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Neue jüdische Presse · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Seite 11. Nr. 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. und an das jüdische Herz wandte. Reicher Beifall lohnte die beiden Redner. In der kurzen Pause, die auf. die beiden Reden folgte, entrichteten 37 Personen den Schekel, den sie sämtlich bisher noch nie bezahlt hatten. Diese Schekelzahlung ist um so mehr als ein Bekenntnis zum Zionismus zu betrachten, als vorher ausdrücklich auf diese Bedeutung der Schekelzahlung hingewiesen worden war. (Ein Berichterstatter versucht, den Erfolg dieser Versammlung und der Makkabäerfeier herabznsctzen Hierzu sei bemerkt, daß derselbe nicht aus eigener Anschauung urteilt, da er bei beiden Veranstaltungen nicht zugegen war.) Antwerpen. Der hiesige Misrach i-Vere in „B e n e i Z i j a u n" hält am 12. Januar seine Generalversammlung ab. Der Vorstand empfiehlt für die zurücktretenden Herren seines Gremiums: R. Cohn, S.. Ehrenfeld, H. Freudmann, I. Groß, D. Lcmberger, zur Neuwahl die Herren: Dr. Engel, I. Ch. Landau, Dr. Mirkin, CH. Karmel n. Reisky. Der Verein hat im abgelaufenen Geschäftsjahre regelmäßige Schiurim, 5 öffentliche Vorträge (Redner: Zadikow, Dr. Engel, Lemberger u. Cohn) und einen hebräischen Sprachkursus veranstaltet. Seine Tätigkeit hat ihm einen ansehnlichen Zuwachs an Mitgliedern gebracht. Aus der Lehrerwett. Köln. Das hiesige.Israel. Gemeindcbl." meldet, daß bas Israel. Lehrerseminar zum 1. April unter Leitung des- Seminar-Direktors Dr. Carlcbach eine e i g e n e B o l k s s ch u l e als die von der Negierung konzessionierte Nebungsschule des Seminarserrichtet. — Dasselbe Blatt berichtet von Weilburg: Herr Bezirksrabbiner Dr. L ä n d a u hatte den israelitischen Religionslehrer L c h m a n u in Weilburg aufgefordert, sich bei ihm im Schächterfach.einer Nachprüfung zu unterziehen. Herr Lehmann glaubte zu einer solchen Nachprüfung nicht verpflichtet zu sein, da er eine solche Prüfung vor einem anderen Rabbiner bereits früher einmal abgelegt hatte. Er weigerte sich daher beharrlich, sich der Prüfung zu unterziehen, auch schon deshalb, weil er auf Grund früher ergangener Entscheidungen gesetzlich - dazu nicht verpflichtet sei. Der Bezirksrabbiner erwirkte hierauf bei dem Landrate eine Verfügung, die dent Lehrer das weitere Schächten bei einer Strafe bis zu 60 JL verbot, und Lehmann wurde darauf in zwei Fällen mit Mark 5 und 6 bestraft. Hiergegen legte er Berufung ein und machte ju seiner Verteidigung geltend, er habe der Vorschrift des § 8a 8er Regierungs-Polizei-Verordnung genügt,- die den Befähigungsnachweis im Schächterfache vom zuständigen Bezirksrabbnier verlangt. Diesen Nachweis besitze er, da er im Jahre 1896 eine Schächterprüfung bestanden habe. Wiederholungsprüfungen werden nach der Verordnung voni 27. Mai 1902 nicht verlangt. Das Schöffengericht erkannte ans Freisprechung des Lehrers. Breslau, 6. Jan. Die am 23. Dezember in Breslau abgehaltenc Generalversammlung des Vereins israel. Lehrer in Schlesien und Posen hatte sich bei der Wichtigkeit der zur Beratlmg gestellten Punkte zahlreichen Besuches zu erfreuen. Unter den Ehrengästen des Vereins bemerkten wir auch den verehrten Herrn Seminarrabbiuer Prof. Dr. L e v y wie auch Herrn Direktor Dr. Adler aus Frauksurt a. M. Ihnen, wie auch dem im Laufe der Verhandlung später erschienenen Vertreter des Kantorenverbandes, Kantor F-a b i s ch - Göttingen, widmete der Vorsitzende Prof. Dr. B a d t ehrende Worte der Begrüßung. Der zur Beratung gestellte Antrag betreffs 'Aufnahme außerordentlicher Mitglieder, die wohl dem Vereine, aber nicht dem allgemeine» Lehrervcrbande angehören sollen, fiel, nachdem die Herren Rabbiner Dr. G u t t m a n