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Neue jüdische Presse · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 7. FrMyllritt Israelitisches FamilienSlatt. li»h b»rtig»n jüdischen Institutionen 20000 Jk — Im Alter von 83 Jahren starb in Cincinnati Frau Selma Abraham geb. Johnson, die erste Jüdin, die in Cincinnati geboren wurde. — Die „Jüdische Technische Schule für Mädchen" in Newyork, die die Mädchen zn Buchhalterinnen, Stenographistinnen, Schneiderinnen usw. ausbildet, hat in den 7 Jahren ihres Bestehens ganz gewaltige Fortschritte gemacht. Ihr neues, prächtiges Gebäude in der Second avenue and Fisteenth street kostete über 1600 000 Jk und die festen Jahresbeiträge beziffern sich auf 125000 Jk Personalien. Karlsruhe. Rechtsanwalt und Stadtverordneter Dr. Friedberg, der unerwartet an einem Herzschlag verschied, nahm im öffentlichen Leben eine sehr geachtete Stellung ein. Seine Tochter, die sich durch mehrere literarische Arbeiten bekannt gemacht hat, ist mit denr dramatischen Sekretär des Hoftheaters Dr. Wolfs verheiratet. Stratzburg i. Elf. Der unlängst verstorbene Kommerzienrat Jakobi vermachte der Stadt testamentarisch 100 OM JL als Solo nt oh Jakobi- Stiftung für gemeinnützige Zwecke der Stadt. Stratzburg t. Elf. Regiecungsrat N e l k e n ist zmn Geh. Negierungsrat ernannt worden. Thoru. Die Verwaltung der Auswonderer- Kontrollstation der Hamburg-Amerikalinie iit Ottlotschien, die lange Jahre hindurch Herr I. S. Caro Hierselbst führte, ist zum 1. Februar d. I. dem Verwalter der Kontrollftation Posen, Herrn E l s n e r, übertragen worden. Herr Caro behält jedoch die Agentur der Gesellschaft für Thorn und Umgegend weiter. Als äußeres Zeichen ihrer Anerkennung für geleistete treue Dienste hat die Direktion der Hamburg-Amerika-Linie Herrn Caro hierselbst die goldene Medaille der Hamburg- Amerika-Linie verliehen. Iit dem Herrn Caro zugegangenen Schreiben der Gesellschaft heißt es mit Bezug hierauf: „Es ist dies die höchste Ehrung, welche unsere Gesellschaft bezeugen kann. Wir knüpfen daran von Herzen den Wunsch, daß Ihnen noch recht lange und glückliche Jahre beschicken sein mögen." Herr Caro war auch bis vor zwei Jahreti 30 Jahre hindurch Rendant der hiesigen Synagogengemeinde. Militsch 1. Schlesien. Stadtältester Georg Elsner, Vorsitzender des Vorstandes der israelit. Kultusgcmeinde, ist gestorben. Elsner war auch im Vorstände des Kriegervereins, des Bienenzüchtervereins, des Bürgcrvereins, der Schützengilde und der Armenkoinmission, außerdent war er Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr. Wien. Die nunmehr mit den Rothschilds verschwägerten Wert heim st eins sind die älteste geadelte jüdische Familie Oesterreich-Ungarns — sie wurden 1791 geadelt —, ihr Adel ist somit älter als der der Rothschilds. Die Familie hat der deutschen Kunst und Literatur manchen bemerkenswerten Jünger und Förderer geschenkt. Wilhelm Wertheimstein von Wartenegg war der Autor des 1871 im Burgthcater mit großem Erfolg aüsgcführten Dramas „Maria Stuart in Schottland". Kein Geringerer als Grillparzer sprach von ihm in Ausdrücken höchsten Lobes. Karl v. Wertheimstein, der Schöpfer der Donizetti-Büste des Wiener Hofmuseums, wurde in jungen Jahren vom Tode dahingerafft. Auch der bekannte Parlamentarier D. Jacques ist ein Abkömmling der Wertheimsteins. , Wie«. Ueber die Trauung Werthei m st e i n - R o t h s ch i l d, die im Josejslädter Tempel von den Herren Oberrabbiner Dr. G ü d e - m a n n - Wien und