Dr. Horovitz in Verbindung getreten) er werde der Sache unausgesetzt seine Aufmerksamkeit znwenden. Jil der Frage des Religionsunterrichtes wird schließlich nach längerer Diskrission ein Antrag Singer angenommen, der den Centralverein ersucht, mit der Verwaltung der Religiousschule in Verbindung zu treten, damit diese beim Vorstand der Gemeinde um eine ausreichende Subvention vorstellig wird und nicht mehr nötig habe, für die Schule einer Gemeinde hernmzuschnorren. Der Bericht des Vorstandes wird genehmigt und denselben für seine erfolgreiche Tätigkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen. Den Kassenbericht erstattete Herr Heinreich Rothschild, deninach hat die Mitgliederzahl iin letzten Jahre um ca. 100 zugenommen und beträgt jetzt 515. Der Kassenbestand weist 495 Jk auf. Es liegen zwei Anträge zur Beratung vor; der eine, von I. Carlebacy gestellt, wünscht eine.Aenderung im Vcrschlagsmodus bei der Auswahl von Kandidaten für den Ausschuß der Gemeinde. Die Beratung dieses Antrages wird vertagt Dagegen wird ein anderer Antrag, bei dem Vorstand der Gemeinde zwecks Inhibierung der Arbeit beim Bau der Synagoge und der Schule am Samstag vorstellig zu werden, ti£»hmmig angenommen. Die Vorstandswahl ergab: Wiedergewählt wurden die Herren Dr. Heinemann, Justizrat Dr. Hecht, Dr. W. Hanauer, Eli Michael, Dr. Katzeustein, Rechtsanwalt H a y u m, Lehrer Schwab, Appel, Bonn, H. Rothschild und Fr. S o n d h e hu e r. Neugewählt wurden die Herren Raphael Etrliuger, Jgersheimer und B. N o s e n t h a l. Herr Salo S t e r n, der eine Wiederwahl ablehnt, erklärt, auch loeiterhin seine Kraft und sein lebhaftes Interesse dem Verein widmen zu wollen. Wiesbaden. Der Veretnfür jüdische Geschichte und Literatur, oer im vergangenen Jahre von Herrn Dr. Adolf Friedemann gegründet lvurde und heute bereits 131 Mitglieder zählt, veranstaltete am 24. Februar einen „jüdischen Musikabend", den man'vielleicht als die glänzendste Veranstaltung dieses Vereins betrachten darf. Es wurde dem Publikum ein Bild von der geschichtlichen Entwicklung der jüdischen Musik — von den altsynagogalen Melodien des Altertums, der Ghettomusik des Mittelalters vis zu den Schöpfungen der neuesten Autoren — gegeben. Mitwirkende waren Herr L e v y - Berlin (Cello) und Frl. Rose Kahn - Berlin (Gesang). Beide erstklassigen Künstler wurden durch lebhaften Beifall und wiederholtes Herausrufen der über 400 Personen zählende» Zuhörerschaft ausgezeichnet. Herr Levy ist ein ausgezeichneter Cellist, der sein Instrument ganz beherrscht. Frl. Kahn, eine blendend schöne Erscheinung, besitzt eine prachtvolle Altstimme, die nie, ob in der Höhe oder Tiefe, ihren Schmelz verliert. Besonders gefielen Jargonlieder, Carmen und „Ich schlage Dich, mein Tambonrin". Als sic geendet hatte, wollten die Beifallsrufe kein Ende nehmen, und Frl. Kahn mußte noch ein Lied als Zugabe singen. Am 28. Fcbr. veranstalteten die beiden Künstler noch ein eigenes Konzert, das in den Lokalblättern durchwegs lobende Anerkennung fand. Besonders der Sängerin wurde eine große Zukunft geweissagt. B. St. München» 6. März. Der B e r e i n I ü d i s ch e r Studenten vollendete mit seiner Schlußkneipe am 26. Februar sein 14. Semester. Mit Genugtuung kann er auf seine Tätigkeit und. Erfolge in dieser verhältnismäßig so kurzen Zeit blicken, mit frendigenl Stolz auf die Stellung weisen, die er sich sowohl in der jüdischen Bürgerschaft wie in der Studentenschaft zu erringen gewußt hat. Getreu den Anforderungen, die der Bund Jüdischer Corporationen (B. I. C.) an seinen Münchener Kartellverein stellt, getreu den Zielen, die er sich selbst gesteckt, hat der B. I. St. unermüdlich dahingesttebt, seine bewußtjüdischen Tendenzen auch in nicht-akademischen Kreisen zu verbreiten, den Kampf gegen Jndifferentismusund Assimilation auch.in'die Bürgerschaft hineinzutragen. Der Erfolg übertraf unsere Erwartungen. Wir hatten die Freude, bei unseren Veranstaltungen stets viele Herren aus der Bürgerschaft begrüßen zu könnendie uns ihren aufrichtigen Dank in warmen Worten bekundeten und uns. als äußeres Zeichen ihrer Anerkennung drei kostbare studentische Vollwichse überreichten. Mit Genugtuung blicken wir auf die vergangenen Semester zurück, mit freudigem Schafsenseiserden kommenden entgegen. Austunstsstelle und Briefablage bei Henry,Unna, Altona (Elbe), gr. Bergstr. 147. ,;