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Neue jüdische Presse · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter JstMBMS MwlyienjAaL. ' 7^'^'"';'. -----Nr^-L. - MM AitS Yen Vereinen. . Frankfurt a. M. Am Dienstag Abend hielt der „Talmud-Thora"- Verein'seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Zunächst wurde des verstorbenen Herrn Alfred Geiger s. A., des Mitbegründers und Vorsitzenden des Vereins, gedacht. Die Rechnungsablage für 1906 wurde. geprüft und richtigbefunden, und der Vorstand, bestehend aus den Herren Emannel Lehmann, Dr. I. Heinemann und M a r t i n M c y e r, durch Zuruf Wiedergewählt. Die Freitagabend - Vorträge, die sich eines regen Zuspruchs erfreuten, haben mit der Wintersaison jetzt ihren Abschluß gefunden, jedoch werden die Schiurim am Schabbos vor Mincho und die Vorträge am Sonntag Vormittag auch im Sommer abgehalten. Anmeldung neuer Mitglieder ist sehr erwünscht und kann bei jedem Vorstandsmitgliede erwirkt werden. Frankfurt a. M. ,.Montefiore"-Verein. Am Mittwoch, den 27., Febr. findet im Vcreinslvkal, abends 9 Uhr- Verlesung der Megillah statt. Die Purimfeier des „Montefiore"-Bereins wirb im großen Saale des ,Larlshauscs" (Seilerstraße 20 I) abgehalten und beginnt abends 9 Uhr. Angehörige der Vereins-Mitglieder haben Zutritt. Frankfurt a.M.,21 Februar.. Der. Verein Krankenkasse für isr. Frauen u. Mädchen hatte gestern Abend seine 11. ordentliche Generalversammlung. Herr Raphael Ettling er, der Vorsitzende, erstattete den Bericht, aus dem zu eirtnehmen ist, daß der Gesundheitszustand der Mitglieder ein günstigerer als im Vorjahre war. Der.Kassenbericht konstatiert die Einnahmen mit 3196 JL, die Ausgaben mit 2907 Mark. Der ausscheidende Vorstand wird wiedergewählt. Herr U l l m a n n stellt den Antrag, die Kontrolle der Kranken durch Frauen vornehmen zu lassen, zieht, jedoch seinen Antrag insolge der Ausführungen des Vorsitzenden zurück. Herr Schmidt gibt die Anregung, in den jüdischen Zeitungen zu inserieren, damit mehr Propaganda für den Verein gemacht werde. Frankfurt a. M., 2l. Die gestrige Generalversammlung des- Vereins zur Bekleidung bedürftiger israelit. 5knaben (Vorsitzender: Raphael M. Kirchheim) genehmigte den Rechenschaftsbericht —' es ist der 36. —- und wählte' die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wieder. ' Dem Berichte entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahre von dem.-Verein 248 Knaben und. 139 Jünglinge mit Kleidung und Schuhwerk versehen wurden, wofür JL 7880 für Kleidung und JL 3010 für Stiefel ausgegeben wurden. Berlin, lieber die mittelalterliche Auswanderung der deutschen Iuden nach dem Osten sprach im Verein für jüd. GeschichtenndLiteratur Archivrat Professor Dr. Warschauer aus Posen. — Wir entnehmen seinem Vortrage: Die ersten beglaubigten. Nachrichten über Juden in Polen stammen aus dem 13. Jahrhundert. Infolge der trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit sahen Christen und Juden gemeinsam sich gezwungen, Deutschland zu verlassen und in Polen eine neue Heimat zu suchen. Sie fanden dort eine gastliche Stätte und lebten eine Zeitlang nebeneinander in Frieden und Eintracht. Indessen sind die . deutschen Christen nach und nach in der polnischen Nation aufgegangen, während die Juden nicht bloß ihrer Eigenart, sondern auch der ihnen liebgewordenen deutschen Sprache bis aus den heutigen Tag treu geblieben sind. -_. Aus -er Lehrerwett. Pctrovosello (Ungarn). Die hiesige orthodoxe Gemeinde hat durch den Tod ihres erst 42 Jahre alten Dajans Rabbi Feibel.Großmann einen überaus schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene zeichnete sich durch hervorragende