Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692511-2692513--02952-2697600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 2 Aus ihm ergibt sich, daß der Verband jetzt 50 Ortsgruppen mit 2894 Mitgliedern besitzt D i e Gründung der Z e n t r a l e f ü r S t e l l e n - Vermittlung in Frankfurt a. M., die außerordentlich glücklich arbeitet und eine sehr große Entlastung sür die einzelnen Vereine bedeutet, war eine der ersten Taten des Verbandes. Ferner ist die Schöpfung der B rocke n s n m m - lung Pcah inBerlin zu neuen, durch welches Institut cs gelingt, ungelernte, beschäftigungslose jüdische Leute zu beschäftigen. Die Anerkennung, die der Verband als einzige maßgebende Instanz für Vertretung der Sabbatinteressen selbst bei dem Verband der Deutschen Inden in der Frage der Sonntagsgesetzgebnng genießt, zeigt, wie großen Einfluß er sich schon in kurzer Zeit verschafft hat. Der geschäftsführende Ausschuß befaßte sich mit der Zusammenstellnug des Materials für die Sonntagsgesetzgebung, Aufklärung über die Rechte des Publikums gegenüber Schul- und Gerichtsbehörden bezüglich Dispensier n n g a in Sabbat, ferner mit der Vermittlung von Geschäfts v c r kä u fe n, um diese Geschäfte der Sabbatheilignng zu erhalten. Die Einnahmen ergeben jährlich etwa Mk. 5000, die vorwiegend für die Verbandszeitschrift „Der Sabbat" und sonstige Propagandazwecke verwendet wurden. In der anschließenden Debatte konstatiert .Herr I a c o b R o s e n h e i m, daß die Ortsgruppen selbsttätig arbeiten und sich schon selbst Institutionen geschaffen haben, die den Intentionen des Verbandes entsprechen. Es sollen O r i e u t i e r - u n g s r e g l e m e n t s geschaffen werden, die diese Jnnenarbeitcn erleichtern. Die E n t s c n d u n g von Wandcrrcdn ern, die einen Programm Punkt des Verbandes bildet, scheiterte seither an dem Mangel geeigneter Persönlichkeiten. Es wird beschlossen, ein genaues Verzeichnis der am Sabbat geschlossenen Geschäste zusammenznstcllcn, an Hand dessen die durch das bevorstehende Gesetz über d i c R c u r e g e l n n g d e r S o n n t a g ö - ruhe bevorstehende V c r s ch ä r f n n g d e r Sonntagsruhe bei den in Betracht kommenden Regierungsstellen durch den geschästsfnhrendeu Ausschuß bekämpft werden soll. Der Antrag auf Errichtung eine s K r e d i t i n st i t u t e S wurde an eine Kommission von Baukfachleuten überwiesen. Am zweiten Tage wurde zuvörderst über sie Herausgabe eines A d r c ß b u ch c s d e r Gewerbetreibenden und Handwerker, die den Sabbat heiligen/verhandelt. Man beschloß, nur ein entsprechendes Verzeichnis anzulegen und den Ortsgruppen Abzüge zu behändigen. Ferner sollen auf weitere Anträge Formulare angelegt werden, welche den Eltern die Befreiung von dem Schulbesuche oder schriftlichen Tätigkeiten ihrer Kinder am Sabbat in der Schule zu erleichtern imstande sind. Zur Verbreitung der Sabbatvorschriften ist die .Herausgabe einer volkstümlichen Darstellung aller in Betracht kommenden Gebote geplant. Zur Belebung der Ortsgruppen wird auf ihre Mittätigkeit bei der Vermittlung von Lehrlings- und Handivcrkerstellen gerechnet. lieber die Schaffung eines F ü h - r e r s für d i c B c r u f s w a h l und c t w a i g c b e n ö t i g t c S t a t n t e n ä n d c r u n g e n soll eine fünfgliedrige Kommission Vorschläge machen. Die Wahlen zum