Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. deine Sehkraft wiederzngeben. — Lasse, was geschehen ist — geschehen sein. — Und Raphael überbrachte die Antwort an Gott und. Gctt sprach: Kehre zurück und übergebe Rabbi Massiv: Ich, Gott, will ihm die Garantie zusichern, daß nie ] und nimmer der Satan über ihn Gewalt bekomme. (Jalkut Waichi.) Der Mörder Reisch Lokisch sprang in den! Jordan, um Rabbi Jochanan, der da badete, einzusangen. Als ihn Rabbi Jochanan gewahrte, da rief er ihm zu: Deinen Kräften nach solltest du dem Studium der Thora dich widmen' — Und deiner Schönheit nach solltest du eine Frau; sein — gab Reisch Lokisch zurück. Wenn du reuevoll dich der Thora ergibst, so will ich dich meine Schwester als Gemahlin heimführen lassen — sie ist noch schöner als ich. — Und wirklich geschah dem so: Reisch Lokisch, der größte Mörder, ist zmn größten Zadik geworden. (Baba Mzioh p. 84.) Wir schließen mit diesen Proben, die Zcitlin noch weiter fortsetzt. Auffallend in den Schlldcrungen ist die Mannigfaltigkeit und Vielförmigkeit. Meißel, Pinsel, Ton und Lyra würden manche reiche Ausbeute hier machen können. Beeinflußt von diesen Schilderungen sind besonders die neuhebräischen Schriftsteller, wie: Bialik, Zeitlin, Berditschewski, Perez und Feinberg und viele andere. Ueber die Art dieses Einflusses — ein Extra-Kapitel. Das «eue Kultusgesetz in Frankreich. Was wird mit dem Judentum in Frankreich werden? Welche Zukunft erwartet diese über 100 000 Seelen zählende jüdische Masse, der sich noch die ca. 150000 Juden Algeriens und Tunisiens mehr oder weniger anschließen? Seit den letzten Jahren, seitdem man das Gesetz über die Separation erwartete, stellte man sich diese Frage, und manche pessimistisch gesonnen Leute glaubten sogar, mit der Abschaffung der offiziellen Autorität der Rabbiner und Konsistorien einen vollständigen Niedergang des französischen Judentums prophezeien zu können. . . . Doch es scheint, daß unsere falschen Propheten sich wieder einmal geirrt haben; wieder einmal haben sie Meinungen geäußert, die zwar mit ihren geheimen Wünschen übereinstimmen mögen, die jedoch mit der Lebensfähigkeit der jüdischen Rasse, mit der Lebensenergie und Anpassungsfähigkeit des Judentumes nicht rechnen. Wir stehen jetzt jenseits der Krise, die das Gesetz über die Separation gebracht hatte. Einige Monate trennen uns von dem Momente, da eines schönen Tages Rabbiner und Konsistorien. Synagogen und Rcligionskurse in Frankreich als offizielle Einrichtungen zu leben aufgehört haben; einige Monate, seitdem der Glauben in Frankreich eine Privatsache geworden ist. Hat nun diese Krise das Judentum in Frankreich geschwächt, haben Rabbiner und Synagogen Einbuße erlitten? Nein, wir glauben cs nicht. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß das Gegenteil der Fall ist: wir konstatieren, daß in dem Lande, wo die Religiosität am schwächsten reagiert, gerade das Judentum seine Lebenskraft, seine Anpassungsfähigkeit gezeigt hat. lout est sauve: alles existiert wie vorher:, die Rabbiner amtieren wie vormals, die Synagogen sind offen, wie vorher; man beschloß sogar, einen Grand-Rabbiner für den seligen Rabbi Zadoc Kahn zu ernennen: an Stelle der lokalen Konsistorien kommen die „AsLveiations cultuelles" (Kultus-Gesellschaften), an Stelle der „Consisto'ire Central" erscheint die „Union des associations cultuelles", welche schon 80 von der Regierung anerkannte Gemeinden zählt und welche alles in Ordnung stellte. Das Judentum in Frankreich hat sich zahlungsfähig genug gezeigt, um die 135 000 Frs. Regierungs-Zuschuß entbehren zu können. Alles wie vorher, aber mit einem Plus'Und dieses Plus ist eben die Dezentralisierung und die Demokratisierung des jüd. Lebens in Frankreich. Bis jetzt waren die Konsistorien Frankfurter Israelitisches FamikkenblaÜ. die einzigen Mittelpunkte des Judentums in Frankreich: sie zentralisierten, gruppierten alles, so daß eine Privatinitiative ganz unmöglich wurde. Nunmehr aber können sämtliche Juden durch Teilnahme an der Tätigkeit der „Association cultuelle" das allgemeine jüdische Leben