Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Heile 2. Frankfurter Israelitisches FaurikienLlati. Nr. 2 Interesse erwecken konnte. — Anschließend hieraiM setzlich rein christliche Schulen besuchen. Auch in diese ganz klaren Sache, wo die Errichtung einer öffentlichen jüdischen Schule selbstverständlich ist, zaubert der V. d. D. I. das Phantom der jüdischchristlichen Schule an die Wand. Nur ist es fraglich, ob der?lutor der Leitsätze auch nur im entferntesten geglaubt hat, daß in diesem Falle die Errichtung einer jüdisch-christlichen Schule von der Schulbehörde zugelasscn wird. Warum werden statt dessen die Gemeinden nicht darüber aufgeklärt: 11 nter welch en Bedingungen können wir eine öffentliche Schule errichten, welche Beiträge haben Staat und Kommune dazu zu leisten? Wir wiederholen: Warum nicht? Wahrscheinlich wegen d:s dritten Teils der Leitsätze. Denn da erfährt der unschuldige Leser, daß man solche Schulen durch doppelte Steuerleistnng erkaufen oder — freiwillig auflösen kann, und daß es ratsam ist, durch Verhandlungen mit der politischen Gemeinde einen Zuschuß von dieser zu erhalten, was selbstverständlich ist. So nebenbei hört er allerdings durch einen Zahlenhimveis auch, daß man sie in eine öffentliche Schule verwandeln kann. Aber wie und auf welchem Wege? Nun, was er weise verschweigt, zeigt mir den Meister des — Stils. Wir haben nie zu denen gehört, die die Gründung des V. d. D. I. mit überschwänglichen Hoffnungen begrüßt haben: daß er aber in der Schulsrage so ganz und gar versagen würde, um durch seine Vorschläge dem Assimilantentum Vorschub zu leisten, hätten wir nicht gedacht. Eine Bitte möchten wir an die Gemeinden richten: ja keine vorschnellen Entschlüsse zu fassen. Die Aussührungsbestimmungen zu dem n:uen Gesetze, die sicher wohlwollend für die jüdische Schule ausfallen, sind noch nicht erschienen. Sobald das aber geschehen ist, da mögen die jüdischen Gemeinden in Verhandlungen cintreten, wie sie auf Grund des Gesetzes von 1847 däs Ziel erreichen können, das lauten muß: Erhaltung der öffenrlichen jüdischen Schulen, Gründung neuer, wo immer sich eine Möglichkeit bietet. Vereinigung traditionell gefetzestreuer Rabbiner Deutschlands. Generalversammlung. Eine stattliche, imposante Versammlung, die als Gäste der Adaß Jisroel sich im Beratungszimmer genannter Gemeinde am 31. o. Mts zusammenfand: bedeutungsvoll aber vor allem nach ihren Erfolgen und Ergebnissen. Wir sagen nicht zu viel, wenn wir diese Generalversammlung als einepochemachendes Ereignis, als einen Markstein in der inneren Entwicklung des gesetzestreuen Judentums inDeutschland im speziellen, aber auch der gesamten deutschen Judenheit überhaupt bezeichnen. Wir sahen die Herren Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg, Auerbach-Berlin, Auerbach- Halberstadt, Prof. Barth, Baßfreund-Trier, Bamberger-Hanau, Prof. Berliner, Berlinger-Braunsbach, Biberfeld-Berlin, Bondi-Mainz, Bleichrode- Berlin, Cohn-Burgpreppach, Cohn-Eschwege, Eohn- Jchenhausen, Cohn-Rawitsch, Ehrentreu-München, Feilchenfeld-Poscn, Frankfurter-Köln, Galliner-Beuthen, Goitein-Burgkundstadt, Gradeuwitz-Tarnonitz, Hirsch Hildesheimer-Berlin, Meyer H. Hildesheimer- Berlin, Rektor Hoffmann, Hosfmann-Randegg, Horowitz-Franlfurt a. M., Kaatz-Zabrze, Kahn-Eßlingen, Kohn-Ansbach, Königsberger-Plcschen, Kraus- Schildberg, Lewy-Neustettin, Lerner-Altona, Liebcrmann-Königsberg, Löb-Emden, Mannes-Schwabach, Mannheimer-Oldenburg, Munk-Berlin, Munk- Marburg, Münz - Behrend, Neuhaus - Lanenburg, Neuwirth-Bingen, Nobel-Hamburg, Nobel-Filchnc, Petuchowsly-Berlin, Pick-Berlin, Rosenthal - Köln, Si becberg-Schrmm. Schw iz r-W:ikersheim, Sien- Memel, Stein - Schweinfurt, Unna-Mannheim, Wachenheimer-Aschaffcnburg, Weinberg-Sulzbuerg, Weingarten-Ems, Winter-Berlin, Wohlgemnth-Berlin, Wolf-Köln, Wreschner-Samter. — Als Gäste: Jakob Roscnhcim-Frankfurt a. M., Vertreter der Fr. Vereinigung, Ttadtrat Wiener. — Einige jüngere Rabbiner, noch ohne feste Stellung. Der Rektor des Rabbinerseminares, erster Vorsitzender der Vereinigung, 2 r. Hoffmann, begrüßte und eröffnete die Generalversammlung Montag, 31. v. Mts., und zwar zunächst zu einer Vorbesprechung, die alsdann kraft ihrer Bedeutung den ganzen ersten Versammlungstag beherrschte. Es galt, eineVereinigung derGesetzestreuen, Rabbiner und Laien, durch ganz Deutschland herbeizuführen. Von allen Rednern wurde die bis jetzt bestehende Disharmonie als schädlich empfunden. Sie war oie Ursache, daß die Orthodoxie den ihr kraft ihrer qualitativen und quantitativen Bedeutung zukommenden Einfluß im öffentlichen jüdischen Leben Deutschlands nicht ausübm konnte. Durch die Spaltung wurden die Kräfte zersplittert, ein geeintes Vorgehen in so zahlreichen grundlegenden, die Allgemeinheit berührenden, Fragen war unmöglich, zum Schaden der orthodoxen Interessen, zum Nutzen der Gegner. Nur durch Zusammenschluß könne es erreicht werden: daß die Orthodoxie aus der unnatürlichen Verteidigungsstellung, die sie, fortwährend in Fraktionen zersplittert, bisher einnehme, zum selbständigen Auftreten, gelegentlich auch zur Offensive, fortschreiten könne. Eine so imponierende.Versammlung könne in Zukunft, wenn sie geschlossen auftrete, nicht mehr so leichterdings übersehen werden. Auch für ein gemeinsames Vorgehen in Fragen allgemeiner Art mit den „Nicht-Gesetzestreuen" sei in Zukunft durch das einige Vorgehen von Fall zu Fall der Weg geebnet. Ein längst gefühltes" Bedürfnis! Durch taktvolle Leitung der Diskussion, welche die etwa bestehenden persönlichen Differenzen mit Geschick zu überbrücken und zu umgehen verstand, gelang es, das gewünschte Ziel zu erreichen. Es wurde beschlossen, in Anlehnung an die bereits bestehende Organisation der„FreienVcreinigung" in Frankfurt a. M. und unter Anerkennung der. von dieser bisher erzielten Lei st un gen und Erfolge eine das ganze deutsche Reich umfassende „Agudaß Jercim" zu begründen.. Einer Kommission sollen die Vorarbeiten hierzu überlassen werden. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes, als erster Punkt der Tages-Ordnung vom 1. Januar, gab ein erschöpfendes Bild von dem Wirken des Vereins seit der letzten Tagung vor zwei Jahren. — Es folgte dann ein glanzvolles halach i s ch e s Expose des Herrn Rabbiner D r. Horovitz-Frankfurt a. M., der mit''einem gründlichen Beliuß und Charifuß einige Grundbegriffe der talmudischen Halacha (Te'aureißo, halochoh le mansche misinaj, tekonaus und geseraus) sezierte und klarstcllte. Reicher Beifall folgte den klaren, lichtvollen und gelehrten lyystnndigen Ausführungen. Es folgte eine Erholungspause. Ein kaltes, reichhaltiges Büffet, von der Gastgeberin Adaß Jisroel zur Verfügung gestellt, bot Erholung für das bereits Geleistete und körperliche Kräftigung für das noch Folgende. Alsbald -nach. Beendigung dieser Pause fand die Abstimmung über die Anträge, die in der gestrigen Vorbesprechung vorberatcn waren, statt. Unter nicht endenwollcndem Beifall ergab sich E i n st i m m i g k e i t in der Annahme der nach sorgfältigen Erwägungen modifizierten und formulierten Vorschläge. Ein wahrhafter Jubel durchbrauste den Saal. Man fühlte: Hier stehen wir an einem Wendepunkt des öffentlichen jüdischen Lebens. Die läng st ersehnte Einheit ist da. Alsdann kam die Wissenschaft zum Recht. Herr Dr. Wreschner-Samter hielt einen Vortrag über: „Die geschichtliche Entwicklung der Verfassungsverhältnis jeder jüdischen Gemeinden Preußens". Allgemeine Anerkennung zollte mau