G e s ch ä f t s f ü h r e n d e n A u s - schuß ergeben eine Wiedcrlvahl der seitherigen Glieder, doch tritt an Stelle des ansscheidenden Herrn Karger Herr M a x N c u b e r g e r ein. Nach sechsstündiger angestrengter Arbeit schließt der Vorsitzende den I. Verbandstng mit hoffnungsfrohein Ansblick auf die Erhaltung und immer mehr Wurzel fassende mannhafte Heiligung des Sabbat. Die Woche. Und wiederum Texas! — In den „Wochen"- Betrachtungen der vorigen Nummer unseres Blattes gaben wir unser Empfiudcn, als wir die Kunde von Texas vernahmen, wieder; jetzt wollen wir auf die praktische Seite dieses „Jto"-PlaneS näher eingehen. Daß die Emigration der flüchtenden Inden ans Frankfurter Israelitisches Familienblatt. den Ländern der christlichen Liebe eine brennende Frage geworden ist, wer ivollte dies bestreiten. Tie Lösung dieser Problems leidet keinen Aufschub, die Tore der bisherigen Zustnchtsstätte: Nordamerika schließen sich, das Ncwvorker Ghetto iß übeeiüllr — man bedenke: -100 000 P erso n e n a ns ei n e r Q u a d r a t in e i l e! —: mich sind die Schrecken und die furchtbaren Qualen der nnglncklichen Emigranten aus ihrem Wanderznge zur Genüge bekannt. Es »rußte anders werde», eine Einigem ions organisätion mußte ins Leben gerufen iverden — und das scheint zu koninien oder es ist schon bereits da. Die Jtv hat sich, nne cs scheint und ivie es von der letzten Rede Zangwills auf einem Meeting im Londoner Pavillon-Theater, gehalten am 30. Tezeniber, hcroorgcht, in eine E m i g r a c i v n s - v r g a n i s a t i o n v e r w a n d e l t, sie gedenkt, die Emigration der Juden in die Hand zu nehmen und zu regeln. Sie hat bereits ei» Answandernngs- Regulierungs-Tepartement errichtet und einflußreiche Männer wie Baron FamcS de Rothschild-Paris, D.Avigdor Gvldjinid, Earl Stettaner - London, De. Paul Nathan, James Simon-Berlin, Baron Günzburg und Prof. Maiidelstamm n. a. find in diesem Komitee vereinigt. Als A n s a n g s f o n d s für dieses schwierige Unternehmen ist bereits eine ansehnliche Tninnie von 120 000 Pfund vorhanden. Der Plan der Jto geht dahin, den Strom der Answandernng nach dem noch teiliveise nnbesevten Westen und Süden Amerikas zu lenken, und zivar in erster Linie nach den Städten Texas. Sie beabsichtigt, direkte Schisse sür die Auswanderer von Bremen »ach Galvesivn in 'Aktion zu senen, in Galvestvn wird eine beständige Kommission, ein Jnsvrniativusbnrean, den Einwanderern b e r a t e n d als Orts- »nd Landeskundige zur Seite stellen. Mi! GAd kann nieinauden geholfen Iverden, nicht einmal Reisekosten kann den Auswanderern geboten werden, Nur Ganz- und Halb Bemittelte können sich in das Jto land begeben, in erster Reihe Leute wie Zinnnerleute, Tiscblee, Fleischer, Spengler, Schmiede alter 'Art, Maler, Maurer, Pavicrarbeitcr, Maschinisten u. d. g. m. Die. Jto hat ihr 'Augenmerk ans Texas gerichtet, lve.il das Land dünn bevölkert ist und ihm eine gute Zuknnst ans dein Gebiete der Industrie bevorstebe. Die Luft von Texas iß ziemlich gesund, Epidemien tvminen in diesem Lande selten vor. Galveston als Hafenstadt gilt als Jndnsteiezeniee säe Texas, Oel, Wolle, Holz (und noch a.' sind die Hauptartikel der Jiidustrie Galvestons. Wir wollen hier des weiteren ans dieses Land nicht eingehen, und somit wollen '.vir von den Schattenseiten abseheu.' Im großen