Talmud-Gelehrsamkeit aus. ' Wien: Rabbiner Wilhelm S t e i n in P oft e l b e r g (Böhmen) begcht am 3. März-das Jubiläum seiner 40jährigen Amtstätigkeit in der Kultusgemeinde Hostelberg. Lehrer S a l 0 m 0 n K 0 h n in N a g y - S z 0 mbat (Ungarn) hat nach 42jähriger Tätigkeit an der dortigen isräelit. Schule seinen Abschied genommen. In Neu mark (Böhmen) starb Rabbiner A. S. B 0 n d y, der sich eifrig mit Sprachforschung beschäftigte, im Alter von 66 Jahren. - Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Daß „Deutsche Bureau des Jüdischen Äationalfonds, Abteilung für Propaganda", Breslau VL Königsplatz 3b ersucht uns um Aufnahme der folgenden Mitteilung: 1. Wir Litten alle Diejenigen Ortsgruppen, die bereit sind, gelegentlich des Purimfestes eine Sammlung für den Nationalfonds zu veranstalten, uns davon umgehend Mitteilung zu mache», damll wir ihnen rechtzeitig die sich dazu besonders eignenden Sammelbogen zugehen lassen können. 2. Diejenigen Ortsgruppen, die zu Purim ein Fest veranstalten, werden gebeten, die Billets, Programme, Purimzeitungen u. drgl. zugunsten des Nationalfonds mit 5 Pfg. pro Exemplar (durch Be-, kleben mit einer Nationalfonbsmarke) zu besteuern.' . Frankfurt a. M. Bei der Expedition dieses Blattes - gingen für den Nätionalfönds. ein: Max Marcus . 0,30 JL Adolf Hofmann. Köln, zur Erinnerung an Frieda Singer 1,— je Frankfurt a. M. ' Bei der Nationalfonds-- kommission der Frankfurter Zionistischen Vereinigung gingen ein: H. anläßlich.seines 70. Geburtstages David Hamburger zum .5. War ein Oelbamn aus den Namen seines sei. Vaters Leopold Hamburger : ' Aus Nationalfondsbüchseu: Rcstaurani Nenhof Herzbcrg . Hariion. Fritz Sondheimer 10,— JL 0- JL 0.31 JL 0,60 JL 1— JL 3,20 JL Sa. 21,11 JL Materialien gingen eilt von Frau Bankdirektor Rosenbaum, Mannheim und Frau Leopold. Dessau. Frankfurt a. M. Die Inhaber der Nationalfondsbüchsen Nr. 573, 579, 597, 601, 605, 620, 629, 630 und 640 wollen gefl. ihre Wresse Herrn David Hamburger, Uhlandstr. 56 mitteilen. Frankfurt a. M. Bor einem sehr zahlreichen Publikum sprach Herr Professor Dr. A. Sulzbach in der Ortsgruppe Misrachi über das Thema Messiasglaube und messt an tsche Bewegungen. Der Redner begann mit einer Schilderung der Emanzipations-Periode zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Damals war in dem Streben, sich zu assimilieren, die Sehnsucht nach einer Erlösung aus dem Exile, aus der sogenannten gebildeten westeuropäischen Judenheit vollständig geschwunden. Ist doch sogar ein Jude gegen einen Christen, der den Messiasglauben der Juden als zu Recht bestehend auerkatintc, polemisierend ausgetreten. 1821 war es der Oricntaljst Sylvester de Sach, der in einem Briefe an einen stich? fischen Rat schrieb: ' „Die Juden dürfen durchaus nichts an/ihren Bräuchen ändern, ohne aufzuhören, Juden zu sein. Dev .gläubige Jude darf sie nicht für Wahn erklären feste ^Verheißung eines Messias, den seine Väter erwartet haben und dessen Ankunft den Gegenstand aller seiner Hoffnungen,; das Ziel aller seiner Gebete ausmacht. Ist diese Lehre für ihn kein wesentlicher Glaubensartikel mehr, keine ihm teure Eigentümlichkeit, so hat er aufgehört, Jude zu sein." Lazarus den David sah sich nun veranlaßt, in der Zunz'schen Zeitschrift, von der nur 3 Hefte erschienen sind, hiergegen aufzutreten. Lazarus ben David stützte sich in seiner Beweisführung gegen den zukünftigen Messias besonders aus Maimonides, aber -mit Unrecht, denn zu den 13 Grundgesetzen, die Maimonides als den Extrakt des Judentums ausgestellt hat, gehört auch, der Glaube an das Kommen des Messias. Der Glaube an den Messias bertiht auf dem Glauben an die Heiligkeit