seiner gründlichen Studie, die leider bei den nichtpreußischen Kollegen naturgemäß nicht das zu wünschende referierte 2 r. Munk-Berlin über die O r g a -Dz nisationsbestrebungen innerhalb derff', preußischen Judenheit. . § Doch schon vor Dr. Wreschners Vortrags hatten die Verhandlungen eine Unterbrechung? wissenschaftlicher Art auf anderem Gebiete ge-z finden, belehrend und geistig erfrischend gleich-j zeitig. Herr Prof. Dr. Barth-Berlin sprach? über die neuestenFundesemitischerEpi-' g r a p h i c. Bor etwa einem Jahre wurde bei 7 Assuan , Südegypten) eine größere Anzahl tadellos erhaltener Papyri gesunden, teils Kaufverträge,-., teils Heiratskontrakte, sämtlich aus der Zeit kurz vor Esra, mit genauer Angabe von Jahr- und: Monatsdaien, fast durchweg im aramäischen Dialekt, - doch auf Juden bezüglich. Das beweisen die Eigen-? namen. z Tie Verträge sind ihrer ganzen Abfassung' nach analog den im Buche Esra vorkommenden,' die man von manchen Seiten bisher als apokryph: ausgab. Ein vom Referenten wörtlich vorgel escner. Ehekontrakt weist ftappante Aehnlichkeit mit der 7 noch heute gebrauchten Kesuboh-Formel, manche: Ausdrücke stimmen buchstäblich mit dieser überein. Manche noch ungeklärte Stellen der Pavyri wurden durch den auf semitischem Sprachgebiet? als Autorität rühmlichst anerkannten Referenten geklärt. Reicher Beifall lohnte ihn. Die Herren Tr. Bondi-Mainz und D r. Blcichrode-Berlin inserierten alsdann über die vorhandenen Schulbücher und ihre Brauch-- barkeit für den Religionsunterricht. — Alsdann' berichtete Herr 2 t. Hirsch Hildesheimer über den Stand der Schechitohfrage nnd ern-. tete durch seine vertraulichen Mitteilungen das nngeteiltc Lob der Anwesenden. Die Versammlung bereij tete dem rührigen xund uneigennützigen Vorkämpfer auf diesem Gebiete eine Ovation. Es folgten einige geschäftliche Fragen. Tie Generalversammlungen sollen alle 2 Jahre und zwar in Berlin stattfinden. Eine Einladung vom^ Verband deutscher Juden wurde zur Kenntnis? genommen. 12 Stunden hintereinander, mit ganz? unwesentlicher Unterbrechung, hakte man gctagrD und emsig gearbeitet. M Kein Wunder, daß die noch aussteheudenM Punkte der Tagesordnung die ihrer Wichtigkeit zu-' kommende Aufmerksamkeit nicht mehr zu findenvermochten, was insbesondere zu allgemeinem Be-f dauern von der Frage des Zionismus galt. Sie; wurden deshalb von der Tages-Ordnung abgesetzt. 7' Mit einem Dank an die Versammlungsleiter ' und die Gastgeberin Adaß Jisroel endeten die 7 ergebnisreichen und denkwürdigen Verhandlungen. : Rühmlichst sei erwähnt, daß der Ehrenvorsißcnde, Oberrabbiner Tr Feilch enfeld-Posen, vis zum Ende der Sitzung ratend und tatend bei- - wohnte. : Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Auf '. Wiedersehen in 2 Jahren unter dem Zeichen ge- 7 schlossener Einigkeit aller Jereim! Verband der Sabbatfreunde. I. Telegiertentag. Am 1. und 2. Januar fand in Berlin der % I. Telegiertentag des Verbandes der Sabbatfrennde |. statt. Es waren Delegierte erschienen aus den sol- | gcnden Orten: Mainz, Halberstadt, Braunsbach, § Marburg, Köln, Breslau, Hanau, Schlüchtern,? Langenselbold, Fulda, Jchenhausen, Nürnberg, J Mannheim, Alsfeld, Posen, Darmstadt, Geln- Jg Hausen, Wächtersbach, Frankfurt a. M., Schwabach, Z Fürth, Freudenthal, Niederstetten, Reringen, tzai-H gersloch, Mergentheim, Baisingen, Wreschen, % Schweinfurt, Stuttgart, Berlin, Altenloihcim, §. Gießen. H Tie Tagung, welche an beiden Tagen über 5M Stunden in Ansvruch nahm, erbrachte eine Menget von wichtigen Gesichtspunften, die für die Weiter-U arbeir des Verbandes maßgebend sein müssen.W Nach warmen Begrüßungs-Worten des Vorsitzcn-W den, Herrn Tr. Ed. Biberfeld, und BildnngH des Bureaus wird der Geschäftsbericht verlesen.^