Ganzen scheint das Land für Emigration geeignet, und kann mau nur die Jtv beglückwünschen zu ihrem llnteriiehmen. lind noch mehr. Wir ivisscn der Jtv Dank nicht nur sür das neue Unternehmen an und für sich, sondern auch dafür, daß sic endlich ihr eigentliches Progeainin: Einen Jndenstaat zu errichten, anfgab. Zivar spricht Zangwill immer noch von 'einem Jndenstaat, und in seiner oben erwähnten Rede sprach er von einem „Wohin?" der G e g e n w a r t und einem „Wohin?" der Zn tun ft und erzählte auch von einer „geographischen Kommission", die ans der Suche von Ländern ist: allein all dies sind »nr bloße R eben s arten, um die plöplich von den Jtowolken hcrunterstürzendcn Jivaner unter den 'Arm zu greisen und ihnen Stärkung zu reichen, damit sie den Atem nicht ganz verlieren. Und so ist es recht! Tie Situativ» ist jetzt getlärt: die Lös» v g der I n d e n f r a ge b l e i b t a n s schließlich der z i o n i st i s ch e n O r g a - n i s a t i o ii, d i e L ö s u n g der E in i g r a t i o n s - f r a g e a u s s ch l i c ß l ichderIto ü verlas s e n. Also: wohl gibt cs ein doppeltes „Wohin?" Ein „Wohin" der Gegenwart und ein „Wohin?" der Zukunft, allein letzteres bleibt fortan nur Älufgabe des Zionismus. Diese Scheidung der Aufgaben haben wir von Beginn des Auftretens der Jtv anempsohten, und indeiil sich nunmehr die Tinge nach unserem Vorschläge gestaltet haben, liegt kein Grund des Zwistes sür Die beiden Organisationen mehr vor; jede kann die andere in ihrem Bestreben unterstützen und somit können alle beide rascher zum gesteckten Ziele gelangen. Seite 3. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Die Leitsätze des Verbandes d e. r T e u t s ch e n I n d e n f ü r A n s f ü h r u n g d e s p r e n ß i s ch e n V o k k s s ch u l g e f e tz e s v o n 1006 lauten: I. 'A ii s t ö s u n g eine e b i s h e r b e st e h e n - d e n ö s s e n t t t ch e n i ii d i s ch e n T ch u l e. 1. Für den Fakt, das, eine bisherige öffentliche jüdische Schule nnfge.'ösc iverden soll, so ist in erster Reihe zu erstreben, daß die bisherige jüdische Schule mit einer chriftlicben Scbnle zu einer „kraft b e -- s onderc r V e r s a s s n n g" jüdiscki-christlickieu Schule vereinig! wird. Hierbei ist Gewicht zu legen aus zweiseklos klare Feststellung dieser Eigenschaft und Festlegung der Zahl dauernd als ordentliche Lehrer änznstellender Juden. Tie Umivandtuug in eine „jüdisch-christliche" Schute wird in der Reges nur erreichbar sein, wenn noch eine erheblichere Zahl von Kindern die jüdische Schute besucht. Den jüdischen Gemeinden, welche eine derartige Geftaltniig austreben, wird daher anznraten sein, mit dem hieraus gerichteten Antrag inögtichst frühzeitig hecvvrzntreten. Ob eine jüdische Gemeinde freiwillig eine bestehende ösfeuttiche südische Schule zu Gnilsteu der Gründung einer „traft besonderer Verfassung jüdisch-christlichen" Schule anfgeben will, muß dem Entschluß der einzelnen Gemeinde Vorbehalten bleiben. 