Dr. Kccskewely- Großwardein vollzogen wurde, wird berichtet: Um V2I Uhr bildete sich im Borraume und in der Garderobe der Zug. Unter Borantritt von zwei kleinen Söhnen des Herrn Alfred Straßer, die weiße Matrosenonzügr trugen, bewegte sich der lange Zug durch' den Mittelgang auf den Trauhimmel zu, in welchem u. a. die jüngsten Mitglieder der Familien Rothschild und Wertheimstein, Dr. Heinrich und Stud. Jur. Viktor v. Wertheimstein, Baron Lyonel Rothschild, die Barone Alphons, Louis und Oskar Rothschild, Baron James Armand Rothschild aus Paris, Kaptn. Clive Behrens, H. O. Ruzicska, Gras Teleky in ungarischer Magnatentracht, Hosrat v. C s a t a r y, Dr. Einil v. Grosz 'und Graf P 0 n g r a c z in der Scharlachuniform des Malthrserritters gesehen wurden. Dann kam der Bräutigam Sir Charles Rothschild, mit dem Tallis aus schwerer Seide angetan. Mit ihm gingen sein Bruder, das Parlamentsmitglied Walther Rothschild, sein Vater Lord Rothschild und sein Beistand Mr. Richardson C a r r. Der Wiener Rothschild, Baron Albert, konnte durch Krankheit verhindert, .an der Trauung nicht teilnehmen. Hierauf folgte der Zug der Damen, die mit Ausnahme der Lady Rothschild lange Schleppkleider trugen. Drei junge Damen, Aranca, Sarolta und Desirv von Wertheim st ein, machten den Anfang. Frau Adriennr Ruzicska und Gräfin Sandor T c - leih gingen unmittelbar vor der Braut, die tief verschleiert war, von Lady Rothschild und Madame Clarisse Straßer gefolgt. Die »yiännlichen Hochzeitsgäste nähmen in' den ersteir Bannbihen Aufstellung, die Damen saßen ans kleinen Goldsesselchen unterhalb des Tranhinunels, wo Baronesse Valentine Rothschild mit ihren Gesellschaftsdamen schon Platz genommen hatte. Unter dem Trauhimmel standen außer dein Brautpaar nur Lord und Lady Rothschild, Frau Clarisse v. Straßer und der Brautvater Rittmeister von Wertheimstein. Die Herren trugen nach englischer Sitte ausnahmslos schwarze Gehröcke, schwarze Kravatten und graue Handschuhe. Die Toiletten der Danien waren höchst elegant gewählt. Lady Rothschild hatte eine nur den Boden streifende graue Atlastoilcttc, zu der sie ein ganz aus grauen Spitzen zusammengesetztes Mantelet und einen Hut mit grauen Federn trug. Es war auch nicht eine Spur von Schmuck an ihr zu sehen. Frau Clarisse Straßer trug eine braune Toilette mit weißen Spitzen und ein prachtvolles Kollier aus Türkisen und Brillanten mit den dazu Passenden Ohrgehängen. Auch die Braut trug zum Myrthenkranz und L-chlcier keinen wie immer gearteten Schmuck. Die Dameit der Gesellschaft hatten durchwegs lichte Toiletten aus den kostbarsten Stoffen. Die Damen hatten die Hüte aufbehalten, aber Mäntel und Pelze abgelegt. Zürich. Die Generalversammlung der Israel Kultnsgemeinde, in der von den 386 stimmfähigen Mitgliedern 160 anwesend waren, wählte Dr. Gugg e n h e i m loieber zum Präsidenten. In den Vorstand wurden miedcrgewählt: Emil Pollag, Brau nsch weig-Weil, Dr. Bloch, W. Riese r und Hallheime r, neugewählt: S. B fände n b u r g e r. Londou.71 Edward P. Davis, Vorsteher der Zentral-Synagoge, und David L. Jacobs, gleichfalls eine angesehene Persönlichkeit im jüdischen Genteindeleben, wurden zu Zr ie d e n s ri ch te r n ernannt. David Holländer, Präsident der jüdischeit Gemeinde in B i r m i n g h a m, starb im Alter von 62 Jahren. Paris. Am 4. Februar verschied der bekannte Philanthrop Daniel Osiris Aiffia — oder kurz „Osiris" — im Alter von 83 Jahren. In seiner Jugend war Osiris ein geschickter Banquier; nachdem er jedoch 