des Gesetzes, er ist ein wesentliches Grundgesetz,des überlieferten Judentums, und nur in Verbindung mit dem überlieferten Judentumc hat er seine Berechttgung. Welche gewaltige Kraft diesem Glauben inne wohnt, beweist die Standhaftigkeit, mit der die Juden die Leiden ihres Martyriums ertrugen.... Wenn so der Glaube an den Messias seine Bekenner mit einer wunderbaren sittlichen Kraft ausrüstete, - so erzeugte andererseits dieser Glaube Bewegungen, die zumeist von traurigen Folgen für die, Jüdcnheit waren. Es sind die Schwärmer,, und oft auch Betrüger, die als Mxssiasse unliebsames Aufsehen in der Welt erregten. Eine Schrift aus dem Jahre 1702 zählt allein 64 falsche Wessiasse auf.' Die erste messianische Bewegung war bas Christentum, dann der Aufstand unter Bar-Kochba. Dieser Atifstand geschah ursprünglich aus rein nationalen Motiven, erst der große Gesetzeslehrer Rabbi Akiba, hingerissen von der faszinierenden Persönlichkeit Bar- Kochba's, brachte die Erhebung in die Bahndn einer messianischen Bewegung. Eine wettere messianische Bewegung fand 720 in Serene infolge der Bedrückungen. Omar II./statt, fand aber ein klägliches Ende. Nach zahlreichen kleineren messianischen Bewegungen (750 in Jsfahatt, 1116 in Spanien, 1171 in Jemen usw.), bekam das Sehnen des jüdischen Volkes nach einer Erlösung einett mächtigen Anstoß mit den geistigen Umwälzungen, die mit dem Ettde des 15. Jahrhunderts unter den Völkern Europas ihren Anfang nehmen. 1502 tritt Ascher Lämlein in Istrien aus, Buße verkündend, .stirbt aber plötzlich- 1524 wird Her falsche Messias David Reübeni aus Chaiber vom Papste empfangen, er verhandelt mit Portugal wegen Lieferung von Waffen für ein jüdisches Reich, in Arabien, ist verschiedentlich in der Gefahr, von der Inquisition beseitigt zu werden >- nur die Freundschaft des Papstes rettet ihn "— ist 1532 in Regensburg bei Karl V-, den er ersucht, daß er ben Marannen gestatte, sich zu bewaffnen und gegen die Türken in den Krieg zu ziehen, wird /aber von Karl V) gefesselt mit nach Mantua geschleppt und ist wahrscheinlich später in einem Kerker umgekommen. Vyn David Reubenis Auftreten war ein edler, schöner Jüngling Dtogo Ptres (Sasomo Molcho), ein'Maraitne, hingerissen würden. Die>er, -ein Schwärmer und Dichter, ein hinreißender Redner, schloß sich Renbeni an, verkündet dem Papst eine' Wasserflut, - wird HM ihm vor bem Fctzertode gerettet, erleidet" jedoch durch Karl V. in Matittia den Feuertod. Eine große Aufreg. ung bei der ganzen Judenheit rief' aber das Auftreten Sabbatai Zcwi's '— 'geboren 1626in Smyrna — hervor. Sabbätüi Zefvi war anfangs Phantast-und Schwärmer) wurde jedoch, 'als ihm'dieganze Welt huldigte, später zum, Betrüger- - Nach kurzer- Skizxierung Jakob Frank'ch der zu Anfang-des vorigen Jahrhunderts'-in dem nahen- Offenbach 'als-.Baron Frank mit seiner schönen Tochter Esther mit geheimnisvoll gewährten Mitteln' der russischen-Regierung eine', große Hofhaltung führte) schloß der Redner Hamit, daß all' diese Messiasse wohl zu unterscheiden find von einem Volkseintzfinden, wie es die-Neuzeit -erlebt. Mag vom gläubigen Standpunkt aus manches an der zion. Bewegung auszusetzen fein,; aber, daß wieder Zions gedacht wird/ und zwar von einer Seite aus, 'von der man es am wenigsten erwartet,-bedeutet ein scharfes Dementi gegen jene reformatorischen Bestrebungen) welche die EriNnerung-.