n , Direktor Dr. Adler, Dozent Dr. Braun in eindringlichen Worten dagegen gesprochen und gemahnt hatten, die Einheit des Verbandes nicht zu stören, gegen nur wenige Stimmen. Auch Prof. Dr. L e v y hatte für die Einigkeit treffende Gründe ins Feld zu führen gewußt. Die zu diesem Punkte von seiten des Verbands-Ausschusses versuchte Einwirkung auf den Gang der Geschäftsführung wurde einstinnuig zurückgewiesen und dem Vorsitzenden Prof. Dr. Badt ein Vertrauensvotum erteilt. Darauf hielt Kollege Schweitzer -Glogau sein Referat über „Kantorenverband und Kan - torensektion", in welchem er sich gegen einen Sonderverband aussprach, den er in fachwissenschaftlicher Hinsicht als unnötig und materiell als nachteilig hinstellte. Die Versammlung zollte seinen Ausführungen reichen Beifall und nahm seine diesbezügliche These mit großer Majorität an. In dem darauffolgenden Referat des Seminar- Dozenten Dr. Braun „Wie können die Lehrer die Arbeiten des Gesamtarchivs der deutschen Juden unterstützen?" machte der Herr Referent in seiner gewohnten, trefflichen Art 'die Kollegen mit den Zielen und dem Zwecke des Archivs vertraut uub führte des weiteren aus, wie von seiten der Lehrerschaft die Arbeiten des Unternehmens gefördert werden könnten. . Kollege B ä h r - Waldenburg hielt darauf einen instruktiven, inhaltsreichen, oft von Zustimmung unterbrochenen Vortrag über die Wünsche der Lehrern ndK ult usbeamtenbetreffs der geplanten einheitlichen Organisation der jüdischen Gemeinden. Referent stellte in seinen Thesen die Notweudigbeit einer solchen Organisation hin, sprach Dank und Anerkennung d. D. I. G. B. und dem Verbände der dtsch. Juden für ihre diesbezüglichen Bemühni'igeir ans, hofft auf ein gutes Gelinge» des Werkes und erwartet reichen Segen, wenn die Gesamtorganisation ihre Fürsorge darauf lenkt: 1) daß überall ausreichende Gelegenheit zur religiösen Lebenshaltung und zu religiöser Unterweisung der Jugend geboten wird, 2) daß der Religionsunterricht nach einem Noriiial-Lehrplan mit obligatorischem Charakter von geschulten Krästen erteilt und von einen: unabhängigen, sachverständigen Provinzial- oder Bezirksschulinspektor, der zu diesem Zwecke aiigestellt, von Zeit zu Zeit inspiziert wird; 3) daß den Lehrern bezw. Kultusbeaniten der kleinen Gemeinden innerhalb ihrer Gemeindeverwalmng in Fragen der Schule und des Kultus eine beratende Stimme eingeräumt wird; 1) daß die Anstellungs-, Besoldung»- und Pcnsionsverhältnisse der Lehrer¬ und Kultusbeamten der kleinen Gemeinden in derselben Weife und unter denselben Bedingungen wie die der preußischen Bolksschullehrer geregelt werden: 5) der Verein hält bei aller Hochschätznng gegen den ehrwürdige» Stand der Rabbiner die Bildung von Bezirksrabbinaten — in Erwägung, daß sie die religiösen Verhältnisse der kleinen Gemeinden nicht zu fördern, daß sie den geistigen Aufschwung und die materielle Lage der Lehrer resp. Kultusbeamten zu beeinträchtige» geeignet ist — für unzweckmäßig und bittet die Herrn Rabbiner, im Interesse eines friedlichen Einvernehmens dieser beiden aufeinander angewiesenen Stände von einer weiteren Agitation nach dieser Seite hin absehen zu wollen. Nach einer sehr langen eingehenden Debatte nahm die Versammlung mit geringen Modifikationen die ersten 4 Thesen an, — setzte aber die Abstimmung über die letzte These —j die Frage der Bezirksrabbinatc aus, uni auch die Herren Rabbiner gelegentlich der nächsten Versammlung durch ein Korreferat zu Worte kommen zu lassen. Ans der ganzen Stimmmlg der Versammlung.ließ sich jedoch entnehmen, daß die Lehrerschaft als solche in ihrer Gesamtheit gegen die Einführung der Bezirksrabbinate ist. Zum Schlüsse hielt noch Broch-Schweidnitz ein kurzes Referat über die neu erschienenen Gebetbücher. Eschwege. Herrn