1829 seine katholische Frau kinderlos verloren hatte, gab er sein Geschäft auf und widmete ,sich der Philanthropie und. der Kunst. Die Stadt Ranch bekam von ihm ein Denkmal der Jeanne d'Arc; die Stadt Lausanne ein Denkmal von Wilhelm Teil; Paris ein. Denkmal von Munet usw. Osiris baute auf seine Rechnung deit Tempel der Pcrtugieseit-Gemeinde in Paris. Die Ecole Normale Orientale der Alliance Jsraelite Universelle bekain von ihm ein kostbares Bild von „Moses" des Michel Angela. Dasselbe Bild ziert sein Mausoleum. Er hinterließ 60 Millionen Fr., 20 Millionen davon — wie verlautet — dem Institut Pasteur. Aus deu Vereinen. Frankfurt a. M. Der Verein „Gumpertz'sches Liechcnhau s" erhielt im Jahre 1906 von den Hinterbliebenen der Firma Henriette Goldschmidt Jk 12090, von Dr. Otto Ullmann, Harry Nllmann, Hermann und Henriette Kahn je Jk 5000 zur Errichtung je eines Freibcttes und ein Legat des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Direktor Hermann Rais von AL 5000. Die weiteren Einnahmen verzeichnen: Jk 6802 Jahresbeiträge und Jk 11146 Geschenke. Es wurden 12 männliche und 30 weibliche Personen mit 11828 Pflcgetagen verpflegt. Die Ausgaben für Haushaltung, Aerzte, Apotheke, Löhne und diverse Unkosten betrugen Jk 29 802. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Charles L. Hallgarten (Vorsitzender), Michael Mos. Mainz, Joseph Holzmann, Joseph Wisloch, Raphael Ettlinger, Jfaac C. Weill, Julius Goldschmidt, Dr. jur. Richard Merzbach und Benny Oppenheimer. Schneidemühl, 4. Februar. In der gestrigkn Sitzung des „Jsr. Frauen-Vereins" wurde, nachdem die nengewählten Vorsteherinnen, Frau Jda Falk, Laura Schneider, Johanna R 0 s e 11 t h a l, Erna Frankel, Rebecka Lippmann in ihr Amt eingeführt waren, Frau Lina Bauman 11 zur Vorsitzenden, Frau Henriette Edel als Stellvertreterin, Frau Laura Schneider als Schristführerin, Frau Johanna B a u m a n n als Kassiererin per Akklamation gewählt. Ebenso wurden in das Direktorium des Vereins Herr Rabb. Dr. L e w k 0 w i tz, Gustav Sommerfeld, Julius Edel wieder- und Herr Lehrer L c w i n neu gewählt. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Im Alter von 79 Jahren verschied Dr. Hermann B ä r w a l d, der frühere Direktor des Philänthropin. Hermann Bärwald wurde 1828 in Rakel geboren und besuchte die'Gymnasien zu Könitz und Breslau und die Universitäten zu Breslau und Berlin. 1859—68 war er Lehrer an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt und an der Rcligionsschule der israel. Gemeinde zu Berlin und von da ab bis 1899 Direktor der hiesigen jüdischen Realschule Philanthropin. Er war ein ausgesprochener Anhänger der Reforni und leitete die Schule in ihrem Sinne. Pflichttreue und Arb,citsfrcndigkeit zeichneten ihn aus, und vielen Stiftungen und Avyltättglstitkinstttntivnen widmete er seine Zeit. Für eine seiner Abhandlungen zur Geschickte Rudolf von HabSburgs wurde er von der österreichischen Akademie mit der großen goldenen'Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Am Grabe sprachen: Rabbiner Dr. Seligm an n, Direktor Dr. Adler, Rechtsanwalt Dr. Blau (für die Israel. Gemeinde), M. E. Dann (für den Schulrat), Direktor Dr. Bode (für die höheren Schulen), Rechtsanwalt Fuld (für die Sigmund Stern'sche und die christl.-jüd. Stiftung), Rektor S ch r 0 t h (für die Wilhelm-Augusta-Stiftung für Lehrerkinder) und Rechtsanwalt Dr. E. Auerbach (für die Freimaurerloge zum anfgehenden Licht). Frankfurt a. M. Die A ch a w a (Borsttzender: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt) veröffentlicht ihren 42. Rechenschaftsbericht, . nach dem Ende 1906 die Zahl der aktiven Mitglieder 401 und der Ehrenniitglieder 1225 betrug. Wir entnehmen dem Berichte ferner: „Die Zahl der von der Achäwa im verflossenen Jahre unterstützten Pensionäre betrug 112, wovon 7 Pensionen im Laufe des Jahres durch Tod und Wiedernnstellung wegfielen, sodaß 105 Pensionäre verblieben; hierzu sind 7 Pensionäre hinzugekommen, wodurch sich die Zahl der Pensionäre Ende' 1906 auf 112 beläuft. — Laut Aufftellung unter Rubrik Xlll befinden sich darunter 41 durch Altersschwäche oder sonstige Gebrechen dienstunfähig gewordene Lehrer mit größerer und kleinerer Familie, ferner 9 Witwen mit 14 unmündigen Kindern, sowie 62 allcinstehciide Witwen. — Außerdem wurden in besonders dringenden Fällen an 27 Parteien, unsrer aktiven Mitglieder auch außerordentliche Unterstützungen im Betrage von 1877 Jk bewilligt. — Ferner gelangten auch diesmal wieder die Zinsen des Spezial-Reservefonds, den wir wegen seiner segensreichen Wirkung gleichfalls zu erhöhen uns bemühen, im Betrage von 250 Jk durch fünf bewilligte Unterstützungen au einige in Rot geratene Töchter früherer aktiver Mitglieder zur Verteilung. Die Summe der diesmaligen Jahresunterstützungen beträgt 24 255 Jk in 134»/« Teilen zu 180 Jk und mit .Hinzufügung der aus beiden Reservefonds bewilligten außergewöhnlichen Unterstützungen im Betrage von 212 Jk ergibt sich für das Jahr 4906 eine Gesamtansgabc von 26382 Jk gegen 23831 Jk int verflossenen Jahre." Nürnberg. Rabbiner Dr. Ziemlich ist nach langem Leiden verschieden. Mutzig i. Elsaß. Rabbiner Dr. Goldstein beging in Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Dr. Goldstcin, aus Ungar» gebürtig, besuchte die Preßburgcr Jeschiwa und studierte an den Universitäten Würzbnrg, Berlin und Tübingen. Er ließ im Jahre 1883 unter dem Titel „Jüdische Volkszeitung" und dann „Jüdischer Sprechsaal für Elsaß- Lothringen und die Schweiz" eine Zeitung erscheinen. Ein Jomkippur. Bon Ernst Schwarz. (Fortsetzung). Jetzt hatte er die letzte Seite umgeschlagen, am Ende derselben erblickte er schon den betreffenden Satz. Unwillkürlich schloß er die Augen, aber ersah die Buchstaben dennoch, groß, riesengroß; Wajomar Adoschem, svlachti kidworecho! — „Gott sei mir gnädig!" rjef's in seinem Innern, tvährcnb er das erste Wort begann, wobei seine Angst, den höchsten Punkt erreichte. Doch plötzlich durchfuhr ihn ein Gedanke, ein Entschluß — und wie durch Zaubermacht war im Ru alle seine Angst gewichen. Sein Auge leuchtete, seine Brust hob sich frei und leicht und wie ein Jauchzen tönte ans seiner Brust das gefürchtete Mort: „svlachti!" Und noch inniger ward sein Vortrag, die ganze Gemeinde war mächtig ergriffen,'und als das Minchagebet beendet war, erscholl ihm von allen Seiten der Zuruf: „Jejascher Kochacho!" Gott mehre deine Kraft. Reb Meier Löwi atmete tief auf, sein Antlitz strahlte, als er vom Betpnlt zurücktretend sich umwandte, tun sich wieder auf seinen Platz zu begeben. Aber warum ging er denn an der Reihe vorüber, in der sein Sitz sich befand? — wohin wollte er? — Aller Blicke folgten ihm. Jetzt blieb er stehen vor einer der unteren Reihen, unmittelbar vor seinem Vetter, mit dem er seit süiifniidzwanzig Jahren kein Wort gesprochen hatte. Er reichte ihm die Hand und sagte laut: „Gut Jomtof, Samuel, mögest Du Dir recht viel Gutes ausgebeten haben." ' 4'

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