-an Zion und-die Hoffnung ans eine' Erlösung aus -dem- Gebetbuchs gestrichen hat. Und wer weiß,' ob dieses Sichwiedererinnern an Zion nicht der dünne Faden ist-an den sich eine große Menge zur Gkaubenstteue zurückleiten wird. Dieses zu ermitteln, in friedlicher und freundschaftlicher Weise, ist ja gerade die Aufgabe jener Gesetzestreuen im<--Zionismus- - die die Fahne des Misrachi erheben. Unter lebhaftem Beifall des Publikums, das dem vorzüglichen Vortrage mit großem Interesse gefolgt war, schloß der'Redner. Fürth, 17. Febr. Gestem Abend wurde der Nürnberg-Fürther Ortsgruppe im Hotel Maximilian in Nürnberg ein hervorragender Vortrag des Herrn I. H a ck e n b r 0 ch - Frankfurt über „D i e Geschichte Palästiuas seit der Z e r st ö r u n g des Tempels" geboten. Den Ausführungen des Redners wurde reicher Beifall gezollt. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Hermann und Dr. Bamberger. Letzterer führte in meisterhafter Weise, deren nur ein wahrer Talmud-Chochom fähig ist, aus, daß von gesetzestrcuer Seite jeder Einwand gegen den Zionismus-zusammenfällt. — Der Abend hatte eilten glänzenden Erfolg für die Ortsgruppe und den Nationalfond. . Lemberg Ingenieur Ufjifchlin, Mitglied des engeren Aktionskomitees, wird hier am Z. März auf Einladung des akadem. Vereins „Jehuda" über das Thema „Palästina und seine Produkte", sprechen. Krmst imd Literatur. Mesilas Jeschorim,. Lebensführung der. Redlichen voit R. Mosche Chaim Luzatto. Mit deutscher Uebersetzung von Oskar Sachariäsohn. -Budapest, 1906. Verlag: Osias Geyer's Buchhandlung, Laudongasse 3. ... Luzatto (geb. 1707 in Padua, gest. 1747 in Palästina) hat mit seinem „Mesilas Jeschorim" uns vielleicht das hervorragendste Buch auf dem Gebiete der jüdischen Morallehre, der „Musser"-Litcratur, gegeben. Jüdische Moral, jüdische Sittlichkeit, jüdische Sitte in sich wachzuhalten, sie durch Sinnlichkeit nicht zu gefährden und im Berufsleben nicht zu verletzen, dazu griffen unsere Väterzu den „Musser"-- Büchern. Doch im Wandel der Zeiten hat sich, bei uns vieles geändert, und so ist es heute eine traurige Tatsache geworden, daß -selbst in der religiösen Judenheit säst nur noch die Rabbiner..und Lehrer befähigt sind, die jüdische Literatur im Urtext zu lesen und zu verstehen. So lag also schon längst ein bringendes .Bedürfnis nach einer Uebersetzung vor. Aber erst in jüngster Zeit ist diesem Bedürfnis entsprochen worden — und gleich von zwei Seiten. Dr. Wohlgemuth- Berlkn und Sachariasohn (Pseudonym eines tüchtigen jüdischen Gelehrten in Budapest) haben sich — unabhängig von einander und doch zur gleichen Zeit — der verdienstvollen STrBeit unterzogen/wir haben es hier'mit dpr Ausgabe. des letzteren zu:tun. Ueber, die Sächäriasohn'sche Ausgabe' läßt' sich erfreulicherweise viel Lobenswertes sagen. Schöne Ausstattung und tadelloser Druck geben ihr bereits ein ansprechendes Gewand. Die Uebersetzung, die nicht nach, sonder» neben dem Originaltexte - steht, ist in einem fließenden Deutsch, geschrieben und hält sich ttotz des Bestrebens einer möglichst exakten Wiedergabe im Styl und Ausdruck unabhängig vom hebräischen Text, so daß' sie nicht die'Uebersetzung verrät. Auch ist die Uebersetzung eine vollständige. Der hebräische Text ist fehlerfrei, da der Verfasser ihn aufs sorgfältigste korrigiert hat. Der Anhangenthält den Auszug der vorkommenden Talmudstellen. Wir wünschen, - daß ein jeder Jude, der seinen Lebensweg in dem reinen und lauteren jüdischen, Geiste seiner Väter gehen will, sich, den „Mesilas Jeschorim" zu einem lieben Hausfreunde mache. Sellin,.Prof. Dr. Ernst. Der Ersirag der Ausgrcrbungen im Orient f ürdie Erkenntnis der Entwicklnng der N/eligiv'n Israel s. Leipzig 1905. 44 S. - - Sellin, der. auch durch die Bekämpfung der Delitz'schen Phatttasien vorteilhaft bekannt ist, will hier die Ergebnisse der Ausgrabungen^, besonders der pälSsttnensischen, die er -»m'Teil'sÜbst ge«

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