Lehrer W e r t h a n wurde anläßlich seines Ilebertritts in Ruhestand der Adler der Inhaber des Kgl. H amsordens von H o h e n z o l l e r n verliehen. Pose», 6. Januar. Kantor und Religionslehrer GeorgSchäfer, welcher über drei Jahre hindurch bier im Amte getvesen, hat eine Berufung nach S ch o p p i n i tz in Schlesien erhalten. Herr Schäfer, dessen Nachfolger als Kantor Herr Reinhard von hier geworden ist, ist bereits nach dort übergesiedelt. — Herr Lehrer Hopp aus Schrimm soll in gleicher Eigenschaft vom 1. April d. I. ab in eine der hiesigen Stadtschulen eintreten. Außerdem sind an den hiesigen Mittel- und Stadtschulen vier jüdische Lehrer angestellt. Hainsfarth (SSatjem). Herr Lehrer M. Friedmann ist von der Kgl. Regierung zum Hauptlehrer ernannt worden. Jschcnhausen (Bayern! Herr I. Br ad er. erster Lehrer an der Volksschule der hiesigen Israel. Kuktusgemeinde, wurde von Sr. königl. Hoheit dem Prinzregenten hum Hauptkehrer ernannt. Hegenheim ^i. Elf. Mit Genehmiaung der Regierung verlegt dieser Tage Herr Rabbiner Dr. Schüler seinen Wohnsitz nach' S t. L u d w i g. Das amtliche Verhältnis des Herrn Rabbiner zu den Gemeinden Hegenheim und Hagenthak bleibt jedoch unverändert. Budapest. Moses Bloch, der Direktor des Landes-Rabbiner-Seminars, wird demnächst von seinen! Amte zurücktreten. Direktor Bloch vollendet im Februar sein 92. Lebensjahr. StaniSla« (Galizien). Der .Hebräisch- Lehrer-Verband von Oesterreich" hielt hier bei Anwesenheit von 40 Mitgliedern eine zweitägige Versammlung ab. Es wurde nur „hebräisch" gesprochen. — Die gefaßten Beschlüsse sind: zu gründen „hebräische Bibliotheken für Kinder", herauszugeben „hebräische Unterrichtsbücher" zu niedrigen Preisen und eine „Monatsschrift für Lehrer" und ins Leben zu rufen eine „linterstützüngskässe "für die Mitglieder". — Sämtliche Herren konstatieren ein sehr erfreuliches Fortschreiten der Kenntnis der hebräischen Sprache unter der jüdischen Jugend Galiziens. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Im Verein für jüd. Geschichte und Literatur sprach Montag Abend Herr Dr. L. Hirschberg.über die Bibel in der Musik. Es konnte sich selbstverständlich bei diesem Vortrage nicht darum handeln, eine llebersicht über die Musikwerke mit biblischen Motiven zu geben — sind doch allein von 1750—1850 an Oratorien 120 Werte mit biblischen Motiven erschienen! —/ sondern es inußte der Vortrag sich daraus beschränken, Partieen aus einigen der bedeutendsten Musikwerke, so Haydn's „Schöpfung", Haendel's „Joes und seine Brüder", Mehul's „Josef in Egypten" auf dem Piano mit erklärenden und begleitenden Worten zu geben. Herr Dr. Hirschberg erwies sich als Redner, Sänger und Pianist auf der Höhe und bereitete seinen Zuhörern eine genußreiche Stunde. Frankfurt a. M. Im .Montefiore"-Berein beendete am letzten Mittwoch Herr Privatdozent Dr. I »lins H ü Isen seinen durch Lichtbilder erläuterten Vortrags-Zyklus über „Altegyptische Sun st". Es bedarf wohl keiner Erwähnung, daß der rühmlichst bekannte Gelehrte ös in meisterhafter Weise verstanden hat, seine Zuhörer mit den hauptsächlichsten Ban- und Kunstdenkmäler jener längst vergangenen Zeit vertraut zu machen. Ganz besonders interessierten das äußerst zahlreich erschienene Publikuni die gewaltigen Tempelbauten, Bauwerke von nie wieder erreichten Diniensionen, mit deren mühseliger Aufrichtung aller Wahrscheinlichkeit nach unsere Vorfahren viele Jahre verbringen mußten. — Am nächsten Mittwoch, den 16. er., beginnt Herr Dr. I. H e i n e m a n n seinen Vortragszyklus mit dem Thema: „Entstehung des Goethe'schen Faust". Die F r e i t a g a b e n d - V e r a n st a l t u n g e n werden von den jungen Mitglieder» ganz besonders stark besucht, sodaß die Bereiusräume bis auf den letzten