2. Ist eine „jüdisch-christtiche" Schule nicht erreichbar, und beilägt die Iaht der einheimischen jüdischen Schulkinder mindestens 12, so ist ein 'Abkommen mit der bürgerlichen Gemeinde zu erstreben, inhalrs dessen diese sich verpflichtet, mindestens währcnd der Zeit, während deren im Durchschnitt der lebten drei Schuljahre diese Zahl erreicht bleibt, und ferner selbst »ach .Herabsinken der Zahl bis zur Erledigung der belresfeuden Lehrerstelle, sowie künftig bei 'Wiedercereichuug der Zahl nach vorübergehendem Herabsiuteu bei der nächste!! Erledigung einer Lehrerstelle, einen Juden als ordentlichen Lehrer anzustellen, der in entsprechender Anwendung des K 37 des Schuluiiterhaltttiigsgeseves den jüdischen Religioilsunteriicht zu erteilen hat und auch mit der Erteilung andcriveiteii Unterrichts zu betraue» ist. 3. Ist auch dies nicht erreichbar, trotzdem die Zahl der einheimischen jüdischen Schulkinder dauernd mindestens 12 beträgt, so ivird die jüdische Gemeinde nach eigenem Ermessen zu mähten haben: n. ob sie eine privare jüdische Schule statt der bisherigen öfientlichen errichten und die bürgerliche Gemeinde um Gewährung eines Zuschusses aus Bitligteitsgrüiide» eesucheii, oder ob sie aus eine jüdische Lchnte ganz verzichten, eine Lehrkraft zur Erteilung dcS jüdischen Religionsunterrichts im 'Anschluß an den Unterricht iu der christlichen Volksschule bestellen und für den so erteilten Religionsnnterricht den Zuschuß gemäß K 10 'Abs. 2 Satz 2 des Vollsschnlgesenes von 1006 fordern will. I. Betrugt die Zahl der einheimischen jüdischen Volksschnlliuder dauernd weniger als 12, so wird die jüdische Geiueinde in gleicher Weise wie zu 3 wählen müssen: nur hat sie bann keinen 'Anspruch ans einen Zuschuß der bürgerlichen Gemeinde zu dem indische» Religionsunterricht, sondern kann auch im Falle 1' mir aus B iIligkeit s g r iui den einen Zuschuß erbitten. Ii.' Z a h frei ch e jüdi s ch e K i n d e r in V vtks ch u l e n , au d e n e n n a ch d e m Volk S - s ch u l,i e s e v v o u 1 0 0 6 n u r ch r i st l i ch e L e h - rer a » g c st e t l t w erden d ü r s e n. 5. Wo bisher zahlreiche jüdische Kinder in solchen künsrig christlichen Schulen eiugeschnlt sind, ist in erster Reihe Die Einrichtung von „traft besonderer Bersassuug jüdisch-airisrUchen Schulen" loben zu 1) zu erstrebe». 'Aach Möglichkeit ist auch ans die Behörden der bürgerlichen Gemeinden dahin einznwirken, daß sie dahingehende 'Anträge stellen. 6. Wo dies nicht erreichbar ist, wird cs von örtlichen Vcehälrnissen abhängen und daher dem Ermesscu! der einzelnen jüdischen Gemeinde zu überlassen sein, :c. ob sie den bisherigen Zustand beibehatten und lediglich ein 'Abkommen gemäß 2 erstreben, evtl, das Verlangen nach 3 l» stellen, k oder ob sie die Einrichtung einer eigenen öffentticheu jüdischen Schule beantragen will. __ III. B i h e r b e st e h c n d e private j ü d. schule n. 7. Ob jüdische Gemeinden, in denen jüdische Privatschuten bestehen, diese beibehalten j'also die Erhaltung der Selbständigkeit durch doppelte Steuerzahlung erkaufen) oder freiwillig anftösen wollen, wird von örtlichen Verhältnissen abhängen, muß daher der einzelnen Gemeinde überlassen bleiben. 8. Diejenigen jüd. Gemeinden, welche die Beibehaltung vorzielien werden mit der bürgerlichen Gemeinde darüber in Verhandlung treten können, welchen Zuschuß diese Gemeine.- freiivillig zur jüd. Privatschule zahlen will betmis Abivendung der durch 'Auflösung der jüdischen Prioatschnle und Einschulung der Kinder in die öffentliche Volksschule cintretenden Vergrößerung der Schullastcn der bürgerlichen Gemeinde. 0. Diejenigen jüdischen Genieinden, welche die Auflösung vorziehen, werden, wenn die Kinderzahl