beeinflussen; nunmehr können aber auch die fremden Elemente, die vielleicht 40 000 Seelen zählenden russischen und orientalischen Juden, als aktives Element auftrcten. Die Association von Paris ist ein Beweis dafür: diese zählt schon 2700 Mitglieder, von denen ein großer Teil Eingewanderte sind, die jetzt natürlich sämtlich das Wahlrecht besitzen. Andererseits ist die „Association materiel" gut gesichert: sie hat schonein Einkommen von 250 000 Francs, sämtlich Mitgliederzahlungen. Kurz, die Krise ist vorüber, und das Judentum in Frankreich hat praktisch und religiös nur Nutzen aus dem neuen Zustande gezogen. Es ist aber zu wünschen, daß das neue „Regime"- auch neues Leben in den verjüngten Organismus cinflöße: und dazu müssen die Leiter viel Klugheit und Zähigkeit zeigen. Es soll ein für allemal gesagt werden, daß in einem Lande, wie Frankreich, wo die Religiosität zu schwach ist, um die Jugend beeinflussen zu können, wo das „Milien", wenn nicht irreligiös, wenigstens „areligiös" ist, das Judentum nicht durch äußeren Prunk, sondern nur durch ernste innere Arbeit erhalten werden kann, und zwar durch intensive Betreibung der jüdischen Geschichte und Erlernung der hebräischen Sprache und Hervorhebung des nationalen Momentes. Auch unsere um ihre Nationalität ängstlich besorg Republik kann nichts dagegen ciuwcnden, wenn V?. Juden ihre jüdische Nationalität erhalten; setzt sie doch diese nicht in Widerspruch zur staatsbürgerlichen Pflicht, bürgerlichen Treue und Patriotismus. ' Paris. Dr. N. Slouzsch. Die Woche. Die Lorbeeren des Hooliganenscheiks, genannt Zar aller Reußen, für seine in echt russischem Geiste veranstalteten Judenpogrome ließen die rumänischen Hooligane nicht schlafen, und so versuchten sie, den russischen Brüdern der christlichen Liebe nachzuahmen, natürlich im ganz bescheidenen Maße, wie es einem lleinen Hooligancnvolke zienit, sie veranstalteten nur kleine Pogrömchen. Die Sache gefiel ihnen aber so sehr, daß die Hochburg der rumänischen Wissenschaft, die Universität, selbst ins Treffen ging. Die Studenten waren es, die das Morden en Detail bewerkstelligten, und das Ministerium beeilte sich — „Carmen Silva" wird die Helden noch hinterher besingen — sie . zu beloben. Unsere Emersdörfcr, Weisweillers, Seligmans, Levis, Kahns und Hirschs, sie alle müssen schleunigst Rumänien für seine Großtat belohnen und ihm eine Anleihe gewähren, es hat sie ebenso redlich wie Rußland verdient, und wenn Rumänien es in der Anarchie und im Morden noch nicht soweit' wie Rußland gebracht hat, so muß man dessen eingedenk sein, daß Rumänien — erst unlängst aus dcnr Ei gekrochen — noch im Stadium der Entwicklung ist. Verschiedene Zellungen machen der Dichterin und Königin „Carmen Silva" bittere Vorwürfe, daß sie abseits steht und sich der Juden nicht annimmt Allein — sich der Inden anzunchmen, heißt sich unpopulär zu.machen, und wo in aller Welt wird eine eitle Dame es wagen, einen solchen Schritt zu tun? Um den Juden volles Recht zu verschassen, bedarf man der Dinge zwei: erstens den Völkern ein menschlicheres Gefühl zu geben und zweitens, ihnen Wohlstand und geordnete Verhältnisse zu gewähren. Wer dies kann, möge es versuchen. . .* : * * ,;Jeber von uns weiß unserer nationalen Sprache den Rang anzuweisen, der ihr, als dem edelste»: Band, das die Bolkstelle umschließt, unter unseren Kulturgütern gebührt. Es gehört mit zu den Ruhmestiteln des Zionismus, die er für sich beanspruchen darf, durch die verjüngende und werbende Kraft, seiner Ideen das Wiederaufleben .der Hebräischen! Sprache gestärkt, .ihre Verbreitung gefördert, Talen-: ten neuen Impuls, den Massen neue Anregung aus. Nr. 4 . dem unerschöpflichen Born der Vatersprache gegeben zu haben. Mit freudiger Genugtuung haben wir es begrüßt, daß auf dem Boden, dem unsere Sehnsucht zustrebt, idas Hebräische zur Sprache der.Heranwachsenden Generation und damit zur.lebendigen -Volkssprache geworden.ist." So „Die Welt" in ihrem Aufrufe für ihre neue hebräische Ausgabe: „Ha' olam", die der bekannte Schriftsteller N. Sokolow redigiert. Von der Zeitschrift liegen bereits 2 reichhaltige Nummern vor. Und doch glauben wir mit Recht, der zionistischen Leitung den Vorwurf machen zu dürfen, daß sie bis dato herzlich wenig für die Förderung der hebräischen Schache getan - hat. Die ■ gemachten Fortschrille sind auf Konto einzelner Zionisten zu schreiben, die im Osten, nicht im Westen, dem Sitz der Leitung,.zu suchen sind. 1 Gewiß ist die Förderung des Hebräischen unter den gegebenen Umständen in erster Linie Sache der Fraktionen und der einzelnen Mitglieder; allein der Anstoß dazu muß von oben kommen. Nicht die „östliche Not", „die furchtbare Armut" usw., sondern die westliche Not, die Unwissenheit und Verkennung der nationalen Güter, muß den Grundton der Agitation bilden. Also nicht die m a t e r i e l l e Not, sondern die geistige Not muß in erster Reihe stehen: „jür die Hebung der nation. Werte" muß das Panier sein. Ja, es.ist beschämend, daß Zionisten an leitender Stelle sich nicht bemüßigt sehen, selbst hebräisch zu treiben oder zum mindesten ihre Kinder die Nationalfprache lehren zu lassen. Welchen Nutzen kann die Herausgabe einer hebräischen Zeitschrift bringen, wenn keine Leser zu haben sind? „Die Rückkehr der Judenheit zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland" war Herzls Devise; — wie stehts aber bei uns mit dieser Rückkehr?! Mts aller Mett. Deutsches Reich. Berlin. Die «Jüd. Presse veröffentlicht folgenden sehr interessanten Vries des Herrn Oberrabbi- » e r D r. G ü d e m a n n in Wien: „Als ich heute morgen den Leitartikel „Die Gebetmacherei" in Nr. 1 Ihres gesch. Blattes von diesem Jahre erblickte, fand ich einen alten Bekannten wieder, der meiner Erinnerung gänzlich entschwunden war. Ich bin nämlich der V e r - fass er der unter obiger Ueberschrift im Jahrgang 1869 der „Monatsschrift." erschienenen, bloß mit einem griechischen y gezeichneten Artikel-Serie, und da Sie selbst sagen, „daß sie in ihrem Kern während der siebenunddreißig Jahre, die seit ihrem Erscheinen verflossen sind, an Aktualität und an — Beherzigungswürdigkeit nichts eingebüßt haben," so mache ich mich ja wohl keiner Eitelkeit schuldig, wenn ich Ihnen zusttmme. Ich kann aus den seit damals gesammelten Erfahrungen das in jenen Artikeln Auscinandergesetzte mir bestätigen. Dafür bloß ein Beispiel! Am 6. Januar 1872 trat der selige I gn a tz K u r a n d a sein Amt als Präsident des Vorstandes der hiesigen Kultusgemeinde an und hielt eine höchst energische Rede gegen die Beibehaltung der auf die Rückkehr nach Jerusalem bezüglichen Stellen in unseren Gebeten. Kurz vorher hattenämlich die auch von dem Wiener Vorstande beschickte Leipziger Synode stattgesundcn, auf der die Ausmerzung jener Stellen beschlossen war, und letztere sollte nunmehr unter dem Eindruck der Rede Kuranda's ins Werk gesetzt werden. Ich protestierte energisch dagegen in einer Kanzclrede, die ich auch unterrdem Titel;,Jerusalem, üie Opfer und die Orgel" im Druck erscheine» ließ. Ich muß betonen, daß ich damals ganz allein für die Beibehaltung der-Hoffnung auf die einstige Vereinigung Israels in Palästina in unseren Gebeten eintrat; kein Mensch, sage nicht einer, .stand mir.zur Seite, denn die später als Schwärmer für Zion auftraten, liefen damals noch in Höschen umher, und die Hosen trugen, hatten ihr zionistisches Herz noch nicht entdeckt. Da Rede und -Schrift nichts halsen, reichte ich am 22. Januar 1872 dem B o r st a n d e,m e i n e K ü n d i g u n g e i n, Kuranda aber eröffnete den Brief nicht, dessen Jnhall er vermutete, und da er väterlich gegen mich gesinnt -war, so kam er zu mir, um mich zu beschwichtigen, indem er zu mir sagte: ,>Sie können doch.von dem Vorstände-nicht-verlangen, daß er seinen eigenen Kot esse:" Wir einigten uns dann dahin, daß -keine der traditionellen Ideen offiziell abrogiert würde. An den hohen Feiertagen blieb alles.beim , alten, nur am Sabbat wurde nach .den drei ersten SegenS» sprüchender Schmone-Esre das. Folgende leise gebetet. Seit etwa drei Zähren wird auch'dieser Teil laut vorgetragen, -nicht.auf. meine Anregung, -sondern aus fteiem Antriebe des Vorstandes, Her wamit-sein«