Platz besetzt sind. Ani vergangenen Freitag- Abend erfreute Herr Rabbinats-Assessor Lipinski die Anwesenden mit einigen Ausführungen über die Sidroh und erntete damit solch lebhaften Beifall, daß öftere Wiederholungen geplant sind. Hebräische und Jargon-Borträge seitens einiger Mitglieder bildeten den Beschluß der Darbietungen und wurden ebenfalls freudigst ausgenommen. Mit der Einrichtung dieser Abende (Bewirtung erfolgt bekanntlich ans Bereinskosten) hat der „Montefiore"-Verein unstreitig einem dringenden Bedürfnis abgeholfen. Die Mitglieder za hl des Vereins hat inzwischen das erste Tausend überschritten; der Vorstand hat sich infolge der bedeutend vermehrten Vereinsarbeiten genötigt gesehen, ein Bureau einzurichten. . Offizielle Burcansmnden sind: Dienstags von 7—9 Uhr und Donnerstags von 8—10 Uhr abends. Am Dienstag, den 8. er. begann unter Leitung des Herrn Dr. N. ,M a n n heimer ein Schacht u r »i e r mit einer Teilnahme von 24 Mitgliedern. Frankfurt a. M.. 10. Jan. S. R. Hirsch in seiner Bedeutung als E x e g e t zu würdigen, war die Aufgabe, die sich Herr Rabb. Dr. B. Wolf-Köln für seinen gestrigen Bortrag im Verein Nachlaß Zwi gestellt hatte. Mit dem Wissen seiner Zeit ausgestattet, machte S. N. Hirsch nicht die Vernunft schlechtweg, sondern die von einer sittlichen Weltanschauung geleitete Vernunft znm Maßstabe seines Denkens und gewann damit von vornherein jenen Gesichtspunkt, von dem allein an die Erforschung des Thorawortes herangetreten werden darf. Seine Bedeutung als Exeget liegt besonders in seiner Methode, die Thoraworte lexikographisch, grammatikalisch, orthographisch und etymologisch zu betrachten, und manch' unbeachtete oder mißgedentete Stelle der Thora hat er mit dieser Methode in das richtige Licht gestellt und ausgehellt. Redner zeigt an einer Fülle von Beispielen, was S. R. Hirsch in dieser Beziehung geleistet hat, gibt in kurzen Züge» auch einen Einblick in Hirsch's Methode der Symbolik, mit der er, wie Redner sagt, bei denjenigen seiner orthodoxen Zeitgenossen, die die Mizwans gedankenlos hielten, auf Widerstand stieß und schließt unter lebhaftem Beifall des Publikums seine Ausführungen. Frauksurt a. M. Verein Mekor Chajim. Die außerordentliche Generalversammlung genehmigte die vom Vorstande vorgelegten abgeänderten Statuten. Die wesentlichen Aendernngen gegen die früheren Statuten bestehen darin: 1) daß nunmehr auch verheiratete Leute als ordentliche Mitglieder in den Verein eintreten können, 2) daß der Vorstand, um auch weitere Kreise für die Interessen des Vereins zu gewinnen und speziell mit der schulentlassenen Jugend Fühlung zu nehmen, von 5 auf? Mitglieder erhöht wird, sowie, daß 2 minderjährige Mitglieder zu den Vorstands-Sitzungen zugezogen werden, welch' letztere ebenfalls von der Generalversammlung gewählt werden, die indessen nur beratende Stimme haben sollen, 3) daß der Beitrag der ordentlichen Mitglieder um M 0,50 für das Vierteljahr erhöht wird. Breslau. Das IN der Lesfing-Loge vom Jüd. Bolksverein veranstaltete Fest znm Besten eines jüd. Bolksheims nach dem Muster der Tonbeehallen hatte sich eines großen Zuspruchs zu erfreuen. Die Bereinigung jüd. Frauen wird zu Gunsten ihres Kinderhorts und Kindergartens einen Zyklus öffentlicher Vortragsabende veranstalten. Als erste Vortragende spricht am 10. dss. Mts. Frau Regina Reißer. Posen. Der im Sevtember 1905 gegründete Indische Diskutierklub stellte sich die Aufgabe, aufgebaut auf Selbsthilfe, ein Sammelpunkt junger Leute zu sein, die in gemeinsamer Arbeit sich die Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins zum Ziele sehen. Hier sollte all denen, die überhaupt noch etwas ftir ihr Judentum fühlen